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Dienstag, den 13. November 1894.
21. Jahrgang
»IdllkrWZcitiing
mit Unterhaltrmgs-KeUage „Sterne und Klumen".
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Deutsches Neich.
Berlin, 10. November.
* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht amtlich, daß der Minister für Landwirthschaft, Domänen u. Forsten, v. Heyden, die nachgesuchte Entlassung aus seinem Amt, unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers, sowie unter Verleihung des Großkreuzes des Rothen Adler-Ordens mit Eichenlaub in Gnaden bewilligt und daß der Landesdirektor der Provinz Hannover, Frhr. v. Hamm erst ein-Loxten zu seinem Nachfolger ernannt worden ist.
* Die Gerüchte von bevorstehenden Veränderungen an der Spitze der Reichsämter, insbesondere von einem Ausscheiden des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern, v. Bötticher, aus seinem Amte, werden offiziös für unbegründet erklärt.
* Die in Tabora stehende Kompagnie der ostafrikanischen Schutztruppe hat am 13. Oktober bei Konko ein siegreiches Gefecht gegen die Wahehe bestanden, welche vor der vordringenden Hauptkolonne nach Norden auszuweichen versuchten. Deutscherseits ist Lieutenant v. Bothmer gefallen, Kompagnieführer Herrmann, Lieutenant Hatliersch, Dr. Preuß, Unteroffizier Richter sind verwundet. Am 20. Oktober ist Lieutenant Hatliersch in Mualele an Dysenterie gestorben. Konko liegt südlich der ehemaligen Station Unjamvira, Mualele nördlich davon an der Karawanenstraße, die von Tabora nach der Küste führt.
* Auf dem Garnisonkirchhof in der Hasenhaide bei Berlin ist den verstorbenen Afrikaforschern Hauptleuten Kling und Krenzler, Lieutnants Günther und Frhrn. v. Vangbüler, ein Denkmal errichtet worden, welches am morgigen Sonntag feierlich enthüllt wird.
* Prinz Heinrich von Preußen, der sich in Vertretung des Kaisers zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Petersburg begibt, tritt morgen, Sonntag, von Kiel die Reise auf dem Panzerschiff „Wörth" an.
* Die Abreise des Fürsten Bismarck von Varzin nach Friedrichsruh, ist wegen Unpäßlichkeit der Frau Fürstin und der in Varzin andauernden warmen Witterung bis auf Weiteres verschoben worden.
* Wie die ,Post' hört, haben sich die in Japan ansässigen deutschen Kaufleute schon vor einiger Zeit zu einer gemeinsamen Eingabe an die deutsche Regierung entschlossen, um die Beibehaltung der konsularischen Gerichtsbarkeit zu erbitten.
* Die Kommission für Arbeiterstatistik beschäftigte sich gestern mit der Untersuchung über die Verhältnisse der in Gast- und Schankwirthschaften beschäftigten Personen. Als Sachverständige wurden zwei Wirthe und zwei Kellner gehört. Die Kommission machte sich dahin schlüssig, daß das durch die statistische Umfrage gewonnene Material eine ausreichende Grundlage für ein weiteres Vorgehen bilde. Ferner soll eine Befragung von Organisationen von Kellnern und Wirthen und von Krankenkassen stattfinden und vom Kaiserlichen
Polares.
Roman von Th. K.
(4. Fortsetzung.)
„Die Idee ist gut, Pedro, aber noch nicht reif zur Ausführung. Mir fehlen die Beweise; schaffe mir dieselben! Möglicher Weise könnte ich in diesem Drama die edle Ritterrolle übernehmen, oder — meine Dame vernichten. Große Vorsicht ist nöthig. Wie eine Spinne mußt Du die feinen Fäden ziehen, die Leute auf Schritt und Tritt bewachen, und mir heimlich Nachricht geben über ihr Thun und Lassen. Es ist für Dich keine schwere Aufgabe, da Du überall Zutritt hast. — Und so gehab Dich wohl bis heute über acht Tage um diese Zeit, wenn Du nichts Wich- üges vorher bemerkst."
Demüthig schlich der Bettler aus dem Zimmer, um in kleinen Umwegen zum Palacio, das Haus Don Fernando de Mendora, zu hinken. Hier kauerte er sich auf die marmornen Treppenstufen, berechnend, daß jeder Ton der Unterhaltung durch den offenen Balkon ihn erreiche, und Niemand ausgehen könnte, ohne daß er es bemerkte. In Spanien sind die beständigen Bettler vor Treppen und Thüren nicht auffallend. Viele derselben betrachten sogar die Thorwege, wenn sie einige Nächte dort zugebracht, als ihr unbestreitbares Eigenthum. Es wird wohl auf der ganzen
Gesundheitsamt ein Gutachten über den Einfluß der festgestellten Arbeitszeiten auf die Gesundheit des Kellnerpersonals eingeholt werden. Die weitere Erhebung soll sich auch auf die Verhältnisse des Küchenpersonals erstrecken. Heute Vormittag begann die Kommission mit den Verhandlungen über die Arbeitszeit, Kündigungsfristen und Lehrlingsverhältnisse im Handelsgewerbe. Zu den Verhandlungen sind sechs sachverständige Beisitzer zugezogen. Es werden 86 Auskunftspersonen vernommen, die in Gruppen von je 12 bis 16 für die Tage vom 10. bis 17. d. M. eingeladen find. Neber die Verhandlungen wird stenographisches Protokoll geführt, welches später veröffentlicht wird.
* Zur Margarine - Frage wird der ,Schles. Ztg.' aus Dresden geschrieben:
In landwirthfchaftlichen Kreisen strebt man augenblicklich danach, eine polizeiliche scharfe Kontrolle des Butterhandels einzuführen. Die betreffende Untersuchung war bisher insofern mit Schwierigkeiten verknüpft, als die bisher dazu kon- struirten Apparate nicht verläßlich waren. Neuerdings ist aber ein solcher von Karl Zeiß in Jena hergestellt worden, der allen Ansprüchen einer polizeilichen Butter-Kontrolle genügt. Mit Hilfe desselben wird durch Beobachtung der Lichtbrechung festgestellt, ob eine Butter des Zusatzes fremder Fette, insbesondere der Margarine, „verdächtig" ist. Hierdurch wird der Bortheil geschaffen, daß nur verdächtige Proben zur chemischen Untersuchng weiter gegeben zu werden brauchen. Ein Exekutiv-Beamter, den der hier wohnende vereidete Chemiker Dr. Hefelmann in der Handhabung des Apparates unterwies, war bereits am ersten Tage im Stande, die Proben richtig vorzubereiten und vollständig zutreffende Versuche anznstellen. Da es mit diesem Apparat möglich ist, an einem Tage bis zu 200 Proben auf ihre Ver- dächttgkeit zu prüfen, so ist ein irgend erheblicher Aufwand mit dessen Anwendung nicht verbunden. Derselbe kann auch dazu dienen, bei Speisefetten (Schweineschmalz) gröbere Verfälschungen durch Pflanzenfette nachzuweisen. Hierdurch erscheint der berechtigte Wunsch der Landwirthe auf Einführung einer wirksamen Kontrolle des Handels mit Butter, Butterschmalz und Schweinefett betreffs der Beimengung minderwertiger Fette der Erfüllung näher gerückt.
* Zur Neuregelung des Apothekenwesens schreibt der .Reichsanzeiger' Folgendes:
Nach Emanation der Allerhöchsten Ordre vom 30. Juni ds. Js., betreffend die Einführung der Personalkonzcssion für Apotheker, hat der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, wie neuerdings bekannt geworden, durch Erlaß vom 12. Juli d Js. die Oberpräsidenten über ein einheitliches Vorgehen bei Genehmigung von Apotheken- Neuanlagen verständigt. Dieser Erlaß ist von einem Theil der pharmaceutischen Presse und auch von anderen Tagesblättern dahin gedeutet worden, als ob die Eigenthumsverhält- niffe der besitzenden Apotheker geschädigt werden sollten oder als ob es in der Absicht liege, den Werth ihres Besitzstandes zu verringern. Diese Auffassung beruht, wie wir erfahren, auf einem Mißverständniß. Denn in dem Erlaß ist ausdrücklich darauf hingewiesen, daß bei der Genehmigung von Neuanlagen die Lebensfähigkeit der zur Zeit der Emanation der Allerhöchsten Ordre vom 30. Juni dieses Jahres bestehenden Apotheken gewahrt werden solle. Zu dem Zweck muß die Bedürfniß- frage für Neuanlagen, und zwar nach Maßgabe der in dem Erlaß noch besonders tu Bezug genommenen Königlichen Verordnung vom 24. Oktober 1811 (Gesetz-Sammlung Seite 359) in jedem einzelnen Falle eingehend geprüft werden, ehe die Genehmigung ertheilt wird. Ein Grund zu Besorgnissen, wie sie in der Presse geäußert worden sind, ist daher nicht vorhanden.
Welt in dieser Beziehung feine größere Toleranz geübt, als in Spanien. Mit der freudigsten Theilnahme wird jedem Armen gegeben. Barmherzigkeit und eine patriarchalische Gastfreundschaft sind hervorragende Eigenschaften des ganzen Volkes. Pedro hatte noch nicht lange gesessen, als es lebendig im Zimmer wurde.
„Du wirft zu müde fein, Dolores, um mit mir eine Promenade zu machen; Deine Wallfahrt zu St. Toribio ist genügend für den Tag," sagte Donna Regina.
Pedro kroch bei diesen Worten ein Paar Schritte weiter, und legte sich dann wie schlafend auf die oberste Stufe.
„Nicht doch, der Weg dorthin wird mir nicht schwer, Mama. Könnte ich uns nur Nachricht erflehen, denn Du gibst Dir vergebliche Mühe, froh zu erscheinen; bei Deinen Scherzen lachen Deine Augen nicht mehr mit, wie früher."
„Still, Kind, ich muß meine Fassung schon Deines Vaters wegen behaupten, denn wenn man einmal dem stillen Schmerze Ausdruck gibt, dann wird es zu schwer, ihn nicht als tägliches Thema mit erhöhten Befürchtungen und Ahnungen als einzigen Gegenstand der Unterhaltung aufzutischen. Achte darum mein Schweigen und klage nur Gott Dein Leid. Suchen wir Beide, den Papa zu erheitern, denn die letzten Nachrichten lauten nicht günstig."
* Ueber die Errichtung von Arbeitsnachweise-Bureaus in Städten von mehr als 10,000 Einwohnern hat der preußische Handelsminister, wie vor Kurzem gemeldet, eine Verfügung erlassen. Darin wird, wie jetzt offiziös berichtet wird, empfohlen, den Arbeitsnachweis zur Aufgabe öffentlicher Veranstaltung der Gemeinden zu machen und es sollen die zu errichtenden Arbeits- nachweise-Bureaus mit einander in eine organische Verbindung treten, um Arbeits-Nachfrage und Arbeits-Angebot in den verschiedenen Gegenden und Orten auszugleichen. Da die Arbeiter oft nicht in der Lage sind, die nöthigen Mittel zur Reise nach einem entfernteren Orte sich zu beschaffen, so wird demnächst auch die Frage wegen Errichtung von Eisenbahn-Minimaltarifen für die Arbeiter zur Entscheidung kommen. Außerdem ist angeregt worden, den Arbeits- Nachweis für das ganze Reichsgebiet zu regeln. Bereits vor einigen Jahren fanden in der Petitions-Kommission des Reichstages eingehende Verhandlungen über die Organisation des Arbeits-Nachweises statt, und damals äußerte sich der Vertreter des Reichsamtes des Innern dahin: „Wie die verbündeten Regierungen sich zur Sache stellen werden, darüber ist eine Entschließung noch nicht gefaßt. Einer besonderen Anregung, der Sache näher zu treten, bedarf die Reichsverwaltung nicht, weil sie ihre Aufmerksamkeit derselben bereits zuwendet. Es steht auch auf diesem Gebiete eine befriedigende Lösung zu erwarten, weil namentlich die Erfahrungen zu verwerthen sein werden, welche in den einzelnen Bundesstaaten bei gleichartigen Bestrebungen gemacht sein sollten."
* Das .Centralblatt für die gesummte Unterrichts- Verwaltung in Preußen' bringt in seinem neuesten Heft Mittheilungen über den Bestand an Kandidaten des höheren Schulamts vom 1. Mui 1894 und über die durchschnittliche Wartezeit derselben von dem Tage der Anstellungsfähigkeit bis zur ersten endgiltigen Anstellung. Die Anzahl der Kandidaten, welche am 1. Mai 1894 zur Verfügung der Provinzial-Schulkollegien blieben, ist amtlich auf 1525 festgestellt (gegen 1492 am 1. Mai 1893). Sie vertheilen sich nach den Hauptfächern wie folgt: 1. Religion und Hebräisch 68, 2. Lateinisch und Griechisch 647, 3. Französisch und Englisch 242, 4. Mathematik und Physik 273, 5. Chemie und beschreibende Naturwissenschaften 102, 6. Deutsche Geschichte und Erdkunde 221. Die Wartezeit der Kandidaten betrug mit Rücksicht auf die in der Zeit vom 1. April 1888/89 bis 1. April 1892/93 erfolgte enbgiltige Anstellung an staatlichen Anstalten durchschnittlich 5 Jahre 1 Monat, an nichtstaatlichen Anstalten 3 Jahre 5 Monate.
* Der Wiener Männer gesang-Verein, welcher des Kaisers „Sang an Aegir" zur Aufführung brachte, wird dafür einen Ehrendukaten nebst Diplom an Kaiser Wilhelm abschicken. Einen solchen Ehrendukaten erhält jeder Komponist, dessen Werk der Verein neu aufführt.
„Dieser unglückliche Krieg!" sagte Dolores. „Mama, ich möchte wissen, warum Don Carlos nicht entschiedener vorgeht, er würde mehr Theilnahme und Interesse finden. Und wenn es mein Leben kostete, an seiner Stelle: Siegen oder Sterben! Man sängt kein solches Wagestück an, wenn man nicht die Überzeugung des Gelingens hat. Es kostet Menschenleben, Thränen und Opfer."
Ihre Lippen zuckten von unterdrücktem Schmerz, und eine Thräne stand in ihrem Auge.
„Wer weiß," sagte mahnend die Mutter, „ob seine Generale ihm dieselben Rathschläge geben. Ich fürchte das Gegentheil; Verrath und Tücke lauern, wo er auf Treue und Anhänglichkeit rechnet. Gott schütze ihn! Er ist ein gediegener, tapferer Mann; das Zeugniß müssen ihm selbst seine Feinde lassen."
Dolores wollte widersprechen, aber sie bezwang sich.
„Beständen seine Truppen," fuhr die Mutter fort, „aus Leuten wie Dein Bruder, dann wäre ihm längst der Thron gesichert; aber es ist viel verkommenes Volk darunter, das sich an den verkauft, der am besten zahlt. — Brechen wir das Gespräch ab, es stimmt mich zu trübe. Laß uns ins Freie gehen."
Pedro kroch geräuschlos wieder zurück und schlief sanft bei Annäherung der Damen.
„Sieh' hier, den Schläfer!" sagte Dolores, „diesen