Einzelbild herunterladen
 

21. Jahrgang

M 262 ' Donnerstag, den 15. November 1894. --

FiMklWZeitiiiift

mit Unterhaltnnss-KeUag- „Ktrrne ««d Ktumrn"._____________

Niederlassungen im Lande und auch die polnischen Könige traten meistens für die Verbindung mit Rom ein So blieben diese Unirten, die zum Therle erst gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts durch die Theilung Polens an Rußland kamen, der Union treu. Ihren Hauptsitz haben sie im heutigen westlichen Ruß­land, gewöhnlich Weißrußland genannt, d. h. m den acht Gouvernements Grodno, Kowno, Wilna, Minsk Mohilew, Witebsk, Podolien und Wolhynien. In den westlichen Distrikten ist die Bevölkerung pol­nisch, im Osten und Südosten wohnen Ruthenen und Rusniaken. . t ,

Gegen diese Union mit Rom, wendete sich nun das russische Zarenthum voll bittersten Hasses und suchte sie, unter dem Vorgeben, daß sie widerrechtlich zu Stande gekommen, mit allen Mitteln der List und blutigen Gewalt wieder zu beseitigen und die Unirten zum Schisma zurückzubringen. Die Verfolgungen, welche diefelben deshalb zu erleiden hatten und die bis in unsere Tage noch fortdauern, sind geradezu beispiellos und hat das gegenwärtig regierende Haus Romanow, das im Jahr 1613 mit Michail Feo- dorowitsch zur Herrschaft gelangte, aber 1730 m der männlichen Linie ausstarb, und seitdem nur m der weiblichen Linie noch besteht, dadurch eine entsetzliche Schuld auf sich geladen. .

Vor Allem war es die berüchtigte Kaiserin Katha­rina I (1762-1796), welche die Verfolgung und Unterdrückung der Unirten systematisch betrieb; sie ließ ihnen viele Kirchen mit Gewalt wegnehmen, und den Schismatikern ausliefern; ihre Agenten zogen im t.ande umher und suchten das Volk durch Verheißungen und Bestechungen aller Art z..,u Uebertritte zu verleiten; und wo dies nicht zum Ziel führte, wurde häusig rohe Gewalt angewendet; sie orgamsirte eine förmliche Gesellschaft von fchismatischen Geistlichen unter ^dem berüchtigten Archimandriten von Sluk, Viktor Sar- dowky, dem sie die reichsten Geldmittel behufs Ver­leitung der Unirten zum Abfalle zur Verfügung stellte. Zuletzt blieb den Hartbedrängten nur mehr der Bischofs­sitz von Poloczk. Ihre Seminarien und sonstigen aeistlichen Bildungsanstalten hob Katharina auf oder beschränkte sie; die Geistlichen selbst suchte sie moralisch zu korrumpiren, wobei ihr der elende Erzbischof Stanis­laus Siestrcencenvicz behülflich war. An zehntausend Pfarrki.^en und hundertundfünfzig Klöster ließ sie ihnen wegnehmen; die Zahl der zum Abfalle Ge­zwungenen wird auf acht Millionen berechnet.

(Schluß folgt.)

Dolores.

Roman von Th. K.

(6. Fortsetzung.)

Dolores war und blieb zerstreut. Sie konnte heute nicht beten. Noch niemals war sie so unzu­frieden mit sich felbst gewesen. Heute pflückte sie keine Blumen. . ,, t.

„Du kommst früh zurück, Kind, es war wohl keme Predigt?" fragte Donna Regina.

„Nur eine sehr kurze, Mama, es war auch weniger gut besucht dort; die Leute sind aus dem Felde zu sehr beschäftigt. Sieh', hier ist eine Visitenkarte, der Herr wünscht Papa in den nächsten Tagen seine Auf­wartung zu machen, wahrfcheinlich um feinen Rath einzuholen."

„Das finde ich doch sonderbar, wie Du zu dieser Bekanntschaft kommst, willst Du mir den Vorgang er­zählen?"

„Gewiß, Mama. Sein Weg führte ihn an mir vorbei; ob er nach feinen Gruben oder nach St. Toribio wollte, weiß ich nicht. An der Karte ist Pedro Schuld, der daher kam zu betteln, — möglicher­weise auch Moro, der ihm gefiel und aus Dankbarkeit Freundschaft schloß."

* Das russische Kaiserhaus Romanow und die katholische Kirche.

Das russische Kaiserhaus Romanow hat die Ge­schichte seiner katholischen Unterthanen mit Blut und Thränen geschrieben und dafür hat Gott auch die Geschichte dieses Kaiserhauses in Blut und Thranen schreiben lassen. So wird unwillkürlich em ^eoer denken und sagen müssen, der die Geschicke der katho­lischen Kirche in Rußland näher verfolgt, seitdem die Dynastie der Romanows den russischen Thron mne hat. Möge der nachstehende gedrängte Ueberbuck unseren Lesern zur Orientirung dienen.

Im Gebiete des heutigen europäischen Rußland bestanden im Mittelalter viele kleinere Fürstenthümer, in welchen das Christenthum seit der Mitte des neunten Jahrhunderts im Süden und Osten haupt­sächlich von Konstantinopel aus verbreitet wurde, während im Norden und Osten vorzugsweise römische Missionare wirkten. Die Geschicke der ersten Glaubens­boten, und die Ersolge ihrer Wirksamkeit sind ziemlich unbekannt geblieben. Die politische Zerrissenheit des Landes war auch der Missionsthätigkeit wenig günstig. Erst im zehnten und elften Jahrhundert machte das Christenthum in Rußland namentlich durch die Bemüh­ungen der heiligmäßigen 960 gestorbenen Fürstin Olga, und der Fürsten Wladimir I. (980—1014) und dessen Sohnes Jaroslaw (1019—1054) größere Fortschritte. Die große Stadt Kiew am Dnjepr wurde der Sitz eines Metropoliten;' außerdem erhoben sich noch drei andere Metropolen im Südosten und zwei weitere im Nordwesten, nämlich in Nowgorod und Rostow. Als der Fürst Iwan I. im Jahre 1333 durch die Mongolen zum Großfürsten von ganz Ruß­land ernannt worden war, wurde der Sitz der Metro­politen von Kiew, die seit 1299 in Wladimir restdirt hatten nach der Residenz Iwans, Moskau, verlegt. Die Bevölkerung blieb, je nachdem sie von Rom oder von Konstantinopel den christlichen Glauben ange­nommen, römisch-katholisch, oder griechisch-schlsmatlsch. Die durch Papst Eugen IV. (1431-1447) und den griechischen Kaiser Johannes Paläologus auf der sieb­zehnten ökumenischen Synode zu Ferrara-Florenz er­strebte und von dem Moskauer Metropoliten ^5 s l d 0 r warm geförderte Vereinigung der Schismatiker mit der römischen Kirche fand weder im byzantinischen Kaiser­reiche, noch in Rußland Anklang; Isidor wurde sogar einqekerkert und flüchtete dann nach Rom, wo er 1463 als Kardinal starb. Die Verfolgung dieses Patriarchen führte indeffen in dem meist römisch-katholischen Llthauen dahin, daß die russisch-griechischen Bischöfe des Landes sich von Moskau abwandten und unter einen selbst- gewählten Metropoliten von Kiew stellten, der sich tm Jahre 1594 noch mit sieben anderen Bischöfen, vor­behaltlich des Fortgebrauches ihres befonderen Ritus, auf der Synode zn Brecze (Brest) mit dem aposto­lischen Stuhl zu Rom unter Papst Klemens VI!I vereinigte. Die nachfolgenden Päpste bestätigten und förderten diese Union, die Jesuiten gründeten viele

aussichtlich zu erwartenden ungünstigen Witterung ab­bestellt worden. . „ .,,, .

* Die Verschiebung des Beginns der Reichstags- Session ans den 5. Dezember hat, wie der Münchener Alla. Ztq.' „von gut unterrichteter Seite mitgetheilt wird ihren Grund in der Absicht des Reichskanzlers, die von der Regierung der Volksvertretung zu unter­breitenden Vorlagen eingehend durchzuarbeiten, um sich darüber entscheiden zu können. Es ist anzunehmen, daß Fürst Hohenlohe mit einer bedeutungs­vollen Kundgebung vor den Reichstag treten wird. Ein Mann von seiner Stellung kann nicht schweigend vor der Volksvertretung des Reiches er­scheinen; man erwartet von ihm, daß er sich über die Grundzüge des neuen Regiments ausiprechen werde. Die Verzögerung des Sessionsbeginns entspringt also dem Entschlüsse des Reichskanzlers, em wirklicher Leiter der Geschäfte zu sein, der sich nicht auf die Arbeiten seines Vorgängers oder seiner Unter­gebenen verläßt." — In dem letzten Satze scheint das bismarckische Organ eine kleine Bosheit gegen Caprivi mit einem Lobe für den Fürsten Hohenlohe verknüpfen zu wollen. Freilich wird auch jetzt noch für den neuen Reichskanzler die Zeit kurz bemessen fem, in welcher er „die von der Regierung der Volksvertretung zu unterbreitenden Vorlagen eingehend durcharbeiten will; vom 15. November bis 5. Dezember sind noch nicht volle drei Wochen. - Die Eröffnungs- Sitzung des Reichstags am Mittwoch, 5^Dezember, wird dem Vernehmen nach im alten Reichstags- Gebäude stattfinden. Nach Beendigung der Em- weihunqsfeierlichkeiten im neuen Reichstagsgebaude be­gehen sich die Abgeordneten um 2 Uhr Nachmittags nach der Leipzigerstraße, um sich im alten Sitzungs­saale zu versammeln. Hier wird der Namensaufruf vorqenommen und auch die nächste Tagesordnung fest- gestellt. Am Schlüsse der Sitzung wird Präsident v. Lewetzow ein Abschiedswort an dre Abgeordneten richten. Am 5. Dezember siedelt auch erst das Reichs­tagsbureau nach dem neuen Gebäude über.

* Der Gesetzentwurf betreffend die Reform des Börsenwesens wird dieser Tage dem Bundesrathe em-

gebracht.^ Reichskanzlers Fürsten Hohen­

lohe nach Süddeutschland hat offenbar einen hervor­ragenden politischen Zweck. Das Depefchenburean Herold will von besonderer Seite erfahren haben, daß der Reichskanzler die Höfe von München, Stuttgart und Karlsruhe nicht nur besuche, um sich als Reichs­kanzler vorzustellen, sondern auch um den süddeutschen Souveränen über die Vorgeschichte der Kanzler­krisis mündlich Aufklärung zu geben, ^rn be­sonderen werde Fürst Hohenlohe eine durch den Sturz Caprivi's angeblich entstandene Verstimmung des Groß­herzogs von Baden zu beseitigen suchen.

* Der deutsche Landwirthschaftsrath, der tnt Oktober er. in Berlin sich versammelt hatte, richtete au den derzeitigen Reichskanzler eine Eingabe, in welcher, wie die Leser wissen, Repressalien gegen tue Vereinigten iUine^ ernste^ Warnimgl^Bauen Sie nicht zu fest auf den Charakter von Don Juan. Enttäuschungen sind schwer zu tragen, und werden Ihnen nicht er­spart bleiben." _ . -

Eine Wolke des Unmuthes flog über das jugenb= hd)£ Äe stets strenge meine Pflicht erfüllen, und den Befehlen, die ich erhalte, soweit sie mit derselben nicht in Widerspruch stehen, pünktlich nachkommen. Trifft mich dann ein Unglück, scheitern nietne Hoff­nungen, - die Genugthuung, nach Kräften und besten Wissen gearbeitet zu haben, wird mich aufrecht halten.

Brav Herr Direktor! Es wäre schlecht von nur, mit "trüben Ahnungen, die Alter und Erfahrungen nut sich bringen die Elastieität der Jugend hemmen zu wollen." Dem Muthigen gehört die Welt!"

Marcial duldete es nicht lange mehr oben. Nach­dem er feine Befehle für den nächsten Tag gegeben, trat er den Heimweg an. .

Kaum dämmerte der nächste Morgen, als Marcial erwachte. Er sehnte sich darnach, Dolores wieder zu sehen. Sorgfältiger wie gewöhnlich machte er feine Toilette, und obschon er die doppelte Zeit dazu nothig hatte, immer noch fehlten einige Stunden, die ihm un­endlich lang erfchienen, bis zu der paffenden Besnchs-

Deutsches Keich.

Berlin, 13. November.

* Der Kaiser empfing heute den Präsidenten des Oberlandesgerichts in Celle, S ch ö n st e d t, der bekannt­lich als Nachfolger des Herrn v. Schellmg zum ^ustiz- miuistcr ernannt werden dürfte.

* Die auf heute Vormittag angefetzt gewesene Rekrutenvereidigung ist gestern Abend wegen der vor-

„Du sprichst unzusammenhängend und aufgeregt,

„Eigentlich nichts; — der häßliche Kobold hat mich geärgert, wie es nur immer sein bloßer Anblick schon thut „Du bist schon gestern deshalb bös auf mich ge- tvcicn.11

Es ist gut," versetzte Donna Regina, „aber ohne Begleitung wirst Du nicht wieder ausgehen, Du bist zu kindisch, fürchte ich." —

Marcial hatte während der ganzen Messe Dolores betrachtet, und war sich feiner Gefühle für sie klar geworden. Dann stieg er nach ihrem Fortgänge den Berg hinauf, immer ihr Bild vor seinen Augen. Der Obersteiger Gonfalo sah in die belebten Züge des jungen Mannes; er konnte sich heute nicht entschließen, einen Schatten in die freudigen Züge zu werfen, welche mit fo fröhlicbem Muthe in die Zukunft blickten. Marcial mußte feinen Gefühlen Lust machen, und wohl deshalb griff er nach der harten Hand, sie herzlich schüttend u m.r mit Jhnr Erfahrung und Bieder­keit "ein Freund, Gonfalo, denn ein solcher ist mir ebenso nöthig, wie ein treuer Beamter."

Es soll ein Wort sein, Sennorlto, und mein erster Beweis, daß ich es ehrlich mit Ihnen meine, besteht