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1889

Mittwoch, dm S. Januar.

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<rnf »rfrMnt täglich, Bonn» und Feiertage ausgenommen. MerteljLhrlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn mrd Bestellgeld: 1 M. 50 Pf.,

'8un,aet Ä dn b^ll-Äschm Wochenbeilage ,«t«n. und Blumen- in Fulda 1 Mark 70 Pfennig auswärts I M 75 Pfennig.

Inserate: Di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Januar.

* Die Eröffnung des preußischen Landtag« findet Montag den 14. ds. Mts. Mittags 12 Uhr im Weißen Saale de» König!. Schlöffe» zu Berlin statt. S. M. der Kaiser wird die Thronrede selbst vorlesen.

. • Die Ereignisse auf Samoa richten jetzt die

Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich, weil in dieselben da» Geschick von gegen 60 braven deutschen Seeleuten mit verflochten ist. Man nimmt an, daß die letzten Kämpfe auf Samoa durch einen verrätherischen Ueberfall de» Häupling» Mataafa, der sich selbst König Maliötoa II. nennt und an der Spitze der deutsch-feindlichen Partei auf Samoa steht, hervorgerufen wurden und glaubt, daß Mataafa durch diesen tückischen Ueberfall sein eigenes Geschick besiegelt habe. In der That werden die Vertreter Deutschlands auf Samoa nicht verfehlen, für die an deutschen Mannschaften verübte Frevelthat energische Satisfaktion zu ver­langen und der deutschfreundliche König Tamasese dürfte diese Reklamationen mit allem Nachdruck unterstützen, so daß der ohnehin nur durch amerikanische Einflüsterungen noch aufrecht erhaltenen Herrschaft Mataafa's gar bald derGarau» gemacht werden dürfte. Es wird dies keine be- . - sonders schwierige Aufgabe sein, da Deutschland auf Samoa eine für die dortigen Verhältniffe sehr respektable - Streitmacht konzentrirt hat. , . tmf Samoa sind hauptsächlich deutsche In« tereffen bedroht. An dem Gesammtwerth der Aus­fuhr aus Apia im Betrage von 1,479,540 Mark participiren die deutschen Kaufleute mit 1,178,200 Mark, an der Einfuhr im Werthe von 1,874,452 Mark mit 1,126,452 M. Amerikanische und englische Jntereffen kommen erst in zweiter und dritter Linie in Betracht. Wenn daher die,Newy. St. Ztg/ einen Bericht des amerikanischen Konsuls auf Samoa, Sewall, abdruckt, worin für die Noch- Wendigkeit der Annexion der ganzen Inselgruppe an die Vereinigten ©tauten plaidirt wird, so dürfte die Ausführung diese» Plane» deutscherseits auf einen recht energischen Widerstand stoßen.

* Die ostafrikanische Vorlage soll be- retts nächster Tage dem Bundesrath zugehen. Es heißt, der Reichskanzler werde dieselbe persönlich im Reichstage vertreten.

Roman

(60. Fortsetzung.)

18.

Die Heirath.

Sechs Wochen befand sich nun Nelly bereits im Gebirge und allmählich gewöhnte sie sich an die» Dasein, das nur wenig von dem in Greenish geführten abwich. Mehrere Familien der Ver­bannten lebten seit Jahren in dieser Einsamkeit, wo sie allerding« keinen Wohlstand genoffen, den sie ohnehin nie gekannt, dafür aber neben den nothwendigsten Lebenrbedürfniffen die ungekannte volle Freiheit fanden. Die friedlichen Bewohner der Hütten hatten wenig Verkehr mit den Schmugglern am See, indeß herrschte stet» ein gute« Einver­nehmen unter ihnen, und im Augenblicke der Gefahr vereinigten sich alle in jenen natürlichen unterirdischen Kellern, die niemal« der Fuß eine« Konstabler« betreten.

Die Gegenwart Tomy'« und der tägliche Um­gang mit ihm trugen auch nicht wenig dazu bet, Nelly mit ihrer Verbannung auszusöhnen. Da» Freundschaftsgefühl, da» sie stet» für Tomy gehegt, hatte sich in den letzten Wochen in eine ernste,

m Zahn.

von Gabriele d'Nrvor.

* Die Meldung von einer Verstärkung de» Blokadegeschwader» vor Sansibar um 2—300 Mannschaften wird von der .Kieler Zeitung'dementirt.

♦ Der ,Hamb. Korresp.' schreibt: Von dem Chef de» deutschen Geschwaders an der ostafrika­nischen Küste, Admiral Dei nhard, war der erste Offizier auf der „Leipzig", Korvetten - Kapitän Donner, kommandirt worden, gegen die Insur­genten an der Küste vorzugehen. Derselbe muß mit großer Umsicht und Geschicklichkeit opertot haben, da ihm der Kronen-Orden III. Klaffe mit Schwer­tern verliehen wurde. Von dieser Auszeichnung wird jedoch der Korvetten »Kapitän Donner kaum noch etwas erfahren haben, da ihn in Folge schwerer Erkrankung der Admiral abkommandirt hatte und er auf der Rückreise nach Europa in Aden verstorben ist.

♦ Professor Geffcken will über seinen Prozeß und seine Untersuchungshaft eine Brochüre schreiben.

* Der Chef der Admiralität Graf Mont« ist an einer Lungenentzündung schwer erfranlt.

• Der Reichskanzler Fürst Bismarck trifft mit seiner Gemahlin morgen hier ein.

* Aas offiziösen Andeutungen ist zu schließen, daß die Versuche, die in Deutschland behufs Ge­winnung von rauchlosem, nur wenig knallen­dem Pulver angestellt worden sind, zu guten Ergebniffen geführt haben.

* Der Bundesrath hat beschloffe«, daß ein wei­terer Betrag von Zehn Pfennigstücken in Höhe von etwa 4 Millionen Mark und von Fünf- pfennigstücken in Höhr von etwa 2 Millionen Mark ausgeprägt wird. Die Vertheilung dieser Prägungen auf die einzelnen Münzstätten soll in der Weise erfolgen, daß davon 54,19 Prozent auf Berlin, 14,06 Prozent auf München, 10,3 Pro- zrnt auf Stuttgart, 6,10 Prozent auf Karlsruhe und 8,17 auf Hamburg entfallen.

Ausland.

* Römischen Meldungen zufolge beabsichtigt die italienische Regierung in Deutschland eine Anleihe von 100 Millionen auszunehmen.

• Das serbische Ministerium hat bekanntlich seine Entlaffung eingereicht. König Milan hat dasselbe beauftragt, vorläufig im Amte zu bleiben.

• Der Afrikareisende Johnston ist zum Regierungskommiffar in Englisch-Ostafrika aus- ersehen. ___________________________

zärtliche Neigung verwandelt; sie konnte nicht mehr daran denken, William Pody's Frau zu werden, und würde auch tausendmal lieber an Tomy'» Seite ihr ganze» Leben in dieser Abgeschiedenheit zugebracht haben. Oft dankte sie im Stillen der Vorfehung, die fie auf so eigenthümliche Weise au» der früheren Zwangslage befreit, sie fühlte, wie schwer es ihr geworden sein würde, da» Leben mit William Pody ohne Verletzung ihrer Pflichten zu ertragen.

Die Famflie Podgey hatte sich fester al» ie ent­schlossen, auszuwandern. Der Fremde, den wto aus den Augen verloren, war einige Zeit nach der Vertreibung der Famllie Podgey nach Greenish zurückgekommen. Er ging zu Podgey's Hütte, fand aber nichts als Asche und Ruinen.

„Was ist hier pasfirt?" fragte er eine alte vorüberkommende Frau.

„Ach, mein guter Herr," war die Antwort, „die armen Leute sind fortgejagt."

„Podgey hatte mir gesagt, daß ein solche» Un­heil ihn bedrohe, ich glaubte aber noch zeittg zu kommen. Wa» ist au« den Leuten geworden?'

„Man meiß e« nicht, Herr; der älteste Sohn Tomy, der die Hütte angezündet, wie Ihr sehet, wurde gefangen und verurtheitt, aber al« man

♦ Der Senat der Vereinigten Staaten von Nordamerika nahm den Antrag, besagend, die Regierung der Vereinigten Staaten würde jede Verbindung bezw. Befaffung irgend einer euro­päischen Macht mit dem Bau oder der Kontrole irgend welchen Schiffskanal» über die Landenge ton Darien oder über Centralamerika überhaupt al« den Rechten und den berechtigten Jntereffen der Union nachtheilig, sowie al« Bedrohung ihre» Wohle» ansehen, an. Zugleich wird der Präsident gebeten, diesen Antrag den europäischen Regiemn- gen mitzutheilen.____________________________________

Aus Stadt, Provinz und Nachdargebiet«

Fulda, 9. Januar.

* Au« hiesiger Stadt wird un» geschrieben: Wie sehr unser ehemaliger Oberhirte, Fürstbischof Georg, noch j-tzt auf da» Wohl seiner früheren Diözese bedacht ist, da» zeigen die vielen Wohl- thaten, welche Hochderselbe noch au» der Ferne unserer Diözese erweist. So haben beispielsweise der Elisabethenverein, da» gestern in diesen Spalten erwähnte Arbeiterinnenhospiz sowie der Rhönclub vor einigen Tagen Geldspenden von je einhundert Mark von unserem früheren Oberhirten empfangen.

Q) In der am 7. dieses Monats abgehalteaen Bürger-Ausschuß-Sitzung wurde die Be­stellung des Aufsehers F öl sch als Stadtpedell und die des Barbiers Rauck dahier al» städtischer Vieh- und Fleischbeschauer .7"'w*fit. Gegen.die— geprüften Rechnungen der General-Armenkafle und der städtischen Vorschußkaffe pro 1887 wurde nichts erinnert und sodann für den wegen vorgerückten Alter» zurückgetretenen Schiedsmann Leopold Traut der Schloffermeister Franz Wilhelm Fleischmann al» solcher gewählt. Als wichtiger Punkt kam noch die Trennung der Oberklaffe der stadtpfarr- lichen Knabenschule in zwei Parallelklaffen und die Anstellung einer weiteren Lehrkraft zur Ver­handlung. Diesem wurde mit Rücksicht auf die große Schülerzahl der bezeichneten Klaffe zuge­stimmt und das Gehalt unterster Klaffe sür bett neu zu bestellenden Lehrer bereinigt. Die vorge­legenen Pachtverträge, Löschungs-Urkunden u. s. w. erhalten die erforderliche Zustimmung.

□ Gestern Abend hielt im hiesigen Vereine für Naturkunde Herr Apotheker Denner einen Vortrag

ihm den Strick um den Hals legen wollte, tarnen die Gebirgler dazwischen und entriffen ihn dem Henker."

„Es war sein Glück, daß er Freunde da o6en hatte; es hätte mir leid gethan für den Burschen."

„O, er hatte schwerlich Freunde unter den Ge­birglern.' Nelly Buckly, die besondere Zuneigung für den Jungen hegte, hat die Leute aufgestiftet. Ja, Herr, das ist eine ganze Geschichte," fügte geheimnißvoll die brave Frau hinzu, die sehr zum Erzählen aufgelegt zu sein schien.

„Dann wird das tapfere Mädchen mir auch wohl sagen können, wo ihr Schützling und beffen Eltern geblieben sind."

„Ich glaube wohl; man sagt, fie unterhielte jetzt noch Verkehr mit ihnen."

„Wo wohnt Nelly Buckly?"

„Holla, Jappy!" rief bte gute Frau einem Jungen zu, der In der Nähe spielte. „Du sollst den Herrn zu Buckty's führen!"

Da» Kind sprang mit seinen bloßen Füßen munter herbei, warf eine Handvoll Kieselsteinchen, mit denen e» eben gespielt, fort und lief vor dem Fremden her. Nelly war zu Hause und empfing den Unbekannten, über d-n fie schon Tomy hatte sprechen hören.