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mit Unterhaltungs-Keitagr „Sterne »«d Kt«mrn".
* Der Kaiser hat, wie im .Reichsanzeiger' amtlich bekannt gemacht wird, am Sonntag Nachmittag um l1/* Uhr den russischen Botschafter Grafen Schuwalow in Audienz empfangen und aus dessen Händen „ein Schreiben Seiner Majestät des Kaisers aller
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Schuwalow in seiner Eigenschaft als Botschafter bestätigt wird. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, v. Marschall, wohnte der Audienz bei.
* Die Stellung des Handelsministers Freiherrn v. Berlepsch wird jetzt auch vom ,Hann. Courier', dem Organ des Herrn v. Bennigsen, und anderen Blättern als ernstlich erschüttert bezeichnet. — Wir haben dies bereits vor mehreren Wochen, während der aJtv- nisterkrisis, gesagt. Wenn unsere Angaben jetzt auch von nationalliberaler Seite bestätigt werden, so scheint es, daß die Bemühungen, Herrn v. Berlepsch zu halten, doch nicht lange erfolgreich waren. Daß Herr v. Berlepsch „amtsmüde" ist, kann nach dem Mißlingen seiner Pläne in der Handwerkerfrage nicht
Ich will meinen Schwager bitten, mich noch heute nach" Hause zu holen. Sie sind wieder hergestellt und so muß ich an die Heimkehr denken."
Ja, es wird freudlos hier sein, da mein Mann und "Mariano abgereist sind, neckte sie. „Darum gehst $U Äin ich gehe, weil er wieder kommt," platzte sie tieferröthend heraus, „weil er mir gesagt hat, daß er mich liebt — und — und weil ich thn liebe.
„Da wäre ja die Sache in Richtigkeit, und kein Grund zu entfliehen," drohte Dolores.
Spotten Sie nicht!" entgegnete gekrankt Pilar. Sie werdet mein Geheimniß bewahren, ^ch weiß, Sie und Ihre Eltern sind mit dieser Wahl Don Mariano's nicht einverstanden, aber Sie dürfen meiner Versicherung glauben, daß ich nichts gethan habe, feine Liebe zu gewinnen. Nicht wahr, Sie werden freundlich von mir denken?" ., . (
„Nein, das werde ich nicht, denn Du sagst Unwahrheiten! Du hast meinen Bruder bezaubert ! Meinst Du, ich hätte es nicht längst gemerkt? und dann bist Du böse genug zu sagen, ich wünsche Eure Verbmdung nicht aus veralteten Standesvorurtheilen. Bm ich doch ! so froh, daß Mariano neuen Hoffnungen und Interessen daß er der Liebe und dem Leben wiedergegeben ist Das ist Dein Werk, Kleine! Willst Du mich nun
und begründete die Mehrforderungen und fchließlich die Nothwendigkeit neuer Steuern, wofür er jedoch nur die Tabakfabrikat - Steuer mit einem Ertrag von 35 Millionen Mark ins Auge faßte. Darauf antwortete der vom Centrum bestimmte Etats- Redner Dr. Bachem. Er knüpfte an die Rede des Reichskanzlers an, betonte, daß die Katholiken ketn Vorurtheil gegen ihn hätten und ihm namentlich überall
verwundern. ...
* Dem Reichstage ist die übliche Denk)christ über die Ausführung der feit 1875 erlassenen An- lciheqeseüe zugegangen. Daraus ergibt sich, daß das deutsche Reich es bereits auf rund 1961 Millionen Mark Schulden gebracht hat!
* Das Centrum hat außer dem Jesuiten-Antrage auch die früheren Anträge betr. die Vertretung der Arbeiter (Arbeiterkammern), betr. die Konsumvereme und betr. die Veranlasfung von Erhebungen über den Maximal-Arbeitstag und die Befchaftigung verheiratheter Frauen in Fabriken wieder eingebracht. In der Fraktionssitzung am Freitag wurde beschlossen, die früheren Anträge betr. Regelung des Hauftrhandels und betr. Reform des Konkursrechtes wieder emzu- bringen, sowie einen weiteren Antrag betr. die Konsum- Vereine. In Sachen der Handwerkerfrage soll, sobald ein gelegener Zeitpunkt sich ergibt, im Wege der Interpellation vorgegangen werden. ,
* Die heutige Reichstagssitzung begann mit der Proqrammrede des Reichskanzlers Fürst H o h e n l o h e. Er versicherte, daß er im Wesentlichen den seitherigen Curs einhallen, jedoch nicht in Allem die Wege seines Vorgängers wandeln werde. Er versprach die Fürsorge der Regierungen für den Bauern-, Handwerker- und Arbeiterstand, ersuchte indessen, ntcht die Erfüllung unmöglicher Projekte von ihm zu verlangen. Schließlich wandte er sich an die Adresse des Centrums und bat, ihm die nöthige Mitwirkung nicht zu versagen ; fein Bestreben werde dahin gehen, die Eintracht zwischen Kirche und Staat zu erhalten, man möge ihn nicht nach seiner Stellungnahme in den 1860er und 1870er Jahren beurtheilen. Hierauf hielt der Reich s- schatzfekretär Graf Posadowsky feine Etats- rede. Er erläuterte die fchon bekannten Etatspositionen
Erschein. täglich^» ff
Dolores.
Roman von Th. K.
(29. Fortsetzung.)
Langsam, sehr langsam erholte sich Dolores, aber sie selbst veranlaßte Marcial zur Abreise, als sein Urlaub zu Ende ging. „Gewitter und Sturm ziehen vorüber, Marcial, und dann werden wir den stillen heitern Himmel unserer Häuslichkeit doppelt zu schätzen wissen. Meine Krankheit scheint allen Trübsinn von mir genommen zu haben, ich bin hoffnungsreich wie nie."
Darf auch ich das fagen?" flüsterte Mariano der erröthenden Pilar zu. „Ich werde meinen Schwager zu dem alten Freunde unseres Hauses, dem tüchtigsten Rechtsgelehrten von Spanien begleiten. Gott gebe, daß wir ihn bestimmen können, sich unserer Sache anzunehmen; schon lange gab er seine Praxis auf. Will er, dann fürchte ich nichts mehr von diesem gemeinen Prozeß. — In einigen Tagen, liebe Pilar, bin ich zurück. Ich bin kein galanter Liebhaber; Frohsinn, Humor und das offene Entgegenkommen der Jugend, es liegt begraben mit den Illusionen und Idealen; ich wurde ein skeptischer, abgeschlossener Mann: wird Deine Jugend, voll Duft und Sonnenschein, mich verstehen, meine heitere Muse sein, wenn mein ernster Beruf
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Dezember.
eids ist endgiltig auf den 14. und 15. d. M. an gesetzt — Die deutsch - soziale Reformpartei beschloß, einen Antrag auf Einstellung des Strafverfahrens gegen den Abgeordneten Leuß oder auf Haftentlafsung nicht zu stellen. . . , . „
* Der Termin vor der Disziplmarkammer m Potsdam gegen den Affessor Wehlau wird wahrscheinlich auf den Januar anberaumt werden. Die Vorverhandlungen haben eine geraume Zeit in Anspruch genommen, da Ässesfor Wehlau nicht, wie es bei dem Kanzler Leist der Fall war, Reichsbeamter ist. Affesfor Wehlau ist preußischer Gerichtsassesfor und wurde nur im Rcichs- dienst verwendet. Als daher feine Vorladung vor einer Disziplinarkammer in Frage kam, mußte das Auswärtige Amt mit dem preußischen Justizministerium in Unterhandlungen treten, dem der Assessor Wehlau untersteht. Diese Verhandlungen sind, dem Vernehmen nach, in befriedigender Weise abgeschlossen.
* Der,Reichsanzeiger' bringt folgende Mittheuung: Die russische Regierung verordnete die Aussührung des Artikels 2 des deutsch-russischen Handelsvertrages, daß ausländische Haudlungs - Reisende beim Betreten des russischen Gebietes verpflichtet sind, int Grenzzollland einen Kommis-Schein erster Klasse zu losen. Als Waarenproben eingeführte Gegenstände werden zollfrei herein- und herausgelassen unter der Bedingung, I daß diese Gegenstände, wenn unverkauft, innerhalb i einer sechsmonatigen Frist wieder ausgesührt werden. I flur Reife nach Rußland ausgefertigte Pässe aus l an - difcher Juden, die Handlungs-Reifende sind, werden Seitens der rufsifchen Konsulate visirt, nachdem die Kommis - Bescheinigungen von den Firmen eingereicht sind. Jeder ausländische Jude darf während der | Paßfrist die Grenze mehrfach pafsiren.
* Aus Altötting schreibt man der ,Augsb. Post- ztq.': Großartig wurde die Reklame-Trommel gerührt im gegnerischen Lager, um dem Manne, der einst sengend und brennend unser Vaterland verheerte, dem Schwedenkönig Gustav Adolph, im deutschen Lande ein Denkmal zu errichten. Dieser Thatsache gegenüber berührt es wohlthuend, daß die katholischen Vereine Münchens an den Gräbern jener Männer, die m dev schweren Zeiten des 30jährigen Krieges für unser Vaterland und unseren hl. Glauben mit vollem Man- nesmuthe eingetreten sind, Kränze niederlegen lassen wollen. Es sind dies Kurfürst Maximilian I. und sein Feldmarschall Tilly. Kränze sind em Zeichen von Dankbarkeit; doch sie verwelken gar schnell. Sollen wir katholische Bayern Männern gegenüber, die, um Gustav Adolph ein Denkmal zu errichten, zu schweren Opfern sicherschwingen, mit bloßer Blumenspende aus s Grab des großen Tilly zufrieden sein? Wer je in Altötting war, wird wissen, wie schmucklos und kahl die Kapelle ist, in der das Grab des großen Feldherrn sich befindet. Wäre es nun nicht ein Akt der Pietät und ein Zeichen der Dankbarkeit von uns katho- lischenBayern, die Tilly-Kapelle so restauriren zu lassen, daß sie des großen Tobten würdig wäre?
gethan worden. .
* Bei dem Anarchistenblatte,Der Sozialist' wurde große Haussuchung gehalten. Die Polizei beschlagnahmte alles Schriftliche, was sie vorfand. Der Redakteur des .Sozialist' wurde verhaftet.
* Die Schwurgerichtsverhandlung gegen den antisemitischen Reichstagsabgeordneteu Leuß wegen Mem- nur von Elend und Krankheit spricht? Ich will keine bindende Antwort, bis ich zurückkomme. Prüfe Dich, mein Lieb." , .
Pilar verehrte Mariano; er war ihr ^deal in seiner ernsten Güte, in seiner strengen Pflichterfüllung. Sie fühlte sich durch feine Liebe gehoben.
Was aber werden feine Eltern fagen? fragte sie sich bange; „was Dolores? Sie könnten mich verachten und denken, unter dem Vorwande der Hüse- leistung habe ich wie eine Jntriguantin das Herz des einzigen Sohnes gestohlen."
Pilar war eine Waise, aber von anständiger Familie und gebildet. Ihr guter Schwager und die treue Schwester hatten Elternstelle bei ihr vertreten, wie würden die sich freuen!
Die beiden Herren waren fort und noch immer kauerte Pilar traurig in einem der großen Erkerfenster, jedes feiner Worte erwägend. Sie fühlte noch feinen innigen Händedruck und den hastigen, verstohlenen Kuß auf ihrer reinen Stirn. . , _ ,
Pilar, wo steckst Du denn?" rief Dolores, ihre Thränen überwindend. „Lachst oder weinst Du? Fast möchte ich beides behaupten." Sie zog das lunge Mädchen aus seinem Versteck hervor. „Gelten Deine Thränen meinem Bruder," forschte sie liebevoll.
I Pilar verstand sich nicht auf seine Wendungen.
ent^gengenommen, durchElches Graf da beis/ehen würden, wo es gelte den uothleiden- enrgegengenvmn.ru, I ben Berussklassen zu helfen; insbefondere werde das
Centrum jedes vernünftige Vorgehen zu Gunsten des Bauernstandes unterstützen. Auf die Darlegungen des Grafen Pofadowsky antwortete Dr. Bachem in fachlich eingehender Weise, betonte die Nothwendigkeit größter Sparsamkeit und Ver- meidung jeder neuen Steuer. Zugleich besprach er die Vorgänge in Kamerun, und machte die weitere Unterstützung der Kolonialpolitik seitens des Centrums davon abhängig, daß künftig folche Vorkommnisse vermieden werden. Am Schluß erwähnte Dr. Bachem noch die Umsturzvorlage und führte aus, daß weit besser als durch folche Zwangsmaßregeln der Kampf gegen die verderblichen Wühlereien dadurch geführt würde, daß man überall das Christenthum als Grundlage der Gesetze betrachte und der katholischen Kirche und den katholischen Orden ihre volle Unabhängigkeit wieder gebe. Nach Dr. Bachem sprach noch Eugen | Richter über den Kanzlerwechfel und die Vorkommnisse bei den Minister-Veränderungen, sowie über die angeblichen Staatsstreich-Vorschläge des Grafen Eulenburg. Letztere wurden von Staatsfekretär v. Bötticher als gänzlich aus der Luft gegriffen bezeichnet. Die weitere Etatsberathung 1. Lesung findet morgen ihre Fortsetzung. Rach Schluß > er Sitzung fand die Wahl der Budgetkommissiou statt. Vom Centrum wurden I in dieselbe gewählt: Prinz Arenberg, Dr. Lieber, Dr. Lingens, Krebs, Dr. Schädler, Graf Hompesch, Groeber und Müller (Fulda).
* Die Sozialdemokraten scheinen mit der Scene, die sie in der ersten Sitzung im neuen Reichstags- qebäude hervorriefen, eine vorbedachte Demonstration iu's Werk gesetzt zu haben. Es war ihnen ein Wink gegeben, daß die Ansprache des Präsidenten mit einem Hoch auf den Kaiser enden würde. Die Anhänger Vollmars fehlten deshalb auch tm Saale oder verließen ihn rechtzeitig. Von den Freunden Singers und Liebknechts hatten ebenfalls die meisten es vorqezogen, fort zu bleiben. Nur die Genannten mit 4 oder 5 Anhängern führten die ganze Demonstration auf. Mit dem Lärm, den die Konfervativen darob machten, ist ihnen offenbar nur ein Gefallen