mit Untrrhaltungs-Heilage »Ltrrne und KLuwrn".
21. Jahrgu
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'.äqttch, Smi axb ^etettage ausgenommen. — Bierte!jährlicher Aboaxrweutspreir »hm Bringerlohn und BesteLgeld m Fulda und auswärt« 1 Start 50 Pfennig 3Bfer»tt koken die einspaltige «armonstzeile oder deren Raum 15 Ps., Reklamen btt Petitzeile 25 Pf. bei Wiederholungen entsprechender *e6ett.
* Der preußische Episkopat und die Umsturzvorlage.
Wie schon erwähnt wurde, hat der in Münster erscheinende,Westfale' geg nüber „einigen kleinern Cen- trumsbläktern", welche seines Erachtens die Umsturzvorlage in zu weit gehender Weise bekämpften, auf eine Vorstellung hingewiesen, welche die preußischen Bischöfe auf der vorigen Fuldaer Konferenz an den damaligen Reichskanzler Grafen Caprivi gerichtet hätten. Mit direktem Bezug auf diese Vorstellung hieß es: „Eine Eindämmung der maßlos hetzerischen Agitation der Sozialdemokratie, die weder Religion, noch Zucht und Sitte respektirt, durch gesetzgeberische Maßregeln liegt durchaus im Wunsch und Willen des preußischen Episkopats." Anderswo wird die Notiz des .Westfale' kurz und bündig dahin zusammengefaßt: „Die preußischer Bischöfe sollen eine Vorstellung an den ©rufen Caprivi haben gelangen lassen für gesetzgeberische Maßnahmen gegen dre Sozialdemokratie." Daß dies von der einen Seite für die sogen. Umsturzvorlage, von der andern gegen den Episkopat ausgebeutel wird, versteht sich von selbst.
Wir haben, schreibt die .Kölnische Volkszeitung', einen etwaigen Versuch, mir Berufung auf die Fuldaer Bischvfskouferenz sür die Umsturzvorlage in ihrer gegenwärtigen Gestalt Stimmung zu machen, sofort zurückgewiesen, und zwar nach Mittkeilungen, die wir über den Inhalt der fraglichen Vorstellung erhielten, mit vollem Recht.
Die Sozialdemokratie wird in dem ganzen Aktenstück kaum erwähnt und von besondern Maßregeln irgend welcher Art gegen dieselbe ist nicht die Rede. In ganz allgemeiner Fassung beklagt der Episkopat die wachsende verderbliche Wirkung der religions- und sittenfeindlichen Literaturerzeugnisse, die Verbreitung und den Einfluß der positivistischen und materialistischen Denkrichtung durch populäre Schriften, die Untergrabung der Religion und Sittlichkeit durch schlechte Romane und Theaterstücke. Besonders wird auf die moralische Verpestung des Volkes, namentlich der Jugend, durch unzüchtige Schriften und Bilder hingewiesen; ganz ähnlich, wie dies anläßlich der sogenannten lex Heintze in zahlreichen Centrumsblättern geschehen, wird eine Erweiterung und Verschärfung des § 184 des Strafgesetzbuches verlangt, der in seiner gegenwärtigen Gestalt nur die Verbreitung, nicht aber die Herstellung und Anpreisung des Unzuchtgiftes unter Strafe stellt. Dabei wird in der nachdrücklichsten Weise betont, daß die Entchristlichung und Entsittlichung nur dann wirksam bekämpf: werden können, wenn man nicht bei den Wirkungen stehen bleibe, sondern auf die Ursachen, auf die eigentliche Wurzel zurückgehe, und in letzter Linie wird für das Verderben die Predigt des Unglaubens, der
□ Die KHriWlurne.
Erzählung von C. Borges.
(6. Fortsetzung.)
Kurt erschrak. „Weiter!" befahl er.
„Es ist nicht so leicht gesagt," seufzte Saarfeld — „aber schon seit langer Zeit habe ich bemerkt, daß Michael und seine Schwester nicht offen gegen uns waren, wenn wir nach Valeska fragten."
„Martha ist ein erbärmliches Weib, ich habe sie längst durchschaut," brauste Kurl auf, „Michael erscheint mir ehrenwerther, nur ist er zu unmanierlich und ungebildet wie ein Bauer!"
„Wann hast Du ihn zuletzt gesehen?"
„Ich weiß nicht genau — ungefähr vor drei Wochen. Er entschuldigte sich, daß er uns zum Weihnachtsfeste nicht nach Waldbrunnen einladen könne, da in dem Zustande des Onkels noch keine Veränderung eingetreten und da er noch immer besinnungslos sei. Aber er hoffte, wir würden bald zu einem Hochzeitsfeste kommen, denn er gedächte, Valeska Noöel zu heirathen!"
„Warum haft Du mir das nicht eher gesagt. Kurt?"
„Ich konnte es nicht über's Herz bringen," gestand der Freund, „und ich fühlte nur inniges Mitleid mit dem armen Mädchen, das für fein ganzes Leben an einen Mann gefesselt werden sollte, der so tief unter ihr steht. Es kam mir wie eine Entweihung ihrer heiligsten Gefühle vor."
religionslofen Moral u. s. w. durch die gebildeten Schichten, insbesondere durch staatlich angestellte Gelehrte, verantwortlich gemacht. Der Hinweis auf diese Kreise geschieht an mindestens einem halben Dutzend Stellen. Es ist daher kaum begreiflich, wie man in diesen Gedankengang das Verlangen nach besondern Maßregeln gegen die Sozialdemokratie hineinlesen konnte. Von den Gedanken und Anregungen, welche den Kern der bischöflichen Vorstellung bilden, enthält die Umsturzvorlage kaum eine Spur.
Der .Westfale' läßt „kleinere Centrumsblätter die Umsturzvorlage in einer Weise bekämpfen, als handele es sich um Knebelung jeder oppositionellen Regung". Wir wissen nicht, welche Bläiter er meint. Für uns — und wir glauben auch für die Centrumsfraktion — ist nicht irgend eine Vorlage zur Ergänzung des ge- meineu Rechts, wohl aber die sogen. Umsturzvorlage, s o w i e s i e ist, unmöglich, aus wiederholt geltend gemachten Gründen. Ob sie theilweise annehmbar ist, wird sich im Einzelnen erst bei der Spezialberath- ung des Entwurfs Herausstellen; bei dieser wird auch der Frage näher zu treten fein, ob sich nicht eine Ergänzung empfiehlt, und in dieser Hinsicht verdienen die Anregungen der bischöflichen Vorstellung vollste Beachtung. Die Aussichten der Umsturzvorlage haben sich durch die neuesten Vorgänge wahrlich nicht verbessert; soll sie nicht gänzlich aussichtslos werden, so räume man vor allem jeden Grund zu dem -Verdacht weg, daß es sich lediglich darum handele, den Regierungen neue Macht- und Zwangsmittel in einseitiger Richtung zur Verfügung zu stellen. Beim schärfsten Gegensatz zur Sozialdemokratie versprechen wir uns nichts von dem Versuch, bloß den Umsturz von unten zu bekämpfen, während der Umsturz von oben seinen Freibrief behält, und in dieser Auffassung wissen wir uns einig mit der Denkschrift der preußischen Bischöfe.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Dezember.
* Der,Reichsanzeiger' veröffentlicht eine Reihe von Auszeichnungen, die an elsaß - lothringische Beamte verliehen worden sind. Unter Anderen ist Bürgermeister Dr. Vogel in Dorlisheim, General- Sekretär des landwirthschaftlichen Bezirksvereins des Unter-Elsaß, zum kaiserlichen Oekonomierath ernannt worden.
* Wie die ,H. Nachr.' aus Varzin erfahren, steht die Abreise des Fürsten Bismarck nach Friedrichsruhe bestimmt bevor. Ueber den Tag verlautet noch nichts; er dürfte auch nach Möglichkeit geheim gehalten werden, um Begrüßungen vorzubeugen. Der Fürst ist zwar nicht krank, aber nach den Ereignissen der letzten Zeit der Schonung bedürftig, und auf ärztlicher Seite besteht der Wunsch, daß die Reise ohne Erschwerung
Saarfeld runzelte die Stirn.
„Etwas muß noch gethan werden," versetzte er gedankenvoll.
„Du hast mir noch nicht gesagt, wie es Dir gelungen ist, sie zu sehen und weshalbst Dn vermuthest, daß ihr Gefahr droht?"
„Nun, die Sache ist einfach genug. Ich war im Walde, um zu sehen, wie weit die Holzhauer mit der Arbeit seien und da wollte ich als „nächster Nachbar" nach dem Befinden des alten Herrn Richter fragen. Michael und seine Schwester waren mit dem Doktor fortgeritten und so hoffte ich, Valeska allein zu sehen, die mir Nachrichten über Lester's geben sollte."
„Weiter! Was sagte sie Dir?"
Die schwarze Dienerin sagte mir, daß der alte Herr noch immer in demselben Zustande regungslos daläge, aber nach den Aussagen des Arztes sei keine Hoffnung mehr auf Genesung vorhanden und das Ende stehe nahe i bevor. Dann bat ich, mich bei Fräulein Nobel zu \ melden."
„Hast Du sie gesehen? Was sagte sie Dir?"
„Geduld, alter Freund. Hanna, die Schwarze, sagte mir, daß ich Fräulein Nobel nicht sehen könnte, da sie krank sei. Ob sie es wirklich selbst glaubte oder ob sie nur nachsprach, was Martha ihr befohlen hatte, konnte ich nicht erfahren. Sie erklärte mir bestimmt, daß Valeska das Bett hüte und nur von Fräulein Nobel gepflegt würde. Ich ließ ein Geldstück in ihre
vor sich gehe. Professor Schweninger, der am Samstag Abend in Varzin eingetroffen ist, wird den Fürsten auf der Reife begleiten.
* An der Berliner Börse sind am Sonnabend und Montag wüste Szenen vorgekommen, wie sie von den Herrn Börsianern gar nicht so selten aufgeführt werden. Zwei Personen, die unbequeme Artikel in Zeitungen geschrieben hatten, wurden in wüster Weise beschimpft und mit Prügeln bedroht. Nunmehr haben die Börsenältesten durch Anschlag an der Börse die Herren Börsenbesucher aufgefordert, sich anständig zu betragen, und mit der Strenge der Börsenordnung gedroht, deren schärfste Bestimmung die ist, daß einer vom Börsenbesuch ausgeschlossen werden kann.
* Der sozialdemokratische Reichslagsabgeordnete Schippel hat am Dienstag die gegen ihn rechtskräftig gewordene dreimonatliche Gefängn iß strafe in Plötzensee angetreten. Das gesammte Redaktionspersonal des ossiziellen Parteiblattes ,Ter Sozialdemokrat' befindet sich nunmehr, wie der .Vorwärts' mit« theilt, in Strafhaft. — Trotzdem soll die Umsturzvorlage unumgänglich nöthig sein!
* Hannover, 19. Dez. Die Verhandlung im Prozeß Lenß wurde um drei Uhr Nachmittags bis morgen vertagt. Telegraphisch find noch Zeugen aus Halle geladen worden.
* Ulm a. d. D., 20. Dez. Redakteur Engels von der ,Ulmer Zeitung' war wegen Majestätsbelei- digung in zwei Fällen angeklagt; er wurde vom Schwurgerichte nach glänzender Vertheidigung durch R. - A. Mayer freigesprochen. Es handelte sich um den gleichen Artikel, wegen dessen Redakteur Okle von der Konstanzer Abendzeitung' zu 10 Wochen Gefängniß vernrtheilt wurde.
* Stuttgart, 19. Dez. Gutem Vernehmen nach find die württembergischen Landtagswahlen auf den 30. Januar festgesetzt.
Ausland.
* Preßburg, 20. Dezbr. Der Distriktskonvent der protestantischen Kirche Augsburger Konfession nahm einen stürmischen Verlauf. Die Panslavisten Oberungarns, welche nicht erschienen waren, erklärten protokollarisch, das neue Synodalgesetz nicht anerkennen zu wollen. Die Panslavisten drohen mit vollständiger Loslösung und der Gründung einer alt- lutherischen-slavischen Kirche. Der Konvent richtet an die Abtrünnigen die Mahnung, zurückzukehren.
* Odessa, 20. Dez. Im Gouvernement Orel wüthen furchtbare Schneestürme. Ueber 100 Personen wurden verschüttet und gelobtet.
* Paris, 19. Dez. Die Wochenschrift „Politique Coloniale“ zeigt in ihrer morgigen Ausgabe an, daß der Marineminister ein Telegramm ans M a d a g a s k a r erhalten habe, wonach die Hovasregierung bereit sei, alle Bedingungen Frankreichs zu acceptiren. Der
Hand gleiten, doch sie schmunzelte nur und kehrte an ihre Arbeit zurück; da blieb mir nichts Anderes übrig, als meinen Hektor wieder zu besteigen und davon zu reiten. — Zufällig wandte ich mich um. Mein Auge fiel auf ein kleines, kaum handbreites Fensterchen, das noch dazu mit einer dicken Eiseustange versehen war, und hinter diesem ein bleiches, abgezehrtes Gesicht — es war Valeska!"
„Dann ist sie wirklich krank!" rief Kurt entsetzt. „Die Elenden! Sie reiten mit dem Doktor davon, vergnügen sich vielleicht und vernachlässigen dabei die Kranke!"
„Sei still, ich sage Dir noch mehr. Schnell sprang ich vom Pferde und näherte mich dem Fenster. Tas Jammerbild war verschwunden, doch wurde bald das kleine Fenster geöffnet und ein Stückchen Papier flog heraus. Mit einer Nadel war ein einziges Wort ein- gekratzt: „Hilfe!" Kurt, als ich dieses Wort las, sah ich im Geiste in Laura's. flehende Augen und ich wußte, daß ihre Furcht nicht unbegründet war. Ich sprengte im vollen Galopp nach Hanse, aber Mutter Dolores hielt sich hier im Zimmer auf, darum konnte ich Dir nicht gleich von meiner Entdeckung sagen."
„Die Geschwister können sie doch unmöglich" fi> lange gefangen halten, bis sie, an Geist und Körper gebrochen, einwilligt, Michaels Gattin zu werden?"
„Kurt, Du bist hundertmal scharffichtiger als ich.'