M 257 Freitag, den 9. November 1894. 21. Jahrgang
FuldakrWZtitunß
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Deutsches Ncich.
Berlin, 7. November.
* Prinz Heinrich von Preußen reist henke von Darmstadt nach Kiel ab, von wo er nach Petersburg fährt.
* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bezeichnet die Nachricht, daß für die Neubesetzung des Justizministeriums in erster Linie Reichsbankpräsident Koch in Frage komme, als falsch. Das Blatt kann bestätigen, daß Oberpräsident v. Wilamowitz auf Anfrage wegen Ueber - nahme des landwirthschaftlichen Ministeriums ablehnend geantwortet hat. — Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe gedenkt heute über München nach Straßburg abzureisen.
* Von allen Abgeordneten, welche dem Reichstage schon bei dem Einzug in das alte Reichstags- gcbände Oktober 1871 angehörten, sind in der Folgezeit bis zum heutigen Tag ununterbrochen nur elf Mitglieder des Reichstages geblieben. Es sind das die Herren: 1. v. Benda, nationalliberal, geb. 18. Februar 1816; 2. Dr. Bock (Aachen), Centrum, geb. 21. November 1832; 3. v. Grand-Ry (Eugen), Centrum, geb. 4. Mai 1837; 4. Frhr. v. Heereman, Centrum, geb. 26. August 1832; 5. v. Kardorff, deutsche Reichspartei, geb. 8. Jan. 1828; 6. Lender (Schwarzach, Achern), Centrum, geb. 20. November 1830; 7. Dr. Lieber (Camberg), Centrum, geb. 16. Nov. 1838; 8. Dr. Lingens (Aachen), Centrum, geb. 10. Slug. 1818; 9. v. Marquardsen, nationalliberal, geb. 25. Oktober 1826; 10. Dr. Rudolphi, Centrum, geb. 30. März 1825; 11. Eugen Richter, Freis. Volkspartei geb. 30. Juli 1838. — Von vorgenannten elf Abgeordneten gehören sieben der Centrumspartei an; deren Mitglieder haben sich also verhältnißmäßig am dauerhaftesten erwiesen. Unter den elf obengenannten war v. Benda schon in den ersten ordentlichen norddeutschen Reichstag 1867 gewählt worden; v. Kardorff ist 1868 in den norddeutschen Reichstag eingetreteten; v. Marquardsen hat dem Zollparlament schon angehört und Eugen Richter dem konstituirenden norddeutschen Reichstag 1867. Allerdings gehören auch jetzt noch Abge- ordnete zum Reichstag, welche auch Mitglieder des ersten deutschen Reichstages von 1871 waren. Dieselben haben aber in den seitdem verflossenen 231/a Jahren längere oder kürzere Zeit dem Reichstag nicht angehört. Dahin sind zu rechnen: Bebel, v. Bennigsen, Dr. Böhme, v. Gerlach, Dr. Hammacher, v. Kalckstein, v. Kehler, v. Stein-Grasnitz, Frhr. v. Stumm.
* Ueber das Verbot der Einfuhr amerikanischer Rinder haben zwischen dem amerikanischen Gesandten Runyon und dem Staatssekretär des Auswärtigen bereits mehrfache Besprechungen stattgefunden, ohne allerdings bisher zu einem Ergebniß geführt zu haben. Frhr. v. Marfchall führte für das Verbot die Gefahr der Ansteckung für den deutschen Viehstand an, da in Amerika thatsächlich Fälle von Ansteckung durch Texas-
Dolores.
Roman von Th. K.
(1. Fortsetzung.)
„Ja, das glaube ich schon, ich bin nicht daran gewöhnt, es will Alles geübt sein. Lassen Sie die Leute überall Schürfarbeiten machen, damit wir das Terrain ganz genau kennen lernen. Fallen die Resultate günstig aus, dann hoffe ich, die Gesellschaft bewilligt ein kleines Kapital und geht auf meinen Vorschlag ein, oder der Generaldirektor kommt selbst, das Ganze in Augenschein zu nehmen und Bestimmungen zu treffen."
Die beiden Herren untersuchten und maßen an verschiedenen Stellen, prüften einzelne Stücke und wählten Gesteine aus von verschiedenen Klassen.
„Hiermit will ich die Analyse machen, und die übrigen als Proben fortschicken," erklärte der Direktor.
„Weich' glühende Hitze hier oben ist, und kein Schutz und kein Schatten weder gegen Regen noch Sonnenschein", fuhr der Ingenieur fort, sich die dicken Schweißtropfen von der Stirne wischend.
„Wir müssen hier an diesen Felsen ein kleines Obdach bauen, so geht es nicht. Der Kostenpunkt ist ja gering. Ich werde morgen schon den Plan dazu entwerfen. Sind Sie nicht der Ansicht, Gonsalo?"
„Ja, das ist nöthig, Don Marcial, selbst wenn
fieber vorgekommen seien, und die Ansteckungsmöglichkeit über sechs Wochen betrage, also erst nach der Ueberfahrt in Erscheinung treten könne. Hiergegen ist jedoch geltend gemacht worbens daß die Ansteckung nur unter Uebertragung durch eine bestimmte Jnsekten- art sich vollziehe, die es in Europa nicht gebe, und bei dem frischen Fleische finde keinesfalls eine Uebertragung statt.
* Im kaiserlichen Gesundheitsamte tagte eine Konferenz außerordentlicher Mitglieder des Amtes zur Berathung über die Regelung des Vertriebes des Diphtherie-Heilserums. Geplant ist die Einführung einer staatlichen Köntrole über Herstellung und Vertrieb des Heilserums. Ueber das Ergebniß der Berathung ist noch nichts bekannt.
* Der chinesische Gesandte in Berlin Hsu - Ching- Chong ist gestern Nachts behufs Theilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten von hier nach Petersburg abgereist. Der Gefandte ist von seiner Regierung in Peking telegraphisch beauftragt, aus Anlaß des Ablebens des Kaisers Alexander von Rußland in geeigneter Form das Beileid — und ebenso zur Thronbesteigung des Kaisers Nikolaus diesem die Glückwünsche des Kaisers von China darzubringen. Unmittelbar nach Erledigung dieser Sondermissionen beabsichtigt der Gesandte nach Berlin zurückzukehren.
* Aus Posen wird gemeldet: Die Anordnung, nach welcher bisher alle aus Rußland mit der Bahn hier an kommenden Reisenden, sowie allestrom- aufwärts und abwärts fahrenden Schiffer sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen mußten, ist mit dem gestrigen Tage aufgehoben worden. Dagegen werden alle diese Personen auf ihren Gesundheitszustand polizeilich überwacht.
* Ueber die Vorgänge in Fuchsmühl hat der Amberger Regimentskommandeur einen offiziellen Bericht an das Kriegsministerium erstattet. Der Bericht beweist keineswegs die Nothwendigkeit des Blutvergießens. Er stellt sich insofern auf die Seite der Gutsherrschaft, als in ihm stets von den „Waldfrevlern" gesprochen wird. Auffällig erscheint die Wendung, es sei nur mit dem Bajonet vorgegangen worden. Die beiden Getödteten — sie werden als „Hauptschreier" bezeichnet — sollen nach der amtlichen Darstellung die Soldaten mit der Axt bedroht haben, und auch sonst soll bewaffneter Widerstand versucht worden sein. Da ist es aber doch sonderbar, daß alle Soldaten heil davon gekommen sind, während auf der anderen Seite Blut geflossen ist. Uebrigens hatten die Zeitungsberichterstatter das Gegentheil von dem gemeldet, was im militärischen Bericht steht. Nach offizieller Angabe find 2 Personen getödtet, 4 erheblich verletzt. Kleinere Verletzungen haben mehrere Personen. Von der Mannschaft wurde Niemand verletzt.
* In Hamburg hat sich eine Damara- und Na- maqua-Handelsgescllschaft gebildet.
die Arbeiten nur einige Wochen dauern sollten, was Gott verhüten möge."
„Keine schlimmen Ahnungen, lieber Freund. Gruben sind launig wie Weibergunst, und ich habe große Hoffnungen auf diefelben gesetzt. Wenn sie nur einigermaßen halten, was sie zu versprechen scheinen, so sind sie lebensfähig und unsere Zukunft ist gesichert. Bis morgen also!" Er entfernte sich mit elastischen Schritten, den Leuten einen Gruß zunickend.
„Der Sennor kennt noch keine Enttäuschungen; er glaubt, bei redlichem Streben müsse nothwendig auch das Glück lächeln," sagte mehr zu sich selbst, als zu den Arbeitern der Steiger. „Kinder, seid fleißig! Der Direktor scheint ein ebenso energischer, wie braver Mann zu sein, der Euch gut behandeln wird, wenn Ihr Eure Pflicht thut."
Den Kopf voll Pläne, das Herz voll Hoffnungen auf das reiche Feld der Thätigkeit, eilte Don Marcial voran. Er überlegte, wie die Wege verbesfert und neue geschaffen werden mußten; er überschlug, wie viele Gentner transportirt werden könnten, wie hoch der Arbeitslohn, und fühlte die Kraft, jedes Hinderniß zu überwinden. „Es kann nicht fehlschlagen", sagte er siegesgewiß, und ein heller Freudenjauchzer schallte über die Berge.
Ausland.
* Pest, 5. Nov. Kardinal Fürstprimas Vaszary ist aus Gran in Begleitung seines Sekretärs Dr. Medard Kohl in der Hauptstadt eingetroffen. Es ist die Einberufung einer Bischofskonferenz für Ende dieser Woche in Aussicht genommen. Der Tag der Einberufung kann insofern noch nicht bestimmt werden, als die abermalige Verhandlung der restlichen zwei kirchenpolitischen Vorlagen im Magnatenhause noch nicht anberaumt ist und die Bischofskonferenz eben gleichzeitig mit diefen Verhandlungen stattfinden soll. — Indessen ist die Rückkehr des Monarchen nach Wien erfolgt, ohne daß das ungarifche Amtsblatt in der Lage ist, die Sanktion der bisher votirlen kirchenpolitischen Gesetze zu verlautbaren.
* Brüssel, 5. Nov. Ministerpräsident de Burlet ist vom Brüsseler Provinzialrath zum Senator ernannt worden, braucht sich also einer Wahl nicht mehr zu unterziehen. Außer ihm wurden 18 katholische Senatoren ernannt, welche nun im Senate die schon so stattliche katholische Mehrheit noch verstärken.
* Der liberale Pöbel Belgiens hat sich wieder einmal durch eine Heldenthat hervorgethan. In Antwerpen haben die Liberalen bei den Stadtwahlen gesiegt. In voriger Nacht nun zogen nach Abhaltung einer Versammlung die Liberalen vor das katholische Vereinslokal und vor die Redaktionen des Handelsblattes und der .Gazette' von Antwerpen. Sie drangen in die Lokale ein und zertrümmerten, was sie fanden. Die Katholiken schossen, um sich der rasenden Angreifer zu erwehren. Es gab einen unglaublichen Tumult. Die Polizei betheiligte sich daran. Polizisten haben ebenfalls „Weg mit den Pfaffen!" gebrüllt. Die Bürgerwehr, die zum Schutze herbeigerufen war, nahm theil- weise ebenfalls für die Tobenden Partei, und nachdem diese pöbelhafte Bande ihr Müthchen gekühlt hatte, zogen Bürgergarden in Uniform im Zuge mit ab. Die skandalösen Vorgänge rufen begreiflicher Weise große Entrüstung in der Stadt hervor. Die „liberale" Gesinnung dieser Banditen-Gesellschaft hat sich wieder einmal auf's schönste erwiesen.
* Rom, 6. Nov. Der Soldat Radice, der in Jscha unlängst den Sergeanten niederschoß und den Lieutenant sowie einen anderen Sergeanten zu erschießen versuchte, wurde vom Kriegsgericht zur Erschießung in den Rücken verurtheilt. Beim Verlesen des Ur- theils brach der Präsident in Thränen aus. — Die ,Tribuna' erklärt, von den in Lugano lebenden Häuptern der Nihilistenpartei als authentisch erfahren zu haben, daß der Zar mittels Arsenik und Phosphor vergiftet wurde! Ganz Rußland sei, trotzdem davon nichts in's Ausland dringe, vom Nihilismus unterminirt und der allgemeine Zusammenbruch unvermeidlich. Der Gewährsmann der ,Tribuna' scheint der bekannte Fürst Peter Assipoff zu sein.
* Moskau, 6. Nov. Die Stadtverordnetenver-
2. Kapitel.
Mir ist, als ob ich die Hände Aus's Haupt Dir legen sollt, Bittend, daß Gott Dich erhalte So rein, so schön, so hold.
Die Kirche von St. Toribio war noch gut erhalten, das anstoßende Kloster aber, ein kolossales Gebäude, welches vier große Höfe einschloß, von denen jeder mit zierlichen Säulengängen umgeben war, wurde täglich baufälliger. Oede und leer waren die großen Hallen; unheimlich klang der Ton der eigenen Stimme, der eigene Schritt zurück. Das Gras wuchs zwischen den grauen Steinen, nur der Epheu schien mit seinen Armen die verwitterten Portale zu stützen. Todt, verlassen war die Stätte, wo frohes Leben einst geherrscht; wo die jungen Edelleute, Zöglinge der Patres, Ring- und Festspiele geübt, wo fromme Väter deren Studien leiteten und in ernster Pflege der Wissenschaft, auch in körperlich hartem Schaffen Gott gedient hatten. Nur die Gräber waren forgfältig gepflegt, nur der Kirchhof prangte mit seinen 1000 Blumen im Frühlingsschmucke, und bildete einen eigen» thümlichen Kontrast. Nur er war geblieben, ein Zeuge versunkener Größe; denn er barg die Gräber vieler großer Männer und Heiligen, deren Andenken nicht untergehen konnte. Den kleinen Theil eines Flügels, zunächst der Kirche, bewohnten der Geistliche und der