Einzelbild herunterladen
 

jg 266 Dienstag den 20. November 1894. 21. Jahrgang

HiildakrMZkitllng

mit Unterhaltungs-Beilage „Kterue und Klnrnen".

Dolores.

Roman von Th. K.

(10. Fortsetzung.)

Sie waren zu Hause angekommen, wo die Eltern ihr Kind erwarteten.

„Du erlaubst mir doch, Dolores, sofort Deine Eltern um ihre Einwilligung zu unserer Verlobung zu bitten? Ich bin nicht ruhig, bis ich Dich sicher habe und bald."

„Das wird so rasch nicht gehen," lächelte sie, „Du läufft ja Sturm! Meine Eltern werden Deine Wer­bung freundlich aufnehmen, die Gewißheit habe ich, sonst würde ich nicht so rasch kapitulirt haben."

„Sie treten mit ein und ruhen sich aus, Marcial," lud Don Fernando ihn ein.

„Sehr gern, Sie kommen meiner Bitte entgegen. Ich fürchte nur, Ihre Frau Gemahlin ist ermüdet von der langen Promenade."

Donna Regina verneinte, und somit saßen sie um den Tisch, den feuerigen Castadillo in den blinkenden Gläsern. Dolores hatte sich, so gut sie konnte, in den Schatten gedrückt, sie glaubte ihr Herz pochen zu hören, trotz der ermuthigenden Liebesblicke ihres Bräutigams, dem es, gegenüber den ruhigen, alten Leuten, selbst schwül war.

Srschedü tüaktch, 6*w* anb getertegt ausgenommen. — BiertelMrlicher AbonnemeutSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Warf 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Sarnwndzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen enkkprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. November.

* Dem Bundesrath ist heute der Entwurf eines Gesetzes zugegangen, betreffend Abänderung des Straf­gesetzbuchs, des Militär-Strafgesetzbuchs und des Ge­setzes über die Presse. Wie es heißt, ist eine umfang­reiche Begründung beigefügt.

* Das Flaggschiff der Kreuzer-Division „Irene" hat heute von Wilhelmshafen aus die Reise nach Ost- asien angetreten.

* Um die Sache der in Magdeburg inhaftirten Oberfeuerwcrker steht es, wie die ,Nat.-Ztg? erfährt, zur Zeit so, daß die Voruntersuchung abgeschlossen und die Eröffnung des kriegsgerichtlichen Verfahrens demnächst zu erwarten ist.

* Die Kieler Nachricht, der Kaiser würde am Dienstag zur Vereidigung der Marinerekruten dort eintreffen, ist unrichtig. Die Vereidigung der Marine­rekruten erfolgt erst nach der Rückkehr des Prinzen Heinrich aus St. Petersburg, woselbst der Prinz nicht nur der Beisetzung des verewigten Kaisers Alexander III., sondern auch der kurz darauf statt­findenden Vermählung des Kaifers Nikolaus II. mit der Prinzessin Alix von Hessen beiwohnen wird. Prinz Heinrich ist heute in Petersburg eingetroffen und vom Kaiser, dem deutschen Botschafter und anderen Würdenträgern empfangen worden.

* Der Direktor der Kolonial-Abtheilung des Aus­wärtigen Amtes, Geh. Rath Kayser, ist seit einigen Tagen erkrankt und an der Wahrnehmung seiner Amts­geschäfte verhindert.

* Die auf Grund von telegraphischen Meldungen bereits bekannt gegebenen Verluste der südwestafrikani­schen Schutztruppe in den letzten Kämpfen gegen Hendrik Witboo i belaufen sich nach der von dem Major Leut­wein eingesandten genauen'Verlustliste auf 14 Todte, 9 Schwerverwundete und 15 Leichtverwundete. Gefallen oder an den erlittenen Verwundungen fpäter gestorben sind: Premierlieutenant Diestel, Unteroffiziere Schern und Seidler, Reiter Kluth, Boch, Bartfch, Rocher, Gerke, Pinske, Eckhardt, Frey, Höldermann, Lange, Fleischer. Schwerverwundet wurden: Hauptmann von Estorfs, Unteroffizier Polett, Gesteiter Reichse, Reiter Homann, Kraufe, Mofer, Balecke, Koch, Lungershausen. Leichtverwundete in ärztlicher Behandlung: Assistenz- Arzt Dr. Schöpwinkel, Lazarethgehilfe Teschendorff, Wahlen, Müller, Lindau, Polzin, Gerke, Schäfer, Wifchkom, Gries, Kohn, Muschiol, Iben. Leichtver­wundete ohne direkte ärztliche Behandlung: Reiter Leinhaus, Sander und Wieland. Außerdem sind, ohne in Berührung mit dem Feinde gekommen zu sein, durch einen Unglücksfall, wahrscheinlich in Folge von Wasser­mangel oder an Sonnenstich auf dem Marfche von der Swachaub-Mündung nach der Naukluft gestorben: Lieutenant von Eckert und die Reiter Pohland und Börtsch.

* Wie verlautet, gedenkt Der Kaiser, der am 4.

Dezember d. I. im großen Saale des Berliner Rath­hauses stattfindenden Helmholtz - Feier beizuwohnen. Die Feier wird zum Gedächtniß des großen Gelehrten von der physikalischen Gesellschaft veranstaltet.

* Im Falle Forbes hat nun auch die Oberstaats- anwaltschast in Köln entschieden, daß kein Grund vor liege, weitere Beweiserhebungen anzustellen und Anklage wegen Freiheitsberaubung zu erheben.

Ausland.

* Brüssel, 17. Nov. In Charleroi herrscht große Aufregung wegen der während der Nacht gegen die Expreßzüge Paris - Brüsiel geplanten Attentate. Seit längerer Zeit bereits werden die Signale verstellt, sodaß Unglücksfälle zu befürchten sind.

* Paris, 17. Nov. Der unter Verdacht der Spionage Verhaftete ist thatfächlich ein Herr v. Kessel, der seit Jahren in Folge spezieller Familien-Verhält- nisse außer Landes weilte und sich vorübergehend in Monacco aufhielt, v. Kessel hat jedoch mit der Spionagen-Affaire absolut nichts zu thun. Die Untersuchung gegen beide Verhaftete dauert fort; die Nachricht, die stanzösische Regierung sei gesonnen, dieselben an die Grenze zu führen, wird dementirt.

* Rom, 17. Nov. Wie aus Genua gemeldet wird, haben dort furchbare Regengüsse den Rirstuß aus seinen Ufern getrieben und sämmtliche Ländereien zwischen Koltri und Arenzono überschwemmt. Der Eisenbahndienst ist vollständig eingestellt; zahlreiche

Wahlrecht) gleich nach der Generaldiskussion vom Herrn Präsidenten eröffnet werde. Aus dem Bericht der Kommifsion sei kurz hervorgehoben:

Die Kommission hat ihre Aufgabe in zwei Lesungen und 14 Sitzungen erledigt. Von Seiten der König!. Staatsregierung nahmen an den Sitzungen Theil: Se. Exeellenz der Herr Ober­präsident Magdeburg, Herr Geh. Oberregierungsrath Halbey, Herr Oberpräsidialrath Poten, Herr Oberforstmeister von Born- städt, Herr Regierungsrath v. Kehler. In der Generaldiskussion über die beiden vorgelegten Gesetzentwürfe wurde zunächst von hessischer Seite anerkannt, daß der Erlaß einer einhettlichen Städteordnung, durch welche die Vielgestaltigkeit und manche Zweifel des jetzigen Rechtszustandes beseitigt würden, als Wünschenswerth bezeichnet werden müsse. Das den Entwürfen zu Grunde liegende Prinzip der Einwohnergemeinde, nach welchem allen Einwohnern die Eigenschaft eines Gemeindegliedes zu­kommt, wurde als der gefammten neueren Rechtsentwickelung entsprechend anerkannt, und das Festhalten an dem öffentlichen Wahlrecht für die Gemeindewahlen gebilligt. Auch das Weg­fällen des weiteren Bürgerausschusses, der sueeessive Wechsel der Gemeindeverordneten und die Regelung der Pensionsberechtigung der Bürgermeister und Gemeindebeamten, sowie der Versorgung der Relikten derselben wurden als Vorzüge der Entwürfe hervor­gehoben. Andererseits aber wurde auch auf sehr erhebliche Be­denken hingewiesen, welche auf die Ausdehnung des Wahlrechts in Verbindung mit dem Wahlsystem für den Reg.-Bez. Kassel beruhen. Von der Beseitigung dieser Bedenken werde die befür­wortende Begutachtung abhängig gemacht werden müssen; denn ein Nothstand, welcher die Aenderung des gegenwärtigen Rechts auf jeden Fall erfordert, sei keineswegs vorhanden, vielmehr fei trotz mancher Unbequemlichkeiten die Bevölkerung mit der hes­sischen Gemeindeordnung von 1834, welche für ihre Zeit einen höchst bedeutenden Fortschritt bedeute, noch jetzt dauernd zu­frieden und die in Folge der Abänderung durch die neuere Ge­setzgebung eingetretenen Schwierigkeiten der Rechtsanwendung würden sich durch eine neue nur die praktischen Theile ent­haltende Ausgabe der Gemeindeordnung beseitigen lassen. Auch bezüglich der Landgemeindeordnung wurde auf ähnliche Be­denken und auf eine Reihe später zu erwähnender Abänderungen hingewiesen.

Der Präsident eröffnet hierauf die General- diskussion über den vorliegenden Gesetzentwurf. Namens der später aufgeführten Abgeordneten gibt Abg. Justizrath Dr. Humser-Frankfurt folgende Er­klärung ab: „Die Unterzeichneten erklären, daß sie ohne zu verkennen, daß die Regierungsvorlage eine Verbesserung des im Reg.-Bez. Kassel bestehenden Rechtszustandes darstellt, zu ihrem Bedauern den Erlaß einer Städteordnung nicht befürworten können, die auf dem Prinzipe der öffentlichen Abstimmung bei Kommunalwahlen, dem Dreiklassenwahlsystem des Ent­wurfs und der Nothwendigkeit der Bestätigung der von den Gemeindebehörden gewählten Magistratsmit­gliedern beruht." Die Erklärung trägt die Unter­schriften folgender Frankfurter Abgeordneten: Humser, Hartherz, Heußenstamm, Flesch, Dr. Holdheim, Seidel, Varrentrapp und Sturm-Rüdesheim.

Da in der Generaldiskussion Niemand mehr das Wort ergreift, wird in die Spezialdebatte ein­getreten und zunächst die Diskussion über den § 14 des Entwurfes, der das Wahlrecht betrifft, eröffnet. DerHr. Regierungskommiffar Geh. OberregierungsrathH albey bemerkt zunächst, daß in dem Berichte der Kommifsion vielfach eingeschaltet sei, daß ein Mangel statistischen Materials sich fühlbar gemacht habe. Soweit dieser ihren Arm um den Hals des Vaters geschlungen; ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter. Er streichelte liebevoll ihr duftiges Haar.

„Ruhig, ruhig, mein Herzenskind! Ich will Dich nicht aufregen, aber Du mußt mir fagen, daß Du ihn wirklich lieb hast, sonst muß ich ihn fortschicken," scherzte er, und hob bei den letzten Worten ihren Kopf in die Höhe, mit väterlichem Wohlwollen in das verschämte Gesichtchen schauend. Sie reichte Marcial die Hand und zog ihn ebenfalls zum Vater.

„Ja, Papa, ich liebe ihn! Ich habe ihm mein Wort gegeben; nimm^ihn an! Er verspricht, ein braver Sohn zu sein. Vertrau' ihm, wie ich ihm vettraue."

„Donna Regina," wandte sich Marcial an die treue Mutter, „seien Sie auch mir eine Mutter. Ich habe die meinige so früh verloren, niemals den milden Ein­fluß einer solchen gekannt. O, gewiß, ich werde sehr dankbar sein, und Dolores so glücklich machen, wie es in meiner Macht steht und Sie es nur wünschen können."

„Ich glaube Ihnen, Marcial, denn Sie haben meine Zuneigung längst gewonnen."

„Laß sie glücklich werden, wie wir es noch heute sind," wandte sie sich an ihren Mann.

„So sei es denn," antwortete Fernando, „doch hüten Sie sich, daß jemals trübe Augen und bleiche

Unglücksfälle werden gemeldet.

* Petersburg, 17. Novbr. König Christian und Prinz Waldemar von Dänemark wohnten gestern Nach­mittag und Abends den Tranergottesdiensten in der Peter- und Pauls Kathedrale bei. Nachmittags traf die französische Deputation ein, vom Großfürsten Waldimir, zahlreichen Militärs und einer begeisterten Volksmenge empfangen.

* London, 17. Nov. Die Themse ist noch immer im Steigen begriffen. Zahlreiche Todesfälle durch Ertrinken werden gemeldet. Der Verkehr auf mehreren Bahnlinien ist unterbrochen, der Materialschaden ist ungeheuer. In Bath ist die Fluch im Fallen begriffen.

VI, ProvmziallanÄtag der Provinz Hessen-Nassau.

Kassel, 16. November.

Nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten Herrn Geh. Justizrath Hilf-Limburg, sowie Verlesung und Annahme des Protokolls der vorigen Sitzung wird in die Tagesordnung eingetreten, deren erster Punkt „die Berathung der neuen Städteord­nung" ist. Zur Begründung der Vorlage erhält zu­nächst der Referent Abg. Dr. Enneccerus-Marburg das Wort, welcher betont, daß der Bericht der von dem Hause niedergesetzten Kommission in Druck den Mitgliedern zugegangen, er persönlich hätte nur den Wunsch, daß die Debatte über den § 14 (das

Das Gespräch wollte nicht recht von statten, so daß Donna Regina bald vorschlug, die Ruhe zu suchen.

„Nein, nein!" protestirte Marcial. „Haben Sie noch einige Minuten Geduld; es ist nicht so leicht, einen Fehler einzugestehen, den man nicht bereuen kann, wie ich es muß. Ich habe Ihnen heute ihren größten Schatz geraubt. Ihre Dolores hat mir ihre Liebe geschenkt; wir bitten Beide um Ihre Einwilligung."

Ernst sah Don Fernando auf Marcial, dann suchten seine Augen Dolores, die ihr glühendes Antlitz im Schooß der Mutter zu verbergen suchte.

„Komm, Kind! Ist das wahr, was Marcial sagt?"

Dolores erhob sich, das Gesicht voll Thränen. Liebevoll drückte der Vater sie an sich, und auch in seinen Augen schimmerte es feucht.

„Kennst Du den jungen Mann fo genau, mein Kind," sagte er milde in bewegtem Tone, „daß Du ihm freudig Dein ganzes Leben anvertraust? Weißt Du, daß sich mit diesem Schritte die Pfotte Deiner sorg­losen Kindheit schließt, daß Du Vater und Mutter, die bisher treu über Dich gewacht, verläßest, um dem von Dir erwählten Manne Alles in Allem zu sein? Bist Du Dir all' Deiner Pflichten, die Du übernehmen willst, bewußt? Nur dann kann ich Euch meinen Segett nicht vorenthalten."

Das junge Mädchen zuckte vor Weinen, sie hatte