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Montag, den 14. Januar.

1889

I Ieituiz.

Julbiitr

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Deutsches Reich.

Berlin, 13. Januar.

* Einen größeren Akt von Gnadenbeweisen soll nach dem ,Hamb. Korr.' der Kaiser zu seinem Geburtstag, den 27. d. M., beabsichtigen, da er sich bei der Thronbesteigung einen solchen versagt habe.

* Der Gesammt - Vorstand des Reichstag» ist heute Mittag zusammengetreten und hat be- schlosien, den Geburtstag des Kaisers durch ein gemeinsames Essen aller Mitglieder des Reichstags zu begehen.

* Der Geburtstag des Abg. Windthoist (17. Januar) wird von der Centrums-Fraktion des Reichstages und des Abgeordnetenhauses durch eüt gemeinschaftliches Festmahl im Kaiserhof ge­feiert werden.

* Ein in den.Historisch-politischen Blättern' ver­öffentlichter Aufsatz Dr. P.Majunke'S über „Fürst Bismarck und der Kulturkampf" schließt mit folgenden Sätzen: „Im Herrenhause endlich folgt der feierliche Schlußakt, in welchem Fürst Bismarck — wie „liberale" Blätter meinten — „einen feierlichen Abschwur aller seiner früheren langjährigen kulturkämpferischen Jrrthümer gelei­stet" hatte. In der Thal hatte er hier seine ganze frühere kulturkämpferische Politik verurtheilt. Das­selbe that er dann noch einmal im Abgeordneten­hause bet der su-bloo-Berachung des Gesetze«, wo­bei ihm von zahlreichen Mtgliedern der Centrums- Fraktion ein lautes Bravo! zugerufen wurde — etwas, was ihm bei einer kirchen-politischen De­batte wohl zum ersten Male begegnet sein dürfte! „Beeilen Sie sich, daß Sie fettig werden, so lange ich am Ruder bin", hatte er damals zu einem katholischen Herrenhaus - Mitglieds gesagt. Und was hätte auch kommen können, wenn vielleicht v. Bennigsen Reichskanzler und Mnister-Präsident geworden wäre? In der Centtums-Fraktton war auch von jeher die Meinung vertreten, daß nur Fürst Bismarck, und nur er allein, den Kirchen- ftteden machen könne. Rur er konnte trotzen dem „liberalen" und freimaurettschen Widerstande, so­wie der konfessionell. Einsettigkeit einflußreicher ottho- doxer Protestanten, welche namentlich im letzten Stadium Alles aufboten, um das Fttedenswerk zu stören. Jeder andere Minister eines konstitutiv-

3e|e m Zehe.

Roman von Gabriel» d'Xrvor.

(64. Fortsetzung.)

William machte einen Sprung vorwärts. „Wo ist sie, was ist aus ihr geworden?" fragte er außer sich.

Der Ansiedler antwortete:

„Nelly ist heute das Weib Tomy Podgey's, Gott segne und schütze siel"

William stand versteinert. Also darum war er zum Verräther geworden? Ein Wuthgefchrei ent­rang sich seiner Kehle.

„Aller ist aus für mich!" schrie er; nur die Rache bleibt mir noch, aber fie wird schrecklich fein! Tomy, ich verlange Dein Blut, Nelly, Du follst Deinen Berrath büßen!"

„Halt 1" rief der Greis, „beuge das Haupt vor Gott und verfolge nicht Deine verbrecherische Bahn!"

„Auf ihre Züchtigung verzichten, Tomy in Ruhe dar Glück genießen lassen, da» er mir geraubt — niemals, niemals I" Ich will sie verfolgen, ich kenne bett Schlupfwinkel, wo sich die Banditen aufhalten, zu betten er gehört, kommt, Freunde, kommt, hetzen wir fie ohne Gnade, verschonen wir

nellen Staatswesen» hätte seine Entlassung nehmen müssen, nur Fürst Bismark konnte bei der Macht- fülle, die er in seiner persönlichen Stellung besaß, einen solchen Schritt ohne Gefahr unternehmen. Es kam ihm zu gute, daß er freier und unabhän­giger von den „Liberalm", als es bei einem an­dern Minister hätte der Fall fein können, in den „Kulturkampf" hineingegangen war, und weil er dadurch zum Haupt-Urheber des „Kulturkampfes" geworden, konnte er auch fein Haupt-Beendiget: werden."

* Der Reichstag berieth heute den Antrag Baumbach und Gen. auf Einführung von Gewerbe- gettchten mit der Maßgabe, daß die Beisitzer der­selben zu gleichen Theilen von den Arbeitgebern und von den Arbeitern in getrennten Wahlkörpern und in unmittelbarer, gleicher und geheimer Wahl gewählt werden. Die Einführung soll obligatorisch erfolgen. Der Antragsteller wies auf die auf die­sem Gebiete bestehende Rechttzerriflenheit hin, für Berlin fei ein solches Gericht nicht bestätigt wor­den, obgleich dasselbe aus den Grundlagen errich­tet werden sollte, wie das in Frankfurt a. M. be­stehende. Geh. Ober-Reg.-Rath Lohmann empfahl, erst die Wirkung der neuen gesetzlichen Bestimmun­gen abzuwarten, welche die Innungen zur Bildung von Schiedsgerichten ermächtigen. Abg. Dr. Hart­mann (kons.) ist nur für fakultative Zulassung von Schiedsgerichten, erklärt sich aber mit dem gleichen dirMen Wahlrecht für die Schiedsgerichtswahlen einverstanden. Abg. Sttuckmann (nat.-lib.) ist mit feinen Freunden mit den Zielen und Zwecken des Antrags einverstandm. Abg. Hitze (Centr.) befürwortet den Antrag, für welchen fodann Bebel (Soz.) in längerer Rede, in der er auch das Wahlrecht für die Arbeiterinnen fordert, eintritt. Das Zustandekommen des beantragten Gesetze» werde nur durch die Rücksicht aus alle möglichen partikularistischen und andere Interessen verhindert. Staatssekretär v. Bötticher erwidert, daß gerade die Gesetzgebung eine gute sei, welche allen bered)» tigten Interessen möglichst Rechnung trägt. An verschiedenen Orten beständen Gewerbeschiedsgerichte, die man erst möge wirken lassen. Es seien noch die Erfahrungen einiger Jahre erforderlich, Abg. Klemm (kons.) weist auf die Schwiettgkeiten einer obligatorischen Einführung der Schiedsgerichte und der Feststellung der Kompetenzen derselben hin. Nachdem noch Windthorst den Antrag befürwortet,

Niemanden. Der Landlord hat mir den Tod meines Nebenbuhler» versprochen; ich halte ihn beim Wotte. Ah, wie süß soll mir der Tag sein, an dem ich ihn baumeln sehen werde!"

Der Einsiedler begriff, daß er diese Leute nicht von ihrem Vorhaben abbringen könne, so wollte er den Bedrohten wenigsten» ein Warnungrsignal geben. Er entfernte sich einige Schritte und brachte ein Horn, da» an feinem Gürtel hing, an die Lippen.

„Keinen Laut, ober Ihr seid de« Tode«!" schrie »er Offizier. „Wir schonen Euer Alter, aber tretet »er Gerechtigkeit nicht in den Weg, indem Ihr »en Elenden, die wir suchen, die Möglichkeit zur Flucht gebet!

„Wie viele Unschuldige sollen geopfert werden Ür einige Schuldige!" erwiderte der Grei«, ohne »a« Horn abzufetzen.

William Pody Mette bei dem Gedanken, daß eine Beute ihm entgehen könne. Er wußte, wenn e« den Flüchtigen gelang, die Höhle vor ihm zu erreichen, so waren fie geborgen; fie mußten über­rascht werden. Kaum wissend vor Zorn, was er beginnen wollte, richtete er seinen Revolver auf den Alten und rief:

„Unglück über Euch, wenn Ihr uns verrathet!"

wird der Antrag Baumbach angenommen. Diens­tag: Kleinere Vorlagen, Etat.

* Ein heute Abend ausgegebenes Extrablatt des .Reichsanzeigers' bringt folgende Bekanntmach­ung des Ministers des königlichen Haufe«:

Am 11. ds. Mts. hat Hierselbst die Verlobung Sr. König!. Hoheit des Prinzen Joachim Karl Wilhelm Fried­rich Leopold von Preußen mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Feodora Luise Sophie Adelheid Henriette Amalie zu Schleswig-Holstein, Tochter weiland Sr Hoh. des Herzogs Friedrich zu Schleswig-Holstein von der Linie Sonderburg-Augustenburg und Ihrer Hoheit der verwittweten Frau Herzogin Adelheid, mit Bewilligung Sr. Majestät des Kaisers und Königs und unter Zustim­mung Ihrer Hoheiten des Herzogs Ernst Günther und der verwittweten Frau Herzogin Adelheid zu Schleswig- Holstein stattgefunden. Dieses frohe Ereigniß wird auf Allerhöchsten Befehl hiedurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

* Die Budgetkommission hat bie Forde- rung für ben Neubau einer Kavallerie-Kaserne in Darmstabt abgelehnt.

* Die Vorlage betreffenb bie Bekämpfung be« Sklavenhanbels in Ostafrika ist heute an ben Bnnbesrath gelangt. Man nimmt in parlamen­tarischen Kreisen an, daß ber Reichstag bereits in ber Mitte ber nächsten Woche in ber Lage sein wirb, fich mit dem Gegenstände zu beschäftigen. Gestern Abend hat beim Reichskanzler eine Be­sprechung mit ben parlamentarischen Führern über diese Vorlage ftattgefunben.

* Da« Mitglied be« Abegordnetenhauses v. Kleinsorgen (Centrum), Amtsgerichtsrath ■in Meschebe, ist heute Vormittag plötzlich gestorben.

* Darmstabt, 12. Jan. Der Großherzog ernannte ben Fürsten Bruno zu Isenburg-Bübin­gen zum ersten Prästbenten ber Ersten Stänbe- tammer.

Ausland.

• In ben Verhandlungen be« Wehrgesetzes im ungarischen Abgeorbuetenhause ist eine kritische Wenbung eingetreten. Ministerpräsident Tisza er­klärte im Parteiclub, er sehe bie Unmöglichkeit ein, bie Wehrvorlage unverändert durchzuführen. E« müßten neue Verhandlungen eingeleitet werden; falls diese mißlängen, werde er zurücktreten.

• Haag, 13. Jan. Nach dem offiziellenBul- letin hat ber König eine unruhige Nacht gehabt unb während ber letzten 24 Stunden wenig Nah­rung zu fich genommen. Das Allgemeinbefinden ist unverändett.

„Wer gibt Dir da» Recht, von Verrath zu reden. Mein Blut komme über Dich!"

Und all' seine Kraft zusammennehmend, schickte der Grei« einen schrillen, langgezogenen Ton iu bie Lust, ber» von Fels zu Fels wieberhallend, hundertfache« Echo in ben Bergen weckte.

„Verflucht!" brüllte Pody, feine Waffe auf ben Alten entlabenb. Dieser sank, in ben Kopf getroffen, langsam zusammen, wie eine hundertjährige Eiche unter ber Axt be« Holzhauers.

Die Soldaten traten schaudernd zurück beim Anblick be« ehrwürdigen Alten, ber entseelt, ben weißen Bart mit Blut überströmt, am Boden lag. Diese« Menschenleben, das ein volles Jahrhundert überdauert, war vernichtet von sacrllegischer Hand; ber Eble hatte großmüthig ben Rest seines Lebens in bie Schanze geschlagen für bie Rettung ber Unschulbigen, bie ber Grei« wie seine Äinber liebte unb bie ihn mit Verehrung umgeben hatten.

„Ich hatte verboten, ohne meinen Befehl zu schießen," sagte ber Offizier streng; „Pody, wir find nicht hier, um Ihre Rache zu befriedigen; ich will nicht über Mörder befehligen."

William, selbst erschüttett von dem begangenen Verbrechen an seinem eigenen Verwandten, ließ schweigend ben Kopf hängen unb marschitte weiter.