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21. Jahrgang

Samstag, den 1. Dezember 1894.

Ausland

Nov. Der hl. Vater wird eine Ve­

rein weltlichen Charakter haben, senden.

waren.

1855 an.

lassen und jetzt noch umsatteln. Es ist unzweckmäßig in Deinem Alter und hier haben wir hohe Gönner und Verwandte," sagte, unangenehm überrascht, Don

Fernando.

„Von Gönnern und Freunden will ich Nichts; ich habe" auch Todfeinde, Vater. Aber die Hauptsache ist, daß ich nur Ruhe und Gleichgewicht finden kann in dem Bewußtsein, der leidenden Menschheit Hilfe und Trost zu bringen, in Krankheit und Elend ihnen eine

Krieges verwischen. An den Höfen und in hohen Stellungen ist Ehrgeiz und Verrath; laß mich m den Hütten wieder Ehrlichkeit und Opfermuth finden. Hätte ich Beruf zum Theologen, ich würde Geistlicher werden, jetzt aber werde ich Arzt."

Die Eltern wagten keinen Einspruch mehr und er reiste ab nach Paris. Sein Weg führte ihn in die jetzt todtenstille Gegend, wo der Krieg gehaust. Mit heller Freude wurde er in Zumara empfangen. Wie ein Kind des Hauses umarmte und küßte ihn die ge- müthliche Wirthin. Beleidigt schob sie das Geld zurück. „Nur das nicht!" lachte sie. „Wenn ich einmal krank bin, dann lasse ich Sie extra rufen, Sie, den berühmten

mehr ans Apostolikum glauben. Also dasselbe Ver­halten, wie es die preußische Generalsynode beliebte.

* Die badischen Centrumsblätter veröffentlichen ein kostbares altkatholisches Cirkular, worin die alt­katholischen Gemeinden herzinniglich gebeten werden, doch mehr Beiträge an die Bundeskasse zu senden, um

„Der Schmuck ist gar zu schön, Sennor; rch werde ihn als Braut tragen, denn mein Schatz ist auch wieder da. Der arme Schelm wäre verloren gewesen, hätte nicht ein junger Herr ihn gerettet, aus Mitleid ihm seine Börse gelassen. So belohnt Gott das Gute! lachte sie fröhlich. „Ich werde ihn rufen, damit sie ihn

nebst der illustrirten Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen^ von allen Postanstalten, sowie Landbrief- träqern, Zeitungsträgern und von unserer Expedition (Harmonie) zum Preise von 50 Pf. (nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.

Arzt." t ,

blitzenden Ohrringen, dw Mariano ihr mitgebracht, vor den Spiegel, sich hin und her drehend.

keine Tribüne aufweist.

* Die Umsturzvorlage steht für die heutige Plenar­sitzung des Bundesraths wieder auf der Tagesordnung. Dieselbe soll nach den Mittheilungen eines Berichter­statters in den Bundesrathsausschüssen mehrfache Ab­änderungen erfahren haben. Genaueres ist nicht zu erfahren, da die Vorlage streng sekret behandelt wird. | Die bezüglichen durch die Presse gehenden Mtttheil- ungen beruhen leidglich auf Vermuthuugen, der Ge­setzentwurf soll erst am 5. Dezember, zugleich mit der Uebergabe an den Reichstag, durch den ,Reichsanzeiger' bekannt gegeben werden.

* Eine Erweiterung der offiziösen Presse plant nach den ,Berl. Neuesten Nachr.' Herr v. Köller an­geblich nach dem Muster der Organisation der offi­ziösen Presse in den Reichslanden. Die von dem Ministerium des Innern für die Kreis blätter herausgegebenen neuesten Mittheilungen sollen zu die­sem Zweck erweitert werden.

* Der Vorsitzende des Bundes der Landwirthe in Ostpreußen, Herr v. d. Groeben - Arenstein, hat im Auftrage der dortigen Bundesmitglieder an die Mini­ster des Innern und für Landtvirthschaft eine Eingabe gerichtet, worin er sich für die grundsätzliche Aus­weisung sämmtlicher russischen, meist jüdischen Getreide Händler in den Ostseeplätzen aussprccht, weil diese Händler die bei ihnen vielfach stark verfchul- deten russischen Grundbesitzer zu einem Verkaufe des Getreides zu Schleuderpreisen zwängen und dies Ge­treide dann auf unfern Markt würfen. Würde die Regierung diesem Plane zustimmen, woran i gar nicht zu denken ist, fo würde Rußland mit den deutschen Kaufleuten ebenso verfahren.

* Das Mitglied des Herrenhauses Freiherr Rudolf von Schlichting ist am Dienstag im Alter von 78 Jahren gestorben. Dem Herrenhause gehörte er seit

200 Mark Schulden zu bezahlen. Mehrere Gemeinden haben in diesem Jahre recht geringe Beiträge von nur einer und selbst nur einer halben Mark einge­sandt. Diese altkatholische Jeremiade paßt schlecht zu den sonstigen Großmachereien und Sprüchen. Was muß da für eine Begeisterung herrschen und für ein Ver­trauen auf die „guteSache", wenn mehrere Gemeinden eine, sogar nur eine halbe Mark und manche gar nichts eingesendet haben. Sie gingen aus, Rom zu erobern und den Felsen Petri zu stürzen und kehren zurück, den leeren Klingelbeutel in den Händen! 0 quae mutatio rerum!

Dolores.

Roman von Th. K.

(19. Fortsetzung.)

Das war von schlagender Wirkung auf Marcial. Es gab für ihn nun keine Hindernisse mehr. Mit hals­brechender Mühe wurden die Drahtseile in den harten Felsen eingekeilt, und nur der kleinste Fehler in der Berechnung würde die kostenvolle und gefährliche Arbeit unbrauchbar gemacht haben. Nach einigen Wochen fungirte das Kabel zur größten Zufriedenheit.

Mißmuthig schüttelte Gonsalo den Kopf, ohne em weiteres Wort zu verlieren.

„Ich habe nicht anders gekonnt, man zweifelte an meinen Kenntnissen; und wenn ich mir den Kopf dabei einrenne, diesen Verdacht mußte ich durch die Aus­führung widerlegen," entschuldigte sich Marcial.

Dolores lebte nur für Mann und Kind. Den Ersteren fah sie wenig. Unermüdlich war er beschäftigt, so daß auch die gesellschaftlichen Zusammenkünfte auf- gehört hatten. So oft sie konnte, fuhr sie zu ihren Eltern.

Mariano wollte im Auslande Medizin studiren. Aus dem flotten Studenten war ein ernster Mann ge­worden.

„Warum willst Du die diplomatische Carriöre ver-

für den lUoiiut Bqtmbtr

werden Abonnements auf die

Deutsches Reich.

Berlin, 29. November.

* Der Reichstag wird am 5. Dezember, Mittags 12 Uhr, im Rittersaal des königlichen Schlosses durch den Kaiser persönlich eröffnet werden. Vorher findet im Jnterimsdom und in der Hedwigskirche der übliche Gottesdienst statt. Zuschauerkarten für den Eröffnungs­akt dürften nicht ausgegeben werden, da der Rittersaal

Wieder war ein Jahr verflossen, weise verteilend die Stunden der Arbeit und des Genusses. Der erste Oktober nahte und Marcial war beschäftigt, den Jahres­abschluß zu machen. Unglücklicherweise hatte m den letzten Wochen die Produktion nachgelassen, was ihm fatal war, weil eine große Lieferung stattfinden mußte. Mit doppelten Kräften wurde gearbeitet; er gönnte sich keine Ruhe mehr. Heute aber hatte ihn seine Frau gekapert, und so saßen sie auf der Veranda, deren eisernes Gitter sinnig mit Passionsblumen umrankt war. Beider Blicke ruhten auf den pittoresken Kon- n KUH- ,m ^.r ...lu .u,u, turen der hohen Berge, die im Abcndgoldeglänzten,

Kokett stellte sich das Schenkmädchen mit den während unten im Thale schon tiefe Dämmerung - -' • • ■' -<-x‘ —- herrschte. Vereinzelte Sonnenstrahlen beleuchteten noch

die dichten Waldungen, die in ihrem grünen und gelb-

* Der Fürst-Erzbischof von Olmütz, Dr. Kohn, I hat, so schreibt der ,Reichsanzeiger' in seinem nicht­amtlichen Theile, den Pfarrer Robert Sterz in Kätscher zum fürst-erzbischöflichen Kommissarms für den preußifchen Antheil der Erzdiözese Olmütz ernannt, nachdem von dem Fürst-Erzbischof zu dieser Ernennung die landesherrliche Genehmigung nachgesucht und die letztere mittels Allerh. Ordre vom 20. Oktober d. I. ertheilt worden ist.

* Die deutsche Biehversicherungs - Gesellschaft, bte in den letzten Wochen unliebsames Aufsehen hervor­

gerufen hat, wird sich vollständig reorganisiren und suchen, die Schädigungen, welche zahlreiche Landwrrthe durch die Gesellschaft erlitten, wieder auszugleichen. Der erste Schritt, den man hierzu gethan, bestand darin, daß man den feitherigen Leiter durch Ver- waltungsrathsbefchluß entlassen hat. Weitere Maß­nahmen zur Abwickelung des Geschäftes werden etner zweiten am 15. Dezember stattfinden Generalversamm­lung unterbreitet werden.

* Virzin, 29. Nov. Die Einsegnung der Lerche der Fürstin Bismarck durch den Ortsgeistlichen und die vorläufige Beisetzung in dem entsprechend herge­richteten Parkhause erfolgt heute Mittag in aller Stille und im engsten Familienkreise. Für später wird die Ueberführung der Leiche nach Schönhausen beabsichtigt.

I Der Fürst ist verhältnißmäßig wohl, jedoch ist jede Erregung durch Besuche ärztlich verboten worden.

* Köln, 27. Nov. In einer im „Fränkischen Hofe" abgehaltenen Kreis-Versammlung desRhein. Bauern- Vereins wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige Kreis-Versammlung be­schließt, energisch gegen den unlautern Wettbewerb der Margarine Front zu machen." Die Resolution soll den Reichstags-Abgeordneten zur gebührenden Berück­sichtigung übersandt werden. Ferner wurde beschlossen, an das Oberbürgermeisteramt ein Gesuch um Errich­tung eines monatlich einmal stattfindenden öffentlichen Viehmarktes auf dem Schlacht- und Viehhof zu Köln zu errichten, damit der Bauernstand aus den Händen der Vieh-Kommissionäre sich frei machen könne.

* Stuttgart, 25. Nov. Die evangelische Landes­synode hat mehrere Tage über Bekenntnisfragen debattiert und schließlich mit 41 gegen 13 Stimmen sich dafür ausgesprochen, daß bei der Taufe nach Ver­lesung des apostolischen Glaubensbekennt­nisses statt der Frage an die Pathen: „Wollet Ihr nun, daß dieses Kind auf diesen Glauben getauft werde?" die Frage gestellt werde: „Wollet Ihr nun, das dieses Kind auf unfern christlichen Glau- I ben getauft werde?" Entscheidend für die neue Fas-

* Rom, 26. Nov. Der hl. Vater wird eme De­putation zu den Krönungsfeierlichkeiten in Peters­burg, foweit sie rein weltlichen Charakter haben, senden. Die Theilnahme dieser Abordnung an den kirchlichen Feierlichkeiten der Krönung ist ausgeschlossen, wie man auch an der Mission Vanutellis gelegentlich der Krö­nung Alexanders HL erkennen kann.

— Der a u st r a l i s ch e Episkopat hat an den Papst mit der Bitte sich gewendet, daß in Anbetracht der zunehmenden Ausbreitung des Katholizismus m Austra­lien daselbst neue Diözesen errichtet werden mögen.

* London, 29. Nov. Das Reuter'sche Bureau er­fährt aus Washington von gestern, daß China dem amerikanischen Gesandten in Peking formelle Friedensvorschläge übermittelt habe. Dieselben werden von dem amerikanischen Gesandten in Tokio der japanischen Regierung unterbreitet werden. — Wie die ,Times' aus Ts chifu vom 27. d. M. meldet, sind auf beiden Seiten der kriegführenden Parteien Grau­samkeiten begangen worden. Zahlreiche japanische Gefangene sind enthauptet oder verstümmelt aufge­funden worden7 daher gaben die Japaner bei einem darauf folgenden Blutbade keinen Pardon.

* Aus Ostasien liegen folgende Meldungen vor: Der japanische Kaiser erließ an die japanische Armee und Flotte, welche Port Arthur genom­men haben, die folgende Proklamation: Port Arthur, das der Feind für einen Schutzwall seines Landes hielt, ist von euch in einem Anstürme genommen worden. Wir würdigen eure Verdienste, da aber die Kälte zu­nimmt und das Ende unseres Vorgehens noch fern ist, bewahrt euch in guter Gesundheit, um eure Leistungen fortzusetzen. — Ein kaiserl. Erlaß entsetzt Li-Hung- Tschang aller Ehren und Würden, beläßt ihn jedoch in der Stellung als Vizekönig. Li-Hung-Tschang hat seine Privatarmee um sich versammelt. Es ist ihm

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übrigens | ]ung war i qr?{/ sr«, I Besichtigung und Verstärkung der Besesttgungen be­

geben. — Beim Eindringen in Port Arthur stießen die Japaner auf die verstümmelten Leichen ihrer Landsleute, welche Gefangene der Chinesen gewesen

kennen lernen." , . , LU

„Nein, Kind, grüße ihn von nur! Ich muß fort, ut lu wehrte Mariano, denn er hatte aus ihrer Erzählung

Stütze zu fein. Ich kann nicht die Erinnerungen des gemerkt, wer der Retter gewesen war.

FuldunM Zeitung

mit Unterhaltimgs-Keilage „Sterne und K turnen".