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Mittwoch, den 21. November 1894. 21. Jahrgang

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mit Untrrhaltrnrgs-Keilagr „Ktrrne und Klumrn"

Srkckemt mid Setettaqe ausgenommen. — BietteljLhrücher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld m Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Des morgigen Feiertages wegen erscheint die nächste Nummer am Donnerstag.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. November.

* Die Vorlage gegen den Umsturz sieht auch die Bestrafung der Verherrlichung von Verbrechen, der Anstiftung von Militärpersonen zum Ungehorsam und der Bedrohungen vor. Es kommen hier die Para­graphen 110, 111, 126 des Reichsstrafgesetzbuches in Betracht, die eine schärfere Fassung erhalten sollen. Außerdem sollen die §§ 130 und 131 des Strafgesetz­buches gegen die Störung des öffentlichen Friedens „ausgestaltet" werden. Nach der Münchener Allgem. Zeitung' sollen in der letzten Berathung des Staats­ministeriums nicht Verschärfungen, sondern Milde­rungen der Vorlage vorgeschlagen fein. Nur Sachsen soll einer schärferen Vorlage den Vorzug geben.

* In der Justizverwaltung hat eine größere Anzahl von Rangerhöhungen stattgefunden. 13 Land­richtern ist der Charakter als Landgerichtsrath und 42 Amtsrichtern der Charakter Amtsgerichts­rath verliehen. Die neu ernannten Räthe sind qrößtentheils Gerichtsassessoren aus dem IV. Quartal 1880, nur je einer ist Assessor aus 1881, 1882 uud 1883.

* Daß eine Aenderung unserer Schulgesetzge­bung mit Einsetzung einer centralen Spruchbehörde geplant fei, wird auch von der,Nordd. Allgem. Ztg.' bestritten.

* Eine aus Südwcstafrika von Major Leutwein eingetroffene Drahtnachricht meldet, daß er Hendrik Wrtbooi in denDienst der deutschen Regie­rung genommen, und zwar mit einem Jahresgehalt von * *2000 Mark. Für die Kenner der dortigen Ver­hältnisse erscheint die Milde der deutschen Entschließung als ein Anzeichen, daß Witbooi sich den deutschen In­teressen vollkommen zur Verfügung stellen wird.

* An der protestantisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn, wo jetzt die liberal-ungläubige Richtung das große Wort führt, foll nach der ,Kreuz­zeitung' „durch Berufung positiv-christlicher Do­zenten gewissermaßen das Gleichgewicht hergestellt werden."

* Dortmund, 16. Nov. Bekanntlich wurde von der hiesigen Strafkammer der Redakteur der ,Dortm. Ztg.' Herr Versen, wegen Beschimpfung der römisch-katholischen Kirche, welche Beschimpf­ung in einer Stelle des Telmannfchen Romans „Unter den Dolomiten" gefunden wurde, zu zwei Tagen Ge- sängniß verurtheilt. Herr Versen hatte ein Gnaden­gesuch an den König gerichtet, der die Strafe in 20 Mark Geldstrafe umgewandelt hat.

* Straßburg, 18. Nov. Dem Reichskanzler Fürst Hohenlohe wurde Abends eine glänzende Ovation von etwa 200 Vereinen aus Stadt und Land dargebracht. Etwa über 8000 Fackelträger befanden sich im Zuge. Die Studentenschaft und Schulen bildeten Spalier vom Palais bis zum Bahnhof. Der Reichskanzler empfing den Festausschuß und dankte bewegt auf die Anrede des Sprechers. Am Bahnhof fand eine zweite Ovation

Dolores.

Roman von Th. K.

(11. Fortsetzung.)

Was er ihr leise in das Ohr flüsterte, verstand nur sie, die still in ihrem Zimmer den letzten Hufschlag des Pferdes erlaufchte. — Es brach eine glückliche Zeit für die jungen Leute an, so schön, wie nur die Dichter sie besingen können. Marcial brachte jede freie Stunde bei seiner Braut zu, um sich in ihren glänzenden Augen, mit denen sie seinen Schilderungen lauschte, sein ernstes Streben verfolgte, zu fonnen, um sich von ihr hätscheln und pflegen zu lassen, wenn er trotz der Ermüdung auf eine Stunde herangesprengt kam. Wäre nur nicht die Sorge um den Sohn und Bruder gewesen! Denn daran scheiterten die Heiraths- pläne des ungeduldigen Bräutigams.

„Nur jetzt keine Hochzeitsfeier, Marcial," versetzte Donna Regina immer wieder auf sein Drängen. „Wie könnte ich froh sein bei dem Gedanken, ob nicht gerade in dem Augenblicke eine feindliche Kugel das Herz meines Sohnes durchbohrte, wenn meine Tochter zum Altäre geführt wird! Mir ahnt nichts Gutes!"

Marcial verzichtete auf jede Feier, auf jedes Ver­gnügen, er wollte nur eine stille Trauung, aber es gelang ihm nicht, die Mutter seiner Braut umzustimmen.

die

der

einzugreifen.

* Wien, 18. Nov. Bei der Trauerkundgebung für den Zaren Alexander im Herrenhause fehlten polnischen Mitglieder des Hauses.

* Brüssel, 17. Nov. Die Sozialisten rufen in Kammer fortgesetzt stürmische Austritte hervor. Gestern wäre es zwischen den Abgeordneten Defuisseaux und Hoyois beinahe zu einer Prügelei gekommen. Defuisseaux stürzte auf Hoyois mit geballter Faust zu, wurde jedoch von Freunden zurückgehalten. Anseele nannte die Minister eine Bande von Lügnern. Die Rechte tritt behufs Verschärfung der Gefchäftsordnung zusammen, um den sozialistischen Ausschreitungen zu begegnen. — Der Hennegauer Landtag beschloß auf Betreiben der Sozialisten, fortan den Treuschwur auf den König aus der Eidesformel wegzulassen.

* Paris, 17. Nov. Die Madagaskar-Kommission hat sich mit 9 gegen 2 Stimmen zu Gunsten der Ex­pedition und für Bewilligung des hierfür geforderten Kredits von 65 Millionen Franks ausgesprochen.

statt. Der Reichskanzler reiste 6^2 Uhr nach Baden- Baden ab.

Ausland.

* Wien, 16. Nov. Der niederösterreichische Katho­likentag nahm einen glänzenden Verlauf. Die Be­theiligung war eine ungemein große, hohe geistliche Würdenträger und angesehene Männer zierten die Ver­sammlung mit ihrer Anwesenheit. Mit einer groß­artigen Festverfammlung am Abend, der Kardinal- Fürstbischof Dr. Gruscha und Bischof Rößler von St. Pölten beiwohnten, sand der Katholikentag feinen würdigen, erhebenden Abschluß. Es sprachen der Abg. Graf Sylva-Tarouca über die Organisation der öster­reichischen Katholiken, wofür er einen Plan vorlegte, dann Abg. Pattay über Christenthum und Konser- vatismus und P. Albert Maria Weiß an Stelle des Herrn Dr. Lieber, der wegen der Verhandlung im hessen-nassauischen Provinziallandtag am Erscheinen verhindert war, über Kirche und soziale Frage. Am Schluffe vor Ertheilung des päpstlichen Segens richtete Kardinal Dr. Gruscha eine ebenso herzliche wie ernste Ansprache an die Versammlung. Mit der Auf­forderung, für den hl. Vater zu beten, schloß der Kardinal seine ergreifende Rede und ertheilte darauf der Versammlung den päpstlichen Segen. Man darf sagen, daß der Katholikentag in glänzender Weise seiner Aufgabe gerecht geworden ist. Seine Verhand­lungen werden sicherlich ftuchtbringend wirken auf alle Kreise des katholischen Volkes und sie auregen, da wo es noth thut, die bisherige österreichische „Gemüthlich- keit" fahren zu lasien und mit nachhaltiger Energie

* Petersburg, 18. Nov. Das Befinden des Groß­fürsten Thronfolgers Georg hat sich in Folge der letz­ten Aufregungen fehr verschlimmert. Der Kranke hatte in den letzten Tagen wiederholt Bluterbrechen, so daß das Schlimmste befürchtet wird.

* Washington, 18. Nov. Die Verhandlungen über den Handelsvertrag zwischen Japan und den Vereinigten Staaten haben, abgesehen von einigen un­wichtigen Einzelheiten, zu einer Verständigung geführt.

* Konstantinopel, 18. Nov. Die türkische Regie­

„Erst sollte Mariano zurück fein." Marcial wurde empfindlich; er fühlte sich dem Bruder gegenüber zurück­gesetzt, der noch Jahre lang ausbleiben konnte. Selbst Dolores war nicht sicher vor herben Vorwürfen; er beschuldigte sie des Mangels an Liebe, weil sie nicht entschiedener seine Bitte unterstützte. Sie vergab aller­dings, sobald er mit leidenschaftlichen Worten von seiner Sehnsucht sprach, sie endlich an feiner Seite zu haben; — aber sie litt doch.

* *

*

Wieder war ein neuer Angriff zurückgeschlagen. Aergerlich ritt Marcial heim. Er wollte der Sache ein Ende machen. Mit Bitten erreichte er nichts, also mit List. Ein Plan kreuzte den andern; endlich schien er den richtigen gefunden zu haben. „Ich werde mir mein Haus einrichten, mir Dienerschaft halten, und dann will ich doch sehen, ob die Mama eine solche Ver­schwendung duldet. — Ob ich es Dolores verschweigen kann? ich glaube es kaum; sie liest in meinem Herzen, wie in einem offenen Buche." Mit seiner gewohnten Energie suchte er gleich am nächsten Morgen nach einer Wohnung. Am Ende des Städtchens, wo der Weg nach feinen Gruben führte, fand er ein hübsches Haus. „Auf dem Balkon winkt mir dann mein Frauchen den Abschiedsgruß zu, wenn ich fortreite, und blickt fehn­süchtig dem Wiederkehrenden entgegen!" dachte er.

rung zahlt in Folge einer Reklamation der rufsischen Botschaft 50 000 Pfd. als weitere A b s ch l a g s z a h l u n g auf die im Kriege 1878/79 den russifchen Kaufleuten zugefprochene Entschädigungssumme von 250 000 Pfund. Die Türkei schuldet jetzt noch 50 000 Pfund.

* Aus Buenos-Aires wird genteldet, der neue Präsident von Brasilien, Moraes, habe, um den Frie­den wiederherzustellen, den Gouverneur von Rio de Janeiro aufgefordert, feine Entlaffung zu nehmen.

* Tanger, 18. Nov. Der Aufstand, der im Sü­den zu Gunsten Muley Mohammeds ausgebrochen war, ist beendigt und der Handel wieder ausgenommen worden.

VI. Provinziallandtag der Provinz Hessen-Nassau.

Kassel, 17. November.

Nach Eröffnung der Sitzung um 91/« Uhr Morgens theilte der Herr Präsident mit, daß der Herr Regierungskommissar, Geheimer Oberregierungsrath Halb^y, an der Tbeilnahme der Weiterberathungen der Städteorbnung verhindert sei. Alsdann wird in der Weiterberathung der Städteordnung fortgefahren. Titel I, § 2 des Entwurfes, „die Grundlagen der städtischen Verfassung" betr., wird ohne Debatte angenommen — § 3. Festsetzung der Angehörigkeit zu einem Stadtbezirke wird mit einer kleinen, redaktionellen Aenderung, die von der Kommission vorgenommen, angenommen. — § 4. Rechte der Einwohner jedes Stadtbezirkes an den öffentlichen Einrichtungen und An­stalten wird in seinen beiden ersten Absätzen angenommen; Ab­satz 3 wird bis zur Berathung der Landgemeindeordnung zurück- gestellt. — § 5. Das Bürgerrecht betreffend, erhält entgegen den Beschlüssen der Kommission folgende Fassung: Das Bürgerrecht besteht in dem Rechte zur Theilnahme an den Wahlen, sowie in der Befähigung zur Uebernahme unbesoldeter Aemter in der Gemeindeverwaltung und zur Gemeindevertretung. Das Bürger­recht steht jedem selbstständigen Gemeindeangehörigeu su welcher 1) Angehöriger des deutschen Reichs ist, 2) die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt. 3) seit einem Jahre in dem Gemeindebezirke seinen Wohnsitz" hat und zur Stadtgemeinde gehört, 4) keine Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln empfängt, 5) die auf chn entfallenden Gemeindeabgaben bezahlt hat und 6) ent­weder a. ein Wohnhaus im Stadtbezirke besitzt oder b. von seinem im Stadlbezirke belegenen Grundbesitze zu einem jähr­lichen Grundsteuerbetrage von mindestens 6 Mark vom Staate veranlagt oder zu einem fingirten Normalsteuersatze von min­destens 4 Mark veranlagt ist bezw. ein Einkommen von mehr als 660 Mark hat. Steht ein Wohnhaus im (getheilteu oder ungetheilten) Miteigenthum Mehrerer, so kann das Bürgerrecht auf Grund dieses Bezirkes nur von einem derselben ausgeübt werden. Falls die Miteigenthümer sich über die Person des Berechtigten nicht einigen können, ist Derjenige, welcher den größten Antheil besitzt, befugt, das Bürgerrecht auszuüben; bei gleichen Antheilen bestimmt sich die Person des Berechtigten durch das Loos, welches durch die Hand des Bürgermeisters bezw. des Stellvertreters desselben gezogen wird. In den Fällen wo ein Haus durch Vererbung auf einen Anderen übergeht, kommt dem Erben bei Berechnung der Dauer des einjährigen Wohnhaus­besitzes die Besitzzeit des Erblassers.511 Gute. Die Uebertragung unter den Lebenden in absteigender Linie steht der Vererbung gleich. Steuerzahlungen, Einkommen, Haus- und Grundbesitz der Ehesrau werden dem Ehemanns, Steuerzahlungen, Einkom­men Haus- und Grundbesitz der minderjährigen, sowie der in väter­licher Gewalt befindlichen Kinder dem Vater angerechnet. Als selbst­ständig wird nach vollendetem 24. Jahre einJeder betrachtender einen eigenen Hausstand hat,sofern ihm nicht das Versügungsrecht über fein Vermögen oder dessen Verwaltung durch richterlichen Beschluß entzogen ist. Ein eigener Hausstand ist nicht deshalb als aus­geschlossen anzusehen, weil in Folge von Bestimmungen des ehe­lichen Güterrechts das Eigenthum oder die Nutznießung (Leib­zucht Beiseß u. s. w.) an dem Vermögen noch den Eltern oder einem überlebenden Ascendenten zusteht. Inwiefern über die Erlangung des Bürgerrechts von dem Magistrat eine Urkunde

Marcial ließ sich alle Räume zeigen, und obgleich die­selben feinem Hange nach Eleganz nicht vollkommen entsprachen, so gefielen sie ihm doch, was den schlauen Eigenthümer sofort veranlaßte, die Miethe höher zu schrauben. Marcial ordnete noch verschiedene Verschöne­rungen an und fand den horrenden Miethpreis billig, wenn nur sofort feinem Wunfche nachgekommen wurde.

„In drei Wochen steht das Haus zu Ihrer Ver­fügung," schmunzelte der Hausbesitzer. „Heute wird angefangen. Sie können bis dahin Ihre Einrichtung besorgen."

Marcial ging befriedigt weiter. Er übertrug Pablo und Gonfalo auf einige Tage die Leitung der Gruben, um zu verreifen. Am Abend verabschiedete er sich von Dolores, Geschäfte vorfchützend. Er kämpfte mit sich selbst, ob er ihr fein Geheimniß anvertrauen sollte, und wartete mit fast kindischer Ungeduld auf ihre Frage: Was willst Du in Madrid? —Dolores dachte an den Abschied, nicht an das Warum; — es war ihr hart, ihn einige Tage nicht zu sehen.

„In acht Tagen bin ich zurück, liebes Kind, und gehe ich dann auf Reifen, so gehst Du mit." Dolores erröthete und schwieg.

„Kann ich mich auf Dich verlassen, willst Du mir im entscheidenden Augenblicke keine Opposition machen?" und er erzählte seinen Plan. Ihre Einwendungen