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Reskript« vom 11. Januar 1882, mitgetheilt durch Zirkular vom 11. Mai ej. a., für dar laufende Rechnungsjahr nur Anspruch auf den Bezug von 1500 Mk. und ist in die seinem Dienstalter ent­sprechende Vorschlags-Nachweisung de» nächsten Jahres aufzunehmen. Wegen Bewilligung einer Zulage bis auf 1800 Mk. muß bei dem Herrn Minister Antrag gestellt werden. Der bisher ge­übten Praxis gemäß ist aber die Anregung hierzu lediglich der Initiative des betreffenden Pfarrers zu überlasten." Auf meine mündliche Anfrage beim Landrath, ob ein solcher Antrag beim Mini­ster wohl aus Erfolg rechnen könne, wurde mir die Antwort „das käme darauf an, wie ich mich geschickt habe." Wie einer meiner LeidevSge- «offen in einer rheinischen Zeitung schreibt, werden wir, wenn auch der ganze innere Mensch sich gegen eine solche Behandlungsweise aufbäumt, gerade so Geduld haben müffen, als zu der Zeit, da man uns vor Gericht und in die Gefängnists zog. Unsere Bischöfe und unsere Landtagsabgeordnetm scheinen gegen die von den Verwaltungsbehörden beliebten Maßregeln dieser Art nichts zu vermögen. Da aber mit Geduld allein auch eine Besserung nicht herbeizuführen ist, bleibt nichts anderes übrig, als durch die Presse einmal gründlich da« Ver­fahren gegenüber der katholischen Geistlichkeit, be­sonders fett Bewilligung des Einspruchsrechtes, zu beleuchten. Dazu soll die» ein Beitrag sein." Weiter wird der ,Trierischen Landerzitung' au» dem Kreise Prüm geschrieben: Laut Mittheilung de» König!. Landrathr-Amte» in Prüm vom 3. Januar ist gemäß Erlaß de» Kultusminister» vom 30. Nov. v. I. endlich die ersehnte Aufbesserung de» Diensteinkommen» auch für diejenigen Geist­lichen eingetroffen, welche erst im verflossenen Jahre Pfarrer geworden find. Die Auszahlung der per­sönlichen Staattzulage erfolgt vom Tage der Er­nennung zum Pfarrer. Für da« laufende Rech­nungsjahr 1888/89 ist diese Zulage aber auf da« Minimaleinkommen oon 1500 Mk. berechnet, und zwar deshalb, weil, wie e» lautet, „Euer Hoch­würden erst nach dem 1. April 1888 in ein selbstständiges Pfarramt eingewiesen find und da­her nach den für die Verwendung des Aufbeffer- ungsfonds maßgebenden Bestimmungen für das laufende Rechnungsjahr nur Anspruch auf das Mtnimaleinkommen von 1500 Mark haben. Die weitere Aufbesserung des Einkommens auf da« dem Dienstalter nach festgesetzte Einkommen kann erst vom 1. April dieses Jahres ab erfolgen." In einer dritten Zuschrift aus der Eifel tifeilt endlich ein Geistlicher Folgendes mit: Schreiber dieses ist schon fest Juli 1886 definitiv angestellt, ist im 20. Jahre Priester, seine Kompetenz er­reicht nicht da» Minimal-Gehalt von 1800 Mk.; aber weder das an 1800 Mk. fehlende wurden ihm bisher ausbezahlt, noch auch hat er die Alters­zulage von 200 Mk. erhalten, obgleich die rechts­rheinischen Geistlichen, welche stch in derselben Lage befinden wie Schreiber dieses, schon längst die

hin und her bewegt. Bedauern und Hoffnung theilen fich in das Herz des Menschen; die Zu­kunft erheitert durch ihre Versprechungen und die Phantasie malt Zauberbilder, vor denen die Bitter­keit der Vergangenheit verschwindet. So ähnlich war das Glück der jungen Frau: der Schatten von Schwermuth auf ihren Zügen verlieh ihr einen höheren Grad von Schönheit und Änmulh.

„Tomy", begann Nelly wieder nach einigen Augenblicken, „um Eines noch möchte ich Dich heute bitten."

„Befiehl, Geliebte, ich kann Dir nichts ab- schlagen, dessen Erfüllung in meinen Kräften steht. Leider kann ich Dir nur so wenig bieten I Wenn ich doch reich und angesehen wäre . . ."

„StA, Tomy!" unterbrach die junge Frau lächelnd die Klage ihres Gatten; „ich besitze keinen so großen Ehrgeiz, Deine Liebe genügt mir und ich werde an Deiner Seite bei den bescheidensten Verhältnissen glückltcher sein, als die reichste Lady der Graffchast." «

„Was wünschest Du also, Nelly?"

Die junge Frau hatte die kleine Ketty auf den Arm genommen. Da» Kind hatte ihr seit ihrem Aufenthalte in den Bergen eine lebhafte Anhäng­lichkeit bewiesen und verließ sie kaum auf einen Augenblick, weil es bei Nelly stet» freundliche Be- Handlung und Liebe gefunden, die es von sonst Niemandem gewöhnt war. Das Gesicht der Kleinen

Alterszulage erhalten haben. Woher dieser Unter­schied? Weiß etwa die König!. Regierung in Trier nichts davon? oder liegt es an den Unterbeamten? Es muß Klarheit in der Sache geschafft werden."

* Köln, 9. Jan. Der St. Xaveriusverein zur Verbreitung des Glauben» hat nach dem eben erschienenen allgemeinen Rechnungsabschluß im Jahre 1887 eine Einnahme von 6,462,276 Frks. Der Ueberschuß aus dem Vorjahre betrug 54,329 Franks. Aus Europa wurden 6,135,984 Frks., aus Asten 7873 Frks., aus Afrika 24,715 Frks., au« Amerika 280,121 Frks., aus Oceanien 13,580 Frk». vereinnahmt. Die Ausgaben für 1887 betrugen 6,510,020 Frks. Davon ent­fallen auf die Mtsfionsstellen in Europa (vor­nehmlich in Schottland, England, Schweiz, Nor­wegen, Schweden, Dänemark, Donauländer und Türkei) 874,733 Frks.; auf Asien 2,953,552 Frank», Afrika 1,277,346 Franks, Amerika 607,378 Frks., Oceanien 510,644 Frks. Das Jahrbuch des Vereins, da» in vier deutschen, zwei englischen, drei italienischen und je einer französischen, bretagnischen, spanischen, pottugistschen, baskischen, flämischen und polnischen Ausgaben erscheint, wird in 257,500 Exemplaren über die ganze Erde ver­breitet. Der Mitgliederbeitrag beträgt 4 Pf. pro Woche. Der Beitritt erfolgt durch Meldung bei allen Pfarrgeistlichen.

Ausland.

* In Wien haben heute unter Vorsitz de» Erzherzogs Albrecht Konferenzen behufs Einführung eines neuen Exercierreglements für die Infanterie begonnen.

* Die Boulangisten geben bis zur Pariser Wahl täglich ein Agitationsblatt in 300000 ^emplaren heraus, das gratis vertheilt wird.

* Auf dm Emir von Afghanistan wurde ein Attentat verübt. Ein Sopoy der Infanterie schoß während einer Parade auf ihn, traf aber nicht und wurde sofort niedergehauen.

* JnPennsylvanien richtete ein Wirbel­sturm furchtbare Verheerungen an. Aus Roading werden 50 Todesfälle gemeldet. In Pittsburg wurde ein Neubau umgeweht, wobei ebenfalls mehrere Personen um« Leben kamen.

Aus Stadt, Provinz und Rachbargebiet/

Fulda, 11. Januar.

* Wie günstig unsere beiden letzten Mtttheilun- gen über das hiesige Arbeiterinnen-Hospiz ausgenommen wurden, und wie groß das Interesse ist, welches man diesem überaus nützlichen Institute entgegenbringt, das zeigt neuerding« wieder die erfreuliche Thatsache, daß dem Hospiz im Laufe de« gestrigen Tages aus hiesiger Stadt oon un­genannter, aber wohlbekannter Seite 100 Mark zugewendet worden find. Dem edlen Spender herzlichen Dank.

hatte fich vortheilhaft verändert, Nelly's Sorgfalt hatte ihr Gesundheit und kindlichen Frohsinn ge­geben, wofür die Anhänglichkeü der kleinen Ver­lassenen sie reichlich entschädigte.

„Tomy," antwottete Nelly, auf Ketty zeigend, „wir wollen Ketty bei uns behalten, sie soll das älteste unserer Kinder sein — wenn Gott un« noch andere bescheert, setzte sie errölhend hinzu. „Ich hänge so sehr an dem Kmde und es hat mich so lieb; ich wA nicht, daß e» noch ferner von den Deinigen hart behandelt werde. Ketty'S geben würde bitterer fein, als vorher, wo sie nicht wußte, was gute und liebevolle Behandlung ist. Sag', Kleine, wAst Du mein Töchterchen sein?" wandte sie sich an das Kind.

„O ja, Tante, liebe Tante, laß mich nicht fort, ich will auch immer artig fein I" erwiderte Ketty, ihren kleinen Arm um den Hals der mütterlichen Freundin legend.

Tomy betrachtete in tiefster Seele bewegt fein Weib und feine kleine Schwester. Zärtlich nahm er das Kind in feine Arme und beruhigte es:

„Fürchte nicht«, Ketty," sagte er, „ich will Dich nicht von der Tante trennen; ich weiß zu gut, wie weh es thut, das zu verlassen, was man am meisten liebt."

Die junge Frau bantte ihrem Mann mit herz­lichem Hänoedruck und einem Lächeln, das da« höchste Opfer bezahlt hätte. (Forts, f.)

• In dem neuen Siechenhau« zur hl. Lioba in Maberzell ist bereits die eine der beiden Kranken wohl vorbereitet im Herrn entschlafen. Es war die Jungfrau Maria Röhberg von der wir schon gemeldet, daß ihre beide Beine hatten amputirt werden müssen. Wie sehr das Siechenhaus einem Bedürfniß entspricht, beweisen die vielen Bittge­suche um Ausnahme, die arme Kranke au« der Umgegend Fulda'« seit der kurzen Zeit seiner Gründung an die hiesige Liobakonferenz gerichtet haben. Wie der .Bonifatiusbote' hört, wird die Stiftung denn auch recht bald eine Erweiterung erfahren. Bereit« vor einem Vierteljchrhundert hat unter dem Vorgang und auf Veranlassung de» adeligen Damenstiftes Wallenstein dahier eine Sammlung in Stadt und Land stattgefunden für arme Siechen des Landkreises Fulda. Es wurden auch schon damals mehrere Arme vom Lande von den barmherzigen Schwestern im hiesigen Mutter- Hause in Pflege genommen. Seit dem Tode jener Siechen sind keine neuen mehr ausgenommen worden. Die nicht unbedeutende Stiftungssumme wird dem Vernehmen nach vom Somit« so verwaltet, daß die Zinsen eine« jeden Jahre« dem Kapital zuge- sügt werden. Hiernach zu urtheilen muß da« Stiftungsvermögen schon hoch angewachsen sein. Daher dürste e« sich wohl empfehlen, daß die Stiftung nun auch stiftung-gemäß verwendet würde.

• Dem amtlichen Bericht de« ,Reichs-Anz.' über den Stand der Saaten entnehmen wir folgende«: Reg.-Bez. Cassel: Die ungewöhnliche Wärme der zweiten Hälfte be« November und auch de« Dezember war der Entwickelung der Saaten sehr vortheilhaft, so daß dieselben überall einen guten Stand zeigen.

* Die Ziehung der 4. Klaffe 179. Königlich Preußischen' Klaffen-Lotterie wird am Dienstag den 15. d« MlS. ihren Anfang nehmen. Die Erneuerungsloose, sowie die Freiloose zu dieser Klasse find nach den §§ 5, 6 und 13 de« Lotterie- plane«, unter Vorlegung der bezüglichen Loose au« der 3. Klasse, bi« zum 12. Januar d. I«. Abends 6 Uhr, bei Verlust des Anrecht« einzulösen.

• Die Brandsteuer beträgt für dar Jahr 1889 von 100 Mk. Umlagekapital 18 Pf.

♦ Wir lesen im Amtsblatt: Der Herr Ober- Präsident hat zu der von dem Vorsitzenden be« Vereins für Geflügel- unb Singvögelzucht zu Hanau beabsichtigten Verloofung von muster­gültigen Hühnerstämmen, Singvögeln rc. im Ge- fammtwerthe von 915 Mark, welche von 3. bi« 5. März k. Js. stattsinben soll, ble Genehmigung ertheilt. Der Vertrieb ber Loose, deren nicht mehr al« 6000 ä 30 Pfg. ausgegeben werden dürfen, bleibt auf den Umfang der Kreise Hanau (Stadt und Land), Gelnhausen und Schlüchtern beschränkt.

* Hanau, 10. Januar. Die Ausstellung der Grimmdenkmal-Modelle in der Zeichenakademie hat sich eine« sehr lebhaften Besuche» zu erfreuen. In der Presse finden fich bereü» lange Besprechungen der einzelnen Entwürfe und finden darnach die­jenigen der Herren Ederlein-Berlin, Eberle-München, Kauperl-Fraakfurt und Wiese-Hanau die meiste Beachtung. Mit allgemeiner Spannung sieht man hier der auf den 16. d. Ms. anberaumten Ent­scheidung de» Preisgerichts entgegen.

• Der Bockenheimer Husar, ber am Sonn­tag durch einen Messerstich schwer verletzt würbe, ist nicht gestorben, wie eine irrthümliche Meldung besagte, sondern befindet stch auf dem Wege der Besserung.

* Bischofsheim, 8. Jan. Die hier befind­liche große Hammelschlächterei von Herrn Koch, welche geschlachtetes Hammelfleisch nach Pari» ein- führt, hat die seither der hesfischeu Ludwigs- Eisenbahn gehörigen Fleischtranspottwagen käuflich erworben. Der Preis dafür soll 16,000 Mark betragen.

* Fritzlar, 9. Jan. Der Bau der Sekun­därbahn Frankenberg - Samau schrettet bei dem günstigen Wetter rüstig vorwätt«. In voriger Woche hat, wie die ,Fr. Zig.' meldet, eine Be­reisung der in Aussicht genommenen Anschluß- Strecke Frankenberg-Fritzlar durch Regie­rungsbeamte und den Präsidenten der Eisenbahn- Direktion Hannover stattgesunden. Sobald diese Strecke in Wirklichkeit zur Ausführung kommt, dürsten die Verkehrs- und Handelsbez<ehungen un­serer Stadt einen bedeutenden Aufschwung nehmen. Er fragt sich nut, welche Opfer bei diesem Bahn­bau dem Kreise zugemuthet werden. Auf der