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Sonntag, den 18. November 1894. 21. Jahrgang,

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mit Nntrrhaltnngs-HrUage „Ktrrnr und Klumen".

Zweites Blatt.

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„Sie weinen, Dolores? Was wissen 'Sie von Schmerzen, wenn Ihr Herz nicht mitspricht!"

Bevor Dolores sich selbst klar wurde, stand sie wieder in dem bunten Reigen. Es wirbelte ihr förm­lich vor den Augen, so rasch flog sie im Kreise. Sie blieb endlich erschöpft stehen, und ohne em Wort zu sagen, führte Marcial sie zu ihren Eltern. Beide verstanden ihr tiefes Weh unter einem Lächeln zu ver-

„Jch weiß jetzt genug! Fahre hin, du mein er­sehntes Lebensglück! — Kommen Sie, Sennorita, wir wollen tanzen."

Thräne auf Thräne rann Dolores über ihr er­schrecktes Gesichtchen; umsonst suchte sie sie zu ver-

Wie aber ist der G e s ch ä f t s g a n g der Regierungen? Eine Schilderung desselben ergibt, warum man oft so lange auf einen Bescheid der Regierungen warten muß.

1. Der Bote holt die Briese von der Post und trägt sie zum Präsidial-Bureau.

2. Im Präsidial-Bureau werden sie, wenn sie nicht den Vermerk eigenhändig oder sekretirt tragen, geöffnet und mit dem Präsentatstempel: „Eingegangen den" usw. (Datum), versehen, sodann vom Pcäsidial-Sekretär nach Abtheilungen sortrrt und in besondere Mappen gelegt.

3. Der Bote trägt die Mappen zum Präsidenten.

4. Der Präsident sieht die Post durch und macht auf die­jenigen Eingänge, von deren weiterer Erledigung er Kenntniß nehmen will, ein f. t „

5. Der Bote trägt die einzelnen Mappen zu den betreuen­den Ober Regierungsräthen. .

6. Der Ober-Regierungsrath vertheilt die Sache, d. 6 er bestimmt den Decernenten, der sie bearbeiten soll, unter Um­ständen auch einen Codecernenten. Diese Bestimmung erfolgt nach der vom Präsidenten allgemein vorgeschriebenen Geschästs- vertheilung.

7. Der Bote trägt die Mappe zum Journal.

8. Der Jonrnalsührer trägt die Sache „ein", d. h. er »otirt

* Der Geschäftsgang bei den preußischen Regierungen.

In einer interessanten Schrift des Geh. Regierungs­raths v. Massow über „Reform oder Revolution!" (Berlin, Otto Liebmann), welche ein überaus scharfes Urtheil über den in Preußen herrschenden Bureau- kratismus fällt, finden sich einzelne sehr bemerkens- werthe Schilderungen aus dem Kreise der unmittel­baren persönlichen Erfahrungen des hochkonservativen Verfassers. Wir geben dieselben, der ,Freis. Ztg/ folgend, nachstehend wieder. Eine Reform des inneren Dienst- betriebs und der ihn betreffenden Einrichtungen bei der - innern Verwaltung sei seit einem halben Jahr­hundert ein dringendes Bedürfniß. „Während unsere Armee," so schreibt Herr v. Massow, „eine beständige . Reformarbeit vollzieht, jedwede Erfindung der Wissen- ; schäft im Leben, Weben und Verkehr, im Jnlande ui,d Auslande sich zu eigen macht, steht unsere Civil- i Verwaltung noch genau auf demselben Standpunkt wie 1 vor siebeuzig Jahren, als die Welt noch nicht im Zeichen des Verkehrs stand. Sie lebt noch unter den ; Verhältnissen der alten Postkutsche. Davon, daß Zeit j Geld ist, und daß die Wahrheit dieses Satzes auch ; auf alle Diejenigen Anwendung findet, welche mit den Behörden zu thun haben, von deren Entscheidung ab- ’ hängig sind, davon scheint sie keine Ahnung zu haben. -

Aber noch mehr! Es ist ihr die Initiative voll- । ständig verloren gegangen. Sie führt nicht, sie leitet nicht, nein, sie ist Geschäftsstelle; wie die Post auf . Briefe und Pallete, so wartet sie, bis Wünsche und Anträge an sie herantreten. Geschieht das, so läßt sie sich unter Umständen auf die Sache ein; bis sie aber die Erledigung bewirkt und, wenn sie ein Eingreifen ablehnt, zur Abgabe des negativen Bescheides braucht sie eine so ungemessene Zeit, daß Diejenigen, welche e§ angeht, vielfach von vornherein darauf verzichten, sich an sie zu wenden. Dann liegt aber die Sache über­haupt nicht für sie vor, mag der Nothstand auch noch so kraß sein. . ,

Gleichzeitig Grund und Folge dieses Gebahrens ist die Unbekanntschast mit den Verhältnissen. Weil man nach dem Grundsatz Quod non est in actis, non est in mundo verfährt und immer erst eine Eingabe er­wartet, ehe man etwas thut, so verzichtet man darauf, die Verhältnisse aus eigener Initiative zu studiren, und zwar generell zu studiren. Man kennt also diese Verhältnisse zumeist nicht oder doch nur oberflächlich, wenn das Gesuch eingeht, und deshalb vermag man dasselbe nicht sofort richtig zu beurtheilen, muß viel­mehr erst Ermittelungen anstellen, wodurch von vorn herein eine bedeutende Verzögerung entsteht."

Drastisch schildert Herr v. Massow die Souveräni­tät einer einseitigen Bureaukratie in den obersten In­stanzen. Auch das Bild der Bezirksbehörden, welches Herr v. Massow entwirft, läßt die Reform- bedücftigkeit derselben erkennen. In Preußen wird die Verwaltung von den Regierungen geführt. Der Ober­präsident ist in den meisten Fällen nicht Zwischen-, sondern nur Durchgangs-Instanz. Die Regierung be­richtet an den Minister und dieser rescribirt an sie. Nur werden die Schriftstücke hin und zurück unter der äußern Adresse des Oberpräsidenten befördert.

toteberjort^ träflt Konzept zum Kanzlei-Inspektor.

18. Der Kanzlei-Inspektor trägt das Konzept tn seine Liste ein und übergibt es dem Kanzlisten, der die Reinschrift । machen soll. ...

19. Der Kanzlist fertigt die Reinichrift.

20. Der Kanzlei-Inspektor notirt die Anfertigung der Rem- , schrift und die Points, d. h. die Arbeitsleistung des Kanzlisten. !

21. Der Bote bringt die Reinschrift zum kallativmrenden ; Bureau-Beamien. . , _ , . I

22. Dieser vergleicht die Reinschrift mit dem Konzept und berichtigt sie so weit erforderlich. . . _

23 Der Bote bringt die kollationirte Reinschrift zum Ober- Regicrungsrath.

24. Dieser vollzieht die Unterschrift.

25. Der Bote bringt die Sache zur Botenmeisterel.

26. Dort wird sie mit den etwaigen Anlagen in das Couvert ! gelegt und letzteres adrcssirt. _

27. Der Bote trägt den Bries zur Post.

28. Ein zweiter Bote trägt das Konzept zum Journal.

29. Der Journalführer trägt die Sache „aus", d. h. er notirt das Datum des Abgangs im Journal und auf dem Konzept.

30. Der Registrator berichtigt seine Liste, d. h. er notirt, wenn eine Antwort gefordert ist. den Termin für dieielbe in feinem Kalender. Dann bringt er das Konzept zu den Akten.

„Das ist der aller ein fach st e Geschäftsgang. Es kann aber auch ein Cvdecernent Mitwirken, der Decerneut kann die Sache seinem Sekretär übergeben, der Prä­sident kann sie gekreuzt haben, dann ist der Gang des Verfahrens noch weitläufiger und zeitraubender. Nun müs en hundert und mehr Stücke, die an einem Tage für eine einzelne Abtheilnng einlaufen, in dieser Weise behandelt werden, jeder einzelne Beamte, der mitwirkt, hat also mit einer ganzen Zahl von Nummern gleich­zeitig zu thun. Dabei treten Stockungen durch Sitz­ungen, Konferenzen, eilige Arbeiten, Dienstreisen em, die fortlaufende Kette wird unterbrochen,, die einzelnen Stadien des Geschäftsganges wickeln sich nicht glatt hintereinander ab, und so braucht jede einzelne, auch die einfachste Sache, bei jeder einzelnen Behörde eine ganz unverhältnißmäßige Zeit zu ihrer Erledigung.

(Köln. Vztg.)

Dolores.

Roman von Th. K.

(9. Fortsetzung.)

Sie hob langsam den gesenkten Blick und sah ihm ' ernst und wehmüthig ins Ange. Bleich erwartete er ihre Antwort, indem er sagte: „Ich bin gefaßt, tote Sie sehen. Sprechen Sie!" Er faßte wieder ihre ! Hand.

i „Ja, ich liebe Sie, Marcial," klang es leise von i ihren Lippen, „so treu, so innig wie Sie mich, aber ! unsere Ansichten sind verschieden, tote die Richtung j unserer Erziehung, und somit ist weder für Sie noch für mich in nnserer Verbindung ein dauerndes Gluck ■ zu suchen. Das Glück der Ehe beruht nicht allein auf Zuneigung und Liebe, — die kommen ja oft mt I späteren Leben durch die gegenseitige Achtung, und das gemeinschaftliche Ertragen von Freud' und Leid;

i es beruht vielmehr auf innerem Verständnitz, auf ; der Uebereinstimmung in Glaubens - und Lebensprtn- i z P „Ist das Alles, was Sie mir zu sagen haben, als ' Erwiderung heißer Gefühle! ? Bestehen Ihre An- i sichten nur darin, daß ich Sie zur Kirche begleite?" । Es lag ein bitterer Sarkasmus in, seiner Stimme.

Ich entschließe mich auch dazu. <sie würden mich vielleicht durch Ihr gutes Beispiel und Ihre Lehre dahin bringen, daß ich das, was ich jetzt versprech^ , später aus Ueberzeugung thue. Heucheln kann ich . nicht; aber ich will mich von Ihnen bekehren lasten, : oder lohnt sich's nicht der Mühe?"

Er schwieg und wartete wieder auf eine Antwort. Sie blieb stumm.

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Mama", sagte Dolores, „ich mag nicht mehr tanzen, ich habe zu eifrig angefangen und bin voll­ständig matt." v.,

Die Mutter umschlang zärtlich ihr müdes Kind, und blickte liebevoll in das blasse Gesichtchen. Sie wollte jetzt nicht fragen, um Dolores nicht noch mehr aufzuregen, sondern suchte durch zarte Vorwürfe sie zu beruhigen. Sie warf einen forschenden Blick auf Marcial, der sich mit stummem Gruße wieder ent­fernte, um der wildeste Tänzer zu sein. Von Stunde zu Stunde stieg seine Lustigkeit. Er arrangirte zur Abwechslung Gesellschaftsspiele, er bildete den Mittel­punkt des Vergnügens. Wohl manchmal warf er einen Seitenblick auf das stille Mädchen, das mit der größten Selbstüberwindung sich an den Spielen betheiligen mußte. Aber das stachelte nur seinen übermüthigen Witz seine tolle Laune. Er wollte nur seine Ent­täuschung betäuben; er wollte sich nicht eingestehen, wie weh es ihm nm's Herz war. Trotzdem er Dolores nicht ans den Augen verlor, hatte er sich ihr doch nicht wieder genähert. Da hörte er, wie Doima Regina ihren Mann zum Ausbruch mahnte; er be­obachtete die Vorbereitungen und sah, tote schon lange ein junger Gutsbesitzer wartete, sich ihnen an­zuschließen. Aber das sollte nicht geschehen! Eifer­süchtig drängte er sich mit raschen Schritten vor Donna Regina, um sich die Erlaubnis) zur Begleitung aus­zubitten. Sie lächelte und wies ihn an Dolores. Nicht ohne Kampf legte Dolores schüchtern ihren Arm m den seinen, mehr aus Furcht vor Pablo, dessen spähen­den Blicken die ganze Situation nicht entgangen war, und der sich gleichfalls näherte, scheinbar, um mit Marcial zu sprechen. . ,

Sie waren schon eine Strecke m dem dichten Laub- qange vorangeschritten. Leise säuselte in den Baum­gipfeln der Wind. Der blaffe Mond und die flim­mernden Sterne lugten verstohlen herein; die frohen Jauchzer schallten nur gedämpft herüber, und ine Nachtigall sang ihr schmelzendes Liebeslied. Dolores und Marcial gingen stumm nebeneinander, stolz und verletzt der Eine, hoffnungslos-traurig das junge

Dolores, darf ich vor dem Abschiede noch ein­mal "meine Bitte wiederholen? Lassen Sie mich ziehen, ohne ein Wort der Ermunterung? Ich stehe allem m der Welt, in der eigenen Heimath ein Fremder. Meine I Erziehung war liebeleer; in den Instituten kümmern sich bezahlte Menschen selten um die Herzen ihrer Qöglinge. Meine Mutter habe ich kaum gekannt, die würde mit Liebe und Sorgfalt über den wilden, nn- lenkbaren Knaben gewacht haben. Mein Vater war ein strenger Gesckäftsmann, der für ein gediegenes Wissen gesorgt hat, aber nicht auf mein Gemüth wirken konnte. Er starb auf einer Geschäftsreise m Amerika. Ist es darum ganz meine Schuld, wenn zügellose Heftigkeit hervorbricht, so daß Sie vor mei­nem leidenschaftlichen Wesen zurückbeben? Soll ich durch, Ihren Verlust gestraft werden, daß ungläubige Lehrer mir keine religiöse Anleitung gaben, mich der Kirche entfremdeten? Sie sind das erste und einzige Mädchen, das ich geliebt habe; stoßen Sie mich aus Vornrtheilen nicht von sich, vor der Macht der Liebe werden sie wie Staub verfliegen!"

Dolores war tief ergriffen von seinen glühenden Worten, seinem leidenschaftlichen Flehen. Sie konnte denselben nicht widerstehen, da ihr Herz so laut für ihn sprach. Der natürliche Opfermuth, der als tiefer Fond im Herzen einer jeden Frau ruht, und meistens der Grund ihres energisch thätigen Handelns ist, tneb sie schon an, dem einsamen Manne eine treue Ge- : sährtinIzu werden. Vor ihren Augen stand die fteund-

den Tag des Eingangs, das Datum des Schreibens, den Namen des Absenders und eine kurze Angabe des Inhalts. Dann ver­merkt er die Nummer, welche die -ache im Journal erhalten bat auf dem Schreiben, und übergibt letzteres dem Registrator.

9. Der Registrator legt die auf die Sache bezüglichen Akten bei oder macht, wenn keine Akten vorhanden sind, auf dem Stück die Notiz „Keine Vorgänge". Ferner berichtigt er seine Liste, z. B. notirt er für den Fall, daß das Schreiben eine Antwort auf eine Anfrage enthält, deren Eingang.

-- - Bote trägt die Sache mit den Akten zum Derer-

_ ..... ~ r 'f ______f CT-t.-

Decernent entwirft die Verfügung.

Bote trägt die Sache zum Ober-Regierungsrath. Ober-Regierungsrath revidirt die Verfügung und h. er setzt seine Namenschiffre darunter.

Bote trägt die Sache zum Journal.

15. Der Journalführer trägt sie „durch", d.h. er notirt das Datum der Verfügung, ihren Inhalt und den Adressaten.

16. Der Registrator entnimmt die Akten und legt sie