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des 21 der des an-

* Bern, 13. Dez. Die Bundesversammlung wählte zum Bundespräsidenten für 1895 Zemp aus Luzern (kath.); zum Vizepräsidenten Lach en al aus Genf (radikal). Zemp ist der erste katholische Bundespräsident.

* Die Sanktion der kirchenpolitischen Vorlagen in Ungarn betreffend die Civilehe, die Staatsmatrikeln und die Bestimmung der Religion der Kinder aus ge­mischten Ehen, wird im ,Wiener Vaterland' besprochen. Das Blatt bekennt, es habe das ruhige Bewußtsein, nichts Erlaubtes unterlassen zu haben, um dieses Er-

scheinlich erst am kommenden Montag wieder ausneh- men. Die morgige Jagd beim Präsidenten wurde auf- ge,choben, ebenso sind die Diners der Minister für diese Woche abbestellt. Die republikanischen Blätter widmen Burdeau sehr sympathische Artikel. Er als Sohn eines bescheidenen Arbeiters habe durch eigenes Verdienst eine so hohe Stufe erklommen. — Es ver­lautet, die Regierung bereite einen Gesetzentwurf vor, wonach der Familie des vermögenslos gestorbenen Burdeau eine Jahres-Pension von 10,000 Franks aus­zuzahlen ist.

Beschluß der Versammlung soll zur Feier des 28. Stiftungsfestes am kommenden Treikönigstage (6. Jan.) nach herkömmlicher Weise ein Hochamt auf dem Frauen­berge und Abends ein Festmahl mit Musik in der „Harmonie" stattfinden. Der gestrige Vereinsabend gewann an Lebhaftigkeit insbesondere noch dadurch, daß die Aufnahme des 100. Mitgliedes (Herrn Lehrers Ebel von hier) bei Münchener Bier, Trinkreden und Gesangsvorträgen „gefeiert" wurde. Weitere Beitritts- Anmeldungen wurden bekannt gegeben. Das Wachsen und Blühen der katholischen Männergesellschast M. N. bildet also nicht mehr einen bloßen Wunsch ihrer Freunde und Gönner, sondern ist zur Wirklichkeit ge­worden. Möge letztere nun auch von Dauer sein.

* In der gestrigen gemeinsamen Sitzung des Stadt­raths und Bürgerausschusses wurden die seitherigen Kreistagsmitglieder Theodor Arnd, Rentner, Lorenz Halbleib, Kaufmann und Konstantin Reinhardt, Rentner, wiedergewählt.

festen Grundlage bedürfe; eine solche zu gewinnen, müsse sie die führende Rolle übernehmen und Jeder, der es mit dem Vaterlande gut meine, müsse ihr da­bei Hilfe leisten. Abgeordneter Payer (Vp.) erklärte sich gegen Umsturz - Gesetze und neue Steuern, gegen die Forderung für neue Schießplätze in Württemberg, gegen die Kolonial - Politik, gegen Angriffe auf die Immunität der Abgeordneten. Die ganze Art und Weise, in welcher die Politik geführt werde und in welcher namentlich auch der Rücktritt Caprivi's erfolgte, müsse im Volke und höher hinauf Mißtrauen erwecken. Abg. Zimmermann (Reformp.) wies darauf hin, daß beim Abgänge Bismarck's die Linke kein Bedenken gegen die Handhabung des Rechtes der Krone, ihre Räthe frei zu wählen, hatte. Caprivi's Abgang werde als allgemeine Erleichterung empfunden. Seine Freunde verlangen Maßregeln gegen den Nothstand der Land- wirthschaft, gesetzliche Organisation des Handwerks, energische Börsen-Reform und Versicherung gegen Ar­beitslosigkeit. Er hätte gewünscht, daß der Reichs­kanzler nicht nur die Katholiken rücksichtlich seiner früheren Stellungnahme im Kulturkämpfe, sondern auch die Antisemiten rücksichtlich gewisser ihm in der Juden­presse zugeschriebenen Aeußerungen beruhigt hätte. Darauf wurde die Debatte geschloffen und der Haupt- theil des Etats an die Budget-Kommission ver­wiesen. Morgen: Antrag Schmidt (Elberfeld), Priorität der Jnitiativ-Anträge, Interpellation P a a s ch e (nat.-lib.), betr. Organisation des Handwerks. Der Präsident hatte vorgeschlagen, die Umsturz-Vorlage noch äuf die morgige Tagesordnung zu setzen. Dieser Vor­schlag war aber gegen die Stimmen der beiden konser­vativen Parteien und eines Theiles der Nationallibe­ralen abgelehnt worden.

* Die katholische Männergesellschast M. N. hielt gestern Abend wie alljährlich int Monat Dezember ihre Generalversammlung ab, zu welcher sich die Mit-

Jch bin jetzt zwanzig Jahre und werde noch immer von meiner Mutter am Gängelband gehalten, das er­trag ich nicht länger. Der Militärdienst sagt mir nicht zu, am liebsten möchte ich die Verwaltung unserer Güter selbst übernehmen; doch dann wird mir gesagt, daß ich nichts thun darf, ohne unserem stolzen Namen Ehre zu machen. Glaube mir, diese Reise ist meine Rettung; sie bewahrt mich wenigstens vor einem thörichten, verzweifelten Schritt."

„Was würdest Du denn gethan haben?"

„Das weiß ich nicht; jedenfalls etwas, was unsere Ahnen mit Entsetzen erfüllt hätte, falls sie es erlebt haben würden. Vielleicht wäre ich zur Bühne ge­gangen, als Opernsänger oder sonst etwas; erst in der neuen Welt werde ich in den Vollbesitz meiner Kräfte wieder gelangen."

„Waren Deine Eltern mit Deinem Plan einver­standen?"

„Hm, ja! was sollten sie denn anders sagen? Ganz unerwartet gelangte ich jetzt schon in den Be­sitz eines Vermögens; warum sollte ich diese Reise nicht unternehmen? Ich fühlte erst hier auf dem Schiffe, was Freiheit bedeute, die ich sonst nie gekannt hatte."

Horst Saarfeld blickte seinen Freund vorwurfsvoll an: Er hatte früher häufig seine Ferien in Kurt's väterlichem Schlüsse zugebracht, und kannte nur zu gut

die rührende Liebe, die Eltern und Geschwister für den allgemeinen Liebling hatten.

„Was willst Du nur mit Deiner Freiheit machen, jetzt, da Du sie endlich errungen hast?" fragte er deshalb ernst.

„Ich will versuchen, wie mir ein arbeitsames Leben gefällt", versetzte Kurt. „Es gibt dort manche große Farm; warum sollte ich meine Kräfte nicht einmal erproben. He! willst Du mich nicht zum Oberver­walter auf Deiner Farm ernennen, Horst? Du sollst es nicht bereuen, wenn Du es thust; denn ich will wie ein Sklave für Dich arbeiten!"

„Danke schön, mein Lieber! Meine Mittel würden nicht hinreichen, Dir eine Dienerschaft zu halten, wie Du es gewohnt bist", entgegnete Horst heiter. „Wer weiß, ob ich nicht Herr, Verwalter, Knecht, vielleicht auch noch mein eigener Koch sein muß."

Die alte Freundschaft, die sie als Knaben auf der Schulbank geschlossen, wurde jetzt durch das enge Zu­sammenleben auf dem Schiffe noch mehr befestigt. Kurt's immer heiteres Gemüth verscheuchte jeden trüben Schatten von der Stirn des Freundes, der oft mit bangen Sorgen der Zukunft und seiner Eltern gedachte. Es schmerzte ihn fast, daß die Tage so schnell vergingen und die Reise bald beendet war, und er die Gesellschaft seines Freundes bald entbehren würde. (Fortsetzung folgt.)

macht habe, daß es nicht nöthig sei, sie zu wiederholen. Tiefschmerzliche Gefühle könnten den Katholiken und Patrioten nimmer ein Anlaß sein, jetzt den Feinden des Glaubens und christlichen Thrones freies Spiel zu lassen. „Auch sanktionirte Gesetze sind ab­änderlich. Auch heute lautet die Parole: Der Kampf gegen die Civilehe und die kirchenpolitischen Gesetze hört keinen Tag lang auf." Das ,Vaterland' macht dann die schon bekannten Mittheilungen über die Absichten der Bischöfe und christlichen Magnaten. Von den Vorstellungen der ersteren sagt es, sie hätten allerhöchsten Orts, bei der Regierung und dem Mag­natenhause nicht den gehörigen Erfolg gehabt, der Appell an Klerus und Gläubige Ungarns werde sicher­lich Gehör finden und Ungarns öffentliches Leben um gestalten. Seitens der christlichen Mag­naten ist die Versicherung gegeben worden, daß sie unentwegt auf dem bisherigen Standpunkt und Aktionsprogramm verharren.

Amerika zu leben; mein Vater ist noch rüstig, kaum fünfzig Jahre alt, und hoffentlich gelingt es uns, nach einer Reihe von Jahren in die alte Heimath zurückzukehren, wo dann hoffentlich meine Eltern sich einer sorgenfreien Existenz erfreuen können. — Doch genug von mir! Was willst Du in Amerika, Kurt?"

„Ich will nur die Welt sehen?"

„Mensch! Welche Idee! Du wirst in Kolumbia nicht gerade viel sehen! Wenn Du etwas tiefer in das Land gebst, wie ich es thue, so kannst Du Dich glück­lich preisen, wenn Du einmal monatlich ein Zeitungs­blatt in die Hand bekommst, oder wenn Du in vier bis sechs Stunden im Umkreis einen Nachbar findest. Es soll ein herrliches Land sein, aber erst für die Zukunft, denn seit wenigen, vielleicht zwölf Jahren, hat man erst angefangen, die alten Wälder umzuhauen und urbar zu machen. Jetzt ist es da gewaltig öde und einsam auf der großen Farm."

„Das ist gerade nach meinem Geschmack. Ich will ganz offen reden, Horst, es liegt mir weniger daran, nach Kolumbia zu gehen, als hauptsächlich eine zeitlang von der Heimath entfernt zu sein!"

„Du bist doch kein Menschenfeind geworden, alter Freund?" sagte Saarfeld betroffen.

„Durchaus nicht; aber so lächerlich es Dir auch erscheinen mag, ich sehne mich nach körperlicher Arbeit.

* Die freie wirthschaftlichc Bereinigung des Reichs­tags hat in ihrer heutigen Sitzung den an die Stelle des Antrags Kanitz gesetzten Gesetzentwurf über die Verstaatlichung der Getreideeinfuhr an eine Kommission überwiesen. Die ,Nat. Ztg.' behauptet, daß selbst in der Vereinigung keine Mehr hell für diesen Antrag vorhanden sei. — Centrumsmitglieder sind der Bereinigung nicht beigetreten.

* Wie Herr Schönstedt Justizministcr wurde, ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt. Es wurde von vorn- I herein darauf aufmerksam gemacht, daß der neue Justiz- minifter Schönstedt politisch in keiner Weise hervor­getreten sei, auch der Oberlandesgerichts-Präsident Schönstedt war hinsichtlich seines Namens und seiner Qualifikation so wenig bekannt, daß seine Ernennung den meisten Leuten sehr überraschend kam. Man ver- muthete wohl, daß der ehemalige Justizminister v. Schelling diesen Nachfolger in Vorschlag gebracht habe, nun aber ist auch diese Annahme hinfällig ge­worden; Herr Finanzminister Miquel scheint es ge­wesen zu sein, der in Bezug auf Herrn Schönstedt gesagt hat: „Das ist mein Mann." Der neue Justiz­minister Schönstedt war nämlich, wie der ,Freis. Ztg.' aus Frankfurt a. M. geschrieben wird, dort im Jahre 1883 noch Landgerichtsdirektor. Um jene Zeit wurde er als Landgerichtspräsident nach Neuwied versetzt. Bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Festessen hielt der damalige Oberbürgermeister Miquel eine Rede, in welcher er die Vorzüge des Scheidenden sehr hervor­hob. Man nimmt in Frankfurt a. M. an, daß diese Bekanntschaft beider Herren nicht ohne Einfluß auf die Berufung gewesen ist.

Ausland.

erforderten ernste Erwägung. Der jetzt ungehinderten l Ununterbrochen haben dem Reichstage angehört i * Paris, 12 Der In Rolae des Ableyens r Bekämpfung unserer Staats- und Gesellschafts-Ordnung nach den Anführungen in denErinnerungen von Eugen deau's haben sämmtliche KommMonenund

durch die Sozialdemokraten muffe em Ziel gesetzt wer- Richter im alten Reichstage nur die nachfolgenden 11 mentarischen Gruppen d e fiU b ut a beraum en

zT ™ie Regierung habe emge ehen, daß sie einer Abgeordneten: v. Benda, Dr. Bock (Aachen), v Grand- Sitzungen abbestellt Dip

festen Grundlage bedürfe; eine solche zu gew-nnen, Ry, Frhr. v. Heereman, v. Kardorss Lender Dr Zeichenber?

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Eugen Richter.

* F»r Strafverfolgung des Abg. Liebknecht wollen auch die Konservativen stimmen. Die National- liberalen scheinen dagegen stimmen zu wollen unter der Voraussetzung, daß die Disziplinargewalt des Präsidenten verstärkt wird. Die Sozialdemo­kraten wollen bei Gelegenheit des Antrags gegen den Abg. Liebknecht eine authentische Auslegung des § 30 der Verfassung seitens des Reichstags beantragen, dahingehend, daß auch nach Schluß der Session eine Strafverfolgung wegen Sitzenbleibens beim Kaiserhoch als verfassungswidrig erklärt werde.

* Der Reichstag wird die'Etatsdebatte, wie man hofft, am Donnerstag beendigen. Am Freitag soll dann der Antrag auf Strafverfolgung des Abg. Liebknecht I eigniß verhüten zu helfen'. Es bezeichnet den'heütigen I qliedel'ftb^^AE^'nn^nden'^tten^ Nackdem erhandelt und die Berathung der Interpellation Paasche Erfolg als Krönung der Wekerle'schen Politik, über über den Stand der Vereinskasse Rechnung abaeleat

wegen der Zuckersteuer b^onnen werden. Diese Witter- bereit kirchliche, sittliche, staatsrechtliche und sonstige und dem Kassirer Decharqe ertheilt worden war schritt

wird dann noch die ubngen Tage vor den Tragweite es seine Ansichten in offener und gewissen- man zur Neuwahl des Vorswndes Me sei!b!riaen

Weihnachtsferten in Anspruch neunen. Die Umsturz- Hafter Weise zum Ausdruck gebracht und geltend ge- Mitglieder desselben wurden wieder^wählt Laut

rathung^ gelangen ° *** Neu;ahr zur Be- | macht habe, daß es nicht nöthig sei, sie zu wiederholen. I Bescbluß der Versammln»« fnIT inr hpa 9R

* Präsident v. Levetzow hat in der Sitzung Reichstages vom 5. Dezember die nachfolgenden Mitglieder als diejenigen bezeichnet, welche bei ersten Sitzung am 16. Oktober 1871 Mitglieder Reichstages waren und auch jetzt dem Reichstage gehören. Herr v. Levetzow hat aber dabei bemerkt, daß manche von diesen Mitgliedern nicht ununterbrochen dem Reichstage angehört haben. Die nachfolgenden 21 Abgeordneten haben also zwar int Oktober 1871 und gegenwärtig, nicht aber ununterbrochen dem Reichstage angehört. Jene 21 find die Abgeordneten Bebel, v. Benda, Dr. v. Bennigsen, Dr. Bock (Aachen), Dr. Böhme, v. Gerlach, v. Grand-Ry, Dr. Hammacher, Dr. Frhr. v. Heereman, Dr. v. Kalkstein, v. Kardorff, v. Kehler, Lender, Dr. Lieber (Montabaur), Dr. Lin­gens, Dr. v. Marquardsen, Richter, Dr. Rudolphi, v. Stein, Freiherr v. Stumm - Halberg und Uhden.

*„Ueber die italienische Kolonialpolitik hat der Minister des Auswärtigen in der Sitzung der Depu- tirtenkammer am Sonntag wichtige Erklärungen ab­gegeben. Er erklärte u. a.: „Betreffs des ägyptischen Sudans liegt es absolut nicht in unserer Absicht, unsere Aktion in der Richtung von Chartum zu er­weitern. Ich stelle ausdrücklich in Abrede, daß die Regierung je solche Absicht kundgegeben oder gehabt habe, oder daß sie irgendwie Verhandlunqen zu diesem Zwecke eröffnet hätte."

* Warschau, 12. Dez. Der Zar gewährte das an ihn gerichtete Gesuch mehrerer jüdischen Familien aus Galizien und Deutschland, auf unbestimmte Zeit m Warschau Aufenthalt nehmen zu dürfen. Der­artige Gesuche wies der Generalgouverneur Gurko bisher stets zurück.

* London, 12. Dez. Aus Neufundland wird ge­meldet: Die Handelsbank und andere große Bank­häuser sollen ihre Zahlungen eingestellt haben. Die Bevölkerung zog von der Staatsbank sofort alle Depo­siten zurück. Die Bank mußte geschloffen werden. Es herrscht große Aufregung.

* Uokohama, 12. Dez. Eine Abtheilung der zwei­ten japanischen Armee besetzte widerstandslos Fut- schau im Norden Port Arthurs. Die Chinesen zogen sich in der Richtung auf Niutschwang zurück. — Siner Meldung aus Tokio zufolge marschiren die Japaner in Eilmärschen nach Niutschwang.

Stadl, tzrovim and Nachbargebiet.

Fulda, 14. Dezember.