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X Herr Oberbürgermeister Rang erhielt h:u!e von unserem Landsmann, Herrn Bierbrauereibefitzer Joseph Rabe zu Stapelton, State-Island, N. Y., zur Verwendung für die Hünfelder Abgebrannten den namhaften Betrag von 400 Mark mittelst Wechsels. — Dieser erfreulichen Mittheilung fön- nen wir noch die weitere angenehme Nachricht an- fügen, daß auch unsere hessischen Landsleute in Newyork als Reinertrag eines dortftlbst veran­stalteten Wohlthätigkeits-Concertr» den Hünfelder Abgebrannten den ansehnlichen Betrag von 4000 Mark übermittelt haben. Ehre und Dank solchen braven Landsleuten!

* Aus unserem Leserkreise wird uns geschrieben: Gegenwärtig weilt in Fulda ein Künstler, dessen Bescheidenheit es ihm wohl nicht gestattet, vor einem größeren Auditorium seiner Vaterstadt sich hören zu lassen, dagegen hatten gestern Abend eine größere Anzahl seiner Freunde und Bekannte das Vergnügen, diesen wirklichen Klaviervirtuosen zu hören. Herr Musikdirektor Ferdinand Schwei­ßer, Sohn des hier allbekannten alten Hrn. Jak. Schmeißer, ist in jeder Weise seine« Spieles eine nicht alltägliche Erscheinung. Eleganz und Kraft, feines Gefühl und technische Bravour in sich vereinigend, rezitirt er die schwierigsten klassischen Kompositionen aller Meister frei aus dem Gedächt­nisse. Wie wir bestimmt mtttheilen können, hat Herr Musikdirektor Schmeißer seinem dankbaren Freundeskreise versprochen, sich heute Abend mit einigen Vorträgen von ihnen zu verabschieden. Alle Musikfreunde, welche diese Vorträge hören wollen, sind heute Abend 8'/, Uhr im H. Scheich'« scheu Lokale bestens willkommen.

* Eine hessische Todtenschau von 1888 bringt die neueste Nummer de« .Hessenlandes'. Wir entnehmen derselben Folgendes: Herzogin Marie Friederike Wilhelmine Christiane von Sachsen-Meiningen, Schwester des letzten Kur­fürsten von Hessen. Meiningen (1. Jan.); Amts- gerichtsrath Eduard Hüp.den in Cassel (24. Jan.); Geh. Legationsrath a. D. Eduard von Goeddaeus zu Frankfurt a.M. (I.Febr.); Dr. Carl Theodor Bayrhoffer, früher Professor der Philosophie in Marburg, zu Town Jordan in Nordamerika (3. Febr.); Georg Breithaupt, Chef des mathe- matifch-technischen Jnstitus zu Cassel (14. Febr.); Staatsminister a. D. Carl Rohde zu Homberg (27. Febr.); Staatsarchivar Archivrath Dr. Carl Herquet in Osnabrück (6. März); Generalkonsul Eduard Zappe zu Yokohama in Japan (26. März); Landgrüfin Marie von Hessen-Philippsthal zu Schloß Philippsthal (10. April); Oberstlieutenant a. D. Friedrich v. Baumbach in Cassel (28. April); Generallieutenant z. D. Albrecht Friedrich von Bardeleben zu Wiesbaden (9. Mat); Major a. D. Freiherr von und zu Gilsa (20. Mai); Christian Schafft, Jnsp.ktor der Taubstummenanstalt zu Homberg (3. Juni); Polizeioberst von Berlin August Herquet, Oberst a. D., in Berchtesgaden (29. Juli); Ulrich Freiherr v. Hutten, königlich bayer.scher Kämmerer, Generalmajor a.D., Ober­hofmeister a. D., Stöckach (27. Juli); Professor Dr. Viktor Platner, Marburg (5. Aug.); Mmi- sterialrath Ludwig Metz, Straßburg (2." Sept.); Landgraf Friedrich Wilhelm von Hessen, bei Singa- pore (14. Okt.); Staatsminister a. D. Sigmund von Meyer, Cassel (27. Okt.); Hofrath Heinrich Eyffel, Cassel (1. Nov.); Professor Dr. Carl Lucae, Marburg (30. Nov.); Prinz Alixander von Hessen und bei Rhein, Darmstadt (15. Dez.); Geh. Med.-Nath Prof. Dr. Wilhelm Roser, Marburg (16. Dezember).

* Der Lateinschule inGeisa hat ein einfacher Landmann die Summe von 1300 Mk. geschenkt. Durch diese Gabe soll, nach der Meinung des Geschenkgebers, die Möglichkeit geboten werden, alljährlich durch Abhaltung geistlicher Hebungen den guten Geist und den frommen Sinn unter den- Schülern zu erhalten.

* Der ,TH. H.' schreibt aus Schmalkalden: Am Sylvefterabend 8 Hhr 25 Min. wurde hier ein prachtvolles Meteor beobachtet. Es erschien in der Größe einer Billardkugel im Sternbild der nördlichen Krone, durchellte mit zischendem Geräusch erst blendend weiß, dann blau, grün, gelb, roth erstrahlend, in einem flachen Bogen das Sternbild des Herakles und der Leier und ver­schwand mit matt violettem Lichte in dem des Fuchses. Während der fünf Sekunden langen Dauer der Erscheinung war der westliche Horizont

so hell erleuchtet, büß man Bäume re. deutlich er­kennen konnte. — Gleichzeitig meldet der .H. A.' aus Hanau: Am Sylvesterabend gegen 8^Uhr zeigte sich am westlichen Himmel eine prachtvolle Erscheinung, die sich in der Richtung von Norden nach Süden bewegte. Der massive sternartige Kern schillerte in allen Farben und war mit einem anscheinend drei Meter langen Schweif versehen, dessen Mitteltheil ebenfalls in allen Regenbogen­farben leuchtete.

(I Weyher», 3. Jan. Soeben ‘i/26 Hhr Abenvs wurden die Bewohner erschreckt durch Feuerlärm. Es war ein Kaminbrand im Amts- gerichtSgefängniß ausgebrochen, der durch schleunige Hilfe alsbald wieder unterdrückt wurde.

I Cassel, 2. Jan. Heber die bereits näher erwähnte erste Aufführung eines neuen Weihnacht«» spiele» von H. F. Müller brachten sämmtliche hie­sige Blätter anerkennende Berichte; insbesondere dürfte der Bericht des .Casseler Tageblatt' dazu geeignet sein, noch nachträglich auch in der.Fuld. Ztg.' abgedruckt zu werden. Derselbe lautet:

Nach dem altsächsischen Gedicht „ H e l i a n d " (Heiland) aus dem 9. Jahrhundert, einem der werthvollsten Litera­tur-Denkmäler. hat Herr Dechant H. F. Müller hier- selbst ein geistliches Weihnachtsspiel komponirt, welches gestern Abend von 4 Uhr ab im großen Stadtparksaale zur ersten Aufführung gelangte. Das Weihnachtsspiel ist zur Aufführung von lebenden Bildern eingerichtet und mit Begleitungsmusik für Solo, Chor und Orchester versehen. Der Herr Verfaffer hat sich auf diesem Gebiete bekanntlich wiederholt erfolgreich bewährt, und welches hohe Interesse diesem neuen Werke entgegen gebracht wurde, bewies der so überaus zahlreiche Besuch, so daß Saal und Gallerte bis auf den letzten Platz besetzt waren. Das Werk zer­fällt in 6 Abtheilungen bezw. lebende Bilder; nach dem Einleitungschor: „Nieder, Herr, die Himmel neigen rc." erfolgte das erste Bild, „Die Geburt des Herrn". Der Gesang eines altdeutschen Kirchenliedes leitete stimmungs­voll ein, wonach die verbindende Deklamation aus „Heliand" die Bedeutung des darauf folgenden Bildes erklärte, wäh­rend dessen Darstellung das Terzett „Jesukind, sei hoch­willkommen", gesungen wurde. Die nächste Abtheilung, „die Anbetung der Hirten", wurde ebenfalls mit einem altdeutschen Kirchenliede (Es kam ein Engel hell und klar u. s. w.) eröffnet, worauf nach der verbindenden Dekla­mation ein Hirtenlied für Solo und Chor erfolgte, «äh­rend dessen der Vorhang sich hob und die Anbetung der Hirten zeigte. Das dritte Bild brachte die Darstellung im Tempel. Den Schluß dieser ebenfalls mit einem „kirch­lichen Volkslied" eröffneten Abtheilung machte der „Lob^ gesang Simeon's" für Solo und Chor. Das vierte Bild zeigte die „heiligen Dreikönige" und ihre Huldigung in einer farbenprächtigen und lebensvollen Komposition. „Die Flucht nach Egypten", das fünfte Bild, führte vor Augen, wie die heilige Familie, auf der Flucht Begriffen, unterwegs an einem schattigen Plätzchen Rast macht. Ein Chor mit Recitativ aus Psalm 2 und Matthäus 2 eröffnete in charakteristischer Weise, worauf nach der verbindenden Deklamation und während der Darstellung des ergreifenden Bildes der Chor „Sei stille, stille, mein armes Herz rc." erklang, unstreitig eine der schönsten Stellen des Werkes. Das sechste und letzte Bild, „der zwölfjährige Jesus im Tempel", wurde durch ein Sopran-Solo mit Chor eröffnet und leitete stimmungsvoll zu der Schlußdeklamation über und mit dem Schlußchor »Christ, der du geboren bist." Die Aufführung die von dem Herrn Verfasser und Komponisten selbst arrangirt worden war und geleitet wurde, ging unter Mitwirkung des katholischen Kirchenchores und der Künstler der Königl. Akademie bestens von statten und machte das an musikalischen Schönheiten reiche, von charakteristischer In­strumentation getragene und von edler Begeisterung durch­drungene Werk auf alle Anwesenden ersichtlich einen tiefen Eindruck. Die verbindende Deklamation sprach in sehr klarer Weise Herr Rübsam, die Sologesänge brachte mit sympathischer Sopranstimme Fräulein von Amelunxen zur wirksamen Geltung. — Gewiß wird auch dieses Weih­nachtsspiel feinen Weg durch Deutschland nehmen, wie frühere Weihnachtsoratorien desselben Komponisten.

© Aus dem Freigericht, 31.Dez. Gestern gaben sich einige Herren von auswärts in Som­born ein Rendezvous, um über Fortsitzung der Privalpostverbindung Somborn-Meerholz nach dem bayerischen Bezirktfl cken Alzenau zu berathen. Ob darnach gefragt wurde, wer für die Rentabilität garantirt, wie dies s. Z. bei der Postfrage Som­born - Bahnhof - Langenselbold geschehen sein soll, konnten wir nicht erfahren. Konsequenter Weise hätte es doch wohl geschehen müssen. Obgleich wir gegen ein derartiges Projekt nichts einzuwen- ;en haben, wenn Geld im Hsberfluß vorhanden ist, so drängt sich uns doch die Frage auf, für welchen Verkehr diese Verbindung berechnet ein mag. Rentabel wird sie nicht, und eine recht bucklige Fahrt gibt e» auch. Das Ende vom Lied wird sein, daß sie entsteht, um bald wieder z u verschwinden — wie so manche ihrer Vorgän­gerinnen. Der kleine preußische Flecken mit nur circa 800 Einwohnern steht mit dem 3— 4 Stun- >en entfernten und nur etwas größeren bayerischen Bezirksflecken Alzenau in gar keiner Verkehrsbe-

ztchung. Mrerc<; verkehrt mit fiinsr sehr nahe gelegenen Kreisstadt Gelnhausen, und die üoer- wiegend Landwirthschaft treibende B.vSikerung de» Bezirksamtes Alzenau ausschließlich mit Hanau, Frankfurt rc. rc. einerseits und andererseits mit Aschaffenburg und nicht mit Meerholz Das weiß jeder Straßenwärter. R flektirt man auf Reisende, so benützen diese bekanntlich nur selten die Post, weil sie dabei oft zu viel Zeit verlieren, und Briefe gelangen über Hanau und Dettingen per Bah« ebenso rasch dorthin. Sorge man erst einmal für bessere Postverhältnisse bei uns. Es ist unglaub­lich, aber wahr, daß man in Neuses, nur eine halbe Stunde von der Agentur Somborn entfernt, die erste Postbestellung meistens erst spät Nach­mittag» und die zweite oft Abends zwischen 8 und 10 Hhr erhält. Diese großen M ßstände sind aber wohl auf die unpraktische und gezwungene Post- verbindung nach Meerholz, sowie auf die famose geometrische Eintheilung der Beflellbezirke zurück- zuführen. Sollen einmal hier bessere Posteinrich­tungen getroffen werden, die auch dem allgemeinen Wohl wirklich dienstbar sind, so bedingt es die Lage, daß von dem Fabrik-und Gcenzdorf Neuses, seines wachsenden Verkehres wegen, oder wenigsten» von So nborn aus täglich eine dreimalige Privat­post nach dem Bahnhof Langenselbold eingerichtet wird. Diese ist nothwendtges Bedürsniß für N-use», sowie Somborn mit Hmgegend und auch vortheil- haft für die nächst gelegenen bayerischen Orte. Je nach Bedürfniß wäre dann leicht ein Anschluß an Bayern herzustellen.

Vermischtes.

* Richt weniger als 6 Millionen Briefe hatte die Post in Berlin im Neujahrverkehr zu bestellen. Dazu kommt noch eine erkleckliche Zahl von Briefen, welche durch die Privatpost bestellt wurden. — In der Neujahrs­nacht wurden in Berlin 300 Personen verhaftet, darunter 160 wegen groben Unfugs.

* Halle, 2. Jan. In der Sylvesternacht ist in dem benachbarten Beesenlaublingen ein Raubmord verübt worden. Während die übrigen Hausbewohner zum Syl- vesterball waren, wurde die als wohlhabend geltende WittweLeibling in ihrem Materialwaaren-Laden ermordet und mit durchschnittenem Halse tobt aufgefunden. Ein Schrank war aufgebrochen und ein Geldbetrag geraubt worden.

* Nürnberg, 2. Jan. In keiner Stadt vielleicht hat sich das Lösen von Neujahrs-Glückwunsch-Enthebungs­kart en so eingebürgert wie hier. Es wurden heuer nicht weniger als 1864 Karten gelöst, wofür 3700 M. bei der Armenpflege vereinnahmt wurden. Am vorigen Neujahr waren es 1453 Karten mit 2911 M. Für das Erirägniß werden Kohlen angekauft, um an bedürftige Arme in der Stadt vertheilt zu werden.

* Eine originelle Form des Neujahrswunsches hat der Dichter Rudolf Baumbach in Meiningen feinen Freunden gegenüber gewählt. Er wünscht nicht nur zu dem unmittelbar bevorstehenden, sondern gleich für die drei nächstfolgenden Jahre Glück, und zwar indem er der eigentlichen Gratulation noch eine Briefbogenseite mit drei Coupons beigegeben hat, auf denen es heißt: „Fällig den 1. Januar 1890. Prosit Neujahr I R. Baumbach." Dann ebenso für 1891 und 92. Nun ist er der wunschsorgen auf drei Jahre hinaus enthoben.

Auszug

ins den Registern drs Standesamts Fulda

vom 29. Dezember 1888 bis 3. Januar 1889.

Aufgebote.

3. Januar. Verzinner Johann Philipp Gußmann von hier und Margretha Vonhausen von Falkenbach im Ober­lahnkreis.

Eheschließungen.

2. Jan. Kaufmann Johann Edmund Grämlich von Plittersdorf in Baden und Barbara Anna Emilie Happe von hier.

Geburten.

26. Dez. Maria Stephania, T. des Fabrikarbeiters Georg Friedrich Hohmann. Konrad Joseph, S. des Färbers Nikolaus Joseph Kircher. Maria Josephine, T. des Maurers Rochus Hohmann zu Riesig. 28. Rosa, T. des Küfers und Bierbrauers Rochus Brähler. Aloysius Johann Maria, S. des Kaufmanns Heinrich Gerhard van Haag. 29. Barbara Bonifatia Josephine, T. des Schuhmachers Anton Joseph Zimmer. Friedrich Joseph, S. des HüttnerS Eugen Rübsam zu Horas. Therese, T. des Kaufmanns Aron Birnbaum. 30. Maria Rosalia, unehel. T. einer Auswärtigen. 31. Anna Maria, T. des Kürschners Franz Michael Ricken. Katharina, T. des Bahnarbeiters Johann Ernst Werner. 1. Jan. Valentin, S. des Steinrichters Johannes Dreifürst zu Horas.

Sterbefälle.

30. Maria Theresia, T. des Barbiers Ernst Heinrich August Kiehl, 7 I. 4 M. 15 T. Johanna Maria, T. de» Gerbers August Adam Heres, 6 I. 7 M. Veronika gen. Josepha Kollmann, barmh. Schwester, 29 I. 3 M. 10 T. 31. Maria Anna, T. des Schreiners Wilhelm Fell, 6 M. 11 T. 1. Jan. Johann Sturmius Rübsam, Fabrikarbeiter, leb. St. 24 I. 2 M. 17 T. Augusta, T. bes Weichenstellers Friebrich Wilhelm Hausmann, 5 I. 11 R. 3 T. 2. Maria Eva Katharina geb. Dermbach, Ehefrau des Färber« Nikolaus Joseph Kircher, 23 I. 8 M. 22 T.