Minister habe daraufhin bereits das bestellte Kriegsmaterial abbestellt.
* Rom, 19. Dez. Die Kommission zur Vertheilung der Entschädigungen für die Opfer von Aigues- Mortes veröffentlicht ihren Bericht. Danach sind von den 739,000 Lire, die aus den Sammlungen und der französischen Entschädigung herrühren, 306,000 Lire vertheilt worden, 433,000 Lire wurden für die Gründung eines internationalen Wohlthätigkeitsinstituts in Marseille bestimmt.
* St. Petersburg, 19. Dez. Der Kaiser und die Kaiserin werden sich am Montag nach Zarskoje-Selo bei St. Petersburg begeben und dort im Palais Nicola Wohnung nehmen. Die Kaiserin - Wittwe wird nach Abbas-Tuma im Kaukasns gehen und sich dann nach Kopenhagen begeben. Die beabsichtigte Reise nach Abbazia wird nicht stattfinden. Die Kaiserin-Wittwe wird einige Wochen bei ihrem Sohne, dem Großfürstm Thronfolger, und dann einige Monate bei ihren Eltern in Dänemark verweilen. — Gutem Vernehmen nach werden zu Neujahr umfassende Veränderungen in den Innern Verwaltungsstellen erfolgen. — Die Krönung der kaiserlichen Majestäten wird nach den bisherigen Festsetzungen im April 1896 stattfinden. Die Majestäten begeben sich nach der Krönung nach Nischni-Nowgorod, um die für 1896 in Aussicht genommene National-Ausstellung zu eröffnen.
* New-Jork, 19. Dez. Nach einer Depesche der I ,World' aus Kingston (Jamaika) sind Truppen nach Belize in Britisch-Honduras beordert worden, um blutige Krawalle zu unterdrücken, welche Postnachrichten zufolge am 11. Dezember unter den eine Lohnerhöhung verlangenden Mahagoniholz-Arbeiieru stattfanden. Die Arbeiter zertrümmerten die Lagerräume, stürmten die Polizeistation und befreiten den Rädelsführer. Ein britisches Kriegsschiff landete Marine- foldaten. Am folgenden Morgen versuchte eine Volksmenge elf Gefangene zu befreien, allein die Matrosen trieben die Menge zurück.
* Jokohama, 19. Dez. Die erste japanische Armee, welche von Tschenlientscheng aus operirt, bereitet den Vormarsch auf Mukden und Niutschuang vor und rückt langsam weiter. Das Terrain ist schwierig und die Chinesen leisten vielfach Widerstand. Die erste japanische Armee scheint Niutschuang oder Schanghaikwan nicht eher erreichen zu wollen, als bis die andere Armee bereit ist, Tientsin anzugreifen.
* Shanghai, 19. Dez. Es sind ferner Verhafts- | befehle erlassen gegen den Kommandanten von Tasten- 1 man, Tsaohuiyi, wegen Feigheit, gegen den Befehlshaber der Schiffsdivision Weynkwei, weil er den Mannschaften Plünderungen gestattete, und gegen den Gouverneur von Petschili, Jehchitzchoco, weil er, statt den Verlust von Pingyang und Antschan zu melden, über angebliche Siege berichtete.
Die Ursachen des Einsturzes des Kirchthurmes in Wickers.
Unter Hinweis auf meine kurzen Vorbemerkungen in Nr. 276 der ,Fuldaer Zeitung' über den Einsturz des Kirchthurmes in Wickers halte ich mich für verpflichtet, die Ergebnisse der von mir angestellten Untersuchung des unglücklichen Ereignisses bekannt zu geben. Um für meine Ansicht von den Ursachen des Einsturzes eine gewisse Sicherheit zu haben, legte ich sie in einem Vortrag im Architekten- und Ingenieur- Verein zu Kassel dar, und berichtigte sie, soweit solches erforderlich war. Der Versammlung wohnte eine größere Zahl erprobter Fachmänner bei; außer dem Vorsitzenden — Herrn Landesbaurath Stiehl — und dem in Kirchenbauten sehr erfahrenen Professor Schneider, verschiedene Bauräthe, Bauinspektoren, Regierungs-Bau- meister und tüchtige Architekten, so daß das Urtheil
Ja, so wird's sein! Dieser Gedanke ist mir noch nicht gekommen!"
Kurt erbleichte.
„So ist es," behauptete er düster. „Der alte Richter kann seinen Liebling nicht mehr schützen und da er ihm zweifellos sein Erbe vermacht hat, soll sie ganz gezwungen werden, Michael zu heiratheu, damit dieser, als ihr Gatte, das Erbe antritt."
„Du sagtest doch soeben, Michael sei nicht so schlecht, nur ungebildet."
„Ich redete es mir selbst ein und versuchte um Bally's willen eine gute Meinung von ihm zu gewinnen. Was soll aber jetzt weiter geschehen? Wahrlich, wir dürfen doch nicht mit müßigen Händen zusehen, wie diese Elenden sie schonungslos zu Tode martern, ohne einen Versuch zu ihrer Befreiung zu machen?"
„Das nicht. Aber mein alter Junge, um ihretwillen müssen wir vorsichtig zu Werke gehen."
„Warum?"
-? „Jeder unbedachte Plan könnte ihr Schicksal leicht verschlimmern. Die Geschwister dürfen nichts entdecken, bis die Befreiung ausgeführt ist, sonst könnte unser Plan nur schreckliche Folgen für das arme Opfer haben. Jetzt haben die Elenden sich nicht gescheut, sie einzukerkern und das Gerücht von ihrer Krankheit auszustreuen, da fehlte nur ein einziger Schritt, und die Le iden der armen Dulderin wären zu Ende. Sage mir
i der Versammlung als das Richtige treffend wohl erachtet werden kann. Nach Erläuterung des Planes — der von allen Anwesenden als in konstruktiver Beziehung unanfechtbar bezeichnet wurde, — und Darlegung der Art des Betriebes der Bauarbeiten, gab ich eine kurze Schilderung der Vorgänge beim Einsturz, die ich nachstehend wiederhole.
Am Vormittage des 13. Nov. zeigte sich — nachdem in der Nacht vom 12. auf den 13. j. Mts. ein gewaltiger Orkan geherrscht hatte — am rechtsseitigen Thurmpfeiler der Kirche (von Innen gesehen) ein Riß, der, der Abtreppung des Mauerwerks entsprechend, von links oben nach rechts unten verlief und in der Mitte die Stärke eines Fingers hatte. Die zwei Bewohner des Dorfes, welche erklärt haben: bereits um ‘/all Uhr Vormittags diesen Riß gesehen zu haben, unterließen es leider, dem seitens der Gemeinde mit der Bauleitung betrauten Techniker Anzeige zu machen; von diesem wurde die Wahrnehmung erst ! um ‘M Uhr gemacht, kurz vor dem Einsturz.
Während er sich bemühte, die am Bau arbeitenden Leute zum schleunigen Herabsteigen zu veranlassen, kam der Gemeindevorsteher herbei und wollte in die Kirche eintreten, als er ein Geräusch wie von herabrieselndem Sande hörte, dem alsbald ein Gepolter folgte „wie wenn ein Sack Kartoffeln ausgeschüttet würde". Wenige Sekunden darauf brach mit krachendem Schlag der Thurm zusammen, und zwar in der Weise, daß zunächst der obere Theil des Thurmes und die innere Hälfte nach innen rutschte, wodurch die äußere Wand so stark belastet wurde, daß sie nach außen fiel Der stehen gebliebene Giebel der Außenmauer wurde später mit Stricken umgezogen.
Diese Theilung des Thurmes beim Einsturz ließ den Gedanken aufkommen, es habe sich vielleicht eine Senkung der Fundamente nach beiden Seiten hin, entsprechend der stärkeren Belastung des Bodens, vollzogen. Nach Aufräumung der Trümmer zeigte sich aber, daß die aus Werksteinen bestehenden Sockel der Thurmpfeiler weder irgend einen Riß noch auch irgend welche Abweichung von der Waage aufwicsen und auch gegenüber dem Sockel der anderen Mauern in ihrer Höhe nicht verändert erschienen; es mußte sonach der Grund des Einsturzes ein anderer sein. Das Innere des Pfeilermauerwerkes zeigte eine größere Zahl von Steinstücken (Brocken); diese waren zumeist nicht so hart gebrannt als die äußeren Backsteine, die durchweg gut gebrannt, zum Theil klinkerartig waren. An sich wäre dieser Umstand nicht sehr bedenklich gewesen, denn jeder Maurermeister weiß, daß bei stärkeren Mauern in das Innere Brocken vermauert werden — was bei Verwendung von Feldbrandsteinen auch ganz unvermeidlich ist — ohne daß dadurch nennenswerthe Schädigungen der Gebäudetheile herbeigeführt würden. Ver- hängnißvoll wurde diese Ausführung erst dadurch, daß der zwischen den Steinen — zum Theil in großen Klumpen — befindliche Mörtel gar keine Festigkeit besaß. Die entnommenen Proben ließen sich — 5 bis 6 Monate nach der Vermauerung — ohne die geringste Mühe mit zwei Fingern zerdrücken. Die Zusaminen- | setzung des Mörtels war eine ungleiche, einzelne Theile i wiesen sehr viel Kalk aus, andere fast gar keinen solchen, insbesondere aber war der zur Verwendung gekommene Sand sehr erdig, so daß eine Erhärtung des Mörtels sehr schwer, jedenfalls nur nach geraumer Zeit und bei genügender Austrocknung eintreten tonnte.
Es war wiederholt von mir darauf hingewiesen worden, daß es durchaus nöthig sei, unreinen Sand zu waschen ; nachträglich hat sich herausgestellt, daß diese Anweisung mit Spötteleien beantwortet wurde.
Die geringe Güte und große Menge des Mörtels innerhalb der Pfeiler konnte naturgemäß von außen nicht festgestellt werden, der äußere Mörtel hatte auch, weil von geringerer Dicke und der Lust mehr ausgesetzt, eine ziemliche Festigkeit erlangt; wie ja auch doch selbst, Kurt, wenn ich das bleiche Schreckbild nicht mit meinen eigenen Augen gesehen und wir nach einigen Wochen die Todesnachricht erhalten hätten, würdest Du dann Argwohn geschöpft haben?"
„Aber während wir hier zaudern, kann die Lage der Unglücklichen verschlimmert werden."
Saar seid schüttelte sein Haupt.
„Nein, soweit sind wir noch nicht; sie haben doch noch keine Ahnung, daß ihr schmachvoller Plan entdeckt ist. Sie werden nur ihren Widerstand brechen, ihren Muth beugen wollen, damit sie unterwürfig und gefügig wird. So lange der alte Mann noch athmet, ist ihr Leben nicht direkt in Gefahr."
„Warum vernichtet man nicht das Testament und läßt die Arme in Frieden — das würde doch weniger entsetzlich sein," rief Kurt empört.
„Das Testament ist in sicheren Händen eines Anwalts in Vancouver. Jedoch, Kurt, wenn irgend Jemand der armen Valeska helfen kann, so müssen wir es thnn. Ich weiß, Du bist treu und ehrlich wie Gold, würdest Du aber — um Valeska's willen — Deine Gefühle beherrschen können, daß Du liebenswürdig und zuvorkommend gegen ihre Feinde sein kannst?"
„Ich möchte sie am liebsten mit meinen kräftigen Fäusten an ihre Pflicht erinnern."
„Damit würde dem armen Kinde nicht geholfen sein." „Was ratffest Du mir also! Der einfachste Weg
I von anderer Seite zugestanden ist, daß das Mauerwerk einen guten Eindruck machte.
Lj Wenn an sich der Mörtel der bezeichneten Art eine längere Zeit zum Abbinden benöthigte, so wurde dieser Mangel noch durch die außerordentlich ungünstige Witterung des Spätsommers und Herbstes erhöht, da ln dieser Zeit fast täglich Regengüsse eintraten, die das Mauerwerk gänzlich durchnäßten. Auf dieses Mauer- I werf wurde nun in verhältnißmäßig kurzer Zeit der Thurmaufbau gesetzt. Es war dem ersten Bauführer I der Gemeinde von mir angegeben worden, den Thurm stets eine Geschoßhöhe höher zu halten, als das übrige Mauerwerk, damit ein gleichmäßiges Setzen stattfinde; leider wurde auch diese Angabe nicht eingehalten, da die erforderlichen Sandsteine für die Ansichtsfläche mangelten, und die von den Gemeindemitgliedern über- I nommenen Fuhren nicht immer pünktlich erfolgen konnten. Nachdem anfangs Oktober der Thurm bis zur Dachhöhe einporgediehen war, empfahl ich: den Bau liegen zu lassen und den Thurm abzudecken, wodurch der Mörtel Zeit zum Abbinden bekommen hätte. Das günstige Wetter und der begreifliche Wunsch: die Kirche 'baldigst zu vollenden, verleiteten die angesessenen Maurer zum Weiterbau. Es wurde der Aufbau rasch in die Höhe getrieben, so daß die Belastung der Pfeiler weit schneller zunahm, als die Bindekraft des Mörtels. Unter diesen ungünstigen Umständen trat nun der Orkan in der Nacht vom 12. auf den 13, November ein, dessen Gewalt sich danach bemessen läßt, daß seitens der meteorologischen Station in Kassel die ganz außergewöhnliche Windgeschwindigkeit von 18' m in der Sekunde beobachtet wurde. Der Sturmwind kam das Thal entlang, in welchem Wickers liegt, und faßte den Thurm auf seiner äußeren Fläche, etwas über Eck, so daß die ganze Last des Mauerwerks auf den recht- seitigcn inneren Pfeiler gedrückt wurde und zwar in schräger Richtung. Hierdurch wurde der Verband der einzelnen Backsteine in der oben geschilderten Weise zerrissen; der Mörtel zum Theil völlig gelockert und aus den Fugen gedrängt, durch das rieselnde Geräusch erklärt, welches gehört wurde. Nachdem der Mörtel herausgefallen war, folgten die Brocken; in diesem Augenblick hatte das über dem Pfeiler befindliche Mauerwerk noch soviel Verband, daß die ganze Belastung vom linksseitigen Pfeiler getragen wurde. Hierdurch wurde auch dieser in seinem Verband zerstört und es erfolgte der Einsturz des Thurmes.
Ein Zerdrücken des Pfeilermauerwerks hat nirgends stattgefunden, konnte auch nach der Größe der den Druck aufnehmenden Fläche nicht eintreten. Die von den Pfeilern entnommenen Backsteine sind an den Kanten völlig unbeschädigt.
Von anderer Seite war mir die Ansicht geäußert worden, es seien Mängel in der Art des Mauerns, insbesondere beim Ansatz des zwischen den Pfeilern befindlichen Bogens, Ursache des Einsturzes geworden. Diese Ansicht wurde von den bedeutendsten Fachmännern der gen. Versammlung als irrig erklärt, da der Bogen keinerlei Schub ausgeübt habe, und die Druckübertragung gleichmäßig, nicht einseitig erfolgt wäre; erst durch die Einwirkung des Sturmes sei eine schief gerichtete Belastung aufgetreten.
Hiernach würden die Ursachen des Einsturzes kurz folgende sein: In erster Linie der mangelhafte Mörtel, dessen geringe Güte wesentlich auf schlechtem Sand beruhte; sodann die ungünstige Witterung, die, verbunden mit dem ungenügenden Verband der Pfeilermauern, ein Erhärten des Mörtels verhinderte; das zu rasche Aufmauern des Thurmes und endlich, als ausschlaggebend, der Winddruck.
Wenn der Unglücksfall um deswillen sehr zu beklagen ist, daß ein Menschenleben dadurch zu Grunde ging — der materielle Verlust, den die Gemeinde erlitten hat, wird sich wieder ausgleichen lassen — so ist anderer-
würde sein, die Schwestern kommen zu lassen; sie dürfen ihr den Zutritt zu der erkrankten Vally nicht wehren."
„Daran dachte ich auch, doch den Plan habe ich sogleich wieder verworfen."
„Warum denn?"
„Herr Lester ist ein edler, guter Charakter, aber er könnte keine Stunde ein Geheimniß bewahren. Um ihn zu veranlassen, seine Gattin und seine Kinder zu verlassen, um Laura auf der gefahrvollen und kostspieligen Reise von Kalifornien hierher zu begleiten, müßten wir ihm nothgedrungen unsere Besorgnisse mittheilen. Er würde unverzüglich den Geschwistern einen Brief schreiben, der unsere Hoffnungen zerstörte."
„Ich glaube, Du hast wieder Recht! Aber was kannst Du rathen? Hast Du einen andern Plan gefaßt?"
„Wir müssen die Geschwister zum Weihnachtsfeste einladen. Als Herr Lester noch hier war, haben die Freunde das Fest immer gemeinsam verlebt und blieben gewöhnlich zwei bis drei Tage zusammen. Aus einzelnen Bemerkungen glaube ich auch annehmen zu dürfen, daß Mutter Dolores eine unwiderstehliche Abneigung gegen Martha Richter fühlt, die müssen wir in'sVertrauen ziehen — die wird uns gewiß helfen."
„Höre, Freund, das ist stark! Ich kann mit der alten Hexe nicht an einem Tische beim Weihnachtsfeste sitzen; jeder Bissen würde mich ersticken." (Forts, f.)