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Freitag, den 16. November 1894. 21. Jahrgang
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mit UntrrhalKmgs-Krttage „Sterne und Klurnrn".________________
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Tas ruMche Kaiserhaus Romanow und die katholische Kirche.
(Schluß.)
Ihr Sohn, Kaiser Paul !. (1786—1801) zeigte sich gegen die Unirten etwas milder und gab ihnen die Bisthümer Luck und Brecze, sowie einige Basilianerklöster zurück, aber er fiel am 20. März 1801 als Opfer einer Palastrevolution durch Mörderhand.
Sein ältester Sohn und Nachfolger Alexander!. (1801—1825) gestaltete die Lage der Union wieder drückender. Auch ihm war gleich seinem Vater em gewaltsamer Tod zugedacht, um sein absolutes Regiment zum Falle zu bringen; allein sein früher Tod enthob die Verschworenen ihres blutigen Vorhabens.
Um so gewaltthätiger ging sein Nachfolger Nikolaus I. (1825—1855) vor. Der Verkauf und die Verbreitung von Katechismus und Andachtsbüchern für die Unirten wurden unterfagt; ihre ganze Kirchenregierung einem Konsistorium in Petersburg mit einem Schismatiker an der Spitze, übertragen. Die Diözese Luck aufgehoben, die beiden andern Bischöfe ihrer Gewalt beraubt, Klöster unterdrückt, oder in Pfarreien j umgewandelt, alle Kinder aus Ehen zwischen Unirten und Schismatikern mußten schismatisch erzogen, derartige Ehen selbst vor dem russischen Popen geschlossen werden; die Kinder wurden zu Tausenden den Eltern entrissen und ins Innere von Rußland geschleppt, um dort dem Schisma zugeführt zu werden; kein Lateiner durfte einem Unirten, auch in der äußersten Noth nicht, die Sakramente spenden; die Schulen wurden den Unirten geschlossen; schis- matische Geistliche und Bischöfe ihnen aufgedrängt, der Gottesdienst nach russischem Ritus vorgeschrieben und als endlich nach beispiellosen Wühlereien drei ihrer Bischöfe und einige Geistliche für das Schisma gewonnen waren, am 12. Februar 1839 die so verhaßte Union von 1595 für aufgehoben erklärt und die Unirten massenhaft unter Drohungen und Gewalt in die russische Staatskirche geschleppt. Alle Gegenbemühungen und Proteste des römischen Stuhles blieben vergeblich; die Widerstrebenden wurden hart bestraft, mißhandelt, gefangen gesetzt oder nach Sibirien verbannt; Predigten, Religionsunterricht unter den schwersten Strafen ihnen verboten; die Rückkehr der mit Gewalt schismatisch Gemachten zur römischen Gemeinschaft mit Einziehung ihres Vermögens geahndet, und den gequälten Leuten überdies noch vorgelogen, daß Rom sie aufgegeben habe. Auch die bis dahin mehr geschonten lateinischen Katholiken des Kaiserreiches wurden hart bedrängt. Trotz all' dieser schreienden Gewaltthaten hatte Nikolaus noch die Stirne, den Papst im Jahre 1845 in Rom zu besuchen, wo Gregor XVI. ihm persönlich die nachdrücklichsten Vorstellungen machte. Der Kaiser versprach zwar in allgemeinen Wendungen Abhülfe, ließ auch 1847 mit Pius IX. ein Konkordat ab
schließen; allein die darin gegebenen Zusagen wurden nicht gehalten, die Verfolgung wüthete weiter, und nahm immer größere Ausdehnung an. Die Unterdrückung der katholischen Kirche in Rußland und ihre SchiS- matisirung war und blieb das Ziel des Despoten bis zu seinem Tode (1855.)
Unter seinem Nachfolger Alexander kl. wurde das blutige Werk fortgesetzt und die Maßregeln, als die Polen im Jahre 1863 in ihrer Verzweiflung sich erhoben hatten, noch verschärft. In Polen und Lithauen hausten die Kosacken in unerhörter Weise, Kirchen wurden auf das Schmachvollste entweiht, Geistliche in den Kerker geworfen, nach Sibirien gefchickt, Klöster aufgehoben, die Rhvtenen durch Militär in die schls- matischen Kirchen geschleppt, und zum Empfange der Kommunion aus der Hand der russischen Popen gezwungen, die russische Sprache beim Gottesdienste vorgeschrieben, katholische Adelige gefangen gesetzt, verbannt, ihrer Güter beraubt, und diese den Schismatikern zugesprochen; bald nach 1870 wurden die letzten Klöster aufgehoben, 1875 das unirte Bistkmm Chelm unterdrückt u. f. w. Seitdem ist fast kein Jahr vergangen, daß nicht neue Gewaltthaten der Regierung gegen die Katholiken durch die Blätter gegangen; sie sind noch allgemein in der Erinnerung. Mit Feuer und Schwert, Gewalt und List hat das Zarenthum gegen die katholische Kirche in seinem Reiche bis in unsere Tage gewüthet; das Haus Romanow hat in der That mit Blut und Thränen die Geschichte seiner katholischen Unterthanen gemacht und geschrieben.
Aber Gott hat auch die Geschichte dieses Kaffes Hauses in ähnlicher Weise schreiben lassen — durch den Nihilismus. Das entsetzliche Ende Alexanders 11., das qualvolle Leben Alexanders 111., sem tragischer Tod im rüstigsten Mannesalter geben mehr als genug zu denken. Gewiß; wir wollen an seiner Bahre keinen Gedanken der Racke Raum geben ; was ihm und seinen Vorgängern an den Katholiken in dem weiten russischen Reiche persönlich und was dem Fanatismus roher, entmenschter Beamten und Soldaten zur Last fällt, das zu entscheiden, darüber zu richten, steht Gott allein zu. Wer aber die im Vorstehenden nur kurz angedeuteten Ereignisse auch nur flüchtig überdenkt, der wird Angesichts der inneren Erschütterungen, von welchem das Zarenreich seit Jahrzehnten heimge- sucht wird, und der schrecklichen Mitleidenschaft, in welche das Kaiserhaus gezogen wurde, nicht umhin können, die Hand Gottes zu erkennen, dessen strafende Gerechtigkeit sich nicht immer erst im Jenseits kund- i gibt. Möge Kaiser Nikolaus II. sich von den verhängnißvollen Bahnen des ersten Nikolaus ferne halten! _____________________________(N- B.)
Dolores.
Roman von Th. K.
(7. Fortsetzung.)
5. Kapitel.
Treu wie die Tugend hält der Frevel sein Versprechen;
Was Leidenschaft gesäet, gedeiht nur im Verbrechen;
Und aus Verbrechen reist die inn're Sklaverei.
Tiedge.
Pedro hatte berichtet, mit dem giftigen Stachel der Eifersucht, in kalter Schadenfreude tief Don Pablo's Herz getroffen.
„Ich werde toll, wahnsinnig, wenn sie sein Weib wird! Ich werde sie tödten. oder ihn!" schrie er heiser. „Pedro, sage mir, daß Du lügst, um Geld zu verdienen, um Einfluß auf mich zu haben!" Er stand vor dem Krüppel, als wollte er ihn zermalmen.
„Glauben Sie mir nicht, Don Pablo?" fagte der Kleine, den Kopf noch tiefer in die hohen Schultern gedrückt. „Aber Sie sollten sie gesehen haben! Die Beiden sind das schönste Paar in ganz Spanien. „O, verzog er seinen breiten Mund, „sie waren zärtlich wie ein Paar Turteltäubchen; und diese feurigen Liebesblicke, sie rührten mich zu Thränen."
„Schweig, Kanaille!" rief Pablo wüthend gegen den "kleinen Kerl, „oder ich schlage Dir Dein böses Gehirn ein!"
theil welche im Langen Stall in feierlicher Weise vor sich ging. Nach der Vereidigung nahm der Kaiser militärische Meldungen, einschließlich jener, der zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Petersburg sich begebenden Abordnungen, entgegen. Bei der Rekruten- Vereidigung hielt derKaifer eine Ansprache, welche die Truppen mit einem dreifachen Hurrah erwiderten. Die Vereidigung der Rekruten der Berliner Garnison findet morgen, Donnerstag, Mittag statt.
* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht nunmehr amtlich, daß dem Justizminister Dr. v. Schelling die nach- qesuchte Entlassung aus seinem Amt unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers, sowie unter Verleihung des Großkreuzes des Rothen Adler- Ordens mit Eichenlaub und Brillanten in Gnaden bewilligt und der Oberlandesgerichts-Präsident Schönstedt in Celle zum Staats- und Justizmimster ernannt worden ist. — Wie gleichzeitig offiziös nnt- qetheilt wird, ist außer mit dem Oberlandesgerichts- Präsidenten Schönstedt mit dem Oberreichsanwalt Tessendorf wegen des Justizportefeuille verhandelt worden. Letzterer hat bekanntlich abgelehnt.
* Unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministeriums v. Bötticher, fand gestern Nachmittag eine Sitzung des preußischen Staatsmmlsterinms statt welcher auch der neue Landwirthschaftsminister, Freiherr v. Hammerstein - Loxten beiwohnte. Derselbe hat die Geschäfte des hannoverschen Landesdirektoriums bereits am Sonntag formell übergeben, kehrt aber noch auf einige Tage nach Hannover zurück.
* Der am Sonntag aus Petersburg zuruckgekehrte chinesische Gesandte hat noch an demselben Tage im hiesigen Auswärtigen Amte wegen einer Friedens- Verhandlung zwischen China und ^apan unterhandelt und über das Ergebmß seiner Vorstellungen gleich darauf nach Peking telegraphisch berichtet. Der Gesandte reist morgen, Mittwoch, wieder nach Petersburg um den Beisetzungsfeierlichkeiten bei- I ruwohnen und kommt dann wieder nach Berlin.
* Die Berliner Gewerkschaftskommission beschäftigte sich gestern wieder einmal mit dem Bicrboqkott. Es wurde mitgetheilt, daß die 33 Arbeiter, deren Wiederanstellung die Brauereien abgelehnt haben, nunmehr wieder untergebracht sind, und zwar zum Theil nt den nicht boykottirten Brauereien, zum Theil in der neu- gegründeten Brauerei Hohen-Schoenhaufen. Unterstützung erhalten noch 296 Arbeiter. Ueber die Spärlichkeit mit der jetzt die Unterstützungsgelder eingehen, wurde' lebhaft Klage geführt. Die Einberufung von gewerkschaftlichen Boykottversammlungen und die Ver- theilung eines neuen Flugblattes wurde abgelehnt. Man sieht der Boykott fängt an zu versumpfen.
* Solingen, 12. Nov. Bei ihrer Suche nach neuen Steuerquellen haben die hiesigen Stadtverordneten beschlossen, unter den Lustbarkeits-Steuern auch eine Abgabe von 6 M. für öfsentliche Aufzuge einzuführen. Dagegen läßt sich am Ende nicht
spannt setzte er sich endlich auf das Sopha, beide Hände an die fieberheißen Schläfe gedruckt.
Dolores, Du hättest mich retten können, Du warst mein' guter Engel. Du stürzest mich jetzt in dm Abarund aber - Du wirst mit mir untergeben! stöhnte er tief auf. Es war der Abschiedsgruß von Ehre und Gewissen. „Es gibt Menschen, die ihr Leben der Liebe weihen, meines sei dem Hasse geweiht. Die Ausregung legte sich, kalte Ruhe kam über ihn, und es dauerte nicht lange, bis er mit seinen Planen und seinem Handeln im Klaren war. Wie elektristrt schnell e er dann aus seiner brütenden Lage auf und packte seinen Koffer. .
Der Ingenieur ist dumm genug, zu glauben, mit Arbeit und Wissen voran zu kommen," lachte er höhnisch, „dumm genug, auf den Schurken Don Juan zu bauen. Famos! — ich werde ihm helfen, Lebenserfahrungen zu sammeln." Er war fertig und schellte.
„Sofort anspannen!" befahl er dem emtretenden Bedienten, der verwundert auf den Reisekoffer blickte, aber sich nicht erlaubte, eine Frage zu stellen. .
„Ich muß zum Abendzuge in Torre la vegei sem in einigen Tagen bin ich von Madrid zuruck. Melde das meinem Papa, wenn er zurück kommt.
i Don Juan wohnte als seiner Lebemann m einem komfortablen Hotel. Ungern hörte er die Meldung, I Don Pablo wünfche ihn zu sprechen. Er konnte in
Deutsches Reich.
Berlin, 14. November.
* Der Kaiser nahm heute Vormittag an der Vereidigung der Rekruten der Potsdamer Garnison
^Demüthig winselnd drängte sich Pedro noch mehr in eine Ecke. „Ganz wie Sie wollen, Sennor, aber wo finden Sie einen treueren Diener als ich bin? Ha, ha!" lachte er dann: „Ich würde den schönen Kavalier nicht tödten; der Tod ist für ihn nicht das schlimmste Hebet Ich würde seine Freundschaft, sein Vertrauen stehlen, und seine Stellung mir zu verschaffen suchen. Doch Sie sind ja klüger wie ich, und werden schon wissen, wo seine schwache Seite zu treffen ist; er ist stolz'und ehrgeizig, wie Luzifer! — Und für das Kind präpariren Sie die Carlistengeschichte, dann können sie sämmtlich zu Tode hungern. Möglicherweise kommt der tapfere Sohn als Krüppel heim, ich werde ihm dann großmüthig ein Kompagnie- geschäft Vorschlägen. — Eine noble Gesellschaft!"
„Laß mich allein! Fort! Hier hast Du Geld, bleib auf Deinem Posten!" Für den Augenblick schauderte selbst Pablo zurück vor seinem Vertrauten, der mit den heißesten Segenswünschen sich eilig entfernte.
Jetzt erst, hinter den geschlossenen Thüren, ließ er seiner Leidenschaft freien Lauf. Blaß, entstellt rannte er durch das Zimmer. Die Augen brannten ihm, und die Zunge klebte trocken am Gaumen. Er griff zu der Flasche und stürzte ein Glas schweren Weines nach dem andern hinunter, aber der Durst wurde nicht gelöscht. Stets deutlicher sah er seine Geliebte als I glückliche Braut in den Armen seines Rivalen. Abge-