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JM 13.

Mittwoch, den 16. Januar.

1889

Klldiler

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W Deutschland im Jahre 1888.*)

VI. (Schluß.)

Aus dieser Eigenart des Nationalliberalismur mag e» sich auch erklären, daß anläßlich der Wahlen zum Landtag das nationalliberal' konservative Kartell völlig in die Brüche zu gehen drohte. Der schlimmste Familienstreit loderte in Hellen Flammen auf, bis die von Bismarck be­einflußte Presie Halt gebot und die einander in förmlicher Feindschaft gegenüberstehenden zur Noth wieder vereinte. Das Ergebniß war denn auch wieder eine Kartell-Mehrheit. Die Deutsch-Frei- finnigen verloren sogar einige Sitze an das Kartell, während das Centrum in der alten Stärke un­geschwächt aus dem Wahlkampfs hervorging. Die­selben Parteien, die vor nahezu 2 Jahren den Papst als Schutzpatron ihrer Kandidaturen an­riefen, erhoben nunmehr vielen Lärm, weil der Erzhischof von Köln in einem eigenen Erlaß zur Wahl christlicher Männer aufforderte, die, wie das Wohl des Staates, so auch da« Wohl der Kirche im Auge haben. Niemand wird mit Grund bestreiten können, daß ein katholischer Bischof nicht bloß das Recht zu solchem Auftreten hat, sondern auch Anlaß in Hülle und Fülle. Und gerade die Parteien sollten mindestens mit einer gewtffen Zurückhaltung es beurtheilen, die mit einem wahren Jubrl es aufnehmen, wenn der Kaiser und König in das Getriebe der Parteien hinein­gezogen wird — wenigsten» soweit und so lange es zu ibem wirklichen oder vermeintlichen Vor- theil geschieht. Und mehr als gut sein kann, ist König Wilhelm II. in den Streit der Parteien hineingezogen worden. Er wurde bereits erwähnt, wie er über die Kartell-Wahlen in Breslau fich ausgesprochen hat. Ein weiterer Beleg ist der Empfang, der einer Deputation der Stadtver­waltung von Berlin zu Thell geworden ist. Ge­radezu peinlich war die Erhebung einer Klage gegen ein freisinniges Berliner Blatt wegen Ab­drucks einzeln r Stellen au» dem Tagebuche de» Kaisers Friedrich, die denn auch wieder fallen gelaffen wurde. Auch der Prozeß gegen Geffcken gehört in die Reihe dieser Thatsachen, der einen für den Fürsten Bismarck sehr ungünstigen Au»- gang nahm, da das Reichsgericht die Verfolgung

*) Nachdruck nicht gestattet.

des genannten Herrn ablehnte, nachdem er 99 Tage lang in Untersuchungshaft gefeffsn hatte und trotz de» Anerbieten» einer sehr hohen Kaution nicht freigelaffen wurde. Das Bedauernswertheste dabei ist der Umstand, daß die letzteren Maß­nahmen so aufgefaßt werden konnten und auch auf­gefaßt wurden, als ob sie ihre Spitze gegen das Andenken und die Politik Friedrich'» III. kehren sollten. In kirchenpolitischer Beziehung ist au» Preußen während de» Jahres 1888 weniger zu berichten gewesen. Die in Fulda versammelten Bischöfe richteten eine Adreffe an König WUHelm IL, deren Beantwortung insofern besonders beachtet wurde, als aus derselben herausgelesen werden konnte, daß die kirchenpolitische Gesetzgebung al» abgeschlossen anzusehen sei.

Ein Antrag, den Abg. Windthorst Namen» de» Centrums bezüglich de» Religionsunterrichtes in der Schule stellte, hat da« ganze Jahr hindurch die lebhaftesten Erörterungen hervorgerufen und zu den abenteuerlichsten Entstellungen Anlaß ge­boten. Obwohl er nichts anderes im Auge hatte, als die freie Bewegung der Kirche in Ertheilung und Leitung de» Religions­unterrichtes, ist doch sehr viel geschrieben und gesprochen worden über die unerträgliche Herrsch­sucht de« Ultramontanirmu«, der die Leitung des ganzen Schulwesens an sich reißen wolle.

Während für Bayern da« Jahr 1888 ein verhältnißmäßig ruhige« war, gerieth Württem­berg in der letzten Hälfte desselben in bedenkliche Aufregung.' Seit Jahr und Tag sprach man von ausfallenden Liebhabereien de« Königs, der im milden Klima Italiens Genesung von schwerer Erkrankung suchte. Endlich wurden unliebsame Verhältniffe in einer Weise öffentlich besprochen, datz es einen Augenblick schien, al» sei Thronent­sagung unvermeidlich. Fremdländische Persönlich­keiten hatten fich in da« Vertrauen de« kranken Königs eingeschlichen und nutzte dasselbe in einer Weise aus, die da» sonst so ruhige und loyale Volk in die größte Aufregung und da» Ministerium in’« Wanken brachte. Die Sache wurde dadurch beigelegt, daß die Persönlichkeiten, die der Stein des Anstoßes waren, fich aus der Umgebung des Königs zurückzogen.

Für Baden war das Jahr ein ungemein er­regtes. Bet den innigen Beziehungen zwischen den

M« M Zltzl.

Roman von Gabriele d'Xrvor.

(66. Fortsetzung.)

Kaum waren die Flüchtigen geborgen, al« man auch bereit« die Engländer ankommen hörte.

„Da sind die Hütten, in denen das Gesindel wohnt, und hier ist ihr Schlupfwinkel", erklärte William. „Die Burschen haben sich tüchtig ver­wahrt."

Der Kommandant befahl, den Eingang frei zu machen. Das war keine Reichte Arbeit. Man mußte H-bel suchen, und e» verging wohl eine Halde Stunde, bi» man die Felrblöcke bei Seite gewälzt hatte.

„Der Besuch da drin wird gefährlich sein", meinte einer der Offiziere; ,,e» können nicht mehr al» zwei Mann gleichzeitig eindringen, und die Briganten werden sich nicht ohne Kampf beikom­men laffen."

„Trotz alledem müflen wir aber wissen, wie e» da druuteu aussieht, um da« Wettere beschließen zu können. Zündet die Fackeln an, und zehn Mann steigen hinunter."

Wider Erwarten fanden die Soldaten keinen Widerstand; langsam schritten sie vorwärt«, aber bald wurde e« ihnen unheimlich, sie wußten nicht

mehr, ob fich recht» oder link« wenden, und muß­ten jeden Augenblick einen Angriff erwarten, den ste nicht abzuschlagen im Stande waren. Sie kehrten also zurück und berichteten, wa« fie gesehen.

„Diese Höhle ist ficher ein wahre» Labyrinth," meinte der Offizier, der die zehn Mann geführt; „ohne einen zuverlässigen Führer dürste eine gründ­liche Untersuchung unmöglich sein."

Der Kommandant überlegte, wa« da zu thun sei. WMam Pody hatte einen Gedanken, der seiner würdig war.

„Herr Kommmandant," sagte er. „Sie dürfen nicht daran denken, die Leute lebend zu fangen."

„Wenn wir aber ohne Gefangene heimkehren, o wird man glauben, wir hätten uns hier umher- jetrieben und nicht« gethan. Mylord will wenig- ien» den Mörder seine» Vater», den berüchtigten Gaspard, haben."

„Den wird er niemals lebend bekommen. Der Mensch stirbt lieber im Kampfe, al» am Galgen."

„Gut, so belagern wir die Höhle!"

„Da können wir lange auf Wache liegen, die Banditen haben stet« Vorrath an Lebensmitteln da drinnen. Die Höhle dient gewöhnlich al« Keller und Vorrath«kammer," meinte William.

„So, verfl . . . Geschichte! Wissen Sie da« ficher?" fragte der Kommandant, dem die Au«-

Häusern Hohenzollern und Zähringen mußten die schweren Schicksalsschläge, welche da» kaiserliche Hau» trafen, Volk und Fürstenhaus Badens in erhöhtem Maße in Mitleidenschaft ziehen. Dazu kam noch, daß der zweite Sohn de« Großherzog», Prinz Wilhelm nach ganz kurzer Krankheit starb, während die Eltern den hoffnungslos erkrankten Bruder und Schwager und den eigenen Sohn und Erben des Thrones in Italien besuchten, der dort Erholung von den Nachwirkungen schwerer Erkrankungen suchte. Nach den Versicherungen der dem Hof nahestehenden Presse hat Erbgroßherzog Friedrich seine volle Genesung wieder erlangt, aber seine mehrjährige Ehe ist nicht mit Kindern gesegnet. Sollte fie auch in Zrckunft nicht mit Kindern gesegnet werden, so würde die Zukunft des Zähringer Hauses auf den zwei Augen des Prinzen Max beruhen, des einzigen Sohnes des Prinzen Wilhelm.

Im Gegensätze zum ganzen übrigen Deutschland wird da» Großherzogthum Baden in seinem öffent­lichen Leben vom Nationalliberalismur beherrscht, der fich gerade in Baden am gewaltthätigsten und feindseligsten gegen die Kirche zeigt. Das trat klar zu Tage in der Behandlung der neuesten kirchenpolitischen Gesetzesnooelle durch die Mehr­heit der nationalliberalen Kammerfraktion. In­dessen kann man fich darob nur freuen. Die rück­sichtslose und über alles Maß gehässige Behand­lung der heiligsten Interessen der Kirche rief unter den Katholiken eine tiefgehende Bewegung hervor, die all' die Zwistigkeiten vergessen machte, welche in den letzten zwei Jahren das katholische Volk zum Schaden seiner Interessen in zwei Lager ge­spalten hatten. Mit den besten Aussichten auf Erfolg wurde die Neuorganisation der Partei in Angriff genommen, und es scheint die Hoffnung wohl berechtigt, daß sie glücklich durchgeführt wer­den wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Januar.

• DieCentrumsfraktion des Abgeordneten­häuser hat sich Montag Abrnd konstiiuirt und ihren alten Vorstand au» der vorigen Seisiou bis auf Hüffner und Kaufmann, welche nicht mehr in da» Hau» eingetreten find, wiedergerrählt. An

ficht auf eine lange Belagerung offenbar w«jtz behagte.

„Gewiß; die Banditen wissen, daß ihre Sicher- hett stet» bedroht ist, und halten die Höhle deß« halb stet» in Bereitschaft."

„Gibt es denn keinen anderen Zugang?"

„Keinen; ich habe die entgegengesetzte Seite ab­gesucht, aber keine Oeffnung entdeckt."

„So müssen wir also auf den Augenblick warten, wo nach dem Sprichworte der Hunger den Wolf au« dem Walde treibt."

„Da» Einfachste wäre, Feuer in der Höhle an­zulegen," schlug William vor.

„Nein, ich will Gefangene machen."

„So räuchert fie meinethalben au«, wie die Füchse," entschied der Befehlshaber.

Dieser unmenschliche Befehl, der nicht nur die Banditen, sondern auch die Frauen unb Kinder vernichten sollte, wurde von der Soldate«ka mit Jubel begrüßt. Alsbald trug man Holz, Gesträuch, Stroh und sonstige- Brennmaterial zusammen, da» man in den Hütten am See sand. Eine Anzahl Soldaten drang in die Höhle und verstopfte alle Ocffaungen damit; nachdem sie noch eine Menge Brennmaterial darin aufgehäuft, steckten fie Alle« in Brand und suchten da« Wette, um nicht zu ersticken. Rauch und Flammen züngelten an dem