Einzelbild herunterladen
 
  

Rußland und Frankreich war, die unablässig an die schlimmsten Leidenschaften appellirten, um Stim­mung für den Krieg zu machen. Dieser doppelte Eindruck konnte nur verstärkt werden durch dar, war durch eine englische Zeitung bekannt gegeben wurde. Darnach wurde der Vertrag zunächst auf 5 Jähre abgeschloffen. Vor Ablauf dieses Termins beantragte dann Bismarck selbst ihm, den Charak­ter einer ständigen Einrichtung zu geben.

Es währte nicht lange, bis auch dis Abmach­ungen zwischen Italien und Deutschland wie zwischen Italien und Oesterreich bekannt wurden. Darnach haben Italien und Deutschland einander mit der gesammten Kriegsmacht beizustehen, wenn das eine oder andere von Frankreich angegriffen wird. Im Falls eine» österreichisch - russischen Krieges bewahrt Italien eine wohlwollende Neu­tralität wie auch Oesterreich im Falle eine» fran­zösisch-italienischen Kriege». So stehen also gegen Westen Deutschland und Italien, gegen Osten Deutschland und O.sterreich mit vereinten Kräften bereit, dem Friedensbrecher einen blutige« Empfang zu bereiten. Und zu den Armeen der beiden Kaiserstaaten tritt noch die italienische Kriegsmacht hinzu, wenn von Osten und Westen zugleich der Friede gebrochen wird. So bllden die drei Staaten in Wahrheit einen unübersteiglichen Schutzwall des Friedens. Die Veröffentlichung dieser hochwich­tigen geschichtlichen Dokumente gab Anlaß, an zwei Urkunden der Bismarck'schen Politik.aus dem Jahre 1870 zu erinnern. Er waren zwei Rund­schreiben Bismarck'« an die Vertreter Deutsch­lands bei den europäischen Höfen. In derselben sprach sich Bismarck über die Garantien für ge­nügenden Schutz gegen Angriffe Frankreichs aus, die sowohl Deutschland wie auch Europa haben und dämm verlangen müffe. Unter'm 13. Sep­tember schrieb Bismarck von Reims au», daß auf die Stimmung de» französischen Volkes absolut kein Verlaß sei, und daß e» „seine Niederlage an sich un» niemals verzeihen wird," wenn ihm auch die denkbar günstigsten Frtedensbedingungen ge­sittet würden. Darum müffe er „sachliche Bürg- schäften für die Sicherheit Deutsch'"Äs verlangen und zugleich für den Frieden Europa», welcher keine Gefahr von Seiten Deutschland» zu fürchten hat." -Diese^ffrchlichen Bürgschaften" wurden darin ge­funden, daß die Grenze und damit der Angriffspunkt Frankreichs möglichst zurückgeschoben wurden, und die bedrohenden festen Plätze als „Vertheidigungs- b oll werke" an Deutschland kamen. Ja einem zweiten Rundschreiben wurden diese Gedanken noch eingehender erörtert und noch energischer betont, „Frankreich da« Angreifen fo schwierig al« mög­lich zu machen", womit „im europäischen Jntereffe" gehandelt werde, „welches dasjenige des Friedens ist." Es sollte damit jedem Versuch die Spitze abgebrochen werden, gegen die Wiedervereinigung Elsaß-Lothringen» mit Deutschland Protest zu er- heben. Fast unmittelbar nach der Veröffentlichung des Inhalte» der Bündnißvertäge hielt Fürst Bis-

reißen laffen", sagte er, „aber ich bin sicher, daß sie mit dem Verbrechen, wegen deffen man sie ein­ziehen wollte, nichts zu thun hat. Ich werde zu Sr. Reverenz dem Friedensrichter gehen und hoffe, die Freiheit Euerer Tochter zu erwirken. Die Schuldigen find allein unter den Geächteten zu suchen. Diese traurige Geschichte ist ficher von Tomy Podgey eingesädelt; er brachte abfichtlich Nelly in Verdacht, damit fie gezwungen sei, fich in die Berge zu flüchten. Das ist ihm gelungen. Aber er soll mir diese Hinterlist theuer bezahlen."

William Pody begab sich also zu dem angli­kanischen Pastor, der zugleich auch zweiter Richter ist. E» war ein kurzer, dicker Herr mit süßlichem Gesicht und etwa» gekünsteltem Wohlwollen. Das ganze Aeußere de« würdigen Herrn verrieth den Lebemann, der nie eine energische Thätigkeit ge­kannt. Da er kein Freund war von den unauf­hörlichen Klagen und Beschwerden seiner Pfarrei- eingeseffenen, so hielt er fie möglichst fern und begnügte sich damit, strenge Befehle zu ertheilen, wenn der Zehnten nicht pünktlich einging, was oft genug der Fall war. Seine geistliche Thätigkeit ging nicht weit, denn einmal gibt es in jener Gegend blutwenig Protestanten, und dann hatte er einen zu großen Respekt vor dem Rechte der freien Forschung, al» daß es ihm eingefallen wäre, fich in die religiösen Angelegenheiten anderer Leute

marck int Reichstage eine zweistündige Rede über die Gesammtlage Europa», die allüberall in Europa >a« größte Interesse erweckte. Mit großer Zuver- icht sprach er von der Erhaltung de» Friedens, mit noch größerer aber davon, daß Deutschland nunmehr in den Stand gesetzt sei, die Erhaltung des Frieden» zu erzwingen und mit ungeheurer Macht nach Osten wie nach Westen zugleich zu wahren. Eine Million Streiter im Osten und eine zweite im Westen und für jede eine halbe Million Reserve, da« ist eine Kriegsmacht, wie man fie noch vor wenigen Jahrzehnten für unmöglich gehalten hätte. Und dazu nach Osten sowohl wie nach Westen einen Bundesgenossen mit gleichfalls starker Kriegsmacht. Das dürfte erhitzte Köpfe zur Ruhe zwingen und rufstsche wie franzöfische Kriegsgelüste dämpfen.__

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Januar.

* Der Appetit kommt beim Essen — da« gllt auch von unseren Germanisatoren. Kaum find fie im «efitz de« 100-Millionenfond» zur Germanistrung der polnischen Landestheile, so werfen fie ihren Blick nach Lothringen, da» nach der ,Kceuzztg.' nun für die Germanisation an die Reihe kommen müsse. Da» protestantische Blatt fieht allerding» die Unmöglichkeit ein, auch für Lothängen einen 100-Mtllionenfond» auszu­werfen, der Staat soll nur bescheidener die Ger­man sirung dort unterstützen. Er soll den Guts­kauf in Lothringen durch vollständige Aufhebung der Kaufsgebühren erleichtern, dann werde die deutsche Einwanderung von selbst kommen. Ob diese» Mittel zöge, läßt sich jedoch bezweifeln. Aber auch die Germanisation Lothringen« würde wie die im Osten nur al» Haupterfolg die Prote- stantifirung der Gegend haben und darum scheint e» auch wohl dem protestantischen Organ in erster Linie zu gehen.

• In juristischen Kreisen nimmt man an, daß die Verhandlungen imProzeßGeffcken schwer­lich vor Mitte Februar, vielleicht auch erst im März, vor dem Reichsgericht in Leipzig statt­finden werden. Sie schreibt: „Die Voruntersuch- ung ist, wie man weiß, bereit« ansang« diese« Monat» abgeschlossen worden. Da zweisello« fich bi» dahin ein reiche» Aktenmaterial gehäuft haben wird, so wird eine reichliche Zett angesetzt werden müssen, in der sowohl der Oberreichsanwalt wie der Vorsitzende der beiden zu vereinigenden Senate, al« auch der eine oder die beiden zu ernennenden Referenten fich für die mündliche Verhandlung ausreichend vorbereiten können. In hiestgen Krei­sen glaubt man, daß die Verhandlungen durchweg öffentlich werden geführt werden.

* Aus Sansibar wird gemeldet, daß in Dar- es-Salem zwischen den deutschen und den auf­ständischen Arabern ein heftiger Kampf statt- zu mischen. Er hatte seine Stellung, und da» ge­nügte ihm vollkommen. Dank diesem ruhigen Tem- perament de» protestanttschen Pastor» konnten die katholischen Bewohner über Proselytenmacherei nicht klagen, und der katholische Pfarrer, der da» gerade Gegenstück seine» hochkirchlichen Kollegen war, be­nutzte diesen Umstand, um fich mit Eifer feinem apostolischen Amte zu widmen. Während der angli­kanische Pastor mit Strenge von den katholischen Einwohnern seinen Zehnten einzog, fand der un­besoldete katholische Priester, obwohl selbst arm, immer noch Mittel, die Unglücklichen zu trösten und die Nothleidenden zu unterstützen. Der Ruf seiner Wohlthättgkeit war ebenso groß, al« der seiner Frömmigkeit. Wenn der vornehme Diener der Hochkirche, hingestreckt aus die Kiffen seiner Kalesche, dem demüthigen Priester begegnete, wie dieser fich zu Fuß zu den Kranken begab, so lächelte er geringschätzig beim Anblicke diese« ein­fachen Manne«, der weder Familie noch Reich- thümer besaß, der keine anderen Freude« kannte, al« die Genugthuung, seine Pflicht gethan zu haben, und die Thränen, die er getrocknet. Der anglikanische Pastor besaß kein Verständniß für die Größe und Erhabenheit de« Priesterthum«, für da» Ideale und Göttliche diese» Stande»; er war vor Allem ein praktischer Mann, der genau Buch führte über seine Einkünfte und unerbittlich Beschlag auf da» letzte Schweinchen im Stalle

gefunden hat. Uebet den Ausgang desselben liegen noch keine Mittheilungen vor.

* Nach einer Meldung de» Rmter'schen Bureau'« aus Suakim ist daselbst auf dem Wege über Kaffala ein Grieche au« Khartum eingetroffen, der Khartum vor 2 Monaten verließ. Derselbe gibt an, daß in Khartum von einer Eroberung der Aequatorial-Prooinzen durch de« Mahdi und von der Gefangennahme Emin Pascha'« durch­aus nichts bekannt sei. Vielmehr sollten die Streit­kräfte de« Mahdi in dem Gebiete de« Bahr-el- Gazal zweimal geschlagen worden seien.

* Der frühere Minister de«Innern v. Putt- kamer soll den Schwarzen Aolerorden erhalten Haden.

• Nach dem vom Kaiserlichen Gesundheitsamt herausgegebenen Jahresbericht über die Verbreit­ung vonThierseucheu im deutschen Reiche im Jahre 1887 wurden für au« Anlaß der Bekämpf­ung de« Rotze« getödiete 1305 Pferde 401,297 Maik, für qu« Anlaß der B-tämpfuug der Lun­genseuche getödtete 2852 Stück Rindvieh 478567 Mark gezahlt. Auf Preußen entfallen 1052 ent­schädigte Pferde und 1974 entschädigte Stück Rindvieh. Für Pferde wurden in Preußen 307,351, für Rindvieh 336,300 Mk. gezahlt. Außerdem mürben auf Grund landesgesetzlicher Bestimmungen im Jahre 1887 an Entschädigungen gezahlt für Verluste an Mtlzdrand im Königreich Sachsen für 211 Stück R ndvieh 46102,11 Mk., in Baden für 160 desgleichen 35 580,80 Mk.; an Milz­brand und Rauschbrand in Württemberg für 314 Stück Rindvieh 59410,60 Mk., für 18 Pferde 9344 Mk., an Rauschbrand in Baden für 86 Stück Rindvieh 12 327,20 Mk„ zusammen für 18 Pferde und 771 Stück Rindvieh 162 764,71 Mk.

♦ Posen, 31. Dez. Die große polnische Volks­versammlung, welche hier am 12. Februar statt- finden soll und zu welcher voraussichtlich Theilneh- mer und Delegirte nicht allein au« der Provinz Posen, sondern auch au«Westpreußen, Erm- land, Oberschlesien erscheinen werden, wird ein ober zwei volle Tage dauern; es soll eine Er­öffnungs-Versammlung stattfinden, an welche fich Berathungen der einzelnen Abtheilungen schließen; nach diesen Berathungen wird alsdann wiederum eine öffentliche Versammlung abgehalten werden. Der ,Kmyer Pozn.' weist darauf hin, daß dies die erste derartige große _ polnische Volksversammlung sei und daß eine beson­ders sorgfältige Vorbereitung der zur Berathung gelangenden Gegenstände erforderlich sei. Nach dem Wunsche des genannten Blattes soll in dieser Volksversammlung nicht allein über die Angelegen­heit des polnischen Sprach - Unterrichtes in den Volksschulen, mit der fich die vorjährige hiestge polnische Volksversammlung beschäftigte, sondern auch Über folgende Gegenstände beralhen werden: 1) über die Wahlen, 2) Über die Frage: welche Forderungen und Wünsche die polnische Bevölke- rung an ihre Landtags- und Reichstags-Abgeorb-

legen ließ, wenn ein Bewohner ben fälligen Zehnten nicht zahlen konnte.

William hatte einige Mühe, Zutritt zu dem würdigen Herrn zu erhalten. Endlich, nachdem man ihn eine gute Viertelstunde hatte warten laffen, wurde er zu Herrn Welfon beschieden.

„Was wünschen Sie, mein Freund?" fragte dieser mtt einem Anflug von Gutmüthigkett. „Man hat Sie warten laffen. Thut mir leib, aber btt« liegt nut daran, daß ich so sehr beschäftigt bin. Jedermann weiß, daß meine Untergebenen sonst bei mir stets offene Thüren finden, und daß ich alle Beschwerden unparteiisch annehme. Seine Herr. *eit der Lord hat mehr al« einmal meinen Esser Uiobt; al« Richter scheue ich keine Mühe, um Jedem Recht und Gerechtigkeit angedeihen zu laffen, und al» Seelsorger reibe ich mich auf in den sauren Arbeiten meine» schwierigen Amte«, einer Bürde, die mir durch die Hartnäckigkeit Sie­ter manchmal unerträglich wird."

William hörte kaum den Wortschwall de« so»- | berbaren Richter«. E» war ihm bekannt, daß derselbe ungemein sruchtbar in Worten, aber eben- so träge in Thaten sei; offenbar nahm er seine Abstchten für Handlungen und begügte fich mit dem guten Willen.

„Also Sie wollten mit mir reden. Wie tst denn I Ihr Name?" fragte endlich Mr. Wrlson.

I „William Pody." (Forts, f.)

f*

1