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jft 289 Dienstag, den 18. Dezember 1894. 21. Jahrganz,

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mit Unterhattungs-Heilage »Ltrrue ««d Krumen".__

prächtig."

lieber fort." , .

Fräulein Nobel gefällt mir; sie ist natürlich und offen, fo ganz verschieden von den vergnügungssichtlgen deutschen Modedamen ihres Alters."

Saarfeld nickte zustimmend.

Sie ist gerade, wie eine junge Dame jein sollte, die nicht durch Mode, Eitelkeit und Gefallsucht ver­dorben ist. Es wundert mich nur, daß wir ihre Schwester noch nicht gesehen haben," versetzte er

Die beiden Freunde waren schon dreimal in Wald- — so hatte Herr Richter feine Besitzung, die

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Dezember.

* Der Kaiser hat, wie die ,Nordd. Allg. Zig? in Berichtigung anderweiter Meldungen mittheilt, dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe allerdings die Ab­sicht kundgegeben, ihm zum Ersatz des Verlustes, den er durch Berufung nach Berlin in feiyen amtlichen Bezügen erlitten hat, eine Entschädigung von 100,000 Mark aus dem kaiserlichen Dispositions­fonds zuzuweisen. Der Reichskanzler aber hat den Kaiser gebeten, von diesem Gnadenbeweise Ab st and zu nehmen. - Dieser Beweis von Takt­gefühl, den der Reichskanzler hiermit gegeben, wird allerseits mit Genugthuung ausgenommen werden.

* Dem Reichstage ist die Uebersicht der vom Bundesrath gefaßten Entschließungen auf Beschlüsse des Reichstags aus der vorigen Session zugegangen. — Wir erwarten, daß diese Uebersicht im nächsten Jahre nicht mehr die Mittheilung von der Ablehnung, sondern von der Annahme des Antrags | auf Beseitigung des Jesuitengesetzes enthalten wird.

* Der Reichstag führte die Besprechung der Zucker- Interpellation der Abgg. Paasche und Friedberg zu Ende. Abg. Dr. Meyer (freis. Verein.) sprach sich gegen Zucker-Prämien aus, die nur auf Kosten der übrigen Steuerzahler gewährt werden könnten und durch welche die Ueberproduktion gefördert würde. Abg. Spahn erklärte, daß das Centrum vor bestimmter Stellungnahme erst positive Vorschläge abwarten müsse. Abg. Dr. Friedberg wies darauf hin, daß die Konkurrenzländer die Ausfuhr-Prämie aufrecht erhiel­ten wodurch auch die deutsche Zuckerindustrie Mr Auf­rechterhaltung der Prämien einzutreten genöthigt werde. Nachdem noch die Abgg. Graf Mirbach und Graf Limburg-Stirum für, Abg. Wurm (Soz.) gegen Zucker-Prämien gesprochen, wurde der Gegenstand ver­lassen und über den Antrag der Berliner Staatsanwalt­schaft, betr. strafrechtliche Verfolgung des Abg Liebknecht wegen Sitzenbleibens bei einem Hoch auf Se. Mas. den Kaiser, berathen. Die Kom­mission (Referent Abg. Dr. Pieschel) beantragte, die Genehmigung zur Verfolgung nicht zu ertheilen. Von den Abgg. Adt und Gen. war dazu beantragt: die Geschäftsordnung baldmöglichst in dem Sinne zu ändern daß die Disziplinargewalt des Präsidenten eilte Verstärkung erfahre. Abg. Roer en (Cent.) vertrat den Standpunkt des Kommissions-Antrages und wandte sich gegen den Antrag Adt, mit dessen Annahme es gerade so aussehen würde, als ob es des staatsanwalt- schastlichen Antrages bedurft hätte, um den Reichstag zu einer Verstärkung seiner Disziplinargewalt zu ver­anlassen. Reichskanzler Fürst Hohenlohe bemerkte, daß nachdem der Präsident des Reichstages bei dem sich' über den Vorgang am 6. Dezember äußernden Unwillen erklärt hatte, daß er kein Strafmittel besitze, um diesem Gebühren entgegenzutreten, es doch begreis- lich war daß der Antrag des Staatsanwalts euiging.

den alten Herrn sowohl wie dessen Neffen und Nichte kennen gelernft aber von Valeska Rodel keine spur gesehen. Ebenso waren die beiden Geschwister Richter zu ihnen herübergeritten, aber die Pflegeschwester war nicht bei ihnen.

Wenn der alte Richter jeme Verwandten nicht zu sich genommen hätte, so würde Valeska die einzige Dame weit und breit im ganzen Umkreis sem. _

Du vergißt Mutter Dolores," scherzte Saarseld, sie "vertritt bei uns das schöne Geschlecht. Ich neue mich, daß sie hier bleiben will, denn sie ist eine treue Seele, und versteht dabei ihre Arbeit im Hanse

bleibst."

Es ist doch sonderbar, daß Lester seme Besitzung aufqiebt," fuhr Kurt gedankenvoll fort. „Er hat zwölf brunnen - -- - - .

Ä'ÄÄ“1 SfifcÄÄÄrtfc L U gerid blühend und fruchtbar ist, überläßt er freiwillig Anderen den Segen feiner Arbeit."

„Er hat nur das Beste feiner Gattin und seiner Kinder int Auge. Frau Lester sieht wirklich sorgen­voll und abgehärmt aus; der Tod ihres Kindes war ihr ein schwerer Verlust, und Saratonka ist nicht der geeignete Platz für die Ausbildung der kleineren Kinder?' „Fräulein Nobel ist eine fein gebildete Dame, und sie ist hier ausgewachsen," wandte Kurt rasch ein.

Sie genoß eine sorgfältige Erziehung in einem fernen Pensionate, jedoch wird Herr Lester gefunden

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2. Kapitel.

Die Abreise der Familie Lester nach Kalifornien war auf den folgenden Morgen festgesetzt. Die wenigen Tage des gemeinschaftlichen Zusammenlebens mit dem Farmer hatten Saarfeld genügend überzeugt, daß, wenn er ebenso rastlos arbeitete wie sein Vorgänger, er bald zu einem gewissen Wohlstände gelangen werde

„Tu siehst," sagte er zu seinem Freunde, der als Verwalter bereits außerordentliche Geschicklichkeit an den Tag gelegt hatte und sich freudig feder Muhe unterzog, „ich habe ganz bedeutende Vorthelle gegen meinen Vorgänger, der anfänglich nut den größten Hindernissen zu kämpfen hatte. Er hatte die mätytigen Urwälder auszurotten, das Land fruchtbar zu machen, ehe er daran denken konnte, sich ein Haus zu bauen. Außerdem hatte er die Sorge um eine kränkliche grau, um seine Kinder! Wie ganz anders sind für mich die Aussichten! Ich habe nur zu ernten, was mühe­voll gesäet ist, ich denke, wenn meine Eltern und Ge­schwister erst kommen, werden wir hier ein ganz be-

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weiter bereit ist zur praktischen Bethatrgung. Diese Fürsorge must nach Lage der Dinge nun zuerst der Landwrrthschaft ge­widmet werden. Nach wie vor ist es richtig, daß wir gewissen Plänen nie und nimmer unsere Mitarbeit versprechen können. Wir haben uns über solche Pläne schon früher ausgesprochen; Mir werden vielleicht in baldiger Zeit uns noch weiter zu unter- halten in der Lage sein. Ich spreche von den Planen, welche den Namen „Antrag Könitz" tragen und welche neuerdings unter dem Namen des Abgeordneten Gamp ui ine Oeffentlichkert ge­drungen sind. Meine Herren, ich glaube nicht, daß wir aus diesen Plänen einen gesunden Kern herausschalen können. (Oho! rechts.) Aus diesem Grunde ist es mir ganz besonders erwünscht daß die verbündeten Regierungen nun die Wurzel des Nebels fassen indem sie der Auswucherung unserer getreidebauenden Bevölkerung durch die Börse zu Leibe gehen. (Sehr richtig! aus der Mitte.) Meine Herren, ich brauche mcht zu wiederholen was wir früher hier über die Börse gesagt haben; aber das darf ich sagen, daß es mich mit Befriedigung erfüllt, daß die Bestrebungen meiner Partei, allerdings Hand in Hand mit denen der konservativen Partei, endlich eine Börsenreform durchzu- führen, nunmehr einen Erfolg gehabt haben. Gerade die wilde Spekulation an der Produktenbörse ist es \a, die in guten Zelten dem Landwirth den ihm gebührenden Verdienst zum The,l weg­nimmt und in schlechten Zeiten die böse Lage des LandwirthS noch mehr verschlimmert. Ich begrüße es mit besonderer Freude, daß hier angesetzt werden soll. Hier wird ein richtiger Weg be­treten und auf diesem Wege sind wir bereit, der konservativen Partei und den verbündeten Regierungen sehr weitgehend, soweit es irgend möglich ist, zu folgen. .

Minder angenehm hat es mich berührt, daß weder in der Thronrede, noch in den Ausführungen des Herrn Reichskanzlers die Rede war von einer anderen in meinen Augen gerade so wichtigen Frage, ivenn auch der Bolkstheil, den sie betriftt, nicht so Zahlreich ist wie die ackerbautreibende Bevölkerung, nämlich die Handwerkerfrage. Wir haben im vorigen Sommer eine überaus dankenswerthe Ausarbeitung von «eiten des Herrn Handelsministers Freiherrn von Berlepsch gehabt über die Re­gelung dieser Sache. Diese Ausarbeitung hat eine verschieden­artige Beurtheilung erfahren; auch meine Freunde haben «hr nicht in Allem ihre Zustimmung geben können. Doch hat diese

I Ausarbeitung gezeigt, daß man gewillt war, mit Ernst und I Nachdruck an die Regelung die,er Frage heranzutreten. Ich glaube über minderes Wohlwollen wird der Herr Handels­minister sich nicht zu beklagen haben; wir waren bereit auf diesem Boden mit ihm eifrig zu arbeiten, um zu sehen, ob sich auf demselben etwas Gedeihliches für das Handwerk erreichen läßt Fetzt ist über allen Gipfeln Ruh', man hört nichts mehr davon. Ich sage offen: das bekümmert uns und beunruhigt uns Ich habe ben Wunsch, daß der Herr Freiherr von Berlepsch aus dem Wege, den er betreten hat, noch recht lange mit uns zu­sammen arbeitet. In diesem Punkt war der neue Kurs gut, und in diesem Punkt war Freiherr von Berlepsch ein guter Steuermann des neuen Kurses. Ich wünsche, daß er das schiff noch recht lange weiter steuert, und daß wir m der Lage sind,

I einen freiwilligen, aber deshalb nicht minder eifrigen Dienst als Bootsleute bei diesem Kurse zu leisten.

* Dem Reichstage ist heute ein Gef etzentwurf der Abgeordneten Dr. Rinteleu, Gröber, Spahn, Dr. Bachem und Dr. Hitze über Abänderung der Konkurs-

I ordnuug vom 10. Februar 1887 zugegangeu.

* lieber die Berufs- und Gewerbezählung Uom Jahre 1895 schreiben die ,Berl. Polit. Nachr.': Ver­schiedene wirthschaftliche Vereinigungen haben beim Bundesrathe Eingaben betreffs der Gestaltung der für das Jahr 1895 geplanten Berufs- und Gewerbezählung eingereicht So hat der Centralverein der deutschen Lederindustrie beantragt, daß die Lederindustrie nicht I wie bei der Berufszählung vom Jahre 1882 zusammen mit der Pavierindustrie in eine Gruppe, sondern ihrer d^ese^ Kosten zu bestreiten, darum zieht er gewiß selber

[] Die Hvrillblunie.

Erzählung von C. Borges.

(3. Fortsetzung.)

Dem Hanse stehe ja die Entscheidung über den Antrag I zu. Abg. Graf Mirbach erklärte Namens der Kon­servativen deren Zustimmung zu dem Anträge der Staatsanwaltschaft, ebenso zu dem Anträge Adt. Abg. Singer (Soz.) bekämpfte beide, letzteren namentlich, weil er auf Ausschließung von Abgeordneten hmaus- laufen würde. Minister v. Köller rechtfertigt den staatsanwaltschaftlichen Antrag. Es sei doch nicht der Sinn des Art. 30 der Verfassung, daß jede in diesem Hause begangene strafbare Handlung straffrei bleiben soll Abg. Gamp motivirte die Zustimmung der Reichs­partei zu dem staatsanwaltschaftlichen Anträge. Abg. v. Bennigsen (nat. -lib.) trat für Erweiterung der disziplinarischen Befugniffe des Präsidenten ein. Wolle man die Jmmunitäts - Artikel der Verfassung aufrecht erhalten, fo müsse sich der Reichstag gegen das Auf­treten der Sozialdemokraten schützen. Abg. Richter (frs.Vp.) schließt sich Roeren an. Der Reichskanzler habe nicht unglücklicher debütiren können, als mit diesem Anträge. Justizminister Schönstedt lehnt, um als Chef der Justizverwaltung jeden Anschein einer Beem- | flussung der Gerichte zu vermeiden, es ab, sich materiell I darüber zu äußern, ob Majestätsbeleidigung vorliege. Die Majestät zu schützen, sei Aufgabe der Regierung, und nachdem der Präsident erklärt hatte, daß ihm die nöthtgen Befugnisse fehlen, war es Pflicht der Regie­rung zu ersuchen, ob die Mittel zu einem Einschreiten anderweit gegeben sind. Abg. Roeren erklärt, daß das Centrum nach der Darlegung Benmgsen's für die Resolution Adt stimmen könne. Nach längerer Debatte, an der sich noch die Abgg. v. Buchka (kons.) und Bebel (Soz.) betheiligten, wird der Antrag der Kommission mit 168 gegen 58 Stimmen angenommen. Gegen den Antrag stimmten die beiden konservativen Parteien geschlossen. Die Reso­lution der Nationalliberalen wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen. Montag: Umsturz-Vorlage.

* Wie schon mitgetheilt wurde, hat der vom Cen­trum bestimmte Etats-Redner Dr. Bachem in der Reichstagssitzung vom 11. d. M. an die Programm­rede des Reichskanzlers anknüpfend darauf hingewiesen, daß das Cent rum ihm namentlich da Hilfe leisten werde, wo es gelte, den nothleidenden Berufs- klasfen zu helfen; insbesondere werde das Centrum jedes vernünftige Vorgehen zu Gunsten des Banern- nnd Handwerkerstandes unterstützen. Nach dem uns heute vorliegenden stenographischen Berichte sagte der genannte Centrumsredner wörtlich:

Meine Herren, wohlthätig Hst es mich berührt, baß der Herr Reichskanzler selbst betont hat, daß auch auf anderen Ge­bieten den nothleidenden Ständen unseres Vaterlandes zu Hilfe gekommen werden muß. Er hat warme Worte über die Lage der Landwirthschäft gesprochen; auch m der Thronrede stnden wir ja einen auch vom Reichstag mit warmem Beifall begrüßten Absatz über die Nothwendigkeit, dauernd für die minder gut stehenden Klassen zu sorgen. Dazu gehört zur Zeit I jn enter Reihe die ackerbautreibende Bevölkerung. Ich brauche nicht auszuführen, daß meine Partei, wie immer, so auch jetzt derartige Aeußerungen nicht nur dankbar begrüßt, sondern auch

Saratonka verlasse, je lieber wird es Dir sein," scherzte

I

„Wo denkst Du hin?" entgegnete Saarfeld. „So schnell können meine Eltern an die Reise noch gar nicht denken. Erst in zwei Jahren ist unsere Pacht­zeit abgelaufen, und so lange dauert es auch, bis meine jüngsten Schwestern ihre Schulbildung vollendet haben. Du siehst, alter Freund, es würde entsetzlich einsam für mich sein, wenn Du nicht Mitleid fühlst und bei mir