Truppen vorzüglicher denn je; die Beziehungen der neutralen Mächte seien so freundschaftlich wie niemals ftüher. Die Revision der Verträge sei Japans Wünschen entsprechend mit mehreren Ländern bereits vollendet, eine Revision der Verträge mit anderen Ländern mache befriedigende Fortschritte. In so ruhmvoller Lage habe Japan den dringendsten Wunsch, in der Civilisation fortzuschreiten. Die Thronrede schließt mit dem Rath, das Parlament möge die innere und äußere Lage des Landes erwägen und dadurch die vollständige Ueberein- stimmung zwischen Regierung und Volk sicher stellen.
„vor mehr als zwanzig Jahren habe ich es ebenso gemacht. Ich reiste nach Vancouver, gerade wie jetzt Ihr Bruder, und fand das Leben dort recht romantisch. Nur war mein Aufenthalt dort nicht allein zu meinem Vergnügen. Sie wissen, daß wir nur durch Erbschaft in den Besitz unseres Vermögens gelangt sind; als ich die Heimath verließ, waren die Aussichten darauf noch sehr gering, darum brachte mein Vater eine kleine Summe zusammen, die er mir mit dem Befehl übergab, damit in der Ferne mein Glück zu versuchen."
„Ist es Ihnen gelungen?" Der Graf erbebte.
„Ich stürzte mich gleichsam in einen Strudel von Arbeit, Mühe und Sorgen. Aber vor zwanzig Jahren war diese Gegend noch sehr unwirthlich, und ich hätte eher elendiglich zu Grunde gehen können, als zu einem Wohlstand gelangen."
„Denken Sie nicht weiter daran, Herr Graf, bat Helene, „das Vergangene ist vergangen; die Erinnerung ist Ihnen nur schmerzlich "
„Und doch ist es besser, ich erzähle es Ihnen. Haben Sie Ihr Versprechen, meine Lebensgeschichte anzuhören, denn vergessen?"
„Nein, sondern ich möchte sie gern hören."
„Seitdem ich weiß, daß Ihr Bruder in Amerika ist, will mir der Gedanke nicht aus dem Sinn, ob er mir vielleicht helfen kann. Sie sagen, er ist in Kolumbia, ist er etwa in der Gegend von Vancouver?"
„Dort landete er. Er muß von dort etwa 3 — 4 Tagereisen im Innern des Landes sein. Wir richteten seine Briefe nach Saratonka, im dortigen Farmhause hat er sich aufgehalten. Aber er schreibt so selten; wir wissen nicht, ob er sich da noch aufhält."
„Sie sind sehr einfach. Wären Sie eine verhei- rathete Frau, so würde Ihr Gatte die Erfüllung Ihnen gern gewähren. Darf ich Ihnen die Geschichte meines Lebens erzählen, das dunkle Geheimniß enthüllen, weshalb ich, ein Fünfzigjähriger, so allein in der Welt stehe?"
„Später, Herr Graf, später erzählen Sie mir Ihre Geschichte — nicht heute!"
* *
Das Weihnachtsfest war vorüber. Die meisten Gäste hatten Schloß Hochstein längst verlassen, doch Graf Erlau fand Gefallen an dem geselligen Familienleben und wollte noch nicht in sein einsames Stammschloß zurückkehren.
„Wenn Kurt doch endlich zurückkehrte," seufzte Helene, als sie an einem klaren, frostigen Januartage mit ihrem Freunde einen Spaziergang machte. „Sie glauben gar nicht, Herr Graf, wie sehr ich ihn vermisse; wir sind früher sehr selten so lange gettennt gewesen!"
„Wann erwarten Sie ihn zurück?" fragte der Begleiter theilnehmend. „Er ist im Auslande, in Amerika, nicht wahr?"
„Ja, ihm sagte das Leben in der Heimath nicht mehr zu — er wollte die Welt kennen lernen und durchreist die unwirthliche Gegend in Kolumbia. Als er uns schrieb, hielt er sich in einem Farmhause auf; aber wir haben so selten N achricht von ihm und können mcht^begreifen, warum er uns denn nicht häufiger
„Die Farmhäuser sind dort sehr anziehend, besonders für die Jugend," versetzte der Graf gedankenvoll,
dem Zwecke eingebr»cht, die Einführung eines Quebracho- Zolles zu ermöglichen. Argentinien ist nämlich das Hauptbezugsland für diesen Gerbstoff. Die Antragsteller irren jedoch dem genannten Organ zufolge mit der Ansicht, auf diesem Wege zum Ziele gelangen zu können. Das Quebrachoholz ist bisher als ein „Roh- erzeugniß für den Gewerbe- und Medizinal-Gebrauch" nach der Zolltarif-Position 5m zollfrei eingelassen. Durch die Handelsverträge mit Oesterreich - Ungarn, Italien, Belgien u. s. w. wurde die Zollfteiheit der Position 5m gebunden. Wie Deutschland nun von den Staaten, mit denen es Handelsverträge abgeschlossen hat, verlangen kann, daß diese aus den auf Zollfreiheit gebundenen Positionen nicht nach Belieben Maaren herausnehmen, so müsse, führen die ,B. P. Nck aus, Deutschlund auch den anderen Staaten dasselbe einräumen. Mit der Kündigung des Handelsverttages wäre also in der Quebrachozollfrage kein Schritt vorwärts geihan. Ein Versuch, durch Einzelverhandlungen mit den Staaten, mit denen Deutschland Tarifverträge abgeschlossen hat, eine Aenderung der letzteren herbeizuführen, hätte wenig Aussicht, ganz abgesehen davon, daß ein Zugeständniß ohne Gegenzugeständnisse nicht zu erlangen wäre. Ein Quebrachozoll würde, wenn ihm nicht der Zoll auf die anderen Gerbmaterialien folgte, den Eichenschälwald-Besitzern Deutschlands nicht im mindesten nützen, wohl aber der deutsche» Leder- Industrie schweren Schaden zufügen.
* Protestantische Empfindlichkeit scheint wieder einmal in bedenklichem Maße rege geworden zu sein. Die offiziöse ,Berl. Korresp.' sieht sich nämlich veranlaßt, zu schreiben: „In evangelischen Missionskreisen scheint die Thatsache eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen zu haben, daß der Missionsgesellschaft der Oblaten zu Valkenberg in Holland die Erlaubniß ertheilt worden ist, zum Zwecke der Ausbildung deutscher Missionare für die Heidenmission, namentlich in Deutsch-Südwestafrika, in Fulda eine Niederlassung zu gründen. Diese Beunruhigung hat auch in verschiedenen Artikeln der Tagespresse Ausdruck gesunden. Es wird befürchtet, daß das Eindringen der katholischen Missionare in das bisher lediglich von evangelischen Missionsgesellschaften mit gutem Erfolg bearbeitete südwestafrikanische Schutzgebiet eine S t ö r u n g j des evangelischen Missionswerkes bedeute. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß das den Oblaten angewiesene Feld ihrer künftigen Wirksamkeit im Nordosten des Schutzgebietes liegt, wo bisher überhaupt noch keine Mission thätig gewesen ist. In Kenntniß dieses Umstandes erblickt auch — wie wir zu wissen glauben — die in erster Linie betheiligte Rheinische Missionsgesellschaft in der Zulassung der Oblaten keine Gefahr für ihre im Schutzgebiet durch langjährige und erfolgreiche Arbeit gesicherte Thätigkeit. Jedenfalls kann von einem Einbruch katholischer Missionare in ein evangelisches Missionsgebiet nicht die Rede sein." — Ob man auch so prompt eine offiziöse Erklärung hätte ergehen lassen, wenn in katholischen Kreisen eine „Beunruhigung" Platz gegriffen hätte?
* Der Abg. Ahlwardt hat gleich am Abend seiner Entlassung aus Plötzensee seine Versammlungs- thätigkeit für 20 Pfennige Eintrittsgeld wieder ausgenommen. In den Germania-Sälen fand eine stark besuchte Versammlung statt, in weicherer sein politischsoziales Programm entwickelte. Es ist derart auf sozialistischen Grundsätzen aufgebaut, daß ihm einer dazwischenrief: „Das ist der reine Sozialismus!" Ahlwardt wollte das aber nicht wahr haben. Von | der neuen Antisemiten-Partei erwartet er, daß sie seinen I
I Anschauungen zustimmen werde; sonst will er nicht für sie wirken. Die Antisemiten Professor Dr. Förster und v. Mosch erklärten ihr Einverständniß mit Ahlwardt.
* Das Ergebniß der in Magdeburg gegen Zöglinge der Oberfeuerwerkerschule geführten militärgerichtlichen Untersuchung wird, wie offiziös mitgetheilt wird, demnächst veröffentlicht werden.
Ausland.
* Paris, 24. Dez. Eine Magistratsperson erklärte im Justizpalaste, in Folge der Berurtheilung des preußischen Lieutenants v. Schönebeck habe die ftanzö- sische Regierung die strengsten Maßregeln gegen alle in Paris wohnenden Deutschen getroffen; die Deutschen, welche die gesetzlichen Vorschriften, betreffend des Aufenthaltsrechts, nicht erfüllt hätten, sollen massenhaft ausgewiesen werden, ebenso alle verdächtigen Deutschen, auch wenn dieselben die betreffenden Vorschriften befolgt hätten. Diese Erklärung rief große Bestürzung hervor. — Der Vertheidiger des Hauptmanns Drey- fu s hat gegen das Urtheil des Kriegsgerichtes die Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet. Dieselbe stützt sich auf zwei Gründe: Zunächst schnitt der Vorsitzende des Kriegsgerichts, Oberst Maurel, dem Vertheidiger das Wort ab, als dieser das geheime Verfahren bekämpfen wollte; dann aber erklärte der Kriegsminister Mercier noch vor Beginn des Prozesses einem Berichterstatter des ,Figaro', daß Dreyfus die Todesstrafe verdiene. Zuständig ist nun jetzt der Pariser oberste Krieqs- gerichtshof.
* Im Warschauer ,Slowo' vom 20. d. M. ist zu lesen: „Gestern, als an dem feierlichen Tage des Namenstages des Kaisers Nikolaus II., wurden in den Kirchen aller Bekenntnisse feierliche Gottesdienste abgehalten. Warschau, welches vom frühen Morgen mit Flaggen geziert war, erstrahlte des Abends von einer herrlichen Illumination. Außer den Lampions und den Gasflammen, welche vor allen Regierungs- j gebäuden und den Privathäusern leuchteten, ergossen sich aus den Fenstern der Privatwohnungen Ströme von Licht. In einzelnen Stadttheilen gab es auch nicht ein Haus und in diesem Haus auch nicht ein Fenster, in welchem nicht zwei oder vier Lichte angezündet waren. Besonders leuchteten die Fenster in der Altstadt, in den Straßen Krakowskie przedmiescie, Dluga, Senatorska, Marszalkowska, Jerozolimska, Krucza, au dem Theaterplatz, an der Zelazna Brama usw. Au den Straßen bewegte sich eine dichte Menschenmenge. In den Theatern wurden die Vorstellungen, wie das gewöhnlich an Galatagen geschieht, mit dem russischen Nationallied eröffnet, welches auf Verlangen der Anwesenden unter brausendem Händeklatschen dreimal wiederholt wurde. In dem großen Theater erschienen in den Logen Herren wie Damen in Balltoilette. Es sind das neue Beweise des Vertrauens, welche seitens der p o l n i s ch e n Bevölkerung dem neuen Zaren entgegengebracht werden.
* Petersburg, 20. Dez. Durch kaiserliche Ordre vom gestrigen Tage ist der bisherige Botschafter in Berlin, Graf Schuwalow, zum Generalgouverneur in Warschau und Kommandirenden des Warschauer Militärbezirks ernannt worden.
* Yokohama, 24. Dez. Das Parlament wurde heute mit einer Thronrede eröffnet, in der auf die von den japanischen Truppen errungenen Siege hingewiesen und hervorgehoben wird, daß die Armee unaufhaltsam in Feindesland vordringe. Ungeachtet der Kälte und der Entbehrungen sei die Haltung der
Stadl, Provinz und Uachbargebiet.
Fulda, 28. Dezember.
* Am Weihnachtsabend fand, wie alljährlich, in der hiesigen städtischen Kleinkinderbewahranstalt die Christbaumbescheerung für die lieben kleinen Pfleglinge der Anstalt statt. Der Superior der barmherzigen Schwestern, Herr Dompfarrer Endert, eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache an die erschienenen Gäste, in welcher er auf die Bedeutung des Christbaumes mit seinen Gaben hinwies und dann allen Jenen, welche auch in diesem Jahre ihr Scherflein beigetragen, den herzlichen Dank aussprach; besonders betonte er, welche Freude den guten Schwestern gerade der heutige Abend bereiten müsse, an dem sie nach so manchen Opfern und mühevoller Arbeit im Laufe des Jahres nun auch mit eigenen Händen den Kleinen die Gaben bereiten und an ihrem Jubel von Herzen theilnehmen könnten. Dann ertönte das Glöckchen, es öffneten sich die Thüren und herein kam die Kinderschaar leuchtenden Auges den Christbaum und die reiche Fülle der Gaben betrachtend. Es wechselten nun Gesänge und Gedichtcheu ab, alle von den Kindern vorgetragen mit solcher Fertigkeit und solchem Verständniß, daß es eine Freude war zuzuhören. Hierauf folgte die Vertheilung der Geschenke, welche in diesem Jahre besonders reichlich ausgefallen waren, so daß alle Kinder — über 100 an der Zahl — vollständig gekleidet werden konnten. Möge das göttliche Kind Allen lohnen, welche in seinem Namen den lieben Kleinen diese frohe Festesstunde bereitet.
—* In sehr erhebender Weise haben auch in diesem Jahre die verschiedenen christlichen Vereine Fulda's ihre Weihnachtsfeier begangen. Nachdem zu urtheilen, was die Jünglingskongregation, an deren Feier wir theilnahmen, in ihrem festlich geschmückten Vereinslokale den Besuchern bot, können solche Festlichkeiten nur veredelnd auf ihre Theilnehmer wirken. Zunächst kam in mehreren Vorträgen herrlicher Gedichte die hohe Bedeutung des Festes zum Ausdruck. Von den beiden Festspielen, die, wir mochten sagen, fast meisterhaft aufgeführt wurden, wollte das eine das Vertrauen auf die Patronin des Vereins, die jungfräuliche Gottesmutter, wecken, das andere zur Erheiterung dienen. Beide Spiele erreichten ihren Zweck bei Jung und Alt in vorzüglichem Grade. Eine Ueberraschung und Ehrung wurde dem unter den Gästen anwesenden Gründer und früheren Präses des Jünglingsvereins, Herrn Prof. Schick bereitet, indem Herr Prof. Dr. Leimbach, der Vereinspräses, in seiner begeisterten Ansprache die Feier so darstellte, als gelte sie dessen vor einigen Tagen erfolgten Ernennung zum Geheimkämmerer Sr. Heiligkeit des Papstes. Nur beifällig wurde auch in diesem Sinne die Festfeier ausgenommen und die Drohung des verehrten Herrn, er werde, wenn man ihn so aufziehen wolle, "an den Festen des Vereins nicht mehr theilnehmen, unter allgemeiner Heiter-
„Glauben Sie, daß er — dort — Nachforschungen für mich anstellen konnte?" Der Graf brachte nur zögernd und mit sichtlicher Anstrengung diese Worte hervor.
„Das würde er ganz bestimmt, wenn —"
„Sie müssen erst alles wissen," unterbrach sie der Gras. „Vor etwa zwanzig Jahren reifte ich nach Vancouver, um dort mein Glück zu machen, und fand eine Gattin."
Helene blickte erstaunt auf.
„Meine Laura ist schon seit vielen Jahren tobt," fuhr der Graf fort, „ich liebte sie leidenschaftlich; sie war ein Engel, und ich war ihrer nicht würdig. Die Jahre vergingen, das wenige Geld, das ich mitgenommen hatte, war längst verzehrt, wir drangen immer tiefer in das Land hinein, und durch meiner Hände Arbeit mußte ich das Leben meiner Frau und meiner kleinen Mädchen fristen."
Der Graf seufzte. Dann fuhr er fort:
„Eines Tages erhielt ich einen Brief von meinem Vater. Er schrieb mir, daß sein Vetter gestorben, daß er in den Besitz eines bedeutenden Vermögens und eines Grundeigenthums gelangt sei, daß er aber gleichzeitig Erbe des Titels und des Namens seines Vetters, Graf Erlau, geworden sei, denn bisher trug er wie ich den einfachen Namen: Arthur Nobel. Mein Vater mar, ein harter, -strenger Mann, der mich an spartanischen Gehorsam gewöhnt hatte, und den ich daher mehr fürchtete, als liebte. Er schrieb mir ferner, daß ein Gerücht von meiner Verheirathung zu ihm gedrungen fei, und daß, falls dieses Gerücht auf Wahr-