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Freitag, den 28. Dezember 1894.

21. Jahrgang

FuldaerMZkituiig

mit Nrrtrrhattnngs-Kettagr Sterne und Kinmen".

Srschktst «q«ch. 6*w ** gewtM« auiaenomme*. — BiertrljLHMcher Abou»«»e»tSpr»i< »ha« Bringerlohn and Bestellgeld in Fulda m» nnswärt» 1 Start 50 Pfennig. I»,ernte foftwHe «^Stige »armonvzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rndntt.

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Der Post-Abonnementspreis auf die ,Fuldaer Zeitung' mit der iüustrirten Sonntagsbeilage u<^lutnett beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

Die ,Fuldaer Zeitung^ behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Die ______

Fuldaer Zeitung —- ist unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden Blät­tern das weitaus gelesenste und eignet sich deshalb auch ganz besonders als Jnsertionsorgan. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit. _______

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werden an uns aufgegebene Adressen mehrere Tage kostenlos und portofrei versandt.

Wir laden unsere Leser zu recht zahlreichem Abonnement ein nnd richten zugleich an sie die Bitte, uns in der Gewinnung neuer Abonnenten durch Empfehlung in Freundeskreisen nach Kräften zu unterstützen.

Fulda, im Dezember 1894.

Rrdaktion und Verlag der,Fuldaer Zeitung'

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Dezember.

* Vom neuen Reichstagsgebäude erzählt ein Korre­spondent der ,Köln. Volksztg.': Der Gefammteindruck des Publikums ist: herrlich, gewaltig, unübertrefflich. Ganz anders urtheilt der Abgeordnete, der in diesem Hause tagelang berathen und arbeiten soll. Ist das neue Haus auch praktisch und bequem? Die Antwort wird von den zunächst Betheiligten meist mit einer so ungescheuten Offenheit gegeben, daß man fast Bedenken tragen sollte, sie weiter zu sagen. Aber die Wahrheit wird ja doch sehr bald bekannt werden, sobald der Jubel über die neue Herrlichkeit etwas verraucht ist. Weshalb sie also jetzt noch verschweigen? Also kurz und gut: das einstimmige Urtheil aller Abgeordneten ohne alle und jede Ausnahme geht dahin, daß das neue Gebäude als Geschäftshaus für den Reichstag das denkbar ungünstigste, unpraktischste und unbrauch-

[] 5>te HhristbLunre.

Erzählung von C. Borges.

(9. Fortsetzung.)

Bald nachdem Kurt seine Reise nach Amerika an­getreten hatte, war die Mutter schnell entschlossen, die Zukunst ihrer Tochter in die Hände eines guten Gatten zu legen.

„Ich bin fast verzweifelt, Helene," begann sie vor­wurfsvoll, als an einem herrlichen Herbsttage die Tochter sich standhaft weigerte, an einer größeren Land- parthie theilzunehmen. „Was denkst Du denn, daß später aus Dir werden soll, wenn Du Dich so häufig wie eine Schnecke in Dein Haus zurückziehst?"

„Nichts von Bedeutung, Mama," versetzte Helene gelassen, „vermuthlich werde ich alt und grau werden, wie meine Mitmenschen."

„Mißverstehe mich nicht, Kind; Du weißt recht gut, was ich meine," herrschte die Mutter im strengen Tone die Tochter an. „Dein Vater ist alt — siebenzig Jahre — und seine Tage sind voraussichtlich gezählt. Wie würde es Dir gefallen, wenn Du später in der Welt ohne Stütze allein ständest? Ich bin auch hinfällig geworden und kann auch nicht immer bei Dir bleiben."

„Sprich nicht davon, Mama, — ich mag nicht daran denken, wie es werden wird, wenn Papa von

barste ist, welches man bekommen konnte. Ein be­kannter Abgeordneter hat sein Urtheil kurz dahin zu­sammengefaßt: „Wenn man morgen den Antrag stellt, in den alten Reichstag zurückzukehren und dort zu bleiben, so stimmt der Reichstag einstimmig dafür." Treppenhäuser, Wandelgänge, Vorsäle, Korridore und Prachträume in Hülle und Fülle, sogar in unglaub­licher Verschwendung, aber praktische Arbeitsräume zu wenig, und eine Vertheilung derselben, die aller Be­quemlichkeit Hohn spricht. Ist denn kein einziger Mensch bei Feststellung des Grundrisses betheiligt gewesen, der von den geschäftlichen Bedürfnissen eines Parlaments eine Ahnung hat?

* Der Berliner Bierboykott soll nun doch auf­gehoben werden. Zwischen den Ringbrauereien und Herrn Singer ist eine Einigung erzielt worden, die im Wesentlichen darauf hinausläuft, daß den 33 noch nicht beschäftigten Brauereiarbeitern die Benutzung des zu errichtenden Arbeitsnachweises mit der Maßgabe zu­gestanden worden ist, daß diese 33 Arbeitnehmer nicht in dieselben Brauereien, in denen sie vor dem Boykott arbeiteten, wieder eingestellt werden. Diese 33 werden von den Brauereien als die Anstifter des Boykotts angesehen.

* Nachdem die katholischen Einwohner der Berliner Vororte Friedrichsberg, Lichtenberg und Rum­melsburg nach langem, hartem Kampfe in den Besitz einer katholischen Schule gelangt sind, wollen nun auch die Katholiken in Schöneberg die Errichtung einer katholischen Schule von der Gemeinde Schöneberg ver­langen. In einer zu diesem Zwecke im Lindenparke am Freitag Abend stattgefundenen Versammlung führte der Reichstags- und Landtags-Abgeordnete Landgerichts­rath Schmidt aus, daß bereits im Jahre 1890 eine Eingabe in dieser Sache an den Gemeinde - Vorstand gemacht, damals aber von diesem wie auch von der Regierung abschlägig beschieden worden sei, weil die Zahl der Kinder, ca. 80, als zu gering erklärt worden sei, da für diese doch nur eine einklassige Schule er­richtet werden könne. Dieser Grund sei bei der ge­steigerten Kinderzahl, die jetzt 2—300 betrage, nicht mehr stichhaltig und er werde, wenn wider Erwarten der Gemeinde-Vorstand sich weigere, die Angelegenheit bis in die letzte Instanz verfolgen. An den Ortsvor­stand wurde die Eingabe gerichtet, die Errichtung einer katholischen Gemeiudeschule baldmöglichst in die Wege zu leiten.-

* Dem Reichstage ist die Uebersicht der Er­gebnisse des Heeresergänzungsgeschäftes im Jahre 1893 zugegangen. Danach sind von 1,522,076 in den Listen geführten Dienstpflichtigen unermittelt geblieben 45,222, ohne Entschuldigung ausgeblieben 117,483, anderwärts gestellungspflichtig geworden 375,390, zurückgestellt 517,186, ausgeschlossen 1431, ausgemustert 30,496, dem Landsturm ersten Aufgebots überwiesen 90,217, der Ersatzreserve überwiesen 84,394, der Marine-Ersatz- reserve überwiesen 334. Dagegen sind zum Tienst im stehenden Heere ausgehoben 234,865, davon zum unserer Seite gerissen werden sollte; aber dann würde ich bei Kurt bleiben."

„Wenn Du nur einwilligtest und die Gräfin Erlau würdest, so würden Dein Vater und ich keine Sorge um Dich haben."

Helene wandte sich dem Fenster zu und schaute hinaus.

„Das wird niemals geschehen," entschied sie, „der Graf ist ein Ehrenmann, und ich achte ihn hoch, aber er würde mich nie heirathen."

Die Mutter triumphirte.

Im Gegentheil, mein Kind; er war gestern Abend hier und sprach mit Deinem Vater. Jetzt hat er die Erlaubniß, sich mit seinem Anliegen direkt an Dich zu wenden."

Helene erbleichte.

„Das bedauere ich sehr, Mutter", hauchte sie tonlos.

„Sei doch nicht thöricht, mein Kind. Du hast so oft im Leben Dein Glück verscherzt, werde doch endlich vernünftig! Welchen erdenklichen Grund könntest Du angeben, seine Werbung abzulehnen? Es schien mir immer, daß Du in seiner Gesellschaft viel frischer und heiterer seiest, als gewöhnlich."

„Ja", gestand erröthend das Mädchen, „er ist ein angenehmer Gesellschafter, und ich achte ihn hoch; —

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Dienst für das Heer mit der Waffe 226,519, o hn Waffe 4065; für die Marine aus der Landbevölkerung 1898, aus der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung 2203. Ueberzählig geblieben sind nur 8350 Personen. Außerdem sind freiwillig eingetreten in das Heer 15,814, in die Marine 774. Ferner sind im Beginn des militärpflichtigen Alters eingetreten in das Heer 15,922, in die Marine 978. Die Gesammt- summe der Ausgehobenen bezw. freiwillig Eingetretenen beläuft sich demnach auf 268,173 Mann. Wegen un­erlaubter Auswanderung sind verurtheilt 25,851, noch in Untersuchung 15,522.

* Die vom preußischen Handelsminister geplante Reform der Handelskammern bezweckt nach der ,Post' eine zwangsweise Zusammenfassung aller Handels­und größeren Gewerbetreibenden in Kammern, deren Errichtung in Zukunft „in minderem Grade als bisher eine willkürliche sein soll". Etwhs dunkel! Wenn die Kammernzwangsweise sein sollen, kann ihre Errichtung doch überhaupt nicht mehr willkürlich sein.

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht amtlich die Ernennung des bisherigen preußischen Gesandten in Weimar, Geh. Leg.-Rath v. Derenthal, zum deutschen Gesandten am portugiesischen Hofe.

instand.

* Amsterdam, 24. Dez. Der Sturm in der Sonn­tag-Nacht zerstörte in Scheveningen ein Drittel der dortigen Schiffe. Alle Fischerboote lagen am Strande; 40 sind gänzlich zerstört. Der Schaden ist außer­ordentlich groß. In Egmond wurde ebenfalls die ganze Fischerflotte vernichtet. Ueberall an der Nordsee ist der Strand bis zu 20 Metern weggespült. Der Hafen von Vlissingen hat stark gelitten. Eine deutsche Bark scheiterte bei Egmond und wurde zerstört. Sieben Mann sind gerettet, die übrigen ertranken oder werden noch vermißt. Bei Schiermonnikoog strandete ein deut­scher Dampfer. Die Mannschaft wurde gerettet.

* Paris, 24. Dez. Der vom Kriegsgerichte zu lebenslänglicher Verbannung nach einem befestigten Platze und zur militärischen Degradation verurtheilte Hauptmann Alfred Dreh fuß soll im Gefängnisse einen Selbstmord-Versuch gemacht haben. Nach dem .Journal des Tobats' erklärt jedoch die Polizei dieses Gerücht für unbegründet.

* Crisplls politischer Bankerott scheint besiegelt. Die Aufregung über die plötzliche Vertagung der Kammer nimmt von Tag zu Tag zu. Verfassungs­gemäß liegt die Sache nun so: Wird die Kammer nicht formell aufgelöst und werden neue Wahlen nicht aus­geschrieben, so tritt nach 90 Tagen vom Tage der Sistirung an auch ohne spezielle Einberufung die Kammer wieder zusammen zu rechtskräftiger Beschluß- fasfung! Wahrscheinlich wird aber die Kammer ganz aufgelöst und Crispi sucht bei den Neuwahlen eine ihm günstige Majorität durchzudrücken. Dazu aber gebraucht es der Zeit, bis sich der am letzten Samstag entfesselte Sturm der Aufregung gelegt hat und die aber^wch mehr fühle ich tiefes, inniges Mitleid mit ihm!" . .

„Mitleid?" wiederholte ungläubig die Frerfrau, er ist einer der reichsten Grafen der Umgegend; sein Name ist berühmt; Du müßtest Dich glücklich preisen, wenn er Dich zur Gattin erheben würde."

„Nichtsdestoweniger hat er das traurigste Gesicht, das ich je auf der Welt gesehen habe", versetzte Helene, „und er steht ganz allein in der Welt und hat gar keine Verwandte."

„Das ist in meinen Augen nur ein Vortheil für seine' zukünftige Gattin," wandte die Mutter ein, „Verwandte sind gar oft in dem Leben junger Ehe­leute lässig."

„Ich kann Dir nur wiederholen, was ich schon oft sagte, ich achte den Grafen Erlau hoch, aber — heirathen kann ich ihn nicht", erwiderte Helene ent­schieden. Tann stand sie auf, näherte sich der Thür, doch die Mutter rief sie zurück.

„Bleibe hier, — setze Dich", gebot sie streng. „Ich habe bis jetzt Deine Launen lange genug ertragen und verlange Antwort auf meine Frage. Warum ver­weigerst Du die Hand dem Grafen Erlau?"

„Ich kann ihn nicht heirathen!"

„Das ist durchaus kein Grund!" Kannst Du leug-