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21. Jahrgang

Mittwoch, den 5. Dezember 1894.

sich zu entfernen. Marcial stand stumm vor dem fast leeren Raume und forderte vom Wreger den Schlussel rum anderen Magazin, womit derselbe absichtlich röaerte. Er sah, wie der Mann mit sich rang, wie er aern ihm Mittheilungen machen wollte und nur Furcht ihn davor zurückhielt. Scheu blickte

Chef unentschlossen drehte er den Schlussel m der Hand. Aber Marcial wollte keine Aufklärungen, denn es wurde ihm sonnenklar, daß auch dieser geholfen

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Dezember.

Dolores.

Roman von Th. K.

(22. Fortsetzung.)

Der Krüppel hatte nur zu Recht gehabt. Die Gruben spotteten Marcial's Arbeitskraft und feiner Wissenschaft; sie predigten ihm nur Hoffnung auf bessere Seiten. Die Ueberzeugung, größere Ausbeute zu erringen, verlor er nicht. Don Juan war ange­kommen. Beide Herren gingen zu den Magazinen, wo das aufaehäufte Mineral neuerdings gewogen und fortgeschafft werden sollte. Marcial athmete erleichtert auf, als er den großen Vorrath fah. Biel konnte für die nöthige Lieferung keinenfalls fehlen. Oft hatte er den Raum gemesfen, und zwischen seiner Berechnung und den Angaben der Bücher war der Unterschied un­bedeutend. Aber jetzt fiel ihm auf, wie die Lücken größer geworden waren. Prüfenden Blickes verglich er wieder schweigend und nahm die Bücher zur Hand, die Zahl der Centner zu fummiren.

Das stimmt nicht mehr! Das ist unmöglich, meine Herren!" fügte Marcial. „Haben Sie sich nicht in den Nummern geirrt, Don Lucrecw? Oder Sie beim Wägen, Fredericio?"

„Ueberzeugen Sie sich selbst, daß kein ^rrthum mög­lich ist", war die Antwort.

Don Juan wurde es unheimlich; er zog es vor,

kann, ist der ererbte Hang unversehens zu einer krank­haften Sucht gewachsen. Bei anderen ist die Trunk­sucht nur ein Ausdruck geistiger Erkrankung, den Quartalssäufer" müssen wir hierher rechnen, auch manchen Andern, der an Melancholie, Altersblodstnn, Manie oder anderen Formen des Irreseins leidet und diese Hauptkrankheit auch durch unsinniges Trinken zu Tage treten läßt. Bei Anderen ist em Fall oder Stoß auf den Kopf, eine Gehirnverletzung oder eine Wunde am Kopfe, ein Sonnenstich, eine übergroße Aufregung oder Anstrengung Schuld an dem schlimmen Leiden Wir betonen das, weil die heutige barbarische Sitte, den Trunksüchtigen seinem Schicksale zu uber- lassen und ihn wohl gar noch zu verachten, auf das entschiedenste befehdet werden muß^"

Der .Wächter' bringt: „Em Trinker-Testament. In Oswego bei Newyork schrieb em Trunkenbold folgende Zeilen nieder, che er sich das Leben nahm : „Ich hinterlasse der Gesellschaft emen schlechten Ruf, ein böses Beispiel und ein Gedächtmß, das bald ver­gessen sein wird. Meinen Eltern hinterlasse ich so viel Kummer, als sie in ihrer Schwachheit noch gerade tragen können. Meinen Brüdern hinterlasse ich soviel Scham und Aerger, als ich möglicher Weise über ste bringen konnte. Meiner Frau hinterlaße ich em ge­brochenes Herz und ein Leben der Schande. vU'bem meiner Kinder vermache ich Armuth, Unwissenheit, einen schlechten Charakter und das Bewußtsein, daß ihr Vater ein Säufergrab füllt."

Zum Lesen für Trinker, wenn sie Zeit haben.

- Eine sensationelle Verhaftung wird der ,Germ, aemeldet Es handelt sich um den Landnurth Fried­lich Kraufe, der die Broschüren „Der Wucher und feine Geldleute", sowie „Der Wucher und seine Hinter­männer" verfaßt hat, und dem Erpressungen beM Erpresiungsversuche zur Last gelegt werden. Er soll nämlich erhebliche Geldsummen — m einem Fall wer-

❖ Zur Heilung der Trunksucht.

Daß die Trunksucht das größte soziale Uebel unserer Zeit ist, ist eine leider nicht zu leugnende Thatsache. Jeder im Leben stehende, die Augen offen haltende Mann hat eine Reihe von Individuen und Familien in Erinnerung, welche durch Arbeit und mit Ehren emporgekommen, in guten Verhältnissen gewesen, dann durch Trunksucht ökonomisch und moralisch zu Grunde gegangen und der öffentlichen Mildthatigkeit zur Last gefallen sind. Die Armenpflege und die Strafrechtspflege beweifen dies nur zur Genüge Bel der Behandlung der aus diesem Grunde so wichtigen Frage der Heilung der Trunksucht wird nur zu oft übersehen, daß der Trunksüchtige ein Kranker ist, der wie ein anderer Kranker behandelt werden muß, wie ein Pockenkranker, den man aus Gründen öffentlicher Sicherheit isolirt wie ein Geisteskranker, den man zu seinem persönlichen Wohle internirt und heilt. Die Pillen und Pulver und all' die anderen Geheimmittel einer gewinnsüch­tigen Zeitungsreklame helfen bei der Trunksucht absolut nichts Es gibt nur ein Heilmittel für dieses schlimme Leiden, diesen volkswirthschaftlichen Krebsschaden: die Enthaltung. Daß diese völlige Enthaltung von geistigen Getränken möglich, zeigen die 800 ehemaligen Säufer, die zu den 3000 Deutschen gehören, welche in den letzten zehn Jahren in den Enthaltsamkeits­vereinen grundsätzlich jedem Genüsse von geistigen Ge­tränken entsagt haben. Wenn das Wesen der Trunk­sucht darin besteht, daß die daran Leidenden nicht mäßig trinken können, wäre es verfehlt, sie zum mäßigen Genüsse der alkoholischen Getränke erziehen zu wollen. Völlige Enthaltsamkeit davon ist für sie das Richtige.

Wie die völlige Enthaltung herbeigeführt und auf­recht erhalten werden kann, dafür gibt die erste Nummer | der populären Vierteljahresschrift „Blätter zum Weitergeben" (herausgegeben von dem Schnfi- führer des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, Dr. W. Bode, Hildesheim; die Nummer 10 Pfq.) folgende 3 Mittel an: 1. Belehr­ung 7nd häuZe Pflege. 2. Aufenthalt in Trin er- heilanstalten. 3. Beitritt zu einem Enthaltfamkeits- vereine. Als letztere werden genannt die „Vereine vom blauen Kreuz",, welche die Trinkerheilung als Hauptzweck haben; die „Guttempler und „Alkohol- geqner" haben dieses als wichtigen Nebenzweck. Zu diesen Enthaltsamkeitsvereinen kommen all die katho­lischen, besonders eindringlich von der Gmeralver- sammlung der Katholiken Deutschlands m Bonn tut Jahre 1881 aufs wärmste empfohlenen „Maßigketts- vereine und Bruderfchaften." Mau wählte damals das Wort Mäßigkeit", da dieses totale Enthaltung und auch Genuß bedeuten könne, aber mit Ausschluß aller Unmäßigkeit und dieses nach den örtlichen Verhält­nissen und nationalen Gewohnheiten zu bHimmen sei. Excellenz Windthorst wünschte damals schon daß in jeder Pfarrgemeinde eine derartige Bruderschaft^em-

* Der Kaiser ist am Sonntag Abend 11 Uhr ab- aereist um heute Morgen zunächst der Einweihung der neuen Hochbrücke über den Nordostseekanal bei Levensau und dann der Vereidigung der Marine- rekruten in Kiel beizuwohnen. Vor der Vereidigung fand große Flottenparade im Kieler Haftn Jtatt Nachmittags schiffte sich der Kaiser an Bord des Kurfürst Friedrich Wilhelm" ein.

* Die Centrnmsfraktion des Reichstages wird am Donnerstag, den 6. Dezember, Vormittags 11/. Uhr, im Saal Nr. 1 des neuen Reichstagsgebaudes eine Sitzung abhalten. Da die Fraktion voraussichtlich so­fort in die Berathung höchst wichtiger Regierungsvor­lagen wird eintreten müssen, richtet der Vorsitzende der Fraktion Graf Hompesch an bte Mitglieder die

hatte, ihn zu betrügen.

„Nun?" frug er scharf.

„Herr Direktor", stotterte der Mann, „ich werde Sie "retten, ich werde wägen, daß hier so viel Ueber- schuß ist, als dort fehlt. Sie waren einmal sehr grob gegen mich, — man lachte mich damals aus — und ich schwur, „den Esel", wie Sie mich damals nannten, zu rächen. Der Versucher benutzte meinen Aerger, und einmal auf dem betretenen Wege, gab es keme Umkehr. Die Folgen habe ich nicht berechnet ^etzt habe ich eine kranke Frau und drei kleine Kmder, und Ihr Haus ist es, welches für diefelben sorgt, und Weib und Kinder sprechen nur Segenswunsche für Sie." Bittend richtete er die Hände und Augen auf Marcial. ... ,

Und ich soll mit einer Betrügerei bie anbere decken? Das wollen Sie mir Vorschlägen", fiel Mar­cial schneibenb ein. „Gehen Sie fort, ich könnte sonst

gerichtet werbe, baß bie Herren ber Presse sich nut der betreiben Litteratur beschäftigen mochten; er war ber Ansicht, baß, wer ben Branntwein abschaffe ihn auch ganz abschaffen müsse, hierin sei er Rabikalßt.

Was „Mäßig" ist, so bemerkte Winbthorst, wer will bas bestimmen! Ich habe bie feste Ueberzeugung, auch ber ärgste Trinker wirb Ihnen niemals zugestehen, daß er unmäßig ist." Mit biesen Worten steht Wmd horst auf bem Boden bes Herausgebers obiger „Blatter. Ebenso forberte er bamals schon zur Belehrung über biese so wichtige Frage bie Buchhändler auf durch neue Auflage ber alten Mäßigkeitsschriften ber schle­sischen unb olbenburgischen Mäßigkeitsapostel.

Zur Belehrung unb häuslichen Pflege geben bie „Blätter" zehn Rathschläge für bie Angehörigen ber Trinker, aus benen auch bie letztem selbst Manches entnehmen können. Die 12 vorhanbenen Trinkerheil­anstalten sinb theils Privatunternehmungen, thells Anstalten ber inneren (Protest.) Mission oder des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Ge­tränke. Die Errichtung solcher Entziehungs- oder Ent­wöhnungsanstalten, Trinkerasyle, halten wir für das Wichtigste. Sollte es denn keine katholischen Genossen­schaften, männliche und weibliche, geben, bte sich dieser I o wichtigen Ausgabe widmeten? Bis setzt haben alle derartigen Anstalten an erster Stelle Geisteskrank^ nur nebenbei Alkoholiker, die nicht zuruckschrecken sich in Irrenhäuser einer Kur zu unterziehen. Wo ist die Gemeinde, welche zeitig Trinker als Kranke versorgen läßt, um dadurch der Last einer später ganz ver­kommenen Familie vorzubeugen? Nur ein Beispiel aus letzter Zeit: Ein junger Mann, Abiturient, dann Be­amter, verliert als Trinker seine Stelle. Er will sich bessern, kommt aber nach ein paar Monaten m bie alte Gelegenheit unb fällt zurück; er stellt sich zur Aufnahme in bie Irrenanstalt: „Können Sie bezahlen? lautet bie Frage. Nein. „Dann lassen Sie bas Trmftn, so verrückt sinb Sie noch nicht, baß ich Sie aus Ge- meinbekosten aufnehmen kann." Nur noch 3 Monate — unb berselbe Arzt mußte benselben Mann wegen Verfolgungswahn unb Gehörstäuschungen aufnehmen.

| — Hören wir noch ben Herausgeber ber „Blatter zum Weitergeben": . ~ ,

Man darf nicht über die Trinrer den Stab brechen und sie als lasterhafte Menschen verdammen, wenngleich viele von ihnen ihren Zustand dem leicht­sinnigen, unmäßigen Trinken verdanken, das zweifellos als ein Laster bekämpft werden muß. Der Trunk- fichttg. ist tränt unb. «W I Bitt-, stimmtlich » ersten.

oder unglücklichen Zufällen zuzuschreiben. Viele Trinker sind die Kinder oder Enkel von anderen Trunksüch­tigen oder Epileptikern oder Geisteskranken, ste waren schon durch ihre Geburt zur Trunksucht veranlagt und durch ihre Theilnahme an den allgemeinen Trinksitten, : aus denen man ihnen kaum einen Vorwurf machen

vergefferü^daß Sie Frau und Kinder haben. Ihre Hülfe brauche ich nicht. Wollen Sie Vergebung, dann geben Sie mir schriftliche Beweise der ^ntriguen, bie unb nur Furcht | ^Äwunbert schaute Frebericio Marcial an , ber auf ben strengen | «A«

@r9 hatte kein Verstänbmß für bas, was un Herzen des Direktors vorging, ebenso wenig als sm: eme solche Ehrlichkeit. Ohne ihn auch nur eines Blickes mehr zu würdigen, hatte Marcial sich abgeroanbt, um Don Juan zu sprechen. — Noch ein kurzer Entschluß und Fredericio rannte ihm nach, ihm ein P^^tchenBlatter iu überreichen, die Marcial unterwegs las. Er stand nun pchtzlich bei einer Biegung des Weges vor Don Juan, der in lebhafter Unterredung nut Pablo «ar. Beide sahen ärgerlich auf den unangenehmen

®tÖrSenn ich genire, meine Herren", verbeugte sich Marcial peinlich überrafcht, „fo gehe ich weiter zu den Arbeite $err Ingenieur! Es ist ja zwecklos, Worte auffchieben zu wollen, weil sie unangenehm find, die aber gesagt werden müssen. Sie werden nach dem heutigen Resultate es natürlich finden, daß ich ^hnen

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mit Unterhaltimgs Beilage »Sterne nnd Kinmen".________________