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21. Jahrgang

Sonntag, den 9. Dezember 1894.

ult) litt

Zweites Blatt.

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(Fortsetzung folgt.)

nützlich sein kann, dann sagen Sie es mir; es macht I mir Freude, braven Männern zu helfen."

„Damals waren Sie es, der uns bet dem Holz- vxrkauf zur Ruhe ermahnte, als wir uns bei Gericht wehren wollten", versetzte der Alcalde.

Damals ist nicht jetzt", antwortete Pablo. ,,^ch wollte meinem Freunde, dem Grubendirektor, einen Prozeß und Unannehmlichkeiten ersparen, denn das Holz war durchaus nothwendig für den Betrieb; es hätte Unglück an Menschenleben gegeben, fehlte es. Damals mußte Ihr Interesse einem größeren weichen. Aber das Recht verjährt ja nicht. Warum lassen Sie die Sache liegen? Sie sollten jetzt den Prozeß wieder anfangen, es "lohnt sich schon der Mühe."

Mit Spannung hörte man diesen Rath. Der Funke unter der Asche bekam Nahrung; es war leicht, ihn anzufachen zu Heller Flamme.

„Prozesse kosten Geld", war die dumpfe Antwort, „und wir haben es nicht, fonst —"

Der Wein wirkte. Die Köpfe waren heiß, kampf­lustig kochte das Blut in den Adern; sie wollten ihr Recht haben, denn das verkaufte Holz gehörte beiden Dörfern zu gleichen Theilen, nur daß Turiena das Geld bereits eingesteckt hatte, bevor Espinama von dem

zu nehmen.

Endlich, endlich!" jubelte sie.

Ja endlich war eine frohe Aussicht! Marcial las bewegt' den herzlichen Brief vom Oberingenieur, der die Offerte begleitete. Er lautete:

Endlich, lieber Freund, habe ich etwas Paßendes für Sie gefunden. Sie haben bei Ihren Meldungen J » o ' „ ______!li ri jc. rUorturnl ntrorinr

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Trübe saß Marcial und starrte auf die vielen Bogen beschriebenen Papiers. Es waren Erfolge seme» ernsten Studiums, eines eisernen Fleißes. Diese Arbeit mußte ihm unter seinen Fachgenossen Anerkennung bringen, aber wahrscheinlich geringen materiellen Nutzen. Die Wissenschaft wird schlecht bezahlt Alle ferne An­strengungen, eine passende Stelle zu finden, scheiterten bisher. War er bestimmt zum Untergänge? Müde de» Denkens legte er sich in die Sophaecke. Da trat Dolores ein. Sie lehnte sich an ihn und nahm seine Hand, ihn liebevoll und ängstlich ansehend. Marcial aber waren selbst die freundlichen Worte seines treuen Weibe»

mit lluterljaltunga-Scilnge „Strrur und gliimrii“

l^Bin ich so zu bedauern?" war jetzt seine gereizte

Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein ! Er soll nicht zu früh Wind haben," dachte er wobei er sich an den Schreibtisch setzte und em halbes sitzend Briefe fchrieb. „Jede Woche besorgt mein alter Diener ihm einen." Noch eine Stunde blieb er am Ordnen, dann nahm er ein lucullisches Souper, überzeugt, es heute doppelt verdient zu haben.

Nun Alter, spiele Deine Rolle gut; Du weißt, wo Du Dir nach sechs Wochen die Belohnung zu ^Dle"sdf glaube schon schwierigere Situationen mit Ihnen durchgemacht zu haben, Sennor."

Ja Du hast Recht. Gewisse Dinge," zischte er ihm "ins'Ohr, „sind zu jeder Zeit gefährlich, wenn fie aufgedeckt werden." So verabschiedete er sich von seinem Kammerdiener und ließ sich zur Bahn fahren. _

Der alte Mann wechfelte leicht die Farbe, jagte aber nichts; — sie hatten sich gegenseitig zu furchten. Die Sünde ist oft ein festeres Band als die Tugend.

,Bring für alle diefe Herren Costadillo!" befahl er dem Wirth. „Ich trinke ihn lieber wie Jerez und Champagner; dieses unser eigenes Gewächs hat ein feines Bouquet und Feuer."

„Es wird wohl bald Keinen mehr geben," brummte der Alcalde. , _ t ~

„Unsinn, Sennor!" lachte Don Pablo. „So lange die Traube wächst, wird es auch noch feinen Wein geben, und ich glaube, die Zunge, einen solchen Tropfen gebührend zu würdigen, verlieren wir ebenso­wenig. Sie scheinen aber schlechter Laune zu fern, und dann sieht man schwarze Gewitterwolken bet heiterem Himmel. Da lobe ich mir die Leute aus Turieno, die sind vergnügt, als hinge der Himmel voller Geigen," sagte Don Pablo, das neidische Stirn- runzeln nicht beachtend. „Es ist wahr, augenblicklich stehen sie sich dort gut, die Ernte ist besser als hier, weil der Hagel sie verschonte; aber sie find auch schlauer als Ihr, sie wissen bessere Geschäfte zu machen, damals — mit der großen Holzlieferung. Doch wssen wir das. Trinken wir, meine Herren; es lebe Espl- nama! — Wenn ich Ihnen in irgend einer Weise

5 Dolores zwang sich zu einem heiteren Tone. Nicht immer glückte es ihr, seine Stimmung zu heben. Marcial litt furchtbar, denn er hatte noch nicht gelernt, daß der feste Wille und energisches Arbeiten nicht allem ausreichen, damit sich das Sprüchwort bewahr gellet:

An Gottes Segen ist Alles gelegen." Er war em

i stolzer, aber edler Mann, durfte Jedem frei in das Auge fehen und den Kopf mit Recht hoch tragen. Er hielt demüthige Ergebung für Schwäche.

Dolores ermattete endlich auch. Sie halte gebetet und vertraut, aber Gott schien nicht helfen zu wollen, die Fürsprecher am Throne Gottes schienen ihre Bitten nicht zu beachten. Sie blickte auf ihren Mann - welche tiefe Falte hatte sich auf seine Stirn eingegraben.

Pedro," betete sie auf einmal still in ihrem Her­zen, "so flehend und vertrauend: „Pedro, denke mem. Du' hast mir Dankbarkeit versprochen."

Der Postbote, Sennorita, ist da!" meldete das Mädchen. Dolores eilte, einen großen Brief in Empfang

Livven bet der ganzen Auseinandersetzung. Er sonnte sich schon IN Cv... ~

mußte, wenn sein Name in der Anklageliste als Hehler und Betrüger stand. Und mochte er sich remwaschen, die Anklage blieb in den Archiven.

* *

Dolores.

Roman von Th. K.

(26. Fortsetzung.)

14. Kapitel.

Was unabwendbar auch im raschen Flug der Zeiten Das wechselnde Berhängniß Jedem bringt, Ob heitere Tage sich, ob trübe sich verbreiten, Des Lebens Wohlsahrt steiget oder sinkt, Ein Glaube ist's, nach dem der Weise handelt, Und eine Hoffnung, der sein Herz sich weiht: Aertrau'n auf Den, der in Gewittern wandelt Und mild im Sonnenstrahl erfreut!

Es war Sonntag Nachmittag. Aus der Kirche strömte Jung und Alt auf den großen freien Platz, nicht fern dem Gotteshause, der mit Bäumen um­pflanzt war. Eine kleine Schenke befand sich unter d-u wenigen Häusern, welche den Platz umsäumten. Für die Jugend war hier der Tanzplatz. Guitarren, Geigen, Palitaretten und Castagnetteu waren ihr die herrlichste Musik, die der Gesang vervollständigte. Für die Nichttanzenden war seitwärts eine Kegelbahn, durch eine niedrige Mauer abgegrenzt. An den Tischen saßen die Alten, eifrig dem Kartenspiel obliegend, oder im Gespräche über das Wohl und Wehe des Dörfchens ernstlich berathend. . . r. _

Die junge Welt amüsirt sich immer; sie ist auf­gelegt zu Tanz und Scherz und hat das Vorrecht, den Augenblick zu genießen, unbekümmert, was die nächste Stunde bringt. Ernster sahen heute die Alten in das Glas und seufzten schwer über die böse Zeit.

„Es wird ein schlimmes Jahr", sprach ernst der Alcalde. „Der Wein ist mittelmäßig, der Weizen ver­spricht ebensalls nicht viel; das Vieh hat auch keinen

— und da höre ich noch, Dou Pablo will auch den Arbeitslohn auf den Gruben erniedrigen. Nur eines steigt, lachte er höhnisch, „und das sind die Kontributionen. Die Armuth nimmt kolossal zu, denn täglich sind der Pfändungen mehr. Espinama sinkt, während unser Nachbardorf Turiena, worauf wir früher hinabsahen, sich empor schwingt."

„Das ist es eben, was mich ärgert, meinte ein Anderer. „Sympathieen haben ja nie zwischen Espi­nama und Tnrieua bestanden, aber jetzt, da reiche Kaufleute aus der Havaniia sich dort ausiedelu, und sic so hochmüthig thun, möchte ich, daß dem Neste em empfindlicher Streich gespielt werde."

In diesem Augenblick kam Don Pablo vorbei, auf der Rückkehr von den Gruben. Man hatte laut ge­sprochen, und weil er gern horchte, hörte er die letzten Sätze und bemerkte auch die volle Zustimmung auf allen Gesichtern. Er trat an den Tisch.

„Guten Tag, Sennores! Ich hoffe Sie nicht zu stören, wenn ict) mich ein wenig bei Ihnen ausruhe; aber ich muß Sie bitten, ungenirt weiter zu sprechen," sagte er herablassend. Man brachte ihm den bequem­sten Stuhl und ein Glas Wein mit Bisqmts; doch man schwieg mißtrauisch. Er wartete eine Weile, ob das abgebrochene Thema nicht weiter sortgeführt würde, während er zierlich die Bisquits im Costadillo netzte

,Unrecht Gut gedeiht nicht!" lachte Don juan, gierig seinen vollen Geldbeutel betrachtend und die Rollen Gold sorgfältig einpackend. „Es ist em hübsches Vermögen, was ich in der letzten Zeit gewonnen habe, genug, um so rasch wie möglich der Residenz, weinen Freunden und Schuldnern den Rücken zu kehren, damit die ersteren nicht borgen, die letzteren nicht fordern. Eine lustige Opernmelodie pfeifend, war er beschäftigt, werthvolle Sachen einzupacken, das Uebrige sollte auf dem gewohnten Platz bleiben, denn man durfte nicht ahnen, daß der Vogel ausgeflogen war. Don Juan malte sich aus, wie die Gläubiger Beschlag auf die Möbel legen, wie Geier über dieselben herfallen würden, um dann zu hören, daß sie längst verkauft seien Das meiste Amüsement wird Don Pablo haben. Glaubt der Knabe, mich alten Praktiker überlisten zu können mit seinen Jntriguen und Geschäften! Ha ha.

Verwischtes.

* Der Hase. Ein junges Mädchen hat über den Hasen folgenden Aufsatz geliefert. „Der Hase hat ein Maul wie ein kleiner runder Apfel. Er hat zwei Augen und zwei Ohren, die sehr groß sind und rund wie ein Löffel. Er hat»Zähne, die immer nachwachsen. Wenn er einmal nicht frißt, dann wachsen i>chm aus dem Munde heraus. An den Ecken hat er vier Beine. Mit Sahnsauce schmeckt er gut. Mama macht ihn so, Tante Milli kann keinen Hasen kochen. Die yager schießen ihn gern. Er ißt ungekochten Sauerkohl, Die Jager nennen ihn eine Lampe." j

Verkauf wußte. . , (VYX„ ....

„Bueuo! So gefallt Ihr nur! Manner muffen nicht'klagen, wie sentimentale Frauen, sie müssen handeln, und Gerechtigkeit soll Euch werden! Dann müßt ^hr wissen: Advokaten und Wagenräder müssen geschmiert werden, und das überlaßt mir. Ich suche Euch den richtigen Rechtsanwalt in Oviedo, er soll Euch helfen. Kommt morgen gleich zu mir, damit ich Euch Plan und Mittel gebe. Ich denke", sagte er (eifer, „^tjr greift zu gleicher Zeit meine Gesellschaft mit au, denn sie hat unrechtmäßiges Eigcnthum gekauft, und ui.diesem Falle ist der Hehler nicht besser als der Stehler. Pablo schwieg. ~

Die Leute glotzten ihn an. „Ihre eigene Gesellschaft? Sie selbst, als Vertreter? Sie müssen es gut mit uns meinen, denn das Sprüchwort heißt doch: Wessen Brod ich esse, dessen Lied ich singe." Sie ergossen sich jetzt in Danksagungen, wobei viel angestoßen und viel getrunken wurde. „Die Gesellschaft kann bezahlen, klang immer durch.

Es war noch früh am andern Morgen, als Pablo von den Abgesandten Espinama's besucht wurde. Briese, Empfehlungen und Papiere lagen bereit.

Ich habe Euch die ganze Klage aufgesetzt; hattet dasselbe Recht an dem Holze wie Turiena, und so habe ich die Forderung erhoben, daß die Halste der Kaufsumme Euch auszuzahlen sei. Bch habe ferner geschrieben, daß Ihr dem damaligen Direktor der Ge­sellschaft, der als Käufer figunrte, gesagt hattet, er habe fremdes Eigenthum gekauft und fei verpflichtet, Euch die Hälfte der Werthsumme zu erstatten. Drittens nahm ich in die Klage auf: der Direktor habe Euch grob abgefertigt und an den Vorsteher von Turiena gewiesen ohne Euer Recht zu beachten. Ich fetzte hinzu, 'daß das Holz gefällt fei vor dem von der Regierung fest- gefetzten Termin, zwischen Abschluß des Kaufs und der @e!1@in ttiumphirendes Lächeln spielte um Don Pablo's I t>en großen Fehler gemacht sich auf den Generaldirektor ,r „Milzen _r I ,u berufen. Weil derselbe durch Don ^uan, ^tzren

dem Rachestrahl, der Marcial vernichteu^^hereu Chef, viele Verluste und große Unannehmlich- - • -------- {eiten gehabt - Sie wissen doch, daß behe be nach

Amerika durchgebraunt ist — so erstreckte sich sein Aerger und Mißtrauen auch auf Sie. Warum beriesen Sie fick nicht auf mich? Sie haben em kluges Weib­chen ; meine Frau und die Ihre haben den Haken auf­gefunden, woran Ihre Meldungen hängen blieben.

Marcial sah bei diesen Worten erstaunt auf Dolores, die verlegest sich an ihn lehnte.