Umlage ^uü Muläsev Aeitung.
21. Jahrgang
Donnerstag, den 20. Wovember 1894.
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* In der Rue Etienne Marcel in Paris, nahe der Börse, hörten Polizisten jüngst Nachts großen Lärm, der aus einer Wirthschaft kam. Beim Eintreten in dieselbe bemerkten ste den Besitzer und seinen Kellner im Handgemenge mit einem Gaste, der nur mit Hemd und Hose bekleidet war. Der Gast hatte kein Geld, um seine Zeche zu zahlen. Auf der Polizeiwache er- klärte er, daß er bereits in drei verschiedenen Wemhäusern gewesen sei wo man ihm in dem einen seinen Rock, in dem anderen seine Kopfbedeckung und in dem dritten feine Stiefel als Pfand abgenommen habe, und nun verlange diefer Wirth seine Hose, was ihm zu arg erschienen sei, weshalb er gegen eine weitere Plünderung seiner Garderobe energischen, thatkräf- tigen Widerstand geleistet habe.
, Literarisches.
.Ercelsior", Festspiel in einem Vorspiel und drei Akten. Von ' Carla Sermes. Preis geheftet 75 Pfg. Paderborn,
Bonifacius-Druckerei. Zu beziehen durch alle Buchhand«
Dieses^fein angelegte und sinnreiche Festspiel baut sich auf dem Spruche auf: „Durch Kreuz zum Siege" und zeigt uns den armen Erdenpilger, wie er von seinem Sckutzgelste geführt, alle Lockungen und Versuchungen dieser Welt glücklich überwindet und seinen Lohn empfängt droben in der wahren Heimath über den Sternen. In Augenblicken der ihn anwandelnden Gefahr brinqt ihn die Stimme feines Schutzengels mit dem Rufe: „Ex- celsior", d. i. „höher das Herz" zur Besinnung. Aus Erdenmacht zum Licht. In dem Stücke treten die Welt mit ihren Freuden und Gefahren perfonifizirt aus. Seinem Inhalte und seiner scenischen Darstellung nach haben wir es mit emem äußerst rott« kungsvollen Festspiel zu thun, das wir allen katholischen Vereinen und Instituten zur Aufführung bei festlichen Anlässen nicht warm genug empfehlen können Die Sprache ist edel und bewegt sich im charateristischen fünffüßigen Jambus.
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1. Guartal 1895
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Tode sind, so ist es besser, man sorgt bei Zeiten für die Zukunft."
„Das wäre ein Lamm unter den Schutz des Wolfes gestellt", brummte der alte Herr. „Und außerdem haben die beiden nicht die geringste Zuneigung gefaßt, es besteht sogar nicht einmal Freundschaft zwischen ihnen."
„Der Plan ist doch nicht zu verachten", erwiderte Lester lächelnd, „beide sind später auf sich angewiesen, da wird die Liebe schon von selbst kommen."
Um diese Zeit erkrankte Frau Richter, und dadurch wurde die Zukunft des jungen Mädchens noch bedenklicher. ,
3. Kapitel. __
Michael Richter's Schwester Martha stand allein, schütz- und heimathlos in der Welt. In allen ihren Briefen hatte sie den Onkel angefleht, ihr in seinem Hause ein Obdach zu gewähren, und zuletzt hinzuge- fügt daß sie ihre liebe gute Tante in ihrer Krankheit wie' eine Tochter liebevoll pflegen wolle. Vielleicht war es dieser letzte Gedanke, der nach langem Widerstreben den alten Herrn zu einer Einwilligung bestimmte, die er früher, da er die Charaktere seiner beiden Verwandten leider zu genau kannte, hartnäckig verweigert hatte.
Jedoch Martha Richter kam zu spat. Noch ehe ste die mühsame Reise beendet hatte, hatte der Tod mit sanfter Hand das flackernde Lebenslicht der stillen Dulderin gelöscht; in den Armen ihrer geliebten Christblume war sie in ein besseres Leben eingegangen. Es war der so schnelle Tod sür Valeska recht verhängmß- voll geworden. Die Entschlafene war nicht allein eine kluge, geistreiche Frau gewesen, sondern sie besaß auch große Menschenkenntniß und die Liebe zu Valeska würde ihr in ganz kurzer Zeit die Augen über Marlha's wahren Charakter geöffnet haben, den später ihr Gatte allzu nachsichtig beurtheilte.
So war Martha Richter nur gekommen, um einen frisch aufgeworfenen Hügel und die Familie in tiefster Trauer zu finden. Von Jugend auf hatte sie Mangel, Entbehrung, ja sogar Armuth kennen gelernt; aber anstatt in der harten Lebensschule sanft, geduldig und ergeben zu werben, war ihr Gemüth verbittert, ihr Herz ve Gärtet worden, und nur das Streben nach Glanz und R.ichthum war in ihren kurzsichtigen Augen da« größte Glück auf Erden. — Sie haßte Valeska, noch eh» sie das Adoptivkind ihres Onkels gesehen yatte, aber sie freute sich, daß ihre eigene gute Erziehung und ihre Weltk-m niß sie weit über ein Mädchen erheben würden, das wild und einsam in der Einöde ausgewachsen war. Als sie jedoch das von ihr so ungerecht gehaßte und verachtete Mädchen sah, biß sie in ohnmächtiger Wuth die Zähne zusammen. Diese hoheitsvolle Würde, verbunden mit lieblicher Anmuth, wäre eher in einem Königsschlosse, als bei einem Farmer zu suchen gewesen. Dazu kam noch, daß Valeska s Toiletten höchst geschmackvoll, kostbar und elegant waren. Eine berühmte Modistin hatte den Auftrag und dazu carte Manche, den verwöhnten Liebling in Waldbrunnen mit allen Neuheiten der Saison zu versehen, und die großen gefüllten Kisten, die in nicht allzu großen Zwischenpausen regelmäßig eintrafen bewiesen deutlich die gewissenhafte Lösung der Aufgabe. (F. f.)
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Purpurgluth ergoß sich über Michael's Antlitz.
„Was müsien unsere Freunde von Dir denken?" flüsterte er ihr beschwichtigend in's Ohr. „Aber wir dürfen keinen weiteren Augenblick verlieren, wenn wir den Onkel nicht mit dem Mittagessen warten lassen wollen. Darum wenn Du Deine Lage hinreichend geschildert hast, so wollen wir uns verabschieden."
Wie ein flüchtiger Sonnenstrahl glitt ein anmnthiges Lächeln über das Antlitz des jungen Mädchens; man hätte nicht glauben sollen, daß diese schelmisch lächelnden Lippen noch vor wenigen Sekunden so harte Worte hervorbringen konnten.
„Ich muß ja zu meinem lieben Vater zurück," sagte sie mit herzgewinnender Freundlichkeit, die ihr so wohl stand, „er wird mich gewiß schon vermissen. Wenn er nicht in letzter Zeit so alt und hinfällig geworden wäre, so würde er Sie gewiß besuchen; aber er hat mich beauftragt, Ihnen zu sagen, daß Sie und Ihr Freund jederzeit in Waldbrunnen willkommen sind." Dann gab sie mit graziöser Natürlichkeit den Herren die Hand und sprengte an der Seite ihres Begleiters davon. _, ,
Eine Zeit lang herrschte tiefes Schweigen, dann fragte Michael im sarkastischen Tone:
„Was hältst Du von den beiden Leuten?
Es sind die einzigen feingebildeten jungen Herren, die ich in meinem Leben kennen lernte, gab die Gefragte mit einem spöttischen Seitenblick auf ihren Begleiter zurück. ,
Hoho," rief Michael beleidigt, „willst Du Dich zum'Richter über uns aufwerfen? Du denkst wohl gar nicht an den Mann, der Dich aus dem Elend empor-, gezogen und dann mit Luxus überschüttet hat!"
„Wenn Du meinen heben, guten Vater meinst, oh! der ist der edelste, beste Mann auf dem ganzen Erdenkreis, aber er ist nicht jung, und ich sprach nur von jungen Herren."
„Ich bin auch noch jung, ich war kaum zweiund- zwanzig Jahr alt, als ich vor sechs Jahren Europa verließ," versetzte Michael schneidend, „und meine Schwester Martha kam allein im vorigen Jahre um Deinetwillen nach Amerika herüber, aber Du erkennst die Großmuth nicht."
„Unnütz dargebrachte Opfer werden feiten anerkannt. Niemand hat in Waldbrunnen nach Martha verlangt, ausgenommen Du allein."
„Du bedenkst Deine Worte nicht," tief Michael ,n Neuem gereizt, „Du siehst nicht ein, was gut für Dich ist, sonst müßtest Du wissen, daß an junges Mädchen nicht allein mit einem Manne wohnen kann, der nicht einmal mit ihr verwandt ist!"
„Oh!" lächelte Vally gedehnt, „Herr Richter ist mir mehr wie ein Verwandter, er ist mir seit langen Jahren ein liebevoller, treuer Vater; wenn Du aber Dich selbst meinst, nun — wir brauchen ja nicht einmal mit einander zu sprechen."
„Du weißt nicht, was recht und billig ist. Dem Hause fehlte die Herrin, dem Onkel die Pflegerin; es war alfo nöthig, daß Martha kam."
„Du widersprichst Dich, Michael; soeben sagtest Du, Martha sei allein um meinetwillen gekommen."
„Du bist das eigensinnigste Mädchen auf Gottes Erdboden," rief er zornig aus, und beide fetzten schweigend ihren Weg weiter.
Solange der junge Richter im Hause seines Onkels lebte, hatte er mit neidischen Blicken den Eindringling betrachtet, der ihm, nach seiner Meinung, sein Erbe rauben wollte. Anfänglich versuchte er, Valeska zu verläumden, jedoch weder Onkel noch Tante schenkten ihm Glauben, und so blieben seine schändlichen Bemühungen erfolglos. Den alten Herrn zu bestimmen, sein längst gemachtes Testament umzustoßen, wollte ihm erst recht nicht gelingen, trotzdem er in den grellsten Farben die Zukunft schilderte und behaupten wollte, daß, sobald Valeska Erbin sei, ihr würdiger Vater erscheinen würde, um selbst das Besitzthnm der Tochter aüzutreten.
Dieser letzte Einwand schien auf den alten Herrn doch einen Eindruck gemacht zu haben, und er überlegte mit Herrn Lester, welche Schritte zur Sicherstellung der Zukunft seines Lieblings zu unternehmen seien. Dieser war so offen und ehrlich, daß er keinen Menfchen einer unehrlichen Handlung fähig hielt, und daher Michael's wahren Charakter nie ordentlich erkannt hatte. Er fchlng eine eheliche Verbindung der beiden jungen Leute vor und glaubte hiermit den besten Ausweg gefunden zu haben.
„Michael ist ein strebsamer junger Mann, und wird das Besitzthnm in bester Ordnung halten", rieth er ihm, „und Sie haben Gewißheit, daß für Valeska gut gesorgt ist. Aber ich hoffe, Sie werden noch viele Jahre leben; da wir aber keine Stunde sicher vordem
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Fulda, im Dezember 1894.
Redaktion und Verlag der .Fuldaer Zeitung'.
[] Die Khrrflbtunre.
Erzählung von C. Borges.
(5. Fortsetzung.)
Vally sprach nur wenig, nur für Herrn Lester hatte sie freundliche Worte, während sie ihrer Schwester kaum ein Abschiedswort sagen konnte, so fest schien ihre Kehle ziigeschnürt zu sein. Nur bei der letzten Umarmung flüsterte sie leise Fran Lester das Versprechen zu, für das Grab ihres kleinen Robert treulich sorgen zu wollen und es stets mit frischen Blumen zu bepflanzen.
Kaum waren die Reisenden eine kurze Strecke entfernt, als Michael Richter ausrief:
„Lester war ein alter Narr! Die besten Jahre feines Lebens hat er daran gesetzt, sich wie ein Arbeiter gevlagt, und jetzt, da er den Lohn seines Fleißes sieht, da seine Besitzung jedes Jahr an Werth gewinnt, da verkauft er Alles, nur weil es seiner Frau nicht länger hier gefällt!"
Doch Valeska sah ihn mit stolzen vernichtenden Blicken an.
„Herr Lester hat edel und großmüthig gehandelt," rief sie schneidend, sich mit ihrer ganzen Größe aufrichtend, „er sah, daß seiner Gattin das Herz blutete, daß sie nicht an einem Ort bleiben konnte, wo sie ihr liebstes Kind begraben hatte; darum gab er Alles auf, Heimath und ein reichgesegnetes Arbeitsfeld, um nur feine Gattin wieder glücklich zu sehen. Doch Du verstehst derartige Gefühle nicht, Michael, sonst würdest Du diesen ehrbaren Mann nicht einen „Narren" nennen."
„Böse Hexe!" brauste der Manu auf, „ist das der Dank, daß ich meilenweit mit Dir diesen Weg gemacht habe, nur um Dir gefällig zu sein?"
„Nicht um mir gefällig zu fein," widersprach ste erzürnt. „Dn weißt doch recht gut, daß ich lieber allein reite."
Michael wandte sich an Saarfeld.
„Sie müssen doch zugeben," sagte er lächelnd, „daß eine junge Dame nicht allein und schutzlos einen so weiten Ritt durch nnwirthbare Wälder machen darf."
„Ich bin keine junge Dame," versetzte die gereizte Amazone, „daran erinnerst Du mich doch täglich und stündlich, Michael, wie kannst Du es nur vergessen? Ich bin nur ein armes Findelkind, das die Güte und Barmherzigkeit Deines Onkels angenommen hat — das Kind eines Vagabunden und einer elenden Landstreicherin ! Erzählst Du nicht täglich mir, und bei Gelegenheit jedem Fremden, mit diesen Worten meine Familiengeschichte?"
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Die ,Fuldaer Zeitung^ behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Die ___
Fuldaer Zeitung —— ist unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden Blättern das weitaus gelesenste und eignet sich deshalb auch ganz besonders als Jnfertions o rga n. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit.