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jy 5. Montag, den 7. Januar. 1889

Filiukr K Jtilaig.

Die .Fulda« Rettung' erscheint täglich. Sonn, und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher LbonuementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. SO Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Stern» und Blumen' in Fulda 1 Mark 70 Pfennig, auswärts 1 Mark 75 Mennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile »der deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Der Fall Morier.

Die politische Stille der Weihnachtszeit wurde dieses Jahr von der .Kölnischen Zeitung' gestört, üldem fie den Fall Morier aufwarf und viel Rumor damit verursachte. Sir Robert Morier war früher englischer Gesandter in Darmstadt, München, Madrid, und vertritt jetzt Großbritannien am rusfischen Hofe. Morier war bei dem hesfischen großherzoglichen Paare und im Hause des K a i s e r » Friedrich, ein gern gesehener Gast, denn er ist ein feingebildeter, weltkluger Herr. Aber er soll nach der jetzigen Behauptung der .Köln. Zeitung' doch auch ein Erzschelm sein, denn im Jahre soll der französische Marschall Baza ine im August 1870 die erste Nachricht über den Vormarsch der deutschen Heere über die Mosel, auf Meldung de» damaligen englischen Geschäftsträger« in Darm- stM, desselben Morier, über London und Pari» erhalten haben. Da» wäre nun allerdings von Morier kein sauberes Stück. Aber bi» jetzt glaubt Niemand recht daran; im Gegentheil meldet ein nationalliberales Blatt: „Im Jahre 1870 (auch das Tagebuch de» Kaiser» Friedrich berichtet darüber) war Morier einer der Ersten, der den Kronprinzen Friedrich nach seinem Einzuge in die Pfalz in Sp.yer besuchte. E» wird wohl am 1. August gewesen sein. Morier kam enthustasmirt von dem Empfang des Kronprinzen durch die pfälzische Bevölkerung und die süddeutschen Truppen voy »urück und verfolgte die Waffenthaten unserer Truppen vt» seoaumcyr xrar nnrTpi^ tereffe, sondern auch mit ungeheuchelter Freude." Bi» Sedan! Bekanntlich liegt aber Sedan schon etwas weit jenseits der Mosel. Nach einer Peters­burger Drahtmeldung der .Timer' hat außerdem Morier in höchst nachdrücklicher Weise erklärt, er habe während de» französisch-deutschen Kriege» weder in einer Depesche oder einem Privatbriefe noch in einem Telegramm irgend Jemand öffent­lich oder privatim irgend eine erwartete Bewegung der deutschen Armee berichtet, au» dem einfachen Grunde, weil er niemals eine solche Information m.tzuthellen hatte und nach der Natur der Sache unmöglich Zugang zu derselben haben konnte.

Die .Kölnische Zeitung' berief fich auf den Marschall Bqzaine, der da» gesagt habe, was fie über Morier behauptet. Bazaine ist nun zwar tobt, aber, als Sir Robert Morier im letzten

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Roman von Gabriele d'Xrvor.

(58. Fortsetzung.)

Der Richter, sehr enttäuscht, versprach, dem Lord sofort nach dessen Rückkunft Minhellung zu machen und William zu benachrichtigen.

Dieser begab fich von Mr. Welson zu Nelly'» Eltern zurück, die ängstlich besorgt wegen de» Er­folge« seiner Bemühungen waren.

„Nun," rief Buckly ihm zu, al« er den jungen Mann mit finsterem Gesichte eintreten sah, „habt Ihr Nelly'« Begnadigung nicht erhalten? Euer Gesicht verkündet nicht« Gutes."

„Vor solchen Rlchtern ist weder Gnade, noch Gerechttgkeit zu erwarten; jeder Irländer ist in ihren Augen im Voraus überführt."

„Aver Nelly ist unschuldig!"

„Man will aber, daß fie schuldig sei, und da» genügt, um ste zu vermtheilen," war die Antwort.

„Unsere Tochter ist verloren; wir werden ste nicht mehr wieder sehen'" schluchzte die Mutter.

„Nein, ich habe noch ein Mittel, sie zu retten."

„So handelt rasch."

„Ich. muß die Rückkehr bcft neuen Landlord abwarten, ihn muß ich zuvor sprechen."

Juli in England war, erfuhr er, daß diese mon­ströse Anklage bereit» im Frühjahr auf Grund einer angeblich zwischen einem deutschen Militärattache und Marschall Bazaine gepflogenen Unterredung gegen ihn erhoben wurde. Sir Robert Morier sthrieb sofort an den Marschall, dessen Bekannt­schaft er 1883 in Madrid gemacht hatte, al» Bazaine fich an ihn um Geldhilfe gewandt hatte. Bazaine'» Antwort stellte entrüstet und kategorisch die Wahrheit der Mttheilung in Abrede. Darauf hin publizirt die .Kölnische Zeitung' behufs Be­weises ihrer Beschuldigungen gegen Sir Morier einen Auszug aus einem Briefe, welchen der Major und Flügeladjutant de» Kaiser», Herr v. De ine», aus Madrid am 2. April 1886 geschrieben hat. Derselbe war früher der deutschen Gesandtschaft in Madrid zugetheilt. Dort traf er mit Bazaine zusammen und dieser habe zweimal erklärt, daß er am 16. August 1870 die erste Nachricht von dem Linksabmarsch der Deutschen über die Mosel durch ein Telegramm des englischen Gesandten in Darmstadt erhalten habe. Deine« wiederholt diese Mittheilung in einem Wiener Brief vom 12. Nov. 1888 in Folge einer an ihn gestellten Anfrage. Zeuge dabei war Prinz Loui» Solms. Be­wiesen ist dadurch aber noch nicht», denn Bazaine kann auch die Unwahrheit gesagt haben ober es kann eine Depesche Morier» nach Lonbon in bie Hände der Franzosen gefallen sein.

Die .Kölnische Zeitung' hat fich auch auf dm Prozeß Geffcken berufen. Au» Anlaß de« Geffcken'- sri Eiwchrsendig geworden, Er­mittelungen Über die Beziehungen de« jetzigen eng­lischen Botschafter» am rusfischen Hofe zu inneren deutschen Verhältnissen anzustellen. Bei dieser Ge­legenheit sei die Aeußerung de« Marschall» Bazaine zur Sprache gekommen. Aber da» scheint eine Un­wahrheit zu sein, denn der .Hamburgische Korre­spondent' meldet: Die Behauptung, der Morier'sche Fall stände mit dem Geffcken'schen Prozeß in Ver­bindung und fiele in die gegen Geffcken eingeleitete Voruntersuchung hinein, können wir nach Erkun­digung an zuverlässigster Stelle al» völlig unwahr bezeichnen, und ebenso ist die Mittheilung, eine zwischen Geffcken und Morier geführte Korrespon­denz sei beschlagnahmt worden, völlig erfunden.

Wozu nun aber hat die .Kölnische Zeitung' die Sache angeregt? Au» ihrem Artikel geht da» her­vor, denn dort heißt e»: der jetzige englische Bot-

„Glaubt Ihr bei ihm willigere» Gehör zu finden?"

„Seid ohne Sorge; er wird mit schriftlich geben, daß Nelly unschuldig ist und frei zurück- kehren darf."

Gott segne Euch, William, wmn Ihr die Wahr­heit sprechet!" rief die Mutter, dem jungen Manne um den Hal» fallend.

William lächette bitter und verabschiedete sich bald. Niedergeschlagen, entmuthlgt, gepeinigt von Gewissensbissen, kam er wieder nach Cork. Acht Tage währte es noch, bis Lord Sulton eintraf, aber diese acht Tage erschienen William eine kleine Ewigkeit. Mehr als einmal beschwor eine innere Stimme ihn, von seinem Vorhaben abzustehen und der göttlichen Vorsehung die Rettung Nelly'» zu überlassen, die er ohne ein Verbrechen, ohne Blut, ohne Auslieferung Unschuldiger an den Galgen nicht bewerkstelligen konnte. William war den Leiden seine» Volke» nicht ganz fremd, er wußte sehr wohl, daß dort in den Bergen unter Ver­brechern auch Leute wohnten, welche nur durch di abscheulichste Tyrannei au« der Gesellschaft au«gestoßen waren, Leute, die alle« Mitleid ver- bienten, und er wollte die Konstabler führm, fie zu ergreifen! Dieser Gedanke preßte ihm am

schäftet Morier in Petersburg, währmd des deutsch- französischen Kriege« Gesandter in Darmstadt, später in Madrid, habe fich „in hohem Grade der Gunst und de«Vertrauen«der ktonprinzlichen Herrschaften erfreut," fei jedoch nach Lord Ampthill» Tode trotz der „Bevorzugung" feiten« des ktonprinzlichen Hofes nicht als Botschafter nach Berlin gesendet worden, well schon damals der Verbacht des Mißbrauchs dieser „Bevorzugung" Vorgelegen habe. Da hätten wir also wieder einmal eine ganz nichtsnutzige Schmähung des Andenken» des Kaiser« Friedrich vor un», der und seine Gemahlin find nämlich die „kronprinzlichen Herrschaften" gewesen. Wir gaben den Fall so ausführlich, weil er zeigt, wie gewisse Kreise mit allen nur möglichen Mitteln, vor denen fich der geschickteste und beste Mensch gar nicht retten kann, den monarchischen Gedanken untergraben. (Schw. Bl.)

Deutsche- Reich.

Berlin, 6. Januar.

• In Folge einer heute Morgen an den Ersten Staatsanwalt gerichteten im Kriminalgerichtsge- bäube eingetroffenen Depesche ist Geh. Rath. Professor Geffcken heute Morgen aus bet Untersuchungshaft entlassen worden. Die Ent­lassung erfolgte aus Grund de» aus Leipzig ergangenen Beschlusses de» Reichsgerichts, wonach das Verfahren gegen Geffcken einzustellen ist.

* Die.Vorlass für militätische Zwecke soll etwa 12 bie 15 Millionen beanspruchen, wovon etwa 2 bis 3 Millionen dauernde Ausgaben wären.

* Italienischen Blättern zufolge will die Kai­serin Friedrich auf die Millionen-Etbschast der Herzogin von Dfalliere zu Gunsten der erheblichen Anzahl von Verwandten, welche das Testament aufechten, verzichten.

* Wie die Mbinget Zeitung' berichtet, sind auf dem dortigen Landrathsamte bereit» vorgestern 145,000 Mark Vorschüsse auf die staatlichen Un­terstützungen M Ueder schwemmte ausgezahlt worden.

* Da« Gothaer Landgericht hat jene Aende- rung der Bankverfassung der dortigen Lebensver- sicherung»bank, durch welche die kostenlose Krieg'«- Versicherung eingeführt worden «ar, für un-

Tage Hellen Schweiß au» und de» Nacht« beun­ruhigte er seine Träume. Schreckliche Bildet erschienen vor seinen Augen: Irländer am Galgen, die noch sterbend ihre geballten Fäuste gegen ihn ausstrecktxn, die Gestalt de« Einsiedler», der den Enkel de» Verräther«, jetzt selbst ein Veträther, verfluchte, sein Großvater, der warnend die Hand erhob — gebadet in Schweiß, zitternd vor Schrecken, wachte et auf, verscheuchte die unbequemen Ge­spenster aus seinem Gerste und schlief wieder ein. Die Scene wechselte; er sah Nelly, seine wahn- finnig geliebte Braut, die in wenigen Tagen fein Weib werden sollte, in Gesellschaft Tomy'« und Geschwister in den Bergen spazieren gehen; Nelly schien froh, froher al« ste je in seiner Gesellschaft gewesen, sie hatte ihren Bräutigam vergessen und grollte dem Geschick nicht, welche» fie an die Seite de« Geächteten geführt. Die Vorstellung die William um so leichter für Wahrheit nahm, al« er ja überzeugt war, daß seine Braut stet» Zuneigung für den Jugendgespielen bewahrt, ent­flammte seine Wuth und verscheuchte jede» bessere Gefühl.

Endlich brachte ein Bote des Pastor» ihm die Nachricht, daß der Lord ihm ohne Verzug zu sprechen wünsche. William begab fich in» Schloß;