JM 6.
Dienstags den 8. Januar.
1889
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so schreckliches Verbrechen zu Eigen; ich bin sicher, daß sie es verhindert haben würde, hätte sie vor- I her eine Ahnung davon gehabt."
I wrr?®e,.^c”£ren8 nutzte die Sache untersuchen; ich b"lige im -Grunde die Verhaftung Ihrer Braut, I Qrl, lhr ist es, sich vor Gericht von dem auf ihr ruhenden Verdachte zu reinigen."
„Dann wird man sie verurtheilen."
„So ist sie also doch schuldig?"
„Nein, aber in den Augen der englischen Richter ist ein Irländer stet» schuldig, auch an Verbrechen, mit denen er nicht« zu thun hatte."
„Mäßigen Sie Ihre Sprache, junger Mann. Die Irländer müflen es sich abgewöhnen, stets die Engländer anzuschuldigen und sie nach Gefallen Nr ihre Leiden verantwortlich zu machen," erwiderte Lord Sulton mft zurückgehaltencmVerdruffe.
William, der allmählich sein Selbstbewußtsein wiedergewann, ließ sich nicht einschüchtern.
„Wer hat denn Irland so erniedrigt, wer hat aus einem edlen, verständigen Volke einen Haufen armseliger Hungerleider und bettelnden Gesindel« gemacht. Wie kommt es, daß unser Volk nur da zu sein scheint, um von einer bevorzugten Klaffe nach Belieben ausgebeutet zu werden?"
W Deutschland im Jahre 1888.*)
IV.
Das öffentliche Leben in unserem deutschen Vaterlande bot während des Jahre» 1888 neben Verschiedenem höchst erfreulicher Natur doch sehr dunkle Schattenseiten.
Die religiöse Zerrissenheit zeigte sich mehr al» je nach ihren schlimmsten Seiten. Die katholische Kirche Deutschlands hat auf allen Gebieten große Rührigkeit bekundet. Sprechende Belege dafür liefert die Generalversammlung der Katholiken, die in Freiburg i. B. tagte, eines ungemein starken Besuches sich erfreute und einen wahrhaft glänzen- den Verlauf nahm. Mehr als je ist die Kirche mit all' ihren Interessen, auch mit den ausschließ' lich religiösen, auf den Markt de» öffentlichen Lebens gestellt, cs tritt deßhalb auch mehr al» je ihre Arbeit in die Oeffentlichkeit. Dieselbe hat sich namentlich ans den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft bemerkbar gemacht. Es gibt kein Gebiet menschlichen Wissens, auf dem nicht katholische Gelehrte Deutschland» in den ersten Reihen ständen. Namentlich leuchten hierin die Mitglieder der Gesellschaft Jesu voran. In den altkatholischen Kreisen hat diese Thatsache eine wahre Panik her. vorgerufen. Man hat es dort wie ein Dogma angesehen, daß die katholftche Kirche auf wissenschaftlichem Gebiete gar nicht konkurriren könne, und sieht sich nnn beruhigt und unangenehm
—byr DnmLvL. Dem hot 1
Nippold am SchlKj des Jahres der Schrift „Katholisch oder Jesuitisch" einen sehr charakteristischen Ausdruck gegeben. Nachdem der katholischen Kirche seit den Zeiten der Reformation der Vorwurf gemacht wurde, daß sie eine Feindin der Wissenschaft sei und nichts leiste zur Förderung derselben, wird ihr nunmehr gerade ihr erfolgreicher Wettbewerb auf allen wissenschaftlichen Gebieten zum Vorwurf gemacht. Es wird wie ein Einbruch in fremdes I Gut geschildert, daß katholische Gelehrte auch noch solche Gebiete mit besonderem Eifer pflegen, die nicht spezifisch religiöser und kirchlicher Natur sind.
nrl °ber nicht allein, wa» die unduldsamen katholischen Kreise in fieberhafte Aufregung ver- setzt hat. Die größere Freiheit der Kirche nach den harten Verfolgungen der Kulturkampfsära
*) Nachdruck nicht gestattet.
I I ist ihnen der schlimmste Dorn im Auge. Das ist cs auch, was den „Evangelischen Bund" in'S Leben gerufen hat und ihn fort und fort zu : Thaten drängt, die nian nicht für möglich hätte ; I halten sollen. Auch während des Jahres 1888 hat er wieder sehr fatale Beiträge für die konfessionelle Geschichte Deutschlands geliefert. VorzugSweiseauf
I literarischem Gebiete hat er eine Hetze gegen die katholische Kirche betrieben, die dazu angethan ist, den religiösen Frieden Deutschlands ernstlich zu I bedrohen. Nicht blos das, was die Gegner unserer I Kirche als „Machtstellung" derselben bezeichnen, wurde mit wahrem Fanatismus bekämpft, nein auch das spezifisch religiöse Gebiet, selbst solche Lehren und Einrichtungen, die sogar durch das Strafgesetz geschützt werden sollen, wurden mit unerhörter Leidenschaftlichkeit und Mißachtung der Wahrheit förmlich in den Koth gezogen.
In vielen Tausenden von Exemplaren sind eine I I stattliche Zahl der allerschlimmsten Pamphlete in die Massen geworfen worden. Wie die Sammlung I von Geldern zur Verbreitung, so wurde auch die Anfertigung dieser Schmähschriften organisirt. So weit hat der böse Geist konfessioneller Gehässigkeit sich verirrt, daß für Aufhebung des betreffenden Paragraphen des Reichsstrafgesetzbuche» agitirt werden wollte, um freien Spielraum für die Angriffe gegen die katholische Kirche und die Schmäh, ung ihrer Lehren und Einrichtungen zu haben. So beklagenswerth derartige Erscheinungen auch I fein negen, He fich aSSH-tS in Deutschland ge- I Zeigt haben, so sind sie auf der anderen Seite doch mehr al« manches Andere dazu angethan, die Katholiken wach zu erhalten, vor Vertrauensseligkeit zu bewahren und die Gefahr des Marasmus fernzuhalten, vor welcher Dr. Windthorst so eindringlich gewarnt hat.
Wie der religiöse und konfessionelle, fo hat auch der soziale Friede während des Jahre» 1888 ™ U reden gemacht und die öffentlichen Gewalten beschäftigt. Es ist aber sehr schwer zu sagen, ob wir demselben einen Schritt näher gekommen sind oder uns noch mehr von ihm ent- I fernt haben. Die gesetzgebende Gewalt hat sich auch während de» Jahre» 1888 viel mit der sozialen Frage beschäftigt und wichtige Beschlüsse : theil» gefaßt, theil» vorbereitet. War positiv zur ; Hebung der sozialen Mißstände geschehen und vor- I i bereitet worden ist, muß erst nach den Wirkungen
. N« m M».
Roman von Gabriele d'Arvor.
(59. Fortsetzung.)
Lord Sulton lächelte, ohne sich zu erzürnen. Er ra’aC außerhalb Irlands zugebracht, seine Gesinnungen waren ein wenig liberaler. Er erkannte thetlweise an, daß die Klagen der Irländer nicht grundlos seien, und hatte seine Herrschaft bereits durch einige wohlwollende Maßregeln gekennzeichnet. b a
»Se. Reverenz hat vielleicht nicht genug Rück- sicht genommen auf die aufgeregte Stimmung, in der sich ein Mann befindet, dem man wie Ihnen
Theuerste geraubt. Ihre Braut soll Ihnen zurückgegeben werden, mein Freund; selbst wenn sie nicht ohne Schuld ist, so bürgt mir die Ver- heirathung mit Ihnen für ihr korrektes Verhalten in Zukunft. Und was Ihren Nebenbuhler angeht, so machen Sie sich deshalb keine Sorge: er hat । Sä sS» Räuung mit der Justiz und wird Ihnen SA im Wege sein. Ich habe eine heilige Pflicht z» erfüllen: den Tod meines Vater» zu rachen. -
„Ich verstehe, Mylord, aber die Gerechtigkeit I «ordert, daß man nur wirklich Schuldes trifft." >
und Früchten auf seinen wahren Werth geprüft werden. Eine der einschneidendsten Fragen, die der
1 Altersversorgung, geht ungelöst in'S neue Jahr 1 hinein. Bei diesen und ähnlichen Fragen sind e» namentlich zwei Momente, die nicht unbedenklich find, da« eine ist ökonomischer, da» andere mehr sittlicher Natur. Bei der großen, ja drückenden
I Belastung des Volkes muß jede neue Last von größerem Umfange bedenklich erscheinen. Und die Ungewißheit darüber, welchen Umfang die Belast- ung annehmen wird, kann da« Bedenkliche nur steigern. Dazu kommt das Andere, daß die Fürsorge auf der eiuen Seite einen starken Prozentsatz der so werthvollen Sparsamkeit und Sorge für die Zukunft auf der anderen Seite verschwin- den macht. Hierzu kommt weiter noch, daß der
I eigentliche Balsam zur Heilung der sozialen Wunden immer mehr zurückgedrängt wird: die christliche Barmherzigkeit. Je mehr gesetzlicher Zwang herrscht, wo es sich um Geben und Helfen handelt, desto mehr tritt Härte ein bei denen, welche geben,
I wie auch bei denen, die empfangen. Als sehr bedenklich muß e« sodann bezeichnet werden, daß die Regierungen sich so spröde zeigen, sozialpolitischen * Vorschlägen des Reichstages mit christlichem Gepräge Beachtung zu schenken. Es ist in hohem Maße auffallend, daß Fürst Bismarck selbst in der Frage der Sonntagsruhe so schwer zugänglich ist. Ueber- haupt hat das Jahr 1888 in einem Hauptpunkte keine Wandelung zum Besseren gebracht: in den Anschauungen bet Vertreter d-r Staatsgewalt über den Beizug der Religion und Kirche zur Lösung der sozialen Fragen. Und mit den Prinzipien de» Staatssozialismus mag man vielleicht für den Augenblick sich etwas Ruhe und Erleichterung verschaffen, aber nur, um die Zukunft desto mehr tu gefährden. Flößt also die positive Arbeit zur Lösung der sozialen Fragen Besorgnisse ein, so die negative noch ungleich mehr, die aus dem Jahre 1888 zu verzeichnen ist- Obwohl selbst frühere Anhänger des Sozialistengesetze» unumwunden anerkennen, daß es, abgesehen von der Frage nach seiner Berechtigung, in seinen Wirkungen insofern bedenklich sei als es da» ihm vorgesteckte Ziel nicht erreiche, ja sogar da» Gegentheil davon bewirke, ist es durch die Kartellmehrheit des Reichrtages wieder auf 2 Jahre verlängert worden. Eine längere Dauer wurde allerdings abgelehnt, wie auch namhafte Verschärfungen, welche die Bundesregierung bean-
„Ich denke wie Sie, ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß ich keinen Mißbrauch dulde."
„Meine Braut ist unschuldig."
„Das ist noch nicht bewiesen; Sie können nicht leugnen, daß Kelly Buckly mit den Leuten im Gebirge verkehrte; sie hat den Handstreich angc- stistet, der den Brandstifter Podgey befreite, sie war e» auch, welche die Banditen von dem Be-
I suche der Konstabler benachrichtigte."
„Trotzdem hatte sie keine unmittelbare Verbin- düngen mit den Gebirglern; sie hat deren Hilfe
die Vermittelung eines Knaben erhalten, dessen Mutter jene Hütte bewohnte, die von den , Konstablern niedergebrannt wurde, nachdem die arme Frau fast ermordet war."
„Die Konstabler haben damals die Befehle meines Vater» überschritten, aber die Austreibung war gerechtfertigt."
„Erlauben Ew. Herrlichkeit mir die Bemerkung, I daß jede Grausamkeit Rachegelüste erweckt; diese That hat die Anregung zu dem abscheulichen Ver- brechen gegeben, da« Ihrem Vater da« Leben kostete."
„Und Nelly Buckly hatte damit zu thun."
„Nein, Mylord, sie konnte wohl Mitleid mit einem Versolgten haben, aber sie ist unfähig, ein '