eine Depesche hingetragen, und dabei sei auf ihn ge-
Dolores saß erschreckt und beschämt. Mädchenhafter Stolz brannte auf ihren Wangen und Thränen der Entrüstung traten ihr, trotz aller Anstrengung sie zu verbergen, in die Augen. Sie fühlte sich beschimpft für immer. Mit der aufrichtigsten Theil- nahme betrachtete Don Marcial stumm das junge Mädchen. Sie schien ihm hinreißend schön; er fühlte, diesen Eindruck würde er niemals wieder vergessen können. Sie ward sein Ideal, dem er nachzustreben hatte.
Am Nachmittage: 2. Cor. 6, 1, 2: „Wir ermahnen aber euch — jetzt ist der Tag des Heils."
Wir empfehlen diese Verfügung einer protestantischen Regierung in einem deutschen Bundesstaate, welche katholischen Geistlichen sogar die Predigt- Terte vorschreibt, namentlich allen evangelischen Blättern zur besonderen Beachtung, welche sich über Spanien u. s. w. beklagen. Wenn im Auftrage eines katholischen Regenten und einer katholischen Regierung in Deutschland eine solche Verfügung erlassen würde, wenn beispielsweise Prinzregem Luitpold von Bayern dem Hofprediger Stöcker, der dazu noch ein Preuße ist, die Bibeltexte für seine Predigten beim Sommeranfenthalte in Partenkirchen vorschreiben wollte - welches Zetergeschrei über Intoleranz würde sich dann wohl in der gesammten protestantischen Presse erheben?
* Hamburg, 10. Novbr. Der gestern hier eingetroffene Dampfer „Persia" bracht« 337 lebende Ochsen und eine Ladung geschlachteten Fleisches aus Am eri ka mit. Die „Persia" verließ Newyork am 27. Oktober. Die Vieheinfuhr wurde bekanntlich am 28. Oktober verboten. . Die Thiere wurden in dem Viehhof auf der Sternschanze untergebracht.
Nachts 300 Schritte vom Schlosse vorbeigeführt.
* Aus dem Herzogthum Braunschweig, 10. Nov. Die Stellung der katholischen Kirche in Braunschweig wird durch folgende Ministerial-Verfügung, welche den katholischen Geistlichen im Herzogthum Braunschweig dieser Tage zugegangen ist, wiederum klar beleuchtet:
Im Auftrage Sr. Königl. Hoheit, des Prinzen Albrecht von Preußen rc., Regenten des Herzogthums Braunschweig, lassen wir Ihnen anliegend in einem Exemplare die Bezeichnung der biblischen Texte, welche den Predigten an dem auf dem 21.November d.J. fallenden Buß- und Bettag zumGeunde zu legen sind, zuqehen und beauftragen Sie, solche bei den gottesdienstlichen Versammlungen Ihrer Glaubensgenossen an dem bezeichneten Tage zu benutzen.
Braunschweig, den 30. Oktober 1894.
München, 10. Nov. Der Pfarrer von Wiesau läßt eine Erklärung gegen die offiziellen militärischen Darlegungen in der Fuchsmühler Affäre veröffentlichen, worin er sagt, es sei k e i n Widerstand mit den Werkzeugen geleistet worden. Die Leute seien der Aufforderung, die Werkzeuge wegzulegen, nachgekommen, und erst als der Angriff erfolgte, hätten sie die Werkzeuge wieder ausgenommen, um damit fortzugehen. Die beiden Getödteten hätten die Aexte in der Hand gehabt, weil sie gehen wollten und nicht, um sich zu wehren. Mit Steinen sei nicht geworfen worden. Viele hätten nicht mehr laufen können und den Soldaten zugerufen: „Wir können nicht so schnell laufen", da hätten sie einen Stich oder Stoß bekommen. Eine
* Angesichts der erschreckenden Zunahme der Meineide hat die Generalsynode beschlossen, an den evangelischen Oberkirchenrath die dringende Bitte zu richten, dahin zu wirken, daß mit allen der Kirche zu Gebote stehenden Mitteln das Gewissen des evangelischen Volkes betreffs der Bedeutung und Heilighaltung des Eides überall geschärft und gestärkt werde; ferner bei den Reichs- und Staatsbehörden vorstellig zu werden, daß die Zahl der Eidesleistungen möglichst beschränkt, die seelsorgerische Eidesbelehrung im Laufe des Prozesses ermöglicht, die konfessionelle Eides- formel gesetzlich wieder hergestellt, die Vereidigung von Christen nur von christlichen Richtern auf dem Verwaltungswege ermöglicht und der Eidesleistung vor Gericht eine der Heiligkeit der Sache entsprechende Feierlichkeit gegeben werde.
zigen, dann wird jedenfalls Der gute Erfolg nicht ausbleiben. Die Schwarze'sche Schrift verdient daher allerseits ernste Beachtung und wird hoffentlich recht aufmerksam gelesen werden. Der Umstand, daß der Reinertrag von dem Verfasser für den Bau der Ludwigskirche (Windthorstkirche) in Berlin bestimmt ist, dürste ebenfalls für die Katholiken ein Ansporn sein, die Broschüre, die nur 60 Pfg. kostet, recht fleißig zu kaufen.
* Chinas Gesuch um Vermittelung zum Frieden mit Japan ist auf unstuchtbaren Boden gefallen. Von den europäischen Vertragsmächten hat sich aber bisher noch keiner bereit erklärt, den Antrag auf eine gemeinsame Vermittelung zu stellen oder eine Vermittelung auf eigene Faust zu versuchen. Die englische Regierung wäre „die nächste dazu", aber nachdem sie sich vor kurzem erst die Finger verbrannt hat, scheut sie das Feuer. In Paris hat man den chinesischen Bettelmann höflich abfallen lassen, weil man dort erst wissen muß, was Rußland dazu sagt. In Deutschland ist jetzt ein neuer Reichskanzler, aber noch der alte Staatssekretär, und wir glauben nicht, daß unsere auswärtige Politik sich den Luxus überraschender Wendungen gestatten wird. Oesterreich hat kein Interesse an der Sache. Italien an sich auch nicht; es könnte höchstens versucht sein, den Engländern durch Zuwerfen des Balles einen Gefallen zu thun. Rußland ist an der Entwickelung in Hinterasien sehr stark inter- essirt, aber es wird sich für den Frieden erst dann interessiren, wenn es selbst dabei gehörig profitiren I kann: ein Stück vom nördlichen China oder einen eisfreien Hafen in Korea oder beides zusammen. Zur ZitRußland in Hinterasien nicht die nöthigen ..... -------------- UU| uus
Streitkräfte, um seinen „Fnedenswünschen" Nachdruck Schloß hätten machen wollen. Der Briefträger habe zu geben; es kann ihm also nur recht sein, wenn der eine Depesche hingetragen, und dabei sei auf ihn ge- Kneg und die Zertrümmerung Chinas vorläufig ihren schossen worden. Mehrere Holzhauer habe ihr Weg Fortgang nehmen. Die Japaner endlich werden nicht """ -— " " '
so bescheiden sein, daß sie sich mit einer Geldsumme und dem förmlichen Verzicht auf eine tatsächlich verlorene Oberherrschaft zur Umkehr von ihrer Siegeslaufbahn bewegen lassen. Die Halbinsel von Port Arthur und das südliche Stück der Mandschurei, welche bisher von den Japanern besetzt sind, bilden winzige Kleinigkeiten im Vergleich zu dem ungeheuren chinesischen Reich; kein Ort von großem, dem Volksgeist heiligen Namen ist bisher gefallen. Die Japaner müssen mindestens Peking und Mukden haben, ehe sie bei der Masse des chinesischen Volkes Respekt bekommen. Ein ernstlicher Widerstand ist kaum noch zu erwarten; zu einem Volkskrieg läßt es die chinesische Feigheit und Zügellosigkeit wohl nicht kommen. Die Japaner ihrerseits gehen nach allem, was man hört, recht menschlich gegen die feindliche Bevölkerung vor. Dabei haben die Japaner stets so bedächtig und mit der größten strategischen Vorsicht operirt, daß ein Rückschlag, der zu weiterem Blutvergießen führen müßte, nicht zu befürchten ist. Die europäischen Mächte können also ruhig den Dingen ihre natürliche Entwickelung lassen. Vom christlichen Standpunkt ist es gar nicht zu beklagen, wenn das große chinesische Reich mit seinem verrotteten Beamtenthum in die Brüche geht und der christlichen Missionsarbeit neue Bahnen eröffnet werden.
Mit boshaftem Lachen ging er weiter. Das war ein Fang!" jubelte der Bettler, „das kann mir dreifachen Nutzen bringen, von ihm, und ihr und dem Sennor da."
genaue gerichtliche Obduktion der Leichen sei nicht erfolgt. Der Pfarrer erklärt es für unwahr, daß die Fuchsmühler um Mitternacht einen Angriff auf das
„Die hl. Jungfrau schütze Sie, Sennorita, und Ihr Liebchen, den schmucken Caballero! Ich will es dem St. Toribio sageu, er möge einen guten Ausgang den Bittfahrten der jungen Herrschaften verleihen."
„Der giftige Biß der Schlange oder eine^ tollen erwiderte Dolores, „und Sie kennnen nicht seine Wirkung. Pedro ist zu Allem fähig und wohnt in unserer nächsten Nähe, in Otero."
„Dann, Sennorita, müssen Sie mir die Erlaub- niß geben, mich Ihren Eltern so bald wie möglich
Herzog! Braunschw.-Lüneb. Staatsministerium. Spieß.
Biblische Texte zu den Predigten, welche an dem auf den 21. November 1894 fallenden Buß- und Bettage in den Kirchen des Herzogthums Braunschweig gehalten werden sollen:
Am.Vormittage: Jer. 14, 20, 21: „Herr, wir erkennen unser gottloses Wesen an und laß Deinen Bund mit uns nicht aufhören."
Pedro hinkte heran. „Gelobt sei der Herr!" sagte er pathetisch, wie viele seines Gleichen. „Caballero, ein armer Krüppel bittet um eine milde Gabe. Gott segne Euer Gnaden ewiglich!" n___
m Dolores war peinlich überrascht. Das entging I Hundes wirk? tödtlich"" Pedro nicht. <=-- ' •' ■ ” •
„Donna Dolores", sagte er nach einer Weile, „über Beleidigungen wie diese, muß man sich hinwegsetzen können, man schüttelt sie ab."
Ausland.
* In Oesterreich-Ungarn bedroht die leidige Natio- nalitäten-Frage wieder einmal eine gedeihliche gesetzgeberische Arbeit. Statt endlich einmal Emst mit der Wahlreform zu machen und die Schulreform aus ihrem Dornröschenschlafe zu erwecken, katzbalgt man sich wegen der zweisprachigen Straßenschilder in Istrien. Während bisher die Straßenschilder und Tafeln an den Gerichtsgebäuden dort nur in italienischer Sprache abgefaßt waren, wurden auf einmal doppelsprachige Tafeln, nämlich mit italienischer und slovenischer Aufschrift angebracht. Das erregte den Zorn der Italiener derart, daß es namentlich in Pirano zu argen Tumulten kam. Beinahe wäre sogar die ganze schöne „Koalition" wegen dieser hochwichtigen Tafelfrage verkracht. Es wird jetzt nach Kräften wieder geleimt und geflickt an dem morschen Baue. Wie lange er wohl noch halten mag?
* Wien, 9. Nov. Die Katholiken Niederösterreichs haben sich in der habsburgischen Monarchie stets durch ihre Entschiedenheit auf politischem und religiösem Gebiete ^ausgezeichnet. Fand doch auch vor zwei Jahren zu Linz der dritte allgemeine Katholikentag für Oesterreich statt. Da nun in diesem Herbst der geplante vierte allgemeine Katholikentag der Unentschiedenheit so vieler Katholiken zum Opfer gefallen ist, wird wenigstens ein theilweiser Ersatz dafür geboten werden in dem „niederösterreichischen Katholikentag", der auf den 12. und 13. November nach Wien berufen ist. Sicher wird dort auch ein weiterer Schritt gethan werden zum Bündniß der echten Konservativen und der Christlich-sozialen gegen den gemeinsamen Feind, den das Volk verderbenden und aussaugenden „Liberalismus." Herr Abg. Dr. Lieber wurde gebeten, an dem Katholikentag theil- zunehmen. Derselbe hält am 13. November die Schluß- ! rede über das Thema: Kirche und soziale Frage.
* Brüssel, 10. Nov. Wie der ,Courier' meldet, haben die katholischen Vereine beschlossen, in sämmt- lichen Gemeinden eine Organisation gegen die Sozialisten zu begründen, welche die Sozialisten mit Versammlungen, Flugblättern und christlichsozialen Schöpfungen bekämpfen soll.
* Wie die garantirte Freiheit des Papstes von der italienischen Regierung aufgefaßt wird, das zeigt folgender Vorfall wieder einmal recht deutlich. Unlängst wurde der langjährige Leiter des ,Moniteur de Rome', Msgr. Böglin, ein Mann, der mit hingebender Selbstlosigkeit die Sache des Papstthums verfochten hat, aus gewiesen. Er hatte sich durch Angriffe auf verschiedene „hohe Personen", Crispi zum Beispiel, „lästig gemacht", Angriffe, die bei seiner Stellungnahme ganz begreiflich waren. Der Urgrund dieser Ausweisung war lediglich der Wunsch der Regierung, dem Papste wieder einen muthigen Vorkämpfer seiner Rechte zu entziehen, da das von Böglin gegründete und unterhaltene Blatt mit ihm verschwinden mußte. Msgr. Böglin erhielt vom hl. Vater selbst eine besondere Auszeichnung durch einen ihm vom Kardinal Rampolla zugesandten Brief, worin ihm die Anerkennung des Papstes für seine langjährige Thätigkeit ausgesprochen und die Ausweisung als eine Intrigue getadelt wird. Eine ganze Reihe von Blättern, auch liberale, haben seiner Zeit die Ausweisung Böglin's getadelt, und sie druckten nun auch dieses im Auftrage des Papstes erfolgte Anschreiben des Kardinalstaals-
sekretärs ab. Und was geschieht nun? Diese Zeitungen werden jetzt unter Anklage gestellt wegen Beleidigung des Justizministers. Wenn also der Papst über schmähliche Maßnahmen der italienischen Regierung sich tadelnd äußert und Zeitungen diesen Tadel mittheilen, so werden sie wegen Beleidigung verfolgt. Der Papst hat also in Rom, der Erbstadt des Statthalters Christi, nicht mehr das Recht zu sagen, was er will.
* Moskau, 11. Nov. Bei Fackellicht beendigten in vergangener Nacht Tausende von Arbeitern den vorzustellen. Es ist dann seiner Erzählung die Spitze gebrochen. Als Freund oder Bekannter Ihres Hauses verliert die Mittheilung jede romantische Deutung, jede pikante Färbung. Ich werde des Burschen wegen Sie zur Kirche begleiten, so bald Sie wollen. Hier ist meine Karte", sagte er, als sie noch zögernd vor sich hinsah.
„Marcial de Bretanes", las sie halb neugierig. „Ingenieur der französischen Gesellschaft."
„Ich habe schon viel von Ihnen gehört, Herr Ingenieur. Da sind Sie ja schon oft in Castro gewesen, denn von Don Pablo haben Sie die Gruben gekauft?"
„Ich nicht, Donna Dolores, mein Chef besorgt die Ankäufe."
„Das freut mich, denn mit Don Pablo sind schwerlich gute Geschäfte zu machen. Er gewinnt immer, darauf verlassen Sie sich. Prüfen Sie vorsichtig! Ich habe Sie gewarnt", sagte sie fast heftig. „Komm, Moro, es ist Zeit!"
„Morgen sehe ich Sie wieder", sagte ec abschied- nehmend, „ich werde mich schon in Ihrem Hause einzufinden missen."
(Fortsetzung folgt.)
* Der Ausschuß des Bundes der Landwirthe be- rieth am Montag und Dienstag über die Reorganisation des Getreidehandels; er beschloß sieben umfangreiche Resolutionen, aus denen die Hauptforderungen folgende sind: Reform der Getreidebörse auf Grund des Geschäfts nur in effektiver Waare, Ordnung der internationalen Währungsverhältnisse, verbunden mit der Kontrvle über die Anleihen des Auslandes, Errichtung staatlicher Kornhäuser, rückhaltlose staatliche Förderung des Kleinbahnwesens, Aufhebung der gemischten Getreidetransitlager. Zum Schluß wird gesagt, der Staat müsse aber alsbald Mittel finden, um einen den Produktionskosten entsprechenden Getreidepreis zu erzielen. Behufs Förderung der Beschlüsse wurde ein Unterausschuß eingesetzt.
„Das haben Sie auch nicht, denn mir kann es ja im Grunde gleichgiltig sein, welche Ansicht Sie haben. Das muß Jeder selbst wissen, weil Jeder selbst Gott Rechenschaft geben muß. Bei dem ewigen Schöpfer ist Nichts klein und Nichts groß."
Moro spitzte die Ohren und lauschte angestrengt auf ein annäherndes Geräusch. Es war Pedro, der jetzt aus seinem Versteck herauskroch, da er Dolores in nicht zu weiter Entfernung gefolgt und sich geduldig seitwärts unter die Büsche versteckr hatte.
„Ei, sieh da !" spottete er, „hier geht das Vögelchen auf den Leim, hi, hi! Der Jäger ist nicht übel. Adlerblick, — Falkenaugen! Ich will ihn mir etwas näher betrachten."