21. Jahrgang
Dienstag, den 27. November 1894.
(100 kg.)
bei
10,7
134,i
23,i
22,3.
die Ge-
Dolores.
Roman von Th. K.
(15. Fortsetzung.)
„Sie scheinen empfindlich zu sein, und sollten sich doch freuen über das Glück ihrer Schwester. Das ist nicht schön von Ihnen," tadelte die lebhafte Frau. „Gewiß, Sie werden wieder heiter lachen, wenn ich Ihnen so viele gute Nachrichten aus der Heimath bringe, wenn dieselben auch schon etwas veraltet sind. Wir wollen dünn auf das Wohl der Vermählten anstoßen." Sie erzählte nun von seinen Eltern und von Marcial, „der beinahe noch hübscher ist, wie Sie, Don Mariano." Wie Dolores die reizendste Braut gewesen, schön wie ein Engel; wie die armen Kinder ihr Blumen gestreut und Bettlerinnen ihr Kleid geküßt. „Nun erst wird bei Ihrer Zurückkunft das Glück vollständig dort wohnen, denn Sie haben immer und überall schmerzlich gesehlt; und ich glaube für Niemand wurde so viel gebetet, als für Sie."
„Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll," sagte Mariano, „und muß ihre Güte noch weiter in Anspruch nehmen. Leihen Sie mir das nöthige Reisegeld, ich kann meine Sehnsucht nicht länger bezwingen. Ich werde es Ihrer Familie dort einzahlen, oder hierher zurückschicken."
„Natürlich, mit tausend Freuden!" versicherte die kleine Frau. „Sie werden aber auch gut thun, Ihre
Deutsches Reich.
Berlin, 24. November.
* Dem Prinzen Heinrich von Preußen hat Zar Nikolaus II. das Großkreuz des Andreas-Ordens verliehen. In Petersburger Hoskreisen verlautet, der Zar werde im nächsten Frühjahr dem Berliner Hofe einen Besuch abstatten, ebenso dem Wiener Hofe.
* Der Kronprinz von Italien ist heute früh aus Petersburg hier angekommen und hat in der italienischen Botschaft Wohnung genommen. Ursprünglich beabsichtigte er bereits heute Abend die Weiterreise nach Rom anzutreten. Er hat diese Absicht jedoch aufgegeben, da ihm eine Einladung des Kaifers am morgigen Sonntag im Neuen Palais zugestellt wurde.
* Der hiesige russische Botschafter Graf Schuwalow kehrt nach den Vermählungsfeierlichkeiten aus Petersburg hierher zurück, um sein neues Beglaubigungsschreiben als Botschafter zu überreichen. Die Nachricht, daß Graf Schuwalow für einen anderen Posten ausersehen sei, bestätigt sich danach vorläufig nicht.
* Auf Befehl des Kaifers wurde dieser Tage den Witwen der bei der Katastrophe an Bord des Panzerschiffes „Brandenburg" verunglückten Werftarbeiter eine einmalige Unterstützung von je 150 M. ausgezahlt.
* Herr v. Stephan hat in einer Rede bei der Einweihung des neuen Postgebäudes in Altona die Schuld für die stockende Reform in den Postgebühren der Finanz-Verwaltung zugeschoben, indem er ausführte: „Wollte ich allen Wünschen, die man regelmäßig zu hören bekommt — Ermäßigung der Fern- sprech-Gebühren, des Briefportos, des Stadtportos, Erhöhung des gewöhnlichen Briefgewichts und anderes zur Zeit Unannehmbare mehr —, entsprechen, so würde das einen Ausfall von gegen 15 Millionen Mark jährlich zur Folge haben. Wenn das Erfüllen so leicht wäre, wie die Herren sich das denken, so würde ein General-Postmeister die wundervollste Stelle sein; er brauchte nur zu allem Ja und Amen zu sagen. Da sagt aber die Finanz-Verwaltung, mit der ich sonst auf dem freundschaftlichsten Fuße stehe, wie Don Antonio zum Tasso: „Die wahre Freundschaft besteht im Versagen!" Doch, ich spreche mit Faust: „Laß uns dieser Stunde schönes Gut durch solchen Trübsinn nicht verkümmern." Bei den Postgebühren aber stocken auch solche Reformen, welche nicht zu einer Minder-Einnahme, sondern im Gegentheil zu einer Mehr-Einnahme führen würden.
* Für die Nachricht von dem Ausbruch eines Auf- standes unter den Eingeborenen auf allen Inseln um Neu-Guinea liegt an den hiesigen zuständigen Stellen noch keinerlei Bestätigung vor. Die Nachricht klingt auch unwahrscheinlich.
* Für den Stand der Herbstsaaten in Deutschland Mitte November sind nach der Zusammenstellung des Kaiser!. Statistischen Amtes die Noten folgende: (Nr 1
der Eingeborenen in Brand. Die Pul vervorräth explodirten. .
* Warschau, 22. Nov. In Beles (Macedomen) wurden die ch r i st l i ch e n B a u e r n des Dorfes L istokrick, welche sich beim Kaimakant über die Willkür der Pächter des Zehntels beschwerten, angefallen, und 5 derselben erschossen.
• Wie bereits mitgetheilt, haben die englischen Blatter sensationelle Nachrichten über angebliche Metzeleien in Armenien gebracht, welche das türkische Militär unter der Bevölkerung von Sassun angerichtet haben oll. Die türkische Botschaft in Berlin veröffentlicht nun über den in Frage stehenden Vorfall folgende Mittheilungen: „ A r m e n i s ch e B a n d i t e n, mit vorn Auslande erhaltenen Gewehren bewaffnet, vereinigten ich mit kurdischem Raubgesindel und drangen in die in der Umgegend von Sassun gelegenen muselmännischen Dörfer, welche verwüstet und verbrannt wurden. Um zu zeigen, wie schrecklich die armenischen Banden dort hausten, erwähnen wir nur, daß einem unglücklichen Muselmanne von den Unholden leichtbrennende Stoffe in den Mund gegossen wurden und darauf das Opfer lebendig gebraten wurde. Reguläre Truppen wurden auf den Schauplatz dieser Sch an d- that en beordert, um die stiedliebende Bevölkerung zu schützen. Entgegen den verleumderischen Anklagen, welche gegen diese militärische Expedition erhoben worden sind, müssen wir feststellen, daß die türkischen Soldaten den botmäßigen Theil der Bevölkerung in jeder Weise rücksichtsvoll behandelt und beschützt haben; sie haben in jeder Weise ihre Pflicht gethan und zu allgemeiner Befriedigung die öffentliche Ruhe und Ordnung wieder hergefteüt. Auch wurde behauptet, daß die Kurden sich der Habe und des Viehes der flüchtigen Armenier bemächtigt hätten. Dem ist aber nicht so: Die Armenier selbst haben, bevor sie auf ihren Raubzug auszogen, ihre geringe Habe mit sich in die Berge geführt und dem Schutze ihrer kurdischen Spießgesellen anvertraut; auch ließen sie dort theil- weise ihre Weiber zurück, was von gewissenlosen Gewährsmännern dahin ausgelegt wurde, daß die Kurden mehrere armenische Frauen geraubt hätten. Die Zerstörung der armenischen Dörfer ist das Wejrk der Armenier, welche ihre Heimstätten verließen, um sich der Plünderung hinzugeben. Nach anderen Berichten sollen die Armenier von dem kurdischen Stamm der Bakranlis unterdrückt und mißhandelt worden sein. Dies ist eine entschiedene Entstellung der Thatsachen, denn gerade der sehr schwache Stamm der Bakranlis wurde von Armeniern heimgesucht; beispielsweise gehörte das oben erwähnte Opfer armenischer Grausamkeit dem genannten Stamme an."
* Port Arthur scheint sich jetzt wirklich in den Händen der Japaner zu befinden. Die Nachricht von dem Falle dieses wichtigen chinesischen Kriegshafens kommt diesmal von mehreren Seiten gleichzeitig. Als kaufen Sie das schönste Vieh auf zum Transport nach England oder Frankreich, hier ist ein altes Papierchen von meinem Manne, was Sie legitimiren wird."
„Du hast doch nichts dagegen, Herzensgatte, wenn ich dem jungen Herrn Deinen Paß gebe, Du kannst Dir ja einen anderen holen."
Die kleine Hexe wußte, ihr Mann hatte noch niemals gegen ihren ausgesprochenen Wunsch etwas einzuwenden gehabt; schon der Versuch mußte an ihren liebenswürdigen Bitten scheitern.
Mit den herzlichsten Dankesworten schied Mariano. Diese selbstlose Güte wirkte wohlthuend auf fein Ge- müth, niedergedrückt durch die herben Erfahrungen der letzten Woche, von denen er glaubte, sie würden ihn zu einem Menschenfeind und Menschenverächter machen. Mit der Elastizität der Jugend hob sich die gespannte Brust, und freudiger blickte er auf die üppigen Fluren, die wogenden Felder, der lachenden Heimath entgegen.
9. Kapitel.
Das menschliche Leben gleicht einer Krone von Hoffnungen und Thränen: Rosenknospen in einen Cypressenkranz geflochten. Es soll lehren bei den Thränen an die Hoffnungen, und bei den Freuden an die Thränen zu denken. Lafontaine.
Das kleine Städtchen, worin Marcial wohnte, war in großer Aufregung. Verwundert sahen die Leute, die sich selbst mit dem Allernöthigsten begnügten, den großen Möbelwagen vor dem Hause Marcial's halten
Ausland.
* Amsterdam, 24. Novbr. Eine Drahtnachricht hiesiger Blätter meldet aus Lombok: Die Balinesen machten einen Ausfall und wurden mit bedeutenden Verlusten, darunter 45 Todten, zurückgeschlagen. Die Holländer verloren vier Tobte, darunter einen Oberst, und 14 Verwundete. Die Artillerie schoß ein Dorf Garderobe zu wechseln. Sie könnten Unannehmlichkeiten haben, man sieht Ihnen den Krieger auf hundert Schritt an. Die Regierung selbst ist toleranter tote die niedrigsten Beamten, die mit wahrer Wollust ihren augenblicklichen Vortheil benutzen, sich auf Kosten des Nächsten zu bereichern und ihm Unannehmlichkeiten zu machen."
Die Wirthin verstand Don Mariano's verlegenes Lächeln. Stillschweigend ging sie hinaus und kam nach einer halben Stunde mit einem Herrenanzuge zurück, wie ihn dort die wohlhabenden Leute trugen. „Versuchen Sie ihn mal," lächelte sie schelmisch, „er wird Ihnen nicht schlecht stehen. Sie brauchen nicht zu denken, ich mache ein Geschäft dabei. Das Zeug ist für meinen Mann zu groß gerathen, tragen kann er es nicht; wir schreiben es zur übrigen Schuld." Diese zarte Lüge drückte ihr Gewissen nicht, da sie den Anzuc^ aus dem Magazin hatte holen lassen. Sie ließ denselben in Mariano's Zimmer bringen und sandte ihm dann noch einen Barbier nach.
Bald kam er als schmucker Landmann zurück, nur noch mit einem koketten Schnurrbärtchen. Die gute Frau klatschte vor Vergnügen in die Hände, und selbs t ihr trockener Mann wurde von ihrer Lachlust angesteckt und streichelte zärtlich die dicken, rothen Backen seiner schelmischen Frau, die so gern Jntriguen spielte und ihre Sympathien für die Carlisten stets thätig bewies.
„So, lieber Herr, nun reifen Sie getrost, und
bedeutet sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering; die Zwischenstufen sind durch Dezimalen bezeichnet.) Winterweizen 2,3, Winterspelz 2,3, Winterroggen 2,3, junger Klee (auch Luzerne 2,o. @ine vor- äufige Schätzung des Ernte-Ertrages, die sich im November auf Hafer, Kartoffeln, Klee und Heu erstreckte, hat für das Reich im Ganzen ergeben als Ertrag vom Hektar 1894 dagegen 1893:
(100 kg .......
Hafer........ 16,s
Kartoffeln......H1,i
Klee (auch Luzerne) . . 40,2 Wiesen.......38,3
* Köln, 23. Nov. Zu dem Bericht über richtsverhandlung in der „Kladderadatsch-Affaire" ist uachzutragen, daß bei der Urtheilsbegründung der Präsident des Gerichtshofes bemerkte, über die Autorschaft der Madderadatsch'-Artikel habe der Prozeß zwar keine Aufklärung gebracht, man müsse aber annehmen, daß em hoher Beamter hinter den Angriffen stehe, da ein gewöhnlicher Mann solche Angriffe gar nicht habe unternehmen können.
* Hildesheim, 20. Nov. Die ,H. Z.' veröffentlicht folgenden Bescheid des Bezirksausschusses Hildesheim: „Aus die Eingabe vom 8. d. M. wird Ihnen hierdurch eröffnet, daß die Genehmigung zum Vertriebe des Eichsfelder Marienkalenders von Cordier zu Heiligenstadt und des Regensburger Marienkalenders von Pustet zu Regensburg pro 1895 im Wege des Handels im Umherziehen nicht ertheilt werden kann, weil der Inhalt der Jahres-Rundschau geeignet ist, Aergerniß zu geben." Sodann wird darauf hingewiesen, daß der Jnseratentheil Ankündigungen enthalte, welche verboten sind. Merkwürdig! Und „liberale" Kalender? ,
* Die badischen Amtsverkündiger müssen sich fetzt mit Haut und Haar der Regierung verschreiben. Die Verleger derselben verpflichten sich vertragsmäßig alle vom Ministerium oder dem betreffenden Ämtsvorstand angeordneten Artikel der ,Karlsr. Ztg.' und sonstige amtliche Mittheilungen an der Spitze des Blattes zum Abdruck zu bringen, also vollständig leibeigen der Regierung zu werden. Sonstwo bezeichnet man das als politischen Selbstmord, die badischen Nationalliberalen halten es natürlich für eine nationale, die Regierung unterstützende That. Daß sie überall nach Oben schnappen ist man ja, und das nicht allein in Baden, längst gewöhnt.
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mit Untertzaltnngs-Krilage „Sterne und Klnmen". _______________