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sammlung bewilligte 50,000 Rubel zur Ausschmückung der Stadt beim Leichenbegängniß des Zaren. Am Sarge wird hier ein feierlicher Gottesdienst abgehalten werden.

* Petersburg, 6. Nov. In der Peter Pauls-Kathe­drale, wo die russischen Kaiser begraben liegen, sind seit gestern Vorbereitungen für die feierliche Beerdi­gung Alexander's LI. getroffen. In der Mitte der Kathedrale ist ein riesiger, mit der goldenen Kaiser­krone geschmückter Katafalk errichtet. Zwischen der Thür und dem Katafalk ist eine Gallerte von Pflanzen und Blumen gezogen. Der Sarg wird zu Füßen der Särge der Eltern Alexander's seine Stätte finden. Der Leich­nam wird in Moskau drei Tage ausgestellt, ebenso in Petersburg in der Peter Pauls-Kirche. Morgen werden über Moskau die kaiserlichen Insignien nach Livadia befördert. — Dem ,Rusky Invalid' zufolge unterschrieb Kaiser Alexander noch bis zum Tage vor seinem Tode die Tagesbefehle im Militär-Ressort.

* Petersburg, 6. Nov. Der Uebertritt der Prinzes­sin Alix zur orthodoxen Kirche hat in allen Orten Rußlands den allerbesten Eindruck gemacht. Unter der niederen Bevölkerung namentlich ist die Braut des Zaren dadurch populär geworden.

* In England haben die städtischen Wahlen stattgefunden. Die Altkonservativen und ihr Anhängsel, die Unionisten haben in 77 Ortschaften gesiegt, die Gladstoneaner nur in 28 Orten. Die Arbeiter haben auch diesmal wieder eine ganze Reihe von Ver­tretern durchgebracht, sodaß ihr Einfluß auf die städtische Verwaltung immer größer wird.

* London, 6. Nov. Aus Indien wird gemeldet, daß des Obersten Turner Lager an der Grenze von Waziristan (Ost-Afghanistan) am Samstag von 2000 Waziris überfallen wurde. Der Feind sei nach einem heftigen Handgemenge zurückgeworfen worden, wobei 250 Waziris getödtet, und auf Seiten der Eng­länder ein Offizier und 30 Sepoys getödtet und 9 Mann schwer verwundet, ferner 5 Offiziere verwundet worden seien. (Die betreffenden indischen Truppen bildeten die Eskorte einer Grenzkommission.)

* Aus Ostasien kommt die Nachricht, daß Ruß­land in Wladiwostok schon 70,000 Mann sibirischer Truppen stehen hat, bereit, zu gelegener Zeit in den Gang der Ereignisse sich einzumischen. — Die Japaner haben einen großen französischen Postdampfer, der Munition für China brachte, im chinesischen Hafen Kobe beschlagnahmt.

* Den Chinesen wird es angesichts der Erfolge der Japaner allmählich unheimlich. Wenigstens wird gleichzeitig aus London und Rom gemeldet, daß China europäische Vermittelung nachsuche um zum Frieden mit Japan zu kommen. Die chinesische Regierung soll bereit sein die Unabhängigkeit Koreas anzuerkennen und eine von den Mächten festzusetzende Kriegsent­schädigung zu zahlen. Wie kämen die Mächte dazu, sich mit der Festsetzung der Kriegsentschädigung zu be­fassen? Sie können höchstens, falls Japan zu hohe Forderungen stellen sollte, auf eine Ermäßigung der­selben hinwirken.

Ztadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 8. November.

* Die ,Germania' meldet aus Berlin vom 7. d. M.: Bei dem Kultusminister Dr. Bosse fand Montag Abend ein Diner statt zu Ehren des Bischofs von Fulda, Dr. Komp, der, wie bekannt, • hier an­wesend ist, um sich dem Kaiser und der Kaiserin vor­zustellen. Zu dem Diner waren der katholische Feld­propst der Armee, Bischof Aßmann, der Prälat Propst Dr. Jahnel, der Unterstaatssekretär und die Direktoren, sowie die katholischen und zahlreiche andere Räthe des Kultusministeriums geladen. — Gleichzeitig lieft man

Küster. An Kloster und Kirche knüpften sich viele Sagen vom hl. Toribio, der dieselbe int besonderen Auftrag Gottes gebaut haben sollte. Man zeigte noch oben im Gebirge seine kleine Grotte und Kapelle, wo er in Gesellschaft wilder Thiere gelebt hatte; man fand dort noch alte Ruinen mit Hieroglyphen und maurischen Gegenständen. St. Toribio hatte von der Spitze des Berges, da, wo zur Erinnerung ein außer­gewöhnlich hohes Kreuz stand, einst auf Befehl Gottes 'seinen Stad herunter schleudern müssen, um, wohin er gefallen war, eine Kirche zu bauen. Außer dem Grabe des hl. Toribio barg die Kirche gleichfalls das Grab des hl. Pelago. Der hl. Pelago, stammend aus dem kleinen Orte, der seinen Namen führte, hatte die Mauren im Jahre 730 vertrieben. Er war der erste König von Asturien nnd gewann die große Schlacht bei Covadonga.

Ein zweiter Grund, weshalb Santo Toribio so besucht wird, ist die große Reliquie vom hl. Kreuze, die in einem kostbaren, mit Diamanten und echten Steinen geschmückten Kreuze jeden Freitag zum Kusse dargereicht wird. Die Kirche ist wunderbar schön, in rein gothischem Styl gebaut; charaktervolle Stuckatur - Arbeiten, lebendige Fresken zieren die Wände. Ein großer künstlerischer Sinn weht Jedem entgegen. Ein außerordentliches Talent offenbart sich in den zierlichen Holzschnitzereien sämmtlicher Chorstühle und Bänke.

Die Kirche war auch heute wieder gedrängt voll Beter. Lag doch der Bruderkrieg im eigenen Lande

im ,Reichs- und Staatsanzeiger' unterm 7. d. M.: „Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Morgen 8 Uhr den Vortrag des Chefs des Civilkabinets entgegen, begaben Sich bald nach 9 Uhr in die Gegend von Marquardt, um einer Offizier- Felddienstübung beizuwohnen, und empfingen, in das Neue Palais zurückgekehrt, den Bischof von Fulda Dr. Komp. — Ihre Majestät die Kaiserin und Königin ertheilten heute nach dem Empfang bei Seiner Majestät dem Kaiser dem Bischof von Fulda Dr. Komp die erbetene Audienz."

* In der gestrigen Versammlung des großen Bürgerausschusses wurden als Stadtrathsmitglieder gewählt die Herren Th. Arnd, R. Kircher, A. Müller, F. Fleischmann, R. Schmitt, R. Müller, L. Halbleib und H. I. Mahr. Dem­nach fiel die Wahl auf 7 Mitglieder des früheren Stadtraths; an Stelle des Herrn Konstantin Rein­hardt tritt als Neugewählter Herr L. Halbleib. Die Anwesenden nahmen die Wahl an, während seitens des Herrn Mahr die betreffende Erklärung noch aus­steht. Sechs der Stadtrathsmitglieder wurden gleich im ersten und zwei im zweiten Wahlgange gewählt. Zum Ausschußvorsteher wählte die Versammlung Herrn Justizrath I. Rang und zum Stellvertreter Herrn Dr. Wilh. Raabe. Die Ausschuß-Ergänzungs- wahl wird demnächst stattfinden. ,

* Wie bekannt, wurde vor einigen Tagen auf dem Heuboden eines hiesigen Gasthofes durch einen Schutz­mann ein fremder Mensch festgenommen, welcher sich als Lehrer Mannheimer aus Speyer ins Fremdenbuch eingetragen, angeblich aber der 28 Jahre alte Klavier­spieler Leon von Baranoski aus Krakau sein soll. Der­selbe machte sich höchst verdächtig, von Diebstählen, Einbrüchen und Landstreicherei seinen Unterhalt zu be­schaffen. Man glaubt, daß der Verhaftete mit einem im Central-Polizeiblatt gesuchten Taschendieb identisch sei. Er machte gestern Vormittag einen Fluchtversuch, wurde aber n'och rechtzeitig festgehalten und ins hiesige Gefängniß zurückgebracht.

* Personal-Chronik. Ernannt: der Bürgermeister Duszynski zum Bergrevierbeamten für das Berg­revier Schmalkalden, die Gerichtsassessoren Baier zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Niederaula und Rhiel zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Wolfhagen, der Rechtstandidat Kuhlmey aus Han­nover zum Referendar bei dem Amtsgericht in Rinteln, der ehemalige Sergeant Karl Klose zum Schutzmann bei der König!. Polizei-Verwaltung in der Stadt Marburg. Uebertragen: dem Postsekretär Ritter in Wolfenbüttel die Vorsteherstelle des Postamts II in Treysa (Bez. Kassel). Versetzt: der Gerichtsassessor Dr. Max Fr oh wann 1 in den Oberlandesgerichtsbezirk zu Breslau, der Postmeister Jonas von Treysa (Bez. Kassel) nach Werden (Ruhr), der Stations-Vor­steher 2. Klasse Mohaupt von Heldrungen nach Schmalkalden. Gelöscht: der Rechtsanwalt Dr. Wol- ter in Rinteln in der Liste der bei dem Amtsgericht daselbst zugelassenen Rechtsanwälte.

* Das große Loos, der Hauptgewinn der preußi­schen Klassenlotterie von 500,000 M., ist nach Gör­litz gefallen und wurde, wie verlautet, von „kleinen Leuten" gespielt.

* Aus Anlaß eines Spezialfalles hat der Kultus­minister über die Verleihung des Rektortitels an Leiter von Volksschulen einer Regierung eine Verfügung folgenden Inhalts zugehen lassen: Für größere Schul­systeme von sechs und mehr anfsteigendvn Klassen ist durch Verhandlung mit den Gemeinden Vorsorge zu treffen, daß die Leitung fortan nur solchen Personen übertragen wird, welche die Rektorprüfung abgelegt haben oder von derselben dispensirt worden sind. Ist dies durch Beschluß der Unterhaltungspflichtigen sicher

so bleischwer auf den Gemächern! Alte Mütterchen schleppten sich den Berg hinauf, ihre Lieblinge dem Schutze Gottes zu empfehlen, junge, kräftige Frauen, deren Männer einberufen und namentlich viele Mäd­chen suchten Trost an den Stufen des Altares. Unter diesen Letzteren kniete auch Dolores. Es war kurze Zeit nach dem erwähnten Freitag. Es lag eine flehende Bitte in der ganzen Haltung des jungen Mädchens. Ihr unbewußt rollten Thränen über die Wangen; sie klagte still und innig dem Allmächtigen ihr Leid. Mit der Bitte um Erhörung flehte sie zugleich um Kraft und Ergebung für die Ellern und für sich:

„Schütze den Bruder, führe ihn heim, gesund oder krank, wie Du es beschlossen hast, nur laß ihn nicht einsam auf dem Schlachtfelde umkommen und sterben! Nimm mein Leben, lieber Gott, aber laß den Eltern die Freude, den Stolz ihres Alters. Sagen nicht die Priester, Don Carlos vertrete unsere Religion? — O so verleihe ihm den Sieg!" — Sie küßte nach der hl. Messe mit voller Inbrunst das hl. Kreuz und erhob sich mit heiterem und muthigem Herzen. Der Heim­weg war weniger beschwerlich. Wie eine Gemse sprang sie in kindlicher Lust mit Moro um die Wette, und wären nicht die schönen Blumen gewesen, von denen sie allmählich einen Strauß gepflückt, Dolores wäre in einer Stunde zu Hause angekommen.

Es war bereffs Mittag; die Sonne brannte glühend heiß, trotzdem promenirte auf der staubigen Chaussee ein eleganter junger Herr. Neugierig schaute er die

gestellt, so kann auch schon den derzeitigen Leitern solcher Schulen, wenn sie sich für ihr Amt völlig be­fähigt erwiesen haben, die Amtsbezeichnung „Rektor" beigelegt werden, auch wenn sie die Prüfung nicht ab­gelegt haben. Bei Schulen mit weniger als fechs auf- steigenden Klaffen kann je nach Umfang und Bedeutung der Anstalt ein Hauptlehrer an die Spitze gestellt werden. Das Recht zur Führung des Rektortitels wird nicht durch das Bestehen der Prüfung pro rectoratu erworben. Auch wird ein solcher Titel nicht als persön­liche Auszeichnung verliehen. Vielmehr ist die Vor­aussetzung für denselben der Besitz einer mit beson­deren amtlichen Befugnissen und Pflichten auSgeftatteten leitenden Stelle an einer öffentlichen Schule von oben angegebenem Umfang. Hieraus folgt, daß Hauptlehrer den Rektortitel nicht zu führen haben, auch wenn sie die Prüfung pro rectoratu bestanden haben. Sind gemäß diesen Anordnungen Rektorstellen geschaffen, so ist den Rektoren bei der Leitung und Aussicht ihrer Anstalt eine durch besonderen Erlaß geregelte größere Freiheit bei unmittelbarer Unterstellung unter den Kreis-Schulinspektor durch besondere Dienstanweisung beizulegen.

* Am letzten Samstag, Abends halb 6 Uhr, kehrte die Frau des Hilfsweichenstellers Bott von Döllbach nach Lütter heim. Als sie sich im Rönshauseuer Jagdbezirk befand, krachte auf einmal ein Schuß und die Frau fühlte die Ladung in ihrem linken Bein sitzen. 17 Schrote vertheilten sich auf eine handgroße Fläche und drangen tief ein, da der Schuß wahrschein­lich von einem Wildschützen aus geringer Entfernung abgegeben worden war. Hoffentlich gelingt es dem eifrig und sehr zielbewußt vorgehenden Bezirksgen­darmen, den Thäter den Armen der Gerechtigkeit zu überliefern. (F. K.)

* Salmünster, 6. Okt. Vor Kurzem berichteten wir, daß zwei in einer hiesigen Wirtschaft über­nachtende Gäste daselbst einen größeren Diebstahl aus­führten und am andern Morgen verschwunden waren, jedoch in Frankfurt verhaftet wurden. Nunmehr wird bekannt, daß die beiden, welche sich als Bauhandwerker aus Frankfurt in das Fremdenbuch eingetragen und bald nach ihrer Ankunft ein Telegramm nach Offen­bach aufgaben, einen Dritten im Bunde in Offenbach hatten, nämlich den Adressaten des betreffenden in Salmünster aufgegebenen Telegrammes. Derfelbe wurde von der benachrichtigten Polizei in Offenbach beim Auspacken der gestohlenen Sachen — der Brautaus­stattung der Tochter des betreffenden Salmünsterer Wirthes — abgefaßt und verhaftet. Ein Theil der Sachen war bereits ins Pfandhaus gewandert. Bald war nun die Polizei im Stande, auch die beiden Diebe in Frankfurt abzufassen. Es waren zwei gefährliche Gauner, von denen einer erst vor wenigen Tagen eine fünfjährige Zuchthausstrafe verbüßt halte.

* Kassel, 6. Novbr. Die dritte Plenarsitzung des Provinzial-Laudtages wurde heute Morgen 10 Uhr durch den Präsidenten, Herrn Geh. Justizrath Hilf-Limburg, eröffnet. Nach Verlesung des Proto­kolls der vorigen Sitzung durch Herrn Landesdirektions- Sekretär Voß und dessen unbeanstandete Annahme verlas der Schriftführer, Abg. Landesrath Dr. Knorz, die neuen Eingänge. Unter diesen befindet sich ein An­trag der Gemeinde Friedrichsdorf zwecks Einführung der Städte-Ordnung und der Entwurf über die für die hiesige Provinz zu errichtende Landwirthfchafts- kammer. Ueber die vorzunehmenden Wahlen für die verschiedenen Oberersatzkommissionen der Provinz wurde Abg. Landforstmeister a. D. von Baumbach - Nenters­hausen zum Referenten bestellt. Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf die Neuwahl des Landes­direktors der Provinz und des Vorsitzenden der Alters­und Jnvaliditäts-Versicherungs-Anstalt für die Pro- Straße entlang, strengte feine Sehnerven bis aufs Aeußerste an und drehte sich bann mißmuthig dem Städtchen zu, allerdings nur eine kurze Strecke, um den Weg wieder zurückzumachen und wieder vergebens zu warten. Er, Don Pablo, der Erbe eines bedeu­tenden Vermögens und des von feinem Vater — frei­lich auf gar krummen Wegen — erworbenen Adels, wollte nicht verschmäht sein von der Schönen seiner Wahl.

„Dummes Zeug, ich gehe nach Hanse! Sie wird für meine Aufmerksamkeit doch nur einen spöttischen Dank haben. Ich weiß das," seufzte er, „und doch — ich kann mich nicht entschließen, fortzugehen, ohne sie gesehen zu haben." Er fetzte sich auf einen Stein und rauchte eine Cigarette. „Ist sie zu Ende und kommt sie auch dann nicht, mag sie der Kukuk holen." Der leichte Dampf besänftigte für den Augenblick die Unruhe und gab auch seinem Gesichte den gewöhnlichen Ausdruck zurück. Man hätte den jungen Mann bei oberflächlicher Beurtheilung feiner leidenschaftlichen Ge­fühle fähig gehalten. Ruhige Besonnenheit, kalte Be­rechnung lag in den scharf gezeichneten Linien des Ge­sichtes, das Auge hatte etwas Lauerndes; es war. halb verschleiert, man scheute unwillkürlich, hineinzusehen, und nur dann bemerkte mau, wie es funkelte und blitzte, wie das eines wilden Thieres. Es ließ erkennen, daß es gefährlich fei, die zurückgehaltene wilde Leidenschaft zu reizen und die fchlummernden Seelenkräfte anzufpornen.

(Fortsetzung folgt.)