bett wurden; diese sollen von Fabrik- und Bahn-Ar-
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Herren zugleich darauf aus, eine neueMittelpar- tei auf wirthschaftlicher Grundlage zu bilden. Politisch würde diese den ersten Vorspann bilden für Maßregeln gegen den Umsturz, die über die Caprivi'schen Vorschläge weit hinausgehen. Die Vorlage ist zwar noch nicht an den Bundesrath gelangt. Die ,Post' aber redet schon dem Centrum freundlich zu, daß es derselben doch zustimmen möge. Die Nothwendigkeit, die Vorschläge so zu formuliren, daß jeder Mißbrauch gegen die staatstreue Opposition thunlichst ausgeschlossen werde, ergebe sich schon aus dem Königsberger Programm. Die,Post' aber war es, welche die Bekämpfung der „Demagogie in jeder Form" und besonders der „Centrums-Demagogie" verlangt hat. Weiter sagt das Blatt, das Centrum könne ganz sicher sein, daß, wenn die Vorlage unter seiner Mitwirkung angenommen werde, von einer Reichstags-Auflösung nicht die Rede sei. Aber warum sollte denn überhaupt der Reichstag aufgelöst werden, wenn die Vorlage angenommen wird? Vielleicht der Steuern halber? Die ,Nat.-Lib. Korresp.' will von autoritativer Seite erfahren haben, daß die Reichs-Finanz-Reform nicht aufgegeben sei. Ohne dieselbe hätte die Tabakfabrikatsteuer überhaupt keine Begründung; die Auseinandersetzung zwischen Reich und Einzelstaaten sei dte Hauptsache und bleibe durchaus nothwendig, wenn auch aufUeberweisungen verzichtet werden müsse Danach scheint also Herr Miquel wieder Oberwasser zu haben. Da gilt es, den Kopf kühl und dte Augen offen zu halten! Selbst den National- liberalen kommt die Lage nicht mehr geheuer vor; ihre Presse, die sonst für ein scharfes Vorgehen gegen den Umsturz war, bremst. Die deutsch - konservative ,HalltscheZeitung' erklärt nicht allein die Centrumspartei in die Reichsacht, sondern hißt auch offen die Fahne der Mittelpartei auf. Vollends zu denken gibt es, wenn wir gar die Regierungen derEin- zelftaaten wenig erbaut von'den Dingen sehen, wie man aus der Reise des Reichskanzlers an die Höfe von München, Stuttgart und Karlsruhe schließt. Wenn die Ueberraschungen so weiter gehen, wird Reich, Staat und Monarchie jedenfalls keinen Vortheil davon haben
* Der neue Justizminister, Herr Schönstedt ist katholischer Konfession und war bisher nur im ! Rtchterberuf thätig. Als Kreisrichter wirkte er am | Rhein, in Duisburg und Broich; eine Reihe von I Jahren war er Direktor am Landgericht zu Frankfurt I a. M. Anfang der achtziger Jahre ging er nach Neuwied, wo er das Präsidium des Landgerichts inne hatte, 1884 wurde er in gleicher Eigenschaft nach Kassel versetzt, und hier wirkte er, bis ihn 1892 die Berufung als Chefpräsident des Oberlandesgerichts nach Celle führte. Die Kreuzzeitung' nennt' Herrn Schönstedt eine zielbewußte, talent- und charaktervolle Persönlichkeit. Er besitze auch in äußerlicher Beziehung die Qualität eines Justizministers in ganz hervorragendem Maße. Sie meint, daß, wer Schönstedt dienstlich kennen zu lernen Gelegenheit gehabt habe, stets den Eindruck gehabt hätte eines ganz ungewöhnlich befähigten Mannes. In der Handhabung der Präsidialgeschäfte innerhalb des Gerichts habe er Festigkeit und Bestimmtheit bewiesen. Von einer be- I stimmten politischen Stellungnahme desselben sei niemals etwas zu bemerken gewesen. Nach der Ansicht derjenigen, wonach die Politik den Charakter verdirbt, müßte dann allerdings Herr Schönstedt eine besonders charaktervolle Persönlichkeit sein. Daß Herr Schönstedt, schreibt die,National-Ztg.', — gleich dem Staatssekretär des Reichsjustizamts (Nieberding) — | katholisch ist, ward schon erwähnt; Hinneigung \
„SeienSie nicht grausam, Dolores," bat er weiter, „verlängern Sie nicht meine Qual durch Ihr Schweigen! Mein Gott, ist es Ihnen denn so entsetzlich, mich ein wenig lieb zu haben? Wollen Sie mein Weib
* „China ist verloren", hat der chinesische Diktator Prinz Kung ausgerufen, als gleichlautende Depeschen ihm nach Tientsin meldeten, alle Mächte hätten auf die Bitte um Einmischung ausweichende Antworten gegeben. In der That, diese Hiobspost fehlte noch, um nach der schmählichen Uebergabe von Port Arthur Chinas Ohnmacht aller Augen preiszugeben. Die Panik ist allgemein, und angesichts der herrschenden Verwirrung hat der einzige Mann, der noch an einen ordentlichen Widerstand glaubte, General v. Hanneken, die Nutzlosigkeit seiner Bemühungen ebenfalls eingesehen und hat Pecking seinem Schicksale überlassen. Das Volk beschimpft die M a n b a r i n e n in den Straßen, und nicht nur in Peking vernimmt man Beschimpfungen des Herrscherhauses. Es scheint in der That, daß die letzte Stunde der von dem Mandschnkaiser Schungffi 1646 gestifteten Dynastie Tsing geschlagen habe. Die Eroberung von Peking wird gleichbedeutend sein mit der Entthronung des jungen Kaisers Kuangsi und mit —unumcgtH uuu uic । dem Beginne nicht nur einer neuen Fürstenherrschast, Gegend verlassen." 'Er sprach mit leidenschaftlicher sondern auch einer neuen Zeit in dem verrotteten
Unwillkürlich faltete das junge Mädchen die schlanken Finger und preßte sie fest auf die Brust. Sie wollte das kleine, pochende Herz, das die Brust zu zersprengen drohte, zur Ruhe bringen. Wie ein Schleier lagen die langen Wimpern auf dem gesenkten Blick. Er sah, wie sie mit sich rang und doch kein Wort herausbrachte.
- München, 13. Nov. Die sozialdemokratische Kammerfraktion richtete an das Ministerium das Ersuchen, den Landtag wegen der Fuchsmühler- Vorgänge zu einer kurzen Session einzuberufen. — Der neu ernannte Bischof von Augsburg, P. Petrus Hötzl ist durch eine Sehnenverdehnung, die er vor einigen Wochen erlitt, an das Krankenlager gefesselt. Man hofft jedoch, daß das lästige Uebel bald ganz gehoben sein wird.
werden? O, antworten Sie! Ihre Worte sind für immer entscheidend! Und wie sie auch ausfallen mögen, nur kein mitleidiges Freundschafts-Anerbieten! Fürchten Sie nicht, daß ich nach dem Nein Ihnen noch jemals im Leben wieder nahe komme, ich würde in diesem Falle meine Stellung hier niederlegen und die
„Fürchten Sie sich vor mir, Dolores?" flüsterte er weich und innig; „und ich habe Sie doch so herzlich lieb. Sehen Sie, was die Seele mir bewegte, es ist schon ausgesprochen." Dolores erschrak bei diesen Worten, allein Marcial fuhr fort: „Doch der Weg ist frei, drei Schritte und Sie sind zu der munteren Gesellschaft zurück. Lassen Sie mich allein, wenn ich Ihnen mit meiner Erklärung wehe gethau." Er ließ bei diesen Worten ihren Arm los.
schönem. Arm und Reich lagerte in bester Harmonie zusammen; für diesen Tag hörten die Standesunter- schiede auf. Der' große Rasenplatz war die Tafel und die schattigen Bäume der Baldachin, mit dem der liebe 'Gott seinen großen Natursaal überdeckte. Heute hat Jeder dasselbe Recht. Bettler gehen von einem Tisch zum andern, sie erhalten überall ihren Antheil. Es ist eine Freundlichkeit und Güte, ein Begrüßen und Jubeln, ein Gesang, als wäre für einen Tag das verlorene Paradies zurückgekehrt, als hätte alles Leid, alle Sorge ein Ende genommen. Warum sollte es auch nicht! Man hatte es ja dem mächtigen Fürbitter anvertraut — und er hatte an seinem Festtage schon manchen Familienzwist gesühnt, schon manches junge Herz getröstet. Das wußte die Jugend gar wohl. Auch rechnete sie nach der schönen erbauenden kirchlichen Feier auf die kleinen Promenaden in dem duftigen Walde und auf ein munteres Tänzchen.
Dolores war in einem einfachen, reizenden Sommer- kostüm. Sie strahlte vor Vergnügen, als sie von Marcial zum Tanzplatze geführt wurde. Auf den heutigen Tag hatte Marcial seine Hoffnung gesetzt, den freundschaftlichen Verkehr zu einem bindenden für das Leben zu machen.
***» „Lassen Sie uns statt zu tanzen eine kurze Promenade machen," sagte er in halbleisem Tone. „Ich bitte Sie dringend darum; ich habe Ihnen etwas zu sagen."
„O nein, nicht jetzt!" bat sie ängstlich.
SB ! Hörte er sie nicht oder wollte er nicht hören; er hielt ihren Arm fester und zog sie sanft, aber entschieden in die nächste Seiten-Allee, die zufällig von
Heftigkeit, mit gebieterischem Stolze. Sie wußte, daß Reiche der Mitte, es sein Ernst war und nicht eine bloße Redensart, um ihr Jawort zu erzwingen. (Fortsetzung folgt.) I
jum Klerikal! sm ns scheint aber nach dem, was l Wahlbezirk Wiesau 31 sozialistische Stimmen abqeqe-
«»s Herrn Schönstedts persönliche Verhält- 6cr. wurden; dich L, J ™
nifte (Mischehe?) geschrieben wird, ausgeschlossen. Die beitern in Wiesau herrühren. "
brave ,Natwnal-Ztg.' ist also bezüglich des Katho- I * sm«»*.« 1Q rrsl- r-.t.vx. < .«r v
lizismus des neuen Ministers „beruhigt", hinsichtlich seiner Eignung als Minister will sie, während sie über seine bisherige Thätigkeit freundlich urtheilt, abwarten. Auch wir wollen warten.
Ausland.
* Wien, 13. Nov. Der erste niederösterreichische Katholikentag wurde gestern Abend unter außerordentlichem Andrang eröffnet. Der große Musikvereins- Saal war bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Anwesend waren Nuntius Agliardi und Armeebischof Belopotocky. Die Redner, Abg. Lueger, Fürst Liechtenstein und Redemptoristen-Pater Freund, sprachen unter stürmischem Beifall. Heute sprechen Kardinal Gruscha, die Abg. Graf Sylva-Taronca und Pattai. Zum ersten Mal in Oesterreich hat die Regierung einen Polizei-Kommissar zum Katholikentag entsendet.
— Weihbischof Johann Puzyna in Lemberg ist als Nachfolger des Kardinals Dungjewski zum Fürstbischof von Krakau ernannt worden.
* Brüssel, 14. Nov. Die Eröffnung der Session ist ohne jede Ruhestörung vor sich gegangen. Nur wenige Zuschauer waren vor dem Parlamentsgebäude. Einige Rufe „Es lebe das Volk" wurden vernommen, sowie die „Marseillaise" beim Eintreten der sozialistischen Vertreter. Die Sitzung wurde eröffnet durch eine Ansprache des Alterspräsidenten Coomans, der das Beileid zum Tode des Zaren ausprach. Die Kammer konstituirte sich sofort in Wahlprüfungs- Kommissionen. Der Justizminister legte Aktenstücke vor über die Verhaftung des Abgeordneten Brenez, welcher abwesend ist. Die Sozialisten werden dessen Freilassung während der Session verlangen. — In der Kammer und im Senate wurde die Erklärung verlesen, die die Regierung anläßlich des Todes des Zaren nach Petersburg sendet. Der sozialistische | Senator Desessarts weigerte sich, dieser Erklärung I zuzustimmen. — Die Kammer wählte de Lantsheere mit 87 von 131 Stimmen wieder zu ihrem Präsidenten. Leon Defuisseaux (Sozialist) erhielt 26 Stimmen. 18 Zettel waren unbeschrieben.
* Petersburg, 14. Nov. Heute trafen der König von Griechenland und Prinz Georg, die vom Kaiser und mehreren Großfürsten, der Königin von Griechenland, dem Prinzen Peter von Oldenburg empfangen wurden, hier ein. Die Ehrenwache bildete eine Rotte des Jsmailowscheu Garderegiments. Auch die belgische Deputation unter Baron Wikeeslo ist heute hier angelangt.
* In den eroberten Süddistrikten der Mandschurei beginnen die Japanesen sich bereits häuslich einzurichten. Unter dem Schutz der japanesischen Regierung ist eine Lokalregierung in An-tong für das chinesische Land errichtet worden. Die Regierung hat den Chinesen die Steuern auf ein Jahr erlassen. — In China nimmt bei dem Planmäßigen Fortschreitender Japanesen und der Ergebnißlosigkeit des Anrufes der Mächte die Verwirrung und Kopflosigkeit immer mehr überhand. Aus London wird der ,Voff. Ztg.' gemeldet, daß die chinesische Regierung sich nochmals an die Vertreter Englands, Amerikas, Frankreichs und Deutschlands mit dem Ersuchen um Intervention gewandt hat unter dem Hinzufügen, sie sei bereit, Frieden um jeden Preis zu schließen.
* Shanghai, 12. Nov. Die Macht Li-Hnng- Tschangs schwindet immer mehr, er besitzt keinen Einfluß, und seine Feinde jauchzen öffentlich über seinen Sturz. In Shanghai glaubt man, daß der Vizekönig sich in stillem Einverständniß mit den Japanern befindet.
* Für die Vorlage betr. die Abwehr von Umsturz- bestrebungen ist die kaiserliche Ermächtigung zur Einbringung beim Bnndesrathe ertheilt worden. Die Nachricht, daß die Vorlage bereits vor einigen Tagen dem Bundesrathe zugegangen sei, war somit verfrüht.
* Eine Vorlage betr. die Ausdehnung des Anerbenrechts auf die Rentengüter und Ansiedlungen wird der ,Post' zufolge dem Landtage wahrscheinlich schon m seiner nächsten Tagung als eins der Ergebnisse der vor einiger Zeit im landwirthschaftlichen Ministerium abgehaltenen Sachverständigenkonferenzen zugehen.
* Ueber Wittboois Unterwerfung berichtet die,Südafrikanische Ztg.': Als Major Leutwein ihn aufforderte, sich im deutschen Lager zu stellen, weigerte sich Wittboois dies zu thun und richtete dieselbe Forderung an den Major. Trotz vielfacher Warnung hatte dieser den Muth dazu und kletterte von nur zwei Mann begleitet, über Felsen und Geröll in Wittboois Lager, wo er jubelnd von dem stark erschöpften Feinde empfangen wurde. Der Friedensschluß ist denn auch ein ehrlicher und hoffentlich dauernder geworden; wie ans nachstehender Proklamation des Landeshauptmanns hervorgeht: Wir geben dieselbe im Wortlaut wieder:
Nachdem der Kapitän Hendrik Wittbooi,das Nutzlose eines längeren Widerstandes einsehend, sich unter die Schutzherrschaft des deutschen Kaisers gestellt hat, so tritt die Proklamation der kaiserlichen Landeshauptmannschaft vom 5. April d. I. hiermit außer Kraft. Der Kapitän Wittboois hat gelobt mit allen Kapitänin und Stämmen des deutschen Schutzgebietes in Frieden zu leben und sich von jetzt ab lediglich der Regie- rung seines Volkes widmen zu wollen. Als künftigen Wohnsitz hat sich Kapitän Wittboois seinen alten Stammsitz Gibeon ausgebeten und habe ich ihm denselben, diesem Wunsche gern Rechnung tragend, zurückgegeben. Bei dem festen Charakter des Kapitän Wittboois ist gewiß, daß derselbe sein Wort treu und redlich halten und der kaiserlichen Regierung, wie er bisber ein ehrlicher Feind gewesen ist, so auch künftig ein ehrlicher Freund sein wird, somit bei bereit auf das Wohl des Nama- landes gerichteten Bestreben eine zuverlässige Stütze. Im Lager der Nauklufi, 16. September 1894. Der kaiserliche Landeshauptmann gez. Leutwein, Major.
* Bei der Rcichstagsstichwahl in Bernbnrg-Cothen ist Professor Dr. Friedberg (ntl.) gegen den Gastwirth Schulze (Soz.) mit etwa 2000 Stimmen Mehrheit gewählt worden.
* Die ,Amb. Volksztg.' veröffentlicht eine genaue Liste über die Opfer der Bayonnette in Fuchsmühl; sie zählt 2 Todte, 4 Schwerverwundete, von denen übrigens einer schon wieder arbeitsfähig ist und 14 Leichtverwundete auf. Unter den letztem befinden sich auch zwei Frauen. Fast alle Verletzten haben Stiche im Rücken, einer sogar 18 Stiche. Leider hat der Anwalt der Fuchsmühler in zweiter Instanz einen Fehler begangen, indem er, nachdem das Oberlandesgericht Nürnberg einstweilige Verfügung auf Verabfolgung der Forstrechte für 1893 erlösten hatte, dm vierzehntägigen Termin der Zustellung an den Baron Zoller versäumte. Wäre dies nicht geschehen, so hätte man den blutigen Zusammenstoß überhaupt nicht erlebt. Den an das Landgericht Weiden gestellten Antrag auf Vollstreckung jener Verfügung mußte dieses auf den formellen Einwand des Baron Zoller hin ablehnen. Berichtigt fei noch, daß bei der letzten Reichstagswahl nicht in Fuchsmühl, sondern im ganzen
Bekannten leer war. Sie zitterte, sie ahnte, was er ihr sagen würde.