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JV 8. Donnerstag, den 10. Januar. 1889

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Deutsches Reich.

Berlin, 9. Januar.

* Der Reichstag hielt heute die 1. Sitzung im neuen Jahre ab und setzte die Berathung des Etats bei den einmaligen Ausgaben der Militär- Verwaltung fort. Widerspruch fand die für Er­richtung einer Garnisonbäckerei in Potsdam gefor­derte Summe von 120,000 Mk., und zwar sei» tens des Abg. Metzler (Zentr.) der die vielen Militärwerkstätten überhaupt al» ein Aergerniß bezeichnete. Al« erste Rate für ein Militärstall. gebäude zu Lyck wurden nur 10,000 anstatt der geforderten 30,000 Mk. bewilligt. Die erste Rate zum Bau einer Kaserne zu Altona wurde dem Anträge der Kommiffion eutsprechend gestrichen. Die Position 500,000 Mk. erste Rate für eine Kavalleriekaserne in Darmstadt wurde zur noch­maligen Erwägung an die Kommiffion zurückver- wicsen. Gestrichen wurden ferner 400,000 Mk. zur Erwerbung eines Exerzierplatzes in Altona, 450,000 Mk. zweite Rate zum Neubau eine« Dtenstgebäudes der Artillerie-Prüfungskommiflion in Berlin und 53,000 Mk. erste Rate für ein Dienstwohngebäude de« Divifionskommandeur« in Darmstadt. Von der ersten Rate für eine Mtti- tär-Lehrfchmiede in Frankfurt a. M. 160,000 Mark wurden 30,000 Mk. gestrichen. Bei der Forderung für eine evangelische Garnisonkirche in Straßburg wünschte Abg. Letoche die Errichtung einer zweiten Garnisonkirche in Berlin. Kriegs­minister Bronsart versicherte, daß den gottesdienst­lichen Bedürfniffen der Berliner Garnison aus­reichend Rechnung getragen sei. Die Pofitton wurde genehmigt, ebenso der Rest de« Militär- Etat«. Hierauf wurden die Etat« de« Rechnungs­hofes und des Reichseisenbahnamts erledigt. In Bezug auf letzteren wünschten die Abgg. Engler, Hammacher und Schrader eine Erweiterung der Kompetenz des Reichseisenbahnamt«. Morgen: Wahlprüfungen.

* Alterspräsident des Abgeordnetenhauses ist der Abg. Peter Reichenrperger, geboren am 28. Mai 1810. Reichensperger ist auch einer unserer ältesten Parlamentarier; denn er gehörte 1848 der preußischen Nationalversammlung an und ist seit 1850 Mitglied des Abgeordneten­hauses. Nächstältester ist der Kammerherr Bern­hard v. Bismarck, der ältere Bruder de« Reich«- kanzler«, Rittergutsbesitzer auf Külz bei Naugard;

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Roman von Gabriele d'Xrvor.

(61. Fortsetzung.)

In solche Gedanken versunken saß sie eine» Mittags an einem sonnigen Plätzchen unter dem Felsen. Die Thränen rannen ihr unwillkürlich über die Wangen.

„Guten Tag, Relly!" ertönte eine wohlbekannte melodische Stimme. Störe ich Dich, mein Lieb?"

Nelly erröthete und wischte hastig über die Augen. „Nein, Tomy, durchaus nicht, Du bist immer willkommen."

„Du hast geweint, Nelly; willst Du mir sagen, warum?"

Nelly zögerte. Endlich faßte sie sich ein Herz. „Ich dachte eben daran, daß ich nun bald wieder allein sein werde, und war ich thun würde, wenn Ihr fort seid." WM M

„Aber, Kind, wer denkt daran, Dich allein zu lassen? Du gehst mit um»."

»Aber, Tomy, meine Eltern in Greenish und

„Deine Eltern, Nelly, wirst Du kaum je wie- versehen, wenn Du hier bleidst, bi« Deine Un-

er ist am 24. Juli 1810 geboren. Ebenfalls im Jahre 1810 geboren ist der Abgeordnete Dieben, Kaufmann und Weingutsbefitzer, Mitglied des Centrums wie Rerchensperger. Dann folgen im Alter die Abgeordneten Pfaff (nl.), geboren am 5. Februar 1811; dann Windthorst, Schöben, Borowski und Menken, fämmtlich dem Centrum angehörend und alle 1812 geboren.

* Die Rückkehr der Kaiserin Friedr.ich nach Berlin erfolgt am 17. Februar..

* In dem großen Bankhause Hammer und Schmidt in Leipzig find Unterschlagungen und Wechselfälschungen im Betrage von mehr als 100 000 Mark entdeckt worden. Der Prokurist ist flüchtig.

* Hildesheim, 8. Jan. Von der Jury der Vatikanischen Ausstellung ist dem Geschenke des Damen-Comitö der Diözese Hlldeshetm, dessen Prä­fidentin Ihre Excellenz Frau Staattminister a. D. Windthorst ist, dar Diplom zur Silbernen Me­daille nebst Medaille in Sllber zuerkannt worden. Das Geschenk besteht au« einem Meßgewand von weißer Seide, dessen Rückseite der heilige Bischof Bernward von Hlldeshetm mit Stab und Kreuz unter der goldenen Kuppel des Hildesheimer Dome« zwischen den Ranken de» lOOOjährigen Rosenstocke» zu Hildesheim darstellt; die Vorderseite zeigt da» von Bernward gearbeitete berühmte Kreuz mit seinen Steinen, Perlen und Filigranen. Die Zeich­nungen find vom Maler Eltrrmrnn in Hildesheim, die Arbeit von den Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung in Mainz gefertigt. — Die jüngst au» Osnabrück gemachte Mitthellung, daß der heil. Vater dem Staatsminister Dr. Windthorst 50,000 Lire für den Hochaltar der Marienkirche zugestellt habe, ist dahin zu berichtigen, daß der hl. Vater den Beschluß gefaßt hat, für die Marien­kirche den Hochaltar zu stiften mit dem Hinzufügen, daß die Kosten nicht 50,000 Lire übersteigen dür­fen.. Die vorbereitenden Schritte hierfür zu thun ist jüngst der Bischof von Hlldeshetm als zustän­diger Ordinarius ermächttgt worden.

* Aus Nassau, 7. Jan. Um dem in der Limburger Diözese fich immer fühlbarer machen­den Priestermangel abzuhelfen, hat Herr Domkaplan Strunk in Frankfurt nach dem Muster benachbarter Kirchensprengel einen Verein gegründet, der fich die Aufgabe gestellt hat, begabten Gym­nasiasten, welche fich dem Studium der Theologie widmen wollen, die Erreichung diese« Ziele« durch

schuld anerkannt ist, und fie werden Dich lieber frei in Australien als hier unter Banditen wissen."

„Dar ist wahr, indeß . . ."

„Was indeß? Denkst Du noch daran, William Pody zu heirathen? Sei aufrichtig, Nelly, hast Du ihn je geliebt?"

„Nein, und ich würde nie mehr feine Frau werden können."

„Nelly," fuhr der junge Mann wärmer fort, ihre Hand in die feine nehmend, „die göttliche Vorfehung hat unsere Schicksale von Jugend an eigenthümlich verknüpft. Al» Kind errettete ich Dich vom Tode, al» Jungfrau wurdest Du me>ne Lebensretterin, und nun hat ein für mich glück­liche» Geschick Dich von den Deinigen und dem Dir bestimmten Gatten lo»geriflen und unter mei­nen Schutz gestellt. Nelly, sollen wir diesen Wink von Oben unbeachtet lassen, sollen wir aurein- anderreißm, was Gott so offenbar vereinigen will? Nelly, willst Du mit mir gehen in jener Land der Freihett, willst Du mein Weib sein?"

Nelly hatte während dieser Zeit die Augen nicht vom Boden erhoben, ihr Herz war weich gewor­den; fie dachte an die Etter«, aber fie wußte auch, daß ihr Glück nur an Tomy'» Sette sein

Gewährung der ihnen fehlenden Geldmittel zu er - leichtern. Im Zusammenhang hiermtt soll da» Konvikt in Montabaur, welche» zur Zeit nur bi» zu hundert Zöglinge aufzunehmen im Stande ist, durch einen Anbau erweitert werden. Wohl ist der Prozentsatz der Theologte-Studirenden unter der Zahl der Abiturienten de» Gymnasiums zu Montabaur stetig ein großer; jedoch verthellen fich die den Priesterberuf wählenden Abiturienten auf die Diözesen Limburg, Trier und Köln. — Nachdem da» stiftungsmäßig katholische königliche Gymnasium zu Hadamar zur Zett unter seinem Lehrer-Kollegium bereit» fast ein Drittel Prote­stanten zählt, sollte auch da» allein noch rein katholische Gymnasium im Regierungsbezirk Wies­baden in Montabaur nwährend des verflossenen Jahres verstaatlicht werde; jed och zerschlugen fich, wie in Beuthen, so auch hier, die Unterhandlungen dadurch, daß da» Kuratorium mit aller Entschie­denheit auf der Wahrung des katholischen Charak­ter» der Anstatt bestand.

* Die Verlobung der Prinzesstn Alix von Hessen mit dem Großfürsten - Thronfolger von Rußland steht in den nächsten Wochen bevor Die .Post' berichtet, der Großherzog von Hessen werde zu Ostern mit seiner Tochter nach Peter»- bürg reisen, wo die Verlobung proklamirt wer­den soll.

* Karlsruhe, 8. Jan. Der hl. Vater Papst Leo XIII. hat die Gnade gehabt, dem Redatteur de» .Badischen Beobachter»'. Herrn Dr. Kausen, da» Jubiläumskreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ (in Gold) zu verleihen. Da« betreffende Dekret und Diplom ist vom 8. Dezember v. I. datirt. — Der hiesige katholische Männerverein „Kon- stantta" veranstaltete dem in den nächsten Tagen von hier scheidenden Herrn Dr. Kausen, dem lang- jährigen zweiten Vorstande der Vereins, ein Ab­schiedsfest, wobei man unter Ueberreichung eines werthvollen silbernen Thee-Service der Verdienste des Scheidenden um die katholische Sache in Baden ehrend gedachte. Auch wurde ihm die Ehren» mttgliedschast de« Vereins verliehen und ein hier- auf bezügliche«, künstlerisch ausgeführtes prächttge» Diplom überreicht.

Ausland.

* Das vorläufige Resultat der schweizerischen Volkszählung vom 1. Dezember 1888 be-

konnte, und hoffte auf die Verzeihung der Eltern. Ruhig erhob fie den schönen Kopf und blickte Tomy in die Augen, um darin die Bestätigung seiner Worte zu lesen. Dann reichte fie ihm beide Hände:

„Ja, Tomy, ich bin Dein, laß uns vereint ein neues Leben beginnen!"

So war denn endlich da« Wort gesprochen, da« Tomy so lange und so sehnlicherstrebt. Freude­jauchzend schloß er die Geliebte in seine Arme und drückte den ersten Kuß auf ihre reine Sttrne.

„Dein auf ewig, mein süße« Lieb! Nun trotze ich allen Konstablern von ganz Irland!" — —

Die Hochzeit wurde auf den zwcttfolgende» Tag angefetzt und sollte in einer Dorfkirche an der Küste stattfinden. Im Gebirge traf Alle« Anstatten, um da« seltene Ereigniß mit möglichster Feierlichkett zu begehen. Da« junge Paar genoß allgemeine Beliebtheit und Jeder drängte fich herbei, Nelly und Tomy zu beglückwünschen.

Man befand fich im Monat März, der Winter war verschwunden und die au« eifigen Fesseln er­löste Natur im Begriffe, neue« Leben durchbrechen zu lassen. Schon gewahrte man frische Knospen an den Gebüschen und Bäumen und einige ge.