der Einweihung der Titel Geheimer Medizinalrath
Donnerstag. (H. P.)
* Kassel, 6. Nov. Die Gesammt-Synvde sur den Regierungsbezirk Kassel wird in der zweiten Hälfte des laufenden Monats zu ihrer ordentlichen Tagung
unter Wasser. Der Schaden soll sehr erheblich sein. Gegenwärtig ist das Wasser wieder im Fallen begriffen. Die bei Schönbach erbaute Schleuse hat sich lewer
hinsichtlich Menge und Güte.
* Aus Thüringen, 6. Nov. Vier Waffenfabrikanten aus Mehlis hatten sich gegen das Gesetz vom 19. Mai 1891, betr. die Prüfung der Handfeuerwaffen,
dadurch vergangen, daß sie in nahezu 3000 Fällen bei Teschins, Terzerolen rc. die Beschuß- bezw. dre Vorrathsstempel gefälscht hatten. Gelegentlich einer Revission seitens des Beschußinspektors bei einem Grossisten, für welchen die betreffenden Fabrikanten lieferten, kamen die Fälschungen zu Tage. Das Schwurgericht zu Meiningen verurtheilte die Angeklagten zn 4 bis 9 Monaten Gefüngmß. — Die geplante Verlegung des 12. Husaren - Regiments von Merseburg und Weisenfels nach Torgau wird nunmehr zur Thatsache, indem im Militär-Etat 1895/90 für Neubau und Ausstattung einer Kaserne nebst Zubehör für ein Kavallerie-Regiment 150,000 Mark als j Rate gefordert werden. — Auch in Wittenberg wurde ein Kaifer-Friedrich-Denkmal errichtet. - Das städtische Arbeitsamt zu Erfurt, ine jüngste Em Achtung des Magistraths, erledigte in der Zeit vom 1 28 Okt. 236 Angebote und Nachfragen tn tn der
männlichen Abtheilung und 148 Angebote und Nachfragen in der weiblichen Abtheilung.
ßaprivi.
„Wo sind sie denn die Patrioten, Die großen und die kleinen Herrn, Die alle in der Noth nach Noten, Lobsangen dem Caprivistern?" Den Ritter ohne Furcht und Tadel Nannt' man ihn, Deutschlands Augurwadel, Sein scharsgeschliff'nes Friethjofsschwert; Bon allen Guten ward geehrt Er als ein Urbild edler Schlichtheit, Der Männlichkeit und Biederkeit.
Und stand er dann auf der Tribüne Auf Deutschlands mächt'ger Reichstagsbühne Wo er mit wucht'ger Denkerkrast Die Gegner zu besiegen strebte, Da jedes Auge sich belebte;
Sah man ja doch in seinem Glanz Den Glanz des eig'nen Vaterlands Und freute sich der Mißgunst baar, Daß er sein stolzer Träger war. Und wenn zu Deiner Thaten Ehre Die Mitwelt Dir kein Denkmal weiht, So folgt daraus die weise Lehre, Daß erst die Nachwelt ist bereit, Zu schößen alle wahre Größe. In ihrer ganzen eklen Blöße Steht seiner Feinde große Zahl, Und doch wird in Walhalla's Saal Dereinst dein hoher Name glänzen Und mit dem Lorbeerreis sich kränzen.
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Berlin, 7. Nov. Die Novelle zum Strafgesetzbuch zur Verstärkung bar staatlichen Machtmittel gegen aie Umsturz-Bestrebungen ist jetzt demBunbes- ?athe'zugegangen. Es ist im Wesentlichen dieselbe Vorlage, die unter dem Grafen Caprivi ausgearbeitet toUrt^" Der preußische Gesandte v. Kiderlen - Wächter ist rum Antritt der wegen seines Duells mit dem Re- dakleur des Kladderadatsch', Herrn Polstorff, über ihn verhängten Festungshaft nach Ehrenbreitstein abgereist.
nicht bewährt. , r f
* Hanau, 6. Nov. Vorgestern besuchte ein Frankfurter die hiesige Herbstmesse. Beim Aussteigen aus dem Eisenbahnkoupee am Westbahnhof vergaß er jedoch seinen Ueberzi her, in dessen Tasche sich ein größerer Geldbetrag (600 Mk) befand. Als der Betreffende sein Versehen bemerkte, telegraphirte er nach verschiedenen bayerischen Bahnstationen; Abends traf die freudige Mittheilung in Hanau ein, daß der Ueber- zieher sammt Geld mit dem nächsten Zuge zurüekbe- fördert werde, ein Fahrgast des Zuges hatte dem Schaffner den werthvollen Ueberzieher abgeliefert.
* Frankfurt a. M., 5. Nov. An Wurstgift verstarb in Berlin ein Rekrut der 13. Kompagnie des 2. Garde-Regiments zu Fuß Namens Ehle, der Sohn eines hiesigen Lokomotivführers. Dem jungen Manne war von den Angehörigen Wurst geschickt worden. Ehle hatte auch seinen Kameraden etwas davon angeboten, diese hatten aber sofort einen verdächtigen Geichmack bemerkt der sie von dem weiteren Genuß der Warft abhielt, während Ehle sich nicht stören ließ. Nachdem er zweimal von der Wurst genossen, traten die ^>er- giftungs-Erscheiuungen auf, und zwar so heftig, daß der junge Soldat bereits eine Leiche war, bevor noch die angeordnete Ueberführuug nach dem Lazareth bewirkt werden konnte. — Im Jahre 1848 stand ein hiesiger Kupferschmied auf den Barrikaden tn Frankfurt. Als der Kampf zu Ende war, ging er nach Südamerika. Dort war ihm das Glück hold, so daß er allen Denjenigen, denen er eine Erinnerung lassen wollte, sein ansehnliches Vermögen testirte. Viele Freude erregte es, als nun ans der Hinterlasienfchaft 38' Erben durch ein hiesiges Bankhaus je 5000 Mk. ausgezahlt werden konnten. Die damit Beglückten find meist Handwerker.
* Frankfurt a. M., 5. Nov. Mit dem gestrigen Sonntag ist die Kochkunst-Ausstellung zu Ende gegangen. Der Besuch an diesem letzten Tage bezifferte sich auf ungefähr 6000 Personen. Im Ganzen mögen etwa 40,000 Personen die Ausstellung besucht haben, so daß auch der finanzielle Ersolg kin günstiger ist. Der Ueberschuß wird auf über 20,000 Mark geschätzt. Gestern Vormittag erfolgte die Verkündigung der Auszeichnungen, die auf Beschluß des Gesammt-Konntee s nachträglich an Personen verliehen wurden, die sich um Wbaltung der Ausstellung verdient gemacht haben. | ' »Marburg, 3. Nov. Gestern wurde der neuer
verliehen. .. . _ . , -
* Die Farbwerke Höchst, die Verfertiger des Heilserums, haben zur Zeit selbst Mangel an diesem viel- begehrten Heilmittel. In einigen Tagen hofft man 35 Liter Serum zu gewinnen. Die Zahl der eingestellten Pierde beträgt gegenwärtig 32, kann aber nach Bedarf erhöht werden. Augenblicklich arbeitet man daran, die Wirksamkeit des Serums zu steigern. Behufs Jmmuni- sirung der Umgebung diphtheriekranker Kinder wurde die Dosis auf llt der Konzentration Nr. 1 erhöht, nachdem 1/io sich als ungenügend erwiesen hat. Zur Wirkung des Behring'schen Diphcherie-Heilserums in Frankfurt theilt man Folgendes mit: In Dr. Christ s Kinderkrankenhaus wurden im Laufe des Monate Oktober 39 an Diphtherie erkrankte Kinder ausschließlich mit Heilserum behandelt. Es befanden sich borunter 19 schwere, 8 mittelschwere, 12 leichte Falle. Von benselbeu sind 4 gestorben, 14 als geheilt entlassen, 21 sind noch in Behandlung, aber außer Gefahr und in voller Rekonvaleseenz. Unter den 4 Gestorbenen befanden sich 3, welche schon 4-5 Tage lang erkrankt waren und säst sterbend eingebracht wurden; der vierte Fall betraf ein Ijähriges Kind, bei welchem der Luströhrenschnitt gemacht werden mußte, und welches an i Lungenentzündung starb. Die rechtzeitig ausgenommenen Kranken, zum Theil sehr schwere brandige Falle, sind sämmtlich geheilt. Es beweist dies aufs Neue die dringende Nothwendigkeit, Diphtheritiskranke so schnell wie möglich sachgemäßer Behandlung zuzusühren; durch die neue Behandlungsmethode kann die Heilung fast mit Sicherheit in Aussicht gestellt werden.
* Die Weinlese in Hammelburg ist grvßtentheils beendet. Der Menge nach ist ein guter halber Herbst zu verzeichnen. In Bezug auf Güte wurden '0 Grad nach Oechle erzielt. Käufe wurden noch mcht abgeschlossen, doch dürfte der Preis für 1 Eimer 80 Liier) 14—16 Mk. erreichen. Während m Lber- und Untereschenbach der Herbst vollständig eingebracht ist beginnen die Orte Feuerthal und Westheim erst I nächste Woche die Weinlese. Auch in diesen Gernern-
hier zusammentrcten.
* Ans Kurhessen, 6. November. Ans Kirchhain, Station der Main-Weser-Bahn, wird gemeldet, daß
1862 nicht der Fall gewesen sei. Namentlich die Be- 1 unh Gute,
wohner der Mühlengasse haben schwer darunter zu leiden. Das Wasser drang in die Keller, Küche, Ställe und Hausflure viele Fuß hoch ein und setzte alles
vinz Hessen-Nassau. Abg. Professor Ennercerus-Mar- burg unterbreitet hierzu dem Hohen Haus den Vorschlag, die Wahl für heute auszusetzen und vorher . eme Kommission von 7 Mitgliedern zwecks Vorbereitung der Wahl einzusetzen. Herrschen auch hinsichtlich der zu wählenden Person keinerlei Meinungsverschiedenheiten, so seien doch die Grundbedingungen sür die Wahl vorher festzulegen. Das Haus erhebt den Vorschlag zum Beschlüsse und wählt m diese Kommission die Abgg. Stadtrath Heinneckeu-Frankfurt a. M., Bürgermeister Groß-Offenbach, Bürgermeister Körner - Wehen, Bürgermeister Feiger - Westerburg, Rittergutsbesitzer Kurt von der Malsburg-Eichenberg, Sanitätsrath Dr. Endemann-Kassel und Bürgermeister Lotze-Melsungen. Die aus der Tagesordnung stehende Neuwahl der ausscheidenden Mitglieder des Provinzial- Ausschusses wurde abgesetzt, lieber den Bericht des Provinzialausschusses an den Provinziallandtag betreffend Revision: 1. der Normal-Gehalts-Etats für die Beamten des Provinzial-Verbandes, I1. der Grundsätze über das Aufrücken dieser Beamten in die höheren Gehaltsstufen, berichtete Abg. Landesdirektor Sartorius- Wiesbaden. Derselbe führte aus, daß die Beamten der Provinzialverwaltung sich in vielen Beziehungen in ihren Bezügen schlechter ständen, als die Beamten der Kommunalverwaltung, trotzdem sich die betreffenden Gehaltsbestimmungen eng aneinander reihen sollten. Die Kommission habe nun beschlossen, den Antrag des Provinzialausschusses betreffend Revision des 9cor= mal-Gehalts-Etats für die Beamten der Provmzial- verwaltung dem Landtage zur Annahme zu empfehlen. Der Landtag beschließt hiernach im Sinne des Referenten. Abg. Dr. Lieber - Camberg berichtet alsdann über den Antrag der Städte Geisenheim, Hochheim, Braubach, Usingen, Königstein, Nassau, Kronberg, Friedrichsdorf zwecks Einführung der Städte-Ordnung. Der königl. Kommisfar hatte den Antrag der aufgeführten Städte dem Provinziallandtage mit der Angabe unterbreitet, ob dieser seinerseits keine Einwendungen gegen die Einführung der Städte - Ordnung des Regierungsbezirks Wiesbaden in diesen Orten Hobe. Referent beantragt nun hierzu zu beschließen, daß das Haus keinerlei Einwendungen erhebe. Diesem Anträge wird entsprochen.
Ueber die dem Landtage zur Abhörung vorgelegte Rechnung der Provinzialkasse für die Jahre 1892/93 berichtet Abg. Sanitätsrath Dr. Endemann-Kasfel. Diese Rechnung wurde vor 1892, wo die Geschäfte der Provinzialkasse noch von der früheren Schatzkasse mitver- seheu wurden von bem I baute OstMgA Vr Frauenklinik uub Hebammen-Lehr-
Kommunallandtage zu Kassel geprüft. Nach Fiilvung oauie L ) . n q;rDfefioren und Dozenten der Provinzialkasse war nun ein Streit entstanden wer Anstalt in Gegenwart von Projefform nno g«
eigentliche Provinzial-Einnahmen nicht vorhanden sind, sich ein Festmah an. - . $ Anlaß
die Ausgaben jedoch von beiden Komrnunal-Verwal- Herrn. Professor ^Dr.^Mew^^ wurde^aus.^nlatz tungen gemeinschaftlich aufgebracht werden müsfen, diesen auch die Prüfung der Rechnung zu belasten. Nachdem noch die Abgg. Landesdirektor Sartorius-Wiesbaden, Prof Enneecerus-Marburg, Dr. Lieber-Camberg und Justizrath Rieß-Kassel zu dem Punkte gesprochen hatten, wird ein vom Abg. Rieß gestellter Antrag, die Prüfung der Rechnungen den beiden Kommunallandtagen nach vorheriger Prüfung durch die Landesausschüsse zu be= lassen, angenommen. Der Landtag beschästigte sich sodann mit einem Gesuch des Vorstandes der gemeinnützigen Aktien-Bau-Gesellschast zu Frankfurt a. M., um Ueberlassung eines Darlehns von 700,000 M. von j ber Alters- u. Jnvalibitäts-Verstcherungs-Anstcilt hier.
Der Referent hierüber, Abg. Sartorius-Miesbaben, betont, baß bie Kommission es sür wünschenswerth bezeichnet habe, wenn bie Alters- und Jnvaliditäts-Ver- sicherungs-Anstalt ihre Gelder zur Beleihung gemeinnütziger Unternehmungen seitens der Kreise und Gemeinden der Provinz hergebe. Auch dem vorliegenden Gesuche zu entsprechen, beantrage die Kommission, wenn das genannte Kapital mit 3'/- Proz. verzinst und mit i/2 Proz. amortisirt werde, sowie ferner, wenn bie Stabt Frankfurt a. M. bie Garantie übernehme. Referent stellt biesbezügliche Anträge, zu beiten noch die Abgg. Kommerzienrath Hesie-Hedbernheim, Justizrath Dr. Humser-Frankfurt a. M, Lanbesbirektor v. Hundelshausen-Kassel rc. sprechen, und die sodann mit großer Mehrheit angenommen werden. Die Tagesordnung der heutigen Sitzung war hiermit erschöpft und stellte der Herr Präsident nun die geschäftliche Behandlung des eingegangenen Entwurfs über die Landwirthschastskammer zur Debatte, wie bereits gestern in diesem Blatte mitgetheilt wurde. Nächste Sitzung
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Vermischtes.
* Nürnberg, 5. Nov. Nach 9 Uhr ging im Rath- Haus-Saale der Festakt anläßlich der H°ns-Sachs- Feier vor sich. Nach bem Gesang hielt Prof. Goetze au§ Dresben bie Festrebe; Musik schloß bie Feier. Der historische Festzug, ber sich nach 10 Uhr in Bewegung setzte, bot ein farbenprächtiges Bilb. Hierauf gelangten m ber Turnhalle Fastnachtsspiele von Hans ^“^Mc^obedartcn’bcr russischen Zaren. Seit fünf Gc- scklecktern starben die allmächtigen Beherrscher Rußlands theils durch Meuchelmord, theüs im Wahnsinn, Katharina die Große ließ am 17. Juli 1762 ihren Gemahl Peter III. durch Alexei Orlow und Fürst Bariatinski ermorden. Iwan IV. wurde am 16 Juli 1764 Don seinen Wächtern Kapitan Wlassin und Lreute- rmiu erstorben Paul 1. ward unter dem Mitwissen
seiner Eigenen äöhne durch die Schärpe Jaschwils erdrosselt am Morgen des 24. Mürz 1824. Alerander I. überhäufte d e Mörder mit Gold und Ehren, um dann eme Zeit lang als Romantiker ans dem Throne zu glanzen und dann in Geistesstörung zu sterben. Sem ältester Sohu war irrsinnig, und statt seiner bestieg Nikolaus I. den Thron der mr Casarenwahnftnn den Krimkrieg begann und dann vergiftet wurde. Alexander II. war nicht weniger als fünf Mordanfällen entgangen, um dem iu e ticaeu Arn 4. April 1866 feuerte der Ltudent Wladimir Karakorow die Pistole auf ihn ab. Im Juli 1867 unternahm der polnische Handwerksgeselle Bereezowstl das bekannte auf den Pariser Chamrs Echsees verübte Attentat, ^m Jahre 1879 verurtheilten die Nihilisten Alexander II. zum Tode Am 19. April desselben Jahres gingen die vier AXäße fehl Im Herbst wollte man den kaiserlichen Sonderzug üi^dre Luft sprengen; die Minen unter der Moskauer Eisenbahn prang-n jedoch e?st, als der Zug vorüber war. Am 17. Februar 1880 hatte der Spiengversuch in dem kaiserlichen Palms sta aefunben dem der Zar nur durch einen Zufall entging. Dm Sommer'1880 wurden abermals die Vorbereitungen zu einer Bachimine entdeckt. Im nächsten Früchahre griffen aber die Nihilisten zu dem furchtbaren Mittel der Orsmibomben, die denn auch ihren schändlichen Zweck erfüllten. „Kalt — nach Haus sterben!“ das waren die letzten Worte Alexander II., als er blutend und verstümmelt auf dem schneebedeckten Boden lag. Nicht so schrecklich ist der jetzt entschlummerte Selbstherrscher des russischen Kaiserreichs von der Welt geschieden.