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Sonntag, den 11. November 1894. 21. Jahrgang,

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mit Unterhaltnngs-Kcitage „Sterne und Klumr»"._

sprechen darf.

* In der Sitzung der Kommission des Bundes der Landwirthe für die Reorganisation des Getreidehandels wurde am Dienstag einstimmig der Wunsch geäußert, daß auch im preußischen Abgeordnetenhause eine wirth- schaftliche Vereinigung gegründet werden möge. Die anwesenden preußischen Landtagsabgeordneten er­klärten sich zu der Ausführung dieses Wunsches bereit. Die Vereinigung soll gleich nach Zusammentritt des Landtages gebildet werden.

Platz behalte, geführt.

* Professor Dr. Leyden tft von Lrvadla nach Berlin zurückgekehrt und hat heute seine klinischen Vor­lesungen wieder ausgenommen.

* Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen, welcher vor zehn Jahren in's. Leben getreten ist, zählt

* Paris, 8. Nov. Die radikale und die sozia­listische Presse setzt in der heftigsten Form die Angriffe gegen den Präsidenten Casimir Perier fort. Die Petite Republique' erklärt, die Sozialisten wurden nicht früher ruhen, bis Casimir Perier gestürzt ser. — Wie verlautet, wird die sranzösische Regierung die gefunden.

land Hessen-Nassau und Westfalen. Hülfsem- richtungen sind: 1. Bezirk-Verbünde mit regelmäßigen Konferenzen. 2. Regelmäßige Veröffentlichung der Vereinsnachrichten in der Monatsschrift für katholische Lehrerinnen (Herausgeber Seminar - Religionslehrer Waldeck in Saarburg; Verleger F. Schöningh m Paderborn). 3 Ein periodisch erscheinender Rath- qeber über gediegene Berufsschriften für Lehrerinnen. 4. Stellenvermittelung mit Central - Leitung (Vor­sitzende : Frl. A. Badenberg zu Steele a. d. Ruhr und mehreren Zweigstellen. 5. Adreßnachweis von Gast­häusern, Privat-Pensionen und Pflegeanstalten, welche für Lehrerinnen besonders empfehlenswerth sind Vor­sitzende der Kommission: Frl. Cl. Bott in Aachen.) Der Adreß-Nachweis für 1894/95 bildet einen An- {lonci zu dem von Domkapitular Hilpisch herausge- qebeuen katholischen Lehrerinnen-Kalender (Verlag von A Foesser in Frankfurt a. M.). 6. Krankenkasse (Vor­sitzende: Frl. A. Haßlacher zu Geisenheim, Rhemgau). Anqestrebt wird noch die Gründung eines Verems- hauses für katholische Lehrerinnen und die Erweiterung der Krankenkasse zu einer Unterstützungskaffe für solche Mitglieder, welche ohne Krankheit sich in außerordent­licher Nothlage befinden. Der Jahresbeitag beträgt 1 M für Mitglieder der Krankenkasse 4 M., für außerordentliche Mitglieder 3 M. Vorsitzende des Vereins ist Seminarlehrerin P. Herber zu Saarburg bei Trier, Kassenführerin Lehrerin E. Fuß zu Crefeld, welche auch Anmeldungen zum Beitritt entgegennimmt. Ver­meidet es auch der Verein grundsätzlich, an die Oeffentlichkeit zu treten, so verdient er des­halb nicht minder das Interesse und Wohlwollen der­jenigen, welche die Bedeutung des ganzen Lehrftandes für die Zukunft unseres katholischen Volkes erkennen. Wir wünschen ihm eine recht lebhafte Würdigung durch Geistliche und Laien und kräftige Unterstützung von Herren und Damen aus dem Lager edler Ge­

sinnungsfreunde.

* Der Redakteur der sozialdemokratischen ,Volkswarf in Breslau, Reinhold Schebs, ist wegen Beleidigung des preußischen Richterstandes zu 5 Monaten Gefängniß verurtheilt worden.

Anstand.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. November.

Frage der Vermittlung im chinesisch-iapanefi- schen Kriege in Fühlung mit Rußland zu lösen suchen.

* In Paris hat man bekanntlich einen Spion ge­faßt. Es ist aber wieder einmal ein Franzose und noch dazu ein Hauptmann im Kriegsministerium. Dreyfus heißt er und Jude ist er. Wegen des letzteren Umstandes hat die gesummte jüdische liberale Presse alsobald festgestellt, daß Dreifus einer „hochan­gesehenen Familie" angehört. „Hoch angesehen muß in jüdischen Kreisen diese Familie sicherlich sein, denn ein paar Dreyfüße haben in Paris durch unerhörte Machenschaften über hundert Millionen erschwmde t Als das ruchbar wurde, sollten die Dreyfüße 40 Millionen an Paris zurückzahlen — aber sie fanden so „ausgezeichnete" jüdische Verteidiger, daß das Geld irgendwo verschwand. Das sind die einen der Familie. Einen anderen Dreyfus hat man gestern in Pans abqefaßt, in dem Augenblick als er „wegen Kränklich­keit" verreisen wollte. Mit sich nehmen wollte er Diamanten im Werthe von 100,000 Franks. Da ihm die Diamanten — leider — nicht gehörten, fand die Polizei es für besser, ihn sammt den Edelsteinen nach Nummer Sicher zu geleiten. Ja, die Dreyfus sind eine „hochangesehene Familie".

* Rom, 8. Novbr. Heute fand die fünfte und letzte orientalische Kirchenkonferenz von H6ig2>/2 Uhr statt. Der Papst präsidirte derselben und sank- tionirte jene Beschlüsse, die unmittelbar bezwecken, das Ansehen der fünf orientalisch-katholischen Patriarchate zu befestigen und zu erhöhen und deren Wirkungskreis entsprechend ihren Riten und Privilegien zu erweitern. Der syrische und der melchitische Patriarch, sowie der Vertreter des Maroniten - Patriarchen sprachen dem Papste ihre volle Genugthuung über die erzielten Re­sultate aus. , ..

* Petersburg, 8. Nov. Die Verwaltungskreise be­schäftigen sich schon mit Gerüchten über bevorstehende Personal Veränderungen. Unterrichtete behaupten je­doch, der junge Zar neige um so weniger zu den ihm voreilig zugeschriebenen Umwälzungen, als er fest ent­schlossen sei, die das wirthschaftliche Leben Rußlands 1 betr Fragen denselben Gang, den ihnen sein Vater ge­geben habe, nehmen zu lassen. Wahrscheinlich ist nur der Rücktritt des Hofministers Woronzow-Daschkow, der wohl durch einen jüngeren Mann ersetzt werden wird. Allem Anschein nach ist der Präsident des Mi­nisterkomitees, Bunge, zu einer wichtigen Rolle unter dem neuen Zaren berufen.

* Petersburg, 8. Nov. In der Peter Pauls- Kathedrale wird Tag und Nacht gearbeitet, um Alles zur Aufnahme des Heimgegangenen Kaisers vorzuberelten. Der Fußboden, die Wände und die Säulen werden mit schwarzem Tuche bekleidet. Inmitten der Kathe­drale steht eine mit rothem Tuche bedeckte Estrade, auf welcher der Katafalk aufgestellt wird. Darüber hängt, nahe am Gewölbe, die Monomachmütze (Schapka Mvnomacha) aus Goldstoff mit Hermelin-Besatz. Von dieser Mütze hängen breite schwarze, mit Hermelin ge­fütterte Tuchstreifen bis znm Fußboden herab. Die Estrade ist mit 40 Kronleuchtern umstellt. Das Grab wird auf der rechten Seite des linken Seitenschiffes zwischen den Sarkophagen des Kaisers Alexander II. und der Kaiserin Maria Alexandrowua hergerichtet; heute Nachmittag wurde mit dem Ausmauern desselben begonnen. , . . _

* Loudon, 8. Nov. Wie hier verlautet, wird Japan nicht nur die Unabhängigkeit Koreas, sondern auch die Abtretung der Insel Formosa, 30 oder 40 Mill. Pfund Sterling Kriegsentschädigung und die Herstel­lung eines Pufferstaates zwischen Korea und China

* Was ist denn eigentlich passirt? Graf Caprivi wird plötzlich entlasfen, nachdem ihm Tags vorher das kaiserliche Vertrauen ausgedrückt worden war. Graf Eulenburg wird ebenfalls entlassen, obwohl mehrere Zeitungen melden, der Kaiser habe seinen Stand­punkt in der Frage der Umsturzbekämpfung geth eilt. Der Justizminister Dr. v. Schelling geht, ohne noch fein fünfzigjähriges Amtsjubiläum abzuwarten. Der Landwirthschastsminister v. Heyden geht, und die ,Kreuzzeitung' bemerkt dazu, ein Wunder sei das nicht, nach den jüngsten Vorgängen auf dem Land- wirthschaftsministerium. Der ReichskanzleirathG öring geht ebenfalls. Und nun heißt es: neue Männer heran Aber von den Männern lehnt einer nach dem andern ab. An Stelle des urplötzlich zum Minister des Innern erhobenen Herrn v. Köller soll Herr v. Hammerstein den Posten des Uuterstaatssekretärs für Elsaß übernehmen. Er dankt. An Stelle des Herrn v. Heyden soll Frhr. v. Wilamowitz Landwirth- schaftsminister werden. Er dankt. An Stelle v. Schel­ling soll der Reichsbankdirektor Dr. Koch, ein bekannter Jurist, dessen Amt übernehmen. Und auch er dankt! Also — was ist denn eigentlich passirt? Wir besitzen ein amtliches Organ, den ,Reichs­anzeiger.' Das Blatt veröffentlicht säst nur Dinge, die schrecklich unbedeutend für die Allgemeinheit sind, so wichtig sie sonst an sich sein mögen, z. B. Viehmärkte, . weiwer vor yyn Auktionen, Konkurse und Waarenzeichen. lieber das, gegenwärtig Über 2000 Mitglieder, zumeist aus Rhem- was passirt ist, schweigt das amtliche Blatt auf ' - " “ ”

allen feinen vielen Seiten. Aber das Volk hat ein | Anrecht darauf, zu wissen, was vorgeht, und in einem konstitutionellen Staate, sollten sich doch, meinen wir, so wichtige Vorgänge, wie durchgreifende Aender- ungen der höchsten Beamtenstellen, nicht unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit vollziehen.

* Mit der Uebernahme des Landwirthschasts-Mini- steriums steht jedenfalls die Nachricht in Verbindung, daß der Landesdirektor von Hannover, Freiherr v. Hammer st ein - Lo^en, in Potsdam eingetroffen ist und Vormittags tm Neuen Palais vom Kaffer empfangen wurde.

* Die Vorlage zur Bekämpfung des Umsturzes soll nunmehr dem Bundesrathe zugegangen sein. Es wird nochmals versichert, daß an den Vorschlägen des Grafen Caprivi nur unwesentliche Veränderungen vor- genommen worden seien. Es soll eine Novelle zum Strafgesetzbuch sein, die sich mit der Verschärfung und „klareren Fassung" der §§ 110 und 111 (Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und zum Begehen straf­barer Handlungen), 126 (Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung eines Verbrechens), 129 (verbotene Verbindung), 130 (Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung) und 131 (Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen) beschäftigt. Nähere Angaben fehlen außer der einen, daß § 111 einen Zusatz er­halten soll, wonach auch die Verherrlichung begangener Verbrechen geahndet wird.

* Zum Sturz Caprivi's erzählt der .Vorwärts', Personen aus der nächsten Umgebung Caprivi's hätten sich an ihn (das sozialdemokratische Hauptorgan!) gewandt, um ihn zur Betheiligung an dem Ränkespiel gegen Caprivi aufzuhetzen, „ein Versuch, der natürlich den verdienten Fußtritt zur Folge hatte. Das ist denn doch etwas sehr stark, so stark, daß der ,Vor­wärts', um seine Mittheilung glaubhafter zu machen, doch gleich etwas deutlicher hätte werden sollen. Er muß doch die Namen kennen, wenn er von „Per­sonen aus der nächsten Umgebung des Kanzlers"

* Zum kommende» Lehrer - Besolduugs - Gesetze wird vom Rheine ans Landlehrerkreisen geschrieben:

Wir können nicht begreifen, wie die Staatsregierung an der alten überlebten Einteilung in billige, teuere und sehr teure Orte fcsthalten kann und so die Lehrer in drei Kategorien teilt die doch alle dieselbe Vorbildung genossen, alle dieselben Pflichten haben. Urib welche Orte wirv man denn in die ein­zelnen Klassen rangieren? Wir glauben nicht fehlzugehen wenn wir annehmen, daß mau die Großstädte in teuerste, die Mittel­städte in die teuere und die kleineren Städte und gewiß alle Dörser in die billige Klasse rechnet. Dann . aber werden d,e Landlehrer wieder — wenigstens in den westlichen Provinzen — heruntergeschraubt werden müssen, denn auf dem Verwaltungs­wege sind vielfach die Gehälter auf dem Lande auf 1050 bezw. 1200 Mark gebracht worden; das Gesetz setzt aber für dre brl- ligen Orte nur 900 Mk. fest. Das begreife, wer kann! Im Osten der Monarchie mag der Entwurf wohl fchon eine bedeutende Verbesserung bedeuten, für den Westen hat er Nichts als eine Herabminderung des Grundgehalts. Und warum keine Steigerung des Gr mdqehalts, wie es die Lehrer mit Berechtigung wünschen, ja verlangen können?" — Dann soll der Bezug der Alterszu­lagen erst mit dem 7. Dienstjahre beginnen und so der Lehrer erst mit 31 Dienstjahren das Höchstgehalt von 177(1 bzw 1900, bezw. 2100 Mk. erreichen. Warum ist nicht Vorkehrung ge­troffen, daß das Höchstgehalt wie bei anderen Beamten nach 25 Dienstjahren erreicht wird.? Gegen diese Dreiteilung muffen die Lehrer entschieden petitionieren; das Grundgehalt muß wenigstens nach Provinzen für alle — Stadt- und Landlehrer — gleich hoch sein.

* Aus der Generalsynode erführt die ,Krenzztg.', die Vorbereitungen über den Agenden-Entwurf hätten zu einem einstimmigen Votum für eine Gestaltung der Ordinations-Feier, in welcher das Apostolikum feinen

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Fulda, 10. November.

* Zur Stadtrathswahl wird uns noch Folgendes mitgetheilt: Herr Zimmermeister H. I., Mahr_ hat sich bewegen lassen, die gegen seinen Willen auf ihn gefallene Wahl als Stadtrathsmitglied nochmals anzii- nehmen. Wie man hört, sind alle, welche Gelegenheit hatten, die dem städtischen Interesse gewidmete Thatig- keit dieses erfahrenen, uneigennützigen und rechtlich denkenden Mannes näher kennen zu lernen, von seinem Entschluß, die Wahl anzunehmen, sehr befriedigt. So­mit hätte die Wahl des Stadtraths ihre Erledigung