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(Fortsetzung folgt.)

Wittwe nach dem Kaukasus ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. — Zu Anfang des nächsten Jahres werden die Verhandlungen der Kommissionen beginnen, welche mit der Berathung der russisch - finländischen Zollfrage beauftragt sind.

* London, 27. Dez. Nach einer Meldung des ,Reuter'schen Bureaus' aus Kanigurum vom 23. d. M. ist eine Abtheilung, die abgeschickt war, um die Posten der Mahsud Waziris zu zerstören, gestern Abend nach einem Scharmützel mit dem Feinde dorthin zurückgekehrt. Zwei englische Offiziere und vier ein­geborene Sappeure wurden verwundet. Die Verluste des Feindes sind unbekannt. Eine detachirte Abtheilung hatte ebenfalls ein Zusammentreffen mit dem Feinde, über das nähere Mittheilungen fehlen.

* Iokohama, 27. Dez. General Nodzu, Befehls­haber der ersten japanischen Armee, hat gestern ge­meldet, daß die Lage in Feng Huang Tscheng unver­ändert sei. Eine Drahtmeldung des Generals Katsuma aus Haitschung vom 24. d. M. besagt, General Jung habe sich nach der Niederlage bei Kogasai nach Niut- schwang zurückbegeben; sodann habe er aber Niutschwang aufgegeben und sich mit dem größten Theil der dort liegenden Truppen nach Densehonlai zurückgezogen. In Niutschwang befinden sich keine chinesischen Truppen mehr. Die chinesischen Streitmächte in Näisambarsi sind seit dem 18. d. mit der Ausdehnung der Ver­schanzungen und Verstärkung der Kavallerie beschäftigt. In der Richtung von Potschi ausgesandte Recognos- cirungs-Abtheilungen meldeten, daß 8000 Mann chinesischer Truppen von Cilco an der Küste entlang vorrücken»

Shanghai, 28. Dez. Der chinesische Friedens- Kommissar Shan-Iin-Huang ist von Tientsin auf dem Landwege nach Tschifu abgereist und wird hier mit dem zweiten Kommissar Shaoyholien zusammen­treffen, worauf beide sich baldmöglichst nach Japan begeben.

Justizrath, dem Domänen-Rentmeister Friedrich Heinrich Bell in Hanau der Charakter als Domänen-Rath dem Sekretär Wettich bei dem König!. Provinzial Schulkollegium in Kassel der Charakter als Rechnungs­rath. — Versetzt: die Regierungs-und Forsträthe Boy von Kassel an die Regierung in Potsdam und John von da an die Regierung in Kassel für die Geschäfte der Forstlnspektronen Potsdam-Joachimsthal und Kassel- Schwege. — Pensionirt: der Schutzmannswachtmeister Maares bei der König!. Polizei-Direktion in Kassel. — Verlegt: die Schepeler'sche Apotheke von Roten­burg nach Bebra.

X Oberbimbach, 28. Dez. Wonnevoller Zauber mit überwältigender Stärke ergreift Jung und Alt beim Durchdenken der hohen Ereignisse, die an den vergangenen hohen Festtagen vor die Seele geführt werden. Der süße Schauer, der die Menschenbrust an dem lieblichsten Feste der Kinder umweht, wurde hier noch erhöht und vergrößert durch ein religiöses Krippenspiel, welches in unserer Pfarrei zum ersten Male zur Aufführung gelangte. Der erst seit kurzer Zelt hier wirkende Herr Lehrer Bausch hatte sich der großen Mühe unterzogen, dieses Spiel mit seinen zum Theil recht schweren Rollen mit ausgesuchten fähigen Schulkindern aufzuführen. Ueberraschend waren die Auftritte der Hirten, und wahrhaft ergreifende Rühr­ung konnte man in den Gesichtern der in dichter Menge den Saal ausfüllenden Zuschauer lesen, als kleine mit schneeigen Gewändern bekleidete Mädchen als Engel den Hirten verkündeten, daß das langer­sehnte Heil der Welt erschienen sei, das süßen Frieden in die Menschenherzen senkt. Nicht durch den Reiz der Neuheit soll sich das Spiel an die Zuschauer wenden, sondern erbauend soll es wirken, das war der Grundgedanke der Ansprache, welche Herr Lehrer Bausch vor Beginn des Spieles an die Versammlung richtete, und dieser schöne edle Gedanke bewahrheitete sich im reichsten Maaße. Ausrichtigen von Herzen kommenden Dank zollten alle Anwesenden dem ge­nannten Herrn für die aufgewandte große Mühe bei Einübung des Spieles und aus aller Munde hörte man den Wunsch äußern, am kommenden Neujahrfeste und am Feste der Hl. drei Könige das Spiel, das so sehr befriedigt hat, noch einmal aufzuführen. Herr Lehrer Bausch hat während der kurzen Zeit seines Hierseins schon recht segensreich gewirkt, die Achtung und Liebe aller Pfarreiangehörigen ist ihm gesichert'; möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange zum Wohle unserer Kleinen hier rhätig zu sein.

* Hünfeld, 28. Dez. Am 24. Dez. wurde in einem Garten dahier eine blühende Rosewkno^pe ntl__

einem im Freien stehenden Rosenstocke gefunden. Gewiß eine Seltenheit zu dieser Jahreszeit und ein Zeichen des bis jetzt sehr gelinden Wetters.

* Tann a. d. Rhön, 24. Dez. In der vergangenen Nacht brach in dem benachbarten Günthers in einer Scheuer Feuer aus, und sind in kurzer Zeit 3 Wohn­häuser, 2 Scheunen und 2 Ställe ein Raub der Flammen geworden. Wären die Feuerwehren aus den benachbarten Orten Schlitzenhausen, Tann und Neus- warts nicht rechtzeitig zur Hilfe gekommen, so hätte das Feuer eine noch größere Ausdehnung genommen. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist nichts bekannt.

* Flieden, 24. Dez. In der Nacht zum 22. d. M.

Augenblicke an, wo ich Sie gesehen, fühlte ich mich zu Ihnen hingezogen, und in den letzten Stunden der Gefahr und Angst bin ich mir über meine Gefühle klar geworden. Ich liebe Sie mit der ganzen Kraft meines Herzens; wenn wir dieser Gefahr glücklich ent­rinnen, wollen Sie mir dann versprechen, einstens meine Gattin zu werden?"

Vally schüttelte das Haupt.

„Sie täuschen sich in Ihren Gefühlen, Sie fühlen nur Mitleid mit mir, Herr Waldau, weil ich eines Schutzes gegen Michael bedarf. Was kann Ihnen an einem unbekannten Mädchen liegen, das in der Wald­einsamkeit bisher gelebt hat?"

„Ich will offen reden," fuhr er fort, „ich kam mit dem Gedanken nach Amerika, hier in der Einsamkeit ruhig zu leben; aber nachdem ich Sie an jenem Herbst­morgen sah, verstand ich deutlich, daß man Reichthum, Glanz, Freunde und Eltern freudig gegen Liebe ein­tauschen kann."

„So denken Sie jetzt, Herr Waldau," entgegnete Vally, „aber wenn Sie erst wieder in Ihrer alten Heimath sind, werden Sie anders empfinden."

„Niemals!" versicherte er.

„Wollen Sie immer hier bleiben?" fragte sie weiter. „Sie sind ganz verschieden von denen, die sich hier in der Umgegend niederlassen, oder die hier durchreisen; oder kehren Sie nack Deutschland zurück?"

„Selbst wenn ich das thue, sollte ich meine Gattin nicht mit in die Heimath nehmen?! Geliebte," er er« jriff ihre Hände, „willst Du nicht meine Christblume ein? mit mir Freude und Leid des Lebens theilen? treu zu mir halten in der Fremde und in der Heimath? Ich glaube, in Deinem Herzen regt sich der Wunsch, auch einmal Deutschland, mein Heimathland, kennen zu lernen."

I den Worten gemeldet: „Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: den Landrath Fliedner in Fulda zum Ober-Regierungsrath zu ernennen."

* Soeben erfahren wir, daß der bisher von Don Josaphet redigirte Sendbote des hl. Antonius von Padua in der Person des hochw. Herrn Prof. Dr. Otto in Paderborn einen Redakteur gefunden hat, dem es sicher gelingen dürfte, das durch den ersten Redakteur erschütterte Vertrauen der Verehrer des großen Heiligen wieder zu gewinnen und zu erhalten. Die wegen des bekannten Verhaltens Don Josapbet's zurückgebliebenen Dezemberhefte werden in den ersten Tagen des Januar erscheinen und wünschen wir dem Verleger (Junfermann'sche Buchh. in Paderborn) für die vielen bisher gebrachten Opfer besten Erfolg.

* Der Minister des Innern hat angeordnet, daß von den Standesbeamten an Stelle der Auszüge aus den Standesamtsregistern Bescheinigungen in ab­gekürzter Form nur in den vom' Gesetz oder von der Central-Instanz bestimmten Fällen ertheilt werden dürfen. Eine Ausdehnung des Gebrauchs der abge­kürzten Bescheinigungen werde in Erwägung genommen werden, sobald ein allgemeines Bedürfniß dazu nach­gewiesen sei.

* Eine Verfügung des Ministers des Innern und des Finanzministers an die Oberpräsidenten und Regier­ungspräsidenten über die Anrechnung der Militär­dienstzeit auf das Dienstalter der Civilbeamten bestimmt, daß bei denjenigen Civilanwärtern, die ihrer Militärpflicht schon vor ihrer Notirung für den Su- | balterndienst, also zwischen dem Abgang von der Schule und der Notirung genügt haben, eine Anrech­nung der Militärdienstzeit überhaupt nicht und bei solchen Civilanwärtern, die erst nach ihrer Notirung zur Ableistung des Militärdienstes herangezogen werden, nur insoweit zulässig ist, als dadurch der Eintritt in den Civildienst nachweislich verzögert worden ist.

* Unteroffiziere und Mannschaften der Landwehr zweiten Aufgebots ziehen sich noch immer militärische Strafen dadurch zu, daß sie eine Bestimmnng des neuen Wehrgesetzes nicht beachten. Wenngleich diese Mannschaften an den Kontrolversammlungen nicht mehr theilnehmen, sind sie doch nach wie vor ver­pflichtet, jeden Umzug aus einem Orte in den andern, Veränderungen in ihrem Familienstande drirch Geburt und Tod bis zum 39. Jahre jedesmal dem zuständigen Bezirkskommando zu melden.

(Personal-Chronik.) Ernannt: die Referendare Karl Z e d d i e s und H o r st zu Gerichtsassessoren, der Rechts­kandidat Frantz zum Referendar, die Kataster-Kon- troleure Otto in Gelnhausen und Gitzen in Fulda zu Steuer-Inspektoren, der Sergeant Peter Hamacher vom Königs-Jnfanterie-Regiment Nr. 145 zum Schutz­mann bei der Kgl. Polizei-Verwaltung in Hanau, der Gerichtsdiener, Gerichtsvollzieheramtsanwärter Nolte in Vöhl zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht in Corbach, der seitherige Strafanstaltsaufseher Köddi n g aus Ziegenhain zum Gerichtsdiener bei dem Amts­gericht in Frankenberg, der Stellenanwärter Sebert zum Gerichtsdiener bei dem Amtsgericht in Hilders. — Verliehen: dem Amtsgerichtsrath Graf in Arolsen aus Anlaß seines 50jähr. Dienstjubiläums der Königl. Kronen-Orden 3. Klasse, dem ersten Staatsanwalt Schumann in Hanau der Charakter als Geheimer

breitete ihn als Lager am Feuer über die erstarrte | Erde hin und ruhte nicht eher, als bis Valeska darauf gebettet war.

„Ich kann gar nicht begreifen, weshalb Sie und Herr Saarfeld so sehr um mich besorgt sind, Sie haben mich ja kaum kennen gelernt und —"

„Wir haben Ihrer Schwester Laura versprochen, Ihnen in der Noch Hülfe zu leisten," unterbrach er sie. „Saarfeld ist ein guter Mensch, der ein gegebenes Wort stets Hält, und was mich betrifft — —" er stockte verwirrt.

„Wissen Sie, welchen Tag wir heute haben, oder vielmehr gestern hatten, denn es ist längst Mitternacht vorüber?" fragte er dann.

„Es ist Weihnachten! meine Pflegeeltern feierten an diesem Tage meinen Geburtstag und nannten mich Christblume, weil sie mich au diesem Tage ausgenommen hatten."

Kurt hielt ihre Hand fest.

„In Deutschland trägt dieser Tag neben dem hehren religiösen Charakter auch den eines trauten Familienfestes," berichtete er, „und Freunde, Eltern und Kinder überraschen einander durch sinnige Geschenke; es ist dort ein Freudenfest."

„Ich weiß es," lächelte sie, „mein Vater hat's mir erzählt."

„Ich will von einer alt hergebrachten Sitte unseres Hauses erzählen," fuhr er fort, „meine Ahnen pflegten am Weihnachtsfeste sich eine Gattin zu wühlen, fo hat es mein Vater, mein Großvater, mein Urgroßvater und so haben es frühere Generationen gethan und fo will ich es auch thun."

„Aber hier in dieser Einöde können Sie zwölf oder zwanzig Mal Weihnachten feiern und sehen noch keine junge Dame," wandte Valeska ein.

„Ich habe eine gefunden! Meine Christblume! darf ich es aüssprechen in dieser Stunde? Von dem

Äadt, Provinz und UndilmnjclM

Fulda, 29. Dezember.

* Der heutigen Nummer unseres Blattes legen wir als Gratisbeilage einen Wandkalender für das Jahr 1895 bei. Derselbe dürfte in der geschmackvollen und farbenprächtigen Ausstattung, die ihm unsere Druckerei verliehen hat, und in seiner praktischen Einrichtung mit Raum zu Notizen unfern Abonnenten eine will­kommene Gabe sein. Wir wünschen unfern Lesern, daß sie im neuen Jahre Gelegenheit haben, recht viele glückliche Tage auf dem Kalender zu verzeichnen. Zum 1. Januar neu hinzutretende Abonnenten erhalten auf Wunsch den Kalender nachgeliefert.

* Das Kaiserliche Postamt übergibt uns heute Nachstehendes zur Veröffentlichung: Am Sonntag den 30. Dezember werden bei den sämmtlichen Postämtern 1. Klasse des Ober-Postdirektionsbezirks Kassel die Schalter für die Brief-Annahme und für den Verkauf von Postwerthzeichen in demselben Umfange wie an Werktagen offen gehalten werden.

* Die irisieren Lesern bekannte Ernennung des Herrn Landraths Fliedner zum Oberregierungsrath wird in dem gestern zur Ausgabe gelangten ,Reichs- und Staatsanzeiger' (Nr. 304 vom 28. Dez.) mit folgen- brunnen gerettet, um hier mit Ihnen vor Kälte zu i sterben. Um Michael Richter nicht zu begegnen, schlug ich einen falschen Weg ein---habe mich ver­

irrt."

Das Mädchen erfaßte feine Hand und der warme Druck ihrer Finger schien seinen gesunkenen Muth wieder neu zu beleben.

„Glauben Sie nicht," flüsterte sie ihm zu, „daß, wenn ich selbst in dieser Nacht sterben müßte, ich Ihnen danken würde, daß Sie mich vor einem furchtbaren Schicksale bewahrt haben? Martha hat mir oft genug gedroht, daß, wenn ich Michael nicht heirathete, ich mein ganzes Leben in einem Jrrenhause zubringen sollte. Ich sollte nie Laura, nie Jemand Wiedersehen, den ich liebte."

„Die Elenden!" knirschte Waldau.

„Sie sind arm, aber sie streben nach Reichthum, selbst wenn sie ihn aus ungerechte Weise erlangen — doch wir wollen nicht von ihnen reden! Wenn ich nur nicht so entsetzlich müde wäre, Herr Waldau, und wenn der Kops nicht heftig schmerzte, so würde ich den Weg schon leicht finden. Ich bin in dieser Gegend aufgewachsen, kenne jeden Baum und Strauch meilen­weit im Umkreise, darum fürchte ich mich nicht, wir werden schon nach Saratonka gelangen."

Kurt schöpfte neuen Muth; er band das Pferd an einen Baum, sammelte dürres Holz und zündete ein Feuer an, damit sie Schutz gegen die Kälte hatten und beschloß, den Anbruch des neuen Tages geduldig ab­zuwarten.

„Wenn die Sonne aufgegangen ist, kann ich mich orientiren," versicherte Vally. „O, Herr Waldau, wie habe ich in der letzten Zeit gefürchtet, ich würde sie nie wieder aufgehen sehen, ich wav ja eine Gefangene, dies kleine Ungemach, uns im Walde verirrt zu haben, erscheint mir daher nur von geringer Bedeutung."

Kurt zog seinen warmen Pelzmantel aus und 1