* Die Centrums Fraktion des Reichstages hat sich in ihrer letzten Fraktions-Sitzung am Dienstag Abend neu konstitnirt und den Vorstand der vorigen Session wiedergewählt. Demnach ist Graf Hompesch Vorsitzender der Fraktion, Domdekan Reindl, stellvertretender Vorsitzender. Dem Vorstand gehören als Mitglieder an die Abgeordneten: Dr. Lieber, Dr. Frhr. v. Heereman, Graf Galen, Dr. Lingens, Dr. Rintelen, Diede», Fritzen, Horn, Aichdichler, Dr. schädler, Gröber und Frhr. v. Buol-Berenberg Zum Schatzmeister wurde Abg. Dr. Bock, zum Protokollführer Abg. Krebs gewählt. Von dem Voistand des Centrums sind folgende 6 Mitglieder in den Senior en- Konvent delegiit: Graf Hompesch, Dr. Lieber, Dr. Frhr. v. Heereman, Dr. Rintelen, Dieben und Frhr. v. Buol-Berenberg.
* Die Fachkommissionen des Reichstages sind, wie schon theilweise mitgerheilt wurde, nunmehr gebildet worden. In der G eschäftsordnungs-Kommi- sion sitzen Singer (Vorsitzender), v. Kehler (Stellvertreter des Vorsitzenden). Dr. Pinschel und Roeren (Schriftführer), sonst noch Dr. Baumbach, Dr. Pichler, Günther, Graf Mirbach, v. Holleuffer, Freiherr von Manteuffel, Draeger, Garnp, Schmieder, Cegielski. Diese Kommission besteht aus drei Deutsch-Konservativen, einem Reichsparteiler, zwei Nationalliberalen, vier vom Centrum, zwei Freisinnigen, einem Polen und einem Sozialdemokraten. — Die Budgetkommission setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden von Kardorff, dem stellvertretenden Vorsitzenden Graf Hompesch, den Schriftführern Prinz Arenbcrg, Dr. Enneccerus und von Leipziger, den Konservativen von Holleuffer, von Massow, von Staudy, von Podbielsky, dem Reichsparteiler Freiherr von Gültlingen, den Nationalliberalen Dr. Hammacher, Möller lDortmund), Dr. Bürklin, vom Centrum Gröber (Württemberg), Krebs, Dr. Lieber (Montabaur), Dr. Lingens, Müller (Fulda), Dr. Schaedler, den Freisinnigen Richter, Dr. Pachnicke, Dr. Müller (Sagau), von der Süddeutschen Volkspartei Ehni, von der Deutsch-sozialen Reformpartei Werner, dem Polen Dr. von Jazd- zcwski, den Sozialdemokraten Bebel, Meister und Singer. Die Kommission besteht also aus 5 Deutsch- Konservativen, 2 Reichsparteilern, 4 Nationalliberalen, 8 vom Centrum, 3 Freisinnigen, 1 Süddeutsche Volkspartei, 1 Deutsch-soziale Reformpartei, 1 Pole, 3 Svziaibimokratert. — Der Wahlprüfungs-Kom- gtijjiott ytyüven an Spahn (Iörsitzcnoei), Dr. von Maryuardsen (Stellvertreter des Vorsitztaoen), Woll- ftein, Dr. von Buchka, Dr. Schneider und Fischer (Sozdem.), sonst Brandenburg, Stephan (Beuthen), Bassermann, von Schöning, Himburg, Pauli, Schmieder, Auer. Diese Kommission enthält 3 Konservative, einen Reichsparteiler, zwei Nationalliberale, 4 vom Centrum, 2 Freisinnige, 2 Sozialdemokraten. — In der Rech- nungs-Kommission sitzen: Dr. Paasche (Vorsitzender), Horn (Stellvertreter des Vorsitzenden), Graf Carrner, Hüpeden und Dr. Schönlank (Schriftführer), sonst Dr. Bachem, Schmidt (Warburg), de Witt, Dr. Pieschel, Graf Schwerin-Löwitz, Holtz, Dr. von Wolsz- legier (Gilgenburg) und Blos. — Die Petit ions- Kom mifsion bilden Dr. Kruse (Vorsitzender), Schmidt-Warburg (Stellvertreter des Vorsitzenden), Schwarze, Wattendorf, Rimpau, Hüpfen (Schriftführer), sonst Broekmann, Eulen, Krebs, Wenzel, de Witt, Graf Oriola, Placke, Graf Kwilecki, von Slaski, Casselmann, Galler, von Harber, Jacobskötter, Dr. Freiherr von Langen, Engels, Graf Bernstorff (Lauenburg), Pauli, Weiß, Förster (Reuß), Schmidt (Frankfurt), Vogtherr, Dr. Förster (Neustettin).
* Zu dem Umsturz-Gesetze erklärt heute der,Vor- toärtS': Kampf bis auf'6 Aeußerste gegen das neue Sozialisten-Gesetz! Aber nur aus Rücksicht auf unfere einzelnen Klassengenosfen, die gegen das mächtige Kapital im Kampfe um's Dasein schwer zu ringen haben. Unsere Partei hat von dem neuen Gesetze nichts zu fürchten. Die Verfasser des Entwurfes kennen nicht den starken Trieb der Volksseele, sich gegen jede Bedrückung mit deren Wachsen nur um so mächtiger aufzubäumen. Unsere Partei pfeift auch auf dieses Sozialisten-Gesetz!
* Eine Verstärkung der gesetzlichen Befugnisse zum Schutze der Person des Kaisers soll nach der ,Schles. Zeitung' der Inhalt einer Vorlage sein, welche die Regierung dem Reichstage zu machen beabsichtigt. Auch die neue offiziöse Berliner Korrespondenz hatte schon in ihrer ersten Nummer bemerkt:
Sollte die beabsichtigte strafrechtliche Verfolgung nicht die efforderliche Sühne bringen, so würde daraus nur folgen, daß die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen nicht ausreichen, um derartige Majestätsbeleidigungen strafrechtlich zu ahnden. In diesem Falle wäre darauf Bedacht zu nehmen, die gesetzlichen Befugnisse zum Schutze der Person des Kaisers zu erweitern.
Wir wollen in aller Ruhe abwarten, sagt die .Germania', was in dieser Beziehung eingebracht werden wird, wenn auch dabei einige Zeilen aus der preußischen Königshymne, die mit den Worten beginnen: „Nicht Roß, nicht Reisige", sich unwillkürlich der Erinnerung aufdrängen. Jedenfalls wird aber das Centrum, wie jede andere monarchisch gesinnte Partei, der Regierung die gesetzlichen Befugnisse nicht versagen, welche unter den h e u t i g e n Verhältnissen zum Schutze der Person des Kaisers als nothwendig erachtet werden.
Dle ,Nordd. Allgem. Ztg.' gibt sich in einem Artikel, der so thöricht ist, daß er offiziös sein könnte, die erdenklichste Mühe, das Centrum in ein neues großes Kartell auf Grund des sozialen und wirth- schaftlichen Programms, das Fürst Hohenlohe in seiner Einführungs-Rede aufgestellt haben soll, einzuspannen. Sie spricht dabei davon, daß man von der konservativen bis zur nationalliberalen Partei und zum Centrum der Aufgabe bewußt sei, welche der Kirche zur Heilung der Schäden unserer Zeit zufalle. Die Nationalliberalen und die Kirche! Was wohl Herr Salomon Köbner, der Redakteur der ,Nat-Ztg.', dazu sagen mag?
* Herr Oberbürgermeister Zelle wird am Samstag im Festsaale des Rathhauses einen alljährlich stattfindenden Repräsentations - Abend veranstalten, wozu bereits Einladungen an städtische Kreise, an Mitglieder des Magistrats-Kollegiums und der Stadtverordneten- Versammlung ergangen sind. Nach dem Mahle findet ein gemüthliches Zusammensein statt. Mit Rücksicht aus die neulichen Vorkommnisse im Reichstage sind an Herrn Singer und Genossen keine Einladungen ergangen.
* Aus Berlin erhält die ,Köln. Ztg.' eine Mittheilung, der zufolge von den Sozialdemokraten lebhaft darüber gesprochen werde, daß in der Hamburger sozialdemokratischen Bäckerei sämmtliche Bäckergesellen die Arbeit niedergelegt haben. Die „Genossen" seien sehr schlecht behandelt worden, der freie Tag wurde ihnen entzogen, und sie mußten Überarbeiten besorgen, die sie vor 8 Jahren bei den bürgerlichen Meistern auszuführen sich weigerten. Damals wurde, um diesen Ausständigen ein Unterkommen zu schaffen, die sozialdemokratische Bäckerei gegründet. In diesem Jahre waren hier die Arbeiter schlimmer dran, als seiner Zeit bei den bürgerlichen Meistern.
* Wittenberg a. d. Elbe, 12. Dez. Die katholische Schule hierselbst zählt ungefähr 70 Kinder. Tcr Lehrer wird von der Stadt besoldet. Es fehlt ein vorschriftsmäßiges Schulzimmer. Die Stadt muß in nächster Zeil ein Schulhaus für mehrere Klassen bauen, an die Katholiken ist die kindliche Zumuthung gestellt, 10,000 Mark zu dem Baue belzutragen, falls sie ein Klassenzimmer haben wollten. Selbstverständlich werden die Katholiken jetzt den Rechtsweg beschreiten; hoffentlich bekommen sie daiiji — guch ohne die 10,000 Mk. — ein rf.n bet Stadt gebautes Kchulzimmer.
* München, 12. Dez. Gestern wurde die Antivort I bekannt, welche die Fuchsmühler Bauern aus ihre Petition an den Pnnzregenten erhielten, und gehr dieselbe nach Beiseitelassung aller Floskeln dahin, daß die gewünschte Einwirkung auf die gerichtliche Entscheidung der anhängigen Strafsache im Hinblicke auf §§ 3 und 4 Titel Vlll der bayerischen Verfassungs- Urkunde und aus § 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 17. Januar 1877 nicht statthaft erscheine, daß ferner für die Entscheidung der Frage, ob die Forstberechtigten die Verabfolgui g des Rechtholzes für die Jahre 1893 und 1894 beanspruchen können, die Gerichte zuständig seien, übrigens der königliche Kämmerer und Landesgerichtsrath v. Zoller am 28. November an das königliche Staatsministerium des Innern die Anzeige erstattet habe, „daß die Anweisung des Rechtholzes aus den Fuchsmühler Lehenswaldungen pro 1893 und 1894 den Holzberechtigten von seiner Seite zugesichert worden sei, daß das Rechtholz pro 1893 zum größten Theil angewiesen sei, und der Rest in den nächsten Tagen angewiesen sein werde, sowie daß der Vollzug der Anweisung des pro 1894 zugesicherten Holzes in einem mit den Berechtigten zu vereinbarenden Zeitpunkte werde bethätigt werden." Dieser Entscheid war vorauszusehen, denn ein anderer konnte nicht gefällt werden, so wenig wie sich der Regent in die privatrechtliche Frage einmischen konnte. Das Schwergewicht liegt in der Eröffnung der Zusicherungen, die Herr v. Zoller gegeben hat, und die theilweise schon eingehalten sind. Der Regent hat gestern Herrn v. Zoller auch empfangen, und zweifeln wir nicht, daß er eindringlich aufgefordert wurde, Alles zu thun, was nothwendig ist, um die Holzberechtigten zufrieden zu stellen. Daß der Regent, eventuell bei schweren Vernrtheilnngen der Fuchsmühler, Gnade üben kann und auch wird, das steht auf einem anderen Blatt. Mit diesem Entscheid ist aber auch der Nachweis geliefert, daß Dr. Schädler in der Fuchsmühler Angelegenheit nichts hätte thun können, was irgend welchen Erfolg gehabt hätte. Denn weder den Ministern, noch dem Landtag ist es gestattet, in schwebende Prozesse einzugreifen. Daß deshalb die sozialistische Hetzpresse nicht aufhören wird, fortzunörgeln, brauchen wir nicht zu versichern, doch wird ihr das bei vernünftig denkenden Leuten nichts helfen. Aus Fuchsmühl wird der Münch. Post' mrtgetheilt, daß das Holz für 1894 noch nicht angewiesen ist. Großmann, der Förster, habe die Leute für das sogenannte Umschlageholz 8 Mk. für die Klafter zahlen lassen, obwohl das Holz noch nicht angewiesen ist. Der Wittwe des ermordeten Stock wurden vom Prinzregenten 100 Mark angewiesen. Die Frau des Bauern soll auf die Hilfe der Armenpflege angewiesen worden sein. — Als Zweiter ist der Redakteur des ,N. Münch. Tagebl.' wegen „groben Unfugs" angeklagt. Die Verhandlung findet am 28. Dezember sicht.
Der Ausschuß der Hanseatischen ^nvallditats-nnd Alters-Versicherung bewilligte 307,000 Mark zur Errichtung einer Heilstätte für Lungenkranke.
Ausland.
* Brüssel, 13. Dez. In Folge der ablehnenden Haltung des Kammerausschusses gegenüber derHeeres - sicher m 9ltt bCr S,RÜ(ftritt des Kriegsministers als
* Der französische Ministerpräsident Burdeau dessen Tod gemeldet wurde, ist am 10. September 1851 als Sohn armer Eltern zu Lyon geboren worden- er verdiente in jungen Jahren seinen Lebensunterhalt in der Werkstätte. Spürer besuchte er die Normalschule rn Pans, trat im Jahre 1870 als Freiwilliger in die Armee, machte den Zug Bourbakis mit, wurde verwundet und als Gefangener nach Deutschland abgeführt. Nach dem Kriege wurde er Lehrer und trug dann Philosophie in Etienne vor. Nachdem er in derselben Eigenschaft an dem Pariser Lyeeum Louis le Grand gewirkt hatte, wurde er im Jahre 1881 von dem damaligen Unterrichtsminister Paul Bert zum Kabinetschef in dessen Ministerium ernannt Zum Deputaten wurde er im Jahre 1885 von der Stadt Lyon gewählt, worauf er sich den Radikalen anschloß und insbesondere an den Verhandlungen über Unterrlchtsangelegenheiten thätigen Antheil nahm. Als er in den Panamaskandal hineingezogen werden sollte, vermochte er alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen erfolgreich zu widerlegen. Burdeau ist denn auch ohne Vermögen gestorben In Berlin ist der nunmehr Hingeschiedene näher bekannt geworden, als er im März 1890 zum zweiten Vertreter Frankreichs auf der von Kaiser Wilhelm II. nach Berlin berufenen internatio= nationalen Arbeiterschutzkonferenz ernannt worden war. Jules Simon war damals erster Vertreter der fran- zösifchen Republik. Burdeau war in der französischen Kammer und in Paris eine allgemein beliebte Persönlichkeit.
* Paris, 13. Dez. Obwohl sämmtliche Zeitungen die Öffentlichkeit im Prozeß gegen den Hauptmann Dreyfus fordern, lehnt die Regierung diefe entschieden ab, weil sie die Art und Weise, wie sie in den Besitz des anonymen Schreibens kam, auf dem die ganze Anklage beruht, nicht verraihen will.
* Belgrad, 12. Dez. König Milan beabsichtigt, den Winter in Paris oder in Nizza zuzubringen. Das wird wieder ein schönes Geld kosten!
* London, 13. Dez. Die ,Daily News' melden aus Konstantinopel, die Unterhandlungen zwischen den Botschaftern und der Pforte dürften ein Abkommen ergeben, wodurch der Bericht der türkischen Untersuchungskommission über die Vorfälle in Armenien kontrollirt werden solle. Voraussichtlich werden die Konsuln von England, Frankreich und Rußland in Erzernm m t einer Sonderuntersuchnng betraut werden. Wie verlautet, hat der Sultan aus eigenem Antriebe alle Vertragsmächte eingeladen, hierzu Vertreter zu ernennen.
* Washington, 12. Dez. Der Senat beschloß mit 27 gegen 23 Stimmen, die vom Finanzkomitee angenommene Zuckervorlage nicht zu berathen. Die betreffende Vorlage, welche von dein Komitee als Ersatz für die in der letzten Session des Repräsentantenhauses eingeführte Freizucker-Vorlage empfohlen wurde, legt allen Zuckersorlen einen 40prozentigen ad valorem- Zoll auf und hebt die differenziellen Zölle zu Gunsten des raffinirten Zuckers auf.
* Aus Ostasien melvet Reuters Bureau neue große Erfolge der Japaner. Sie haben die gut verpro- öiantirte Stadt Futschau eingenommen und rücken nun nach dem stark befestigten Hafen Niutschwang vor. Man sieht, die Japaner übereilen sich nicht. Sie nehmen jeden Fußbreit chinesischen Landes in thatsächlichen Besitz und es scheint, als wollten sie ein gut Theil davon auch später behalten. Das Erscheinen von 16 japanischen Kriegsschiffen vor dem Peking beschützenden Hafen Taku, das dieser Tage gemeldet wurde, bereitete wieder auf einen geplanten Hauptschlag vor. Während nun alle Aufmerksamkeit der chinesischen Ver- theidigung auf den Schutz dieses so wichtigen Punktes gerichtet war, haben die Japaner bei Schanhaikwan (obere Bergfestung an der See), nachdem unlängst bereits ein Vorstoß dort mit Erfolg versucht worden war, 25,000 Mann gelandet. Japans Truppen stehen jetzt nur noch 250 Kilometer von Peking. Die tapferen Mandschu-Generäle helfen sich gegen die eindringenden Japaner durch Armee-Befehle, in denen sie Preise ausietzen auf die eiugetieferten Köpfe der Feinde. — Im Rücken ist aber den Truppen des Mikado ein böser Feind entstanden. Die Koreaner haben sich in Massen gegen das Banner der aufgehenden Sonne erhoben. Der jahrtausend alte streit zwischen Japan und Korea ist wieder auf's Heftigste entfacht.
Stn&L firovin; nnd llachlmryelntt.
Fulda, 15. Dezember.
* Aus dem im politischen Theile unseres heutigen Blattes enthaltenen vollständigen Verzeichniß der Fachkommissionen des Reichstages ist zu ersehen, daß unser Herr Reichstagsabgeordnetcr Richard Müller vom Centrum als Mitglied der B u d g e t k o m m i s s i o n ge-