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Samstag, den 10. November 1894. 21. Jahrgang

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mit Unterhaltnngs-KrUagr ,^trrnr und KInmrn".

was Gott verhüte." .

Nach diesen Worten beschleunigte Dolores so viel

Gesichtchen, in den finster blickenden Augen. Sie hielt ihren Schirm nach der Seite, woher der junge Mann kam, um ihn so wenig wie möglich zu sehen, und wollte dann mit ihrem Hunde spielend vorübergehen. Wohl war dem Wartenden dieses Manöver nicht ent­gangen, aber darauf wollte er keine Rücksicht nehmen, er wollte ihr zeigen, daß er ihren Plan durchschaut, und darum ging er mit der größten Freundlichkeit auf sie zu, ihr die Hand reichend. , ,

Guten Tag, Sennorita! Ei, tote Sie >chre treuesten Ritter schnöde behandeln! Schon eine ganze Stunde habe ich auf meine holde Gebieterin ge­wartet."

„Guten Tag, Ton Pablo!" nickte sie stolz rote eine Königin, kaum merklich mit dem Kopf, seine Hand übersehend. „Wie bedauere ich Sie wegen des ver­lorenen Postens, den Sie gewählt haben. Sie wtssen, er bringt nichts ein! ich zahle nicht mit klingender

sei sich jetzt der Philologie bezw. dem höheren Lehr- ache zuzuwenden, berührt der Kritiker nicht. Vermuth- ich wußte er darüber nichts zu sagen oder fühlte stch wenigstens außer Stande, etwas Stichhaltiges dagegen zu sagen. Dagegen sucht er nachzuweisen, daß wemg- tens in Westfalen auch im Jahre 1902 die katho- ischen Schulamtskandidaten noch etwa 5 Jahre auf definitive Anstellung warten müßten. Dtese Berechnung macht zuerst wieder den Fehler, welchen rotr schon be­merkt haben. Dann nimmt der Verfasser der Krtttk an, daß in den nächsten Jahren durchschnittlich jähr­lich ebenso viel Kandidaten hinzukommen werden, als in den letzten 3 Jahren. Daß dies eine möglichst un­wahrscheinliche Annahme ist, ist dem Kritiker seltsarner- maßen wieder ganz entgangen. Die Zahl der Abiturienten, welche sich in den letzten Jahren der Philologie zuge­wendet haben, ist sehr klein gewesen, und da wird auch wohl die Zahl der Kandidaten in den nächsten Jahren kleiner werden müssen.

Ganz verkehrt ist nun endlich die Annahme, daß der Abgang von katholischen Kandidaten aus Westfalen in andere Provinzen und der Zugang aus anderen Provinzen sich einigermaßen ausgleichen werde. West­falen hat in Folge seiner besonderen sozialen und wirth- schaftlichen Verhältnisse immer verhältnißrnäßig mehr Studenten gehabt als die meisten übrigen Provtnzen. Deshalb hat Westfalen besonders für Posen, West- prenßen und einen Theil Schlesiens titele katholische Lehrkräfte geliefert. Der polnische Abgeordnete Kantak hat es ja einst im Abgeordnetenhause lebhaft beklagt, daß gerade so viele Westfalen nach Posen geschickt I würden, die wegen des bei ihnen vielfach besonders stark ausgeprägten Provinzialismus von den polnischen Schülern am wenigsten verstanden werden. Nun mag immerhin in den letzten Jahren aus verschiedenen, zum Theil oben berührten Gründen der Uebergang der Kan­didaten von Westfalen nach dem polnischen Osten zum Stillstand gekommen sein; nach ewigen Jahren wird er unzweifelhaft wieder lebhafter werden. Die Zahl der in Posen und Westpreußen anstellungsfähigen Kan­didaten scheint nicht allzu groß zu sein und die Zahl der Probe-Kandidaten und Seminar-Mitglieder ist so­gar recht gering. I". ""chst— f"

voraussichtlich noch geringer sein. Ueber das Verhält- niß der katholischen zu den protestantischen Kandidaten ist aus dem Kalender nicht viel zu ersehen. Zu beach­ten ist aber, daß die polnischen Namen fast gar nicht vertreten sind. Auffallend ist das nach unseren politi­schen Verhältnissen ja nicht. Deshalb muß man an­nehmen, daß die Zahl der katholischen Kandidaten, die aus Posen und Westpreußen hervorgehen, sehr klein ist und bis zum Ende des Jahrhunderts noch kleiner wird. Vor einiger Zeit brachte auch die .Germania' eine Korrespondenz aus Westpreußen, in welcher hervorge­hoben wurde, daß eine Stelle an einer höheren Lehr­anstalt mit einem Protestanten besetzt sei, weil ein katholischer Kandidat nicht zur Verfügung gestanden habe. Daraus folgt, daß in den nächsten Jahren und

□ Die Katholiken und das Studium der Philologie.

Die in einem Theil der Centrumspreffe erfolgte Aufforderung an die katholischen Abiturienten, sich mehr dem Studiuul der Philologie zuzuwenden, hat einen Mitarbeiter des Korrespondenz-Blattes für die Philo- logen-Vereine Preußens gewaltig in Harnisch gebracht. Die Aufforderung erscheint ihm als ein Zeichen großer Unkenntniß mit den einschlagenden Verhältnissen oder großer Leichtfertigkeit. Seine Ausführungen entsprechen allerdings diesen großen Worten keineswegs. Um zu ersepen, wie viele Oberlehrer in den nächsten Zähren angestellt werden müssen, hat er nach dem bekannten Kunze'schen Kalender gezählt, wie viele in den 5 Jahren 1889—1893 angestellt sind und schließt daraus, daß auch in den nächsten Jahren ungefähr ebenso viele zur Anstellung kommen werden. Diese Art der Berechnung ist wirklich kostbar. Die Jahre 1891 und 1892 sind für die Anstellung sehr wenig vortheilhaft gewesen, weil viele Lehrer mit der Pensionirung gewartet haben, bis die Gehaltserhöhung und damit die höhere Pension eintrat. Wer irgendwie Fühlung mit Lehrerkretsen hat, weiß das ja, und in der Presse ist das oft genug hervorgehoben worden. Auch 1893 haben noch Manche darauf gewartet, ob ihnen die Funktionszulage gegeben werde oder nicht. In den nächsten Jahren werden nun Viele sich pensioniren lassen, weil sie entweder dte ge­hoffte Funktionszulage erhalten oder bestimmt erfahren, daß ihnen dieselbe doch nicht zu theilZwtrd. Sodann hat die neue Lehrordnung die Stundenzahl wesentlich verringert und dadurch in den letzten Jahren die Sltt- stellung eines neuen Oberlehrers unnöthig gemacht, obwohl ein Lehrer abging. Zudem zögert man in der Übergangszeit zu einer neuen Schulordnung ganz natur­gemäß damit, neue Schulen und neue Stellen zu gründen. Auch der Uebergang in den Steuerverhält- nifsen und die augenblickliche schlechte Finanzlage Preußens ist der Gründung neuer Stellen, auch wo sie unbedingt nöthig war, hinderlich gewesen. Diese letzten Jahre als Durchschnittsjahre anzunehmen, ist deshalb wirklich ein starkes Stück und zeigt, daß der Verfasser wohl im Stande sein mag, Zahlen zusammen­zustellen, aber es nicht versteht, die Zahlen nach den angegebenen Verhältnissen auf ihre Beweiskraft hm zu prüfen. , .

Nun ist von mehreren Philologen betont worden, daß die nächsten Jahre schon deshalb einen viel größeren Abgang durch Pensionirung und Tod bringen mußten als das letzte Jahrzehnt, weil die Zahl der Lehrer in den sechziger und siebziger Jahren sich so vermehrt habe und das Durchschnittsalter derselben jetzt ein viel höheres sei als im vergangenen Jahrzehnt. Gegen diese Auffassung ist entschieden nichts einzuwenden und gewiß wird sie dadurch nicht beseitigt, daß sie ignorirt wird.

Die allgemeinen Bemerkungen in dem genannten Aufsatze der Centrumspreffe über die Gründe, weshalb es gerade für die katholischen Abiturienten angezeigt

Dolores.

Roman von Th. K.

(2. Fortsetzung.)

„Warum hat der Satan mir diese unglückliche Liebe in das Herz gegeben?" stöhnte er. „Von ihm muß sie kommen, sonst könnte ich das Mädchen nicht zu gleicher Zeit so bitter hassen. Es wäre mir eine Freude, sie zu meinen Füßen zu sehen, jammernd um Hilfe und Schonung, und wie ich sie dann fort­schleudern möchte, wie eine giftige Natter. Ich werde ihr den stolzen Nacken schon beugen, und sollte ich Glück und Reichthnm, ja selbst mein Leben daran wagen. Verschmäht sie meine Liebe, so mag sie mein Haß treffen."

Es war der Blick eines Tigers, der die L-traße entlang sah, und ein schadenfrohes Lächeln zuckte dabei um die dünnen Lippen.

„Da kommt sie, der Traum, meines Lebens, der Inbegriff aller meiner Wünsche! Geh'n wir ihr ent= gegen.“ ,

Jetzt bemerkte auch Dolores den jungen Mann. Sie stutzte einen Augenblick und suchte vergebens nach einem Ausweg, aber sie konnte der Begegnung nicht ausweichen. Zornig kräuselte sich der Mund; ein Aus­druck unsäglicher Verachtung lag in dem lieblichen

Geschichte wissen, wenn nicht aus eigenem Taktge- ^'„Dolores! ich bitte Sie Ihrer selbst wegen, be- herr chen Sie Ihre Zunge." Es lag ein fast flehender Ton in seiner Stimme. „Ihre bissigen Worte könnten mich zum Aeußersten bringen, und davor möge Gott Sie bewahren!"

„Dann", sagte die junge Dame, „verfolgen Sie mich nicht mehr, meiden Sie mich, und vor Allem verschonen Sie mich mit Ihrer Liebe, die ich nicht erwidern kann." Sie sprach diese Worte leise aber entschieden, und blickte ihm offen und fest in die 2(U?e@ie aufgeben! — Niemals!" dachte er. „Hüten Sie "sich! In Ihrer Hand liegt meine Zukunft. Sie könnten meinem Leben eine andere, bessere Richtung geben, es zum Segen werden lassen für Viele."

„Sie wollen nicht", sagte er, als sie leise mit dem Kopfe schüttelte, „nun so sei es Ihr Fluch!"

Selbst den ziehe ich Ihrer Liebe vor, auch wenn es in Ihrer Macht läge, mir Unglück zuzuwenden,

* Die Mittelparteiler geben die Hoffnung, daß der allerneneste Kurs in ihrem Sinne gesteuert werden würde, nicht auf. Es wäre ja auch zu ärgerlich, wenn dieHerren, die so eifrig auf den Sturz des Grafen Caprivi hingearbeitet hatten, jetzt um den Sieges­preis sich geprellt sehen müßten. Die,Nationalzeitung', das Berliner Hauptorgan der Caprivistürzler, versichert allerdings Tag für Tag, es wäre ihr gar nicht m den Sinn gekommen, den General-Reichskanzler stürzen zu wollen. Zugleich rechtfertigt sie aber fort und fort die Politik, die auf den „Umsturz" Caprivi's hinzielte, indem sie einerseits den ehemaligen Kanzler, dessen beide Hauptwerke, die Militär-Vorlage und die Han­dels - Verträge, die sie doch mit geradezu leidenschaft­lichem Eifer unterstützt hatte, so schlecht wie möglich macht und behauptet, Graf Caprivi habe bei jeder wichtigen Aufgabe schwereFehler begangen, und ander­seits hoffnungsvoll von dem allerneuesten Kurse sich das Beste verspricht. Sie gibt vor, an einen Um­schwung zu Gunsten der Mittelparteiler zu glauben und meint, ein solches Ziel sei doch erstrebenswerth genug gerne en, um dafür der Person Caprivi's, der doch en nnö «semtnar-romaiieuer m ,v- I schon nicht mehr fest imSattel gesessen habe, denLauf-

cv u nnrfiftpn wird Vie I paß zu geben. Also mit anderen Worten: Die nuttel-

Sn den nächsten *n wird ste hatten handelten klug und weise, als sie

das sinkende Schiff Caprivi's verließen. Die ,Natio-

nalztg.' scheint trotzdem begriffen zu haben, daß mit einer solchen Begründung ihrer Caprivistürzerei kern Staat zu machen ist. Sie hat deshalb noch einen prinzipiellen Grund für ihr Verhalten in Bereitschaft: Sie hat nämlich Plötzlich entdeckt, daß Graf Caprivi doch sehr bedenkliche konservative Neigungen gezeigt habe. Der Mann, der das Zedlitz'sche Volks­schulgesetz vertheidigt hatte, hätte — so meint das nationalliberale Hauptorgan — „unter Umständen den Weg zu den Konservativen zurückfinden können." Wenn die ,Nationalztg.' hierbei wirklich an bestimmte Ab­sichten Caprivi's denkt, so kann sie, da Graf Caprivi nicht mehr preußischer Ministerpräsident und also nicht

Münze." .

Pablo biß sich auf die Lippen. Er verstand die Anspielung, denn es war bekannt, wie sein Vater als Agent und Spion der Regierung diente, und dadurch

K-v-li". bern dich I wi- Hich ihr. Schritt-, °h». »och ->«»«, *6 werden ihren Damen nicht lästig", fuhr Dolores ein Wort an den jungen Mann zu richten. Sie aufgeregt fort, „das sollten Sie aus der spanischen I athmete erst auf beim Eintritt m das Städtchen,

besonders bis zu der Zeit, in welcher heutige Abitu­rienten anstellungssähige Schulamts - Kandidaten sein werden, eine ganze Anzahl von katholischen Kandidaten Westfalens in Posen und Westpreußen Anstellung finden werden.

Wir wollen hoffen, daß die Ausführungen des Kritikers im Korrespondenzblatt auf Niemand und vor Allem auf keinen katholischen Abiturienten oder dessen Berather Eindruck machen werden. Wenn die Katho­liken wollen, daß ihnen gegenüber die Parität gewahrt werde, ist es zuerst nothwendig, daß sie die erforder­lichen Kräfte stellen. Für die höheren Schulen wird es aber daran mangeln, wenn die Ausführungen im Korrespondenzblatt auch bei Katholiken Gehör finden sollten.______________

Deutsches Reich.

Berlin, 8. November.