Ja
eilage jjw Wuläser Aeitung.
I
21. Jahrgang
Sonntag, den 21. Hktober 1894.
zorelo-Festschrrst!
| Der heil. Papst Cölestin V., |
d. Ztg. erdete«.
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Auch ein Religionsstifter.
Wenn man die lange Serie der byzantinischen Herrscher durchgeht, so wird man ohne tiefes Entsetzen das Buch der Geschichte nicht aus der Hand legen können. Mord, Blutschande, Ehebruch, asiatische Ueppigkeit, die rassinirtesten Grausamkeiten, die ausgesuchtesten Marter, die ekelhaftesten Ausschweifungen, die unnatürlichsten Laster u. dgl. m. waren Jahrhunderte hindurch an der Tagesordnung. . ... _ ' ,
%n Jahre 842 saß Michael, der dritte ,eines Namens, auf dem griechischen Kaiserthrone, nachdem er seine edsi- Mutter Theodora, die nach dem Tode ihres Gemahls Theophilos das byzantinische Reich mit großer Umsicht, Weisheit und Gerechsig- keit regierte, vom Kaiserstuhle verdrängt hatte Er ließ das Reich von seinem Oheim Bardas verwalten, wahrend er selbst sich den abscheulichsten Ausschweifungen überließ. Den Bluthund Nero suchte er als sein Vorbild noch zu übertresten, weshalb er sich den Namen „des Säufers" in der Geschichte erwarb. Nachdem unter seiner Regierung die Byzantiner zwei große Niederlagen durch die Araber erlitten hatten, er,chienen im Jahre 865 auch die Russen, als neue Feinde des Reiches vor den Pforten Konstantinopels und dieselben zogen sich erst nach gewaltigem Lösegeld wieder nach dem Dnieper zuruck, ^n dieser Zeit vollzog sich die Trennung des Morgenlandes von der abendländischen Kirche und wenn man den Lebenslauf sammt- licher Religionsstifter von Moses herab bis zu zenem Zeitpunkte beleuchtet, so dürfte man zu der Annahme gelangen, daß sie sich meist als sittlich reine Charaktere gezeigt haben, wahrend der Stifter der sogenannten orthodoxen (wie Incus a non lucenda) Kirche ein Ausbund der schwärzesten menschlichen Eigenschaften 8troe®er1^eUige Ignatius, Kaiser Michaels I. Sohn, mißbilligte als Patriarch von Konstantinopel damals laut die Unzucht Michaels III und weigerte sich standhast die tugendhafte verdienstvolle Theodora zum Nonnenstande zu zwingen, wie zener verlangte, sprach vielmehr den Bann wegen dessen Lebenswandel über ihn aus. Die Folge davon war, daß der heilige Mann gegeißelt und aus die Insel Therebrnthos verbannt wurde An dieser schmählichen Mißhandlung trug der Eunuche Photrus, Oberstallmeister und Geheimschreiber des Kaisers die meiste Schuld. Er war ein intelligenter, unternehmender, -ber auch ebenso schlechter ränkesüchtiger Mensch. Binnen einer Woche wurde er zum P.iester, Bischof und Patriarchen konseknrt. Um nun Volk und Klerus zu besänftigen, suchte er die freiwillige Entiaauna des hl. Ignatius und die Zustimmung des Papstes sich zu verschaffen, weshalb er Nikolaus, dem Ersten, vorlog, der hl. Ignatius habe freiwillig entsagt und werde m einem Kloster auf das Beste behandelt. Der Papst ,andte aber einen Nuntius zur Untersuchung nach Konstantinopel. Dieser wurde durch Gewalt und Geschenke für dre schlechte Sache des Kaisers und des Photius gewonnen. .. ... .
Anders der heilige Vater, der sich mcht tauschen ließ und eine Synode zu Konstantinopel zusammeuberief. Hier erschien nun der heilige Ignatius int Mönchsgewande und wurde auf die Aussage von dreißig bestochenen Zeugen degradirt, weil er ohne Wahldekret geweiht worden ser. Auf ferne dessallst .e Protestation ließ ihn Phoiius ergreifen und so lange martern, bis er eine Art Unterschrift erpreßt hatte, und dann ließ er aus- sprengen, Ignatius habe freiwillig restgnirt. Der ' erfolgte Sbeiliae aber fand Mittel und Wege einen Bericht, der von zehn Erzbischöfen und fünfzehn Bischöfen veristzirt worden war, an den Papst gelangen zu lassen, worin er ihm den wahren Verlauf seiner Sache mittheilte. Photius zwang nun den Heiligen, seine Entsagungsurkunde öffentlich abzulesen und ging sogari mit«der Absicht um, ihn alsdann blenden und die Hande abhauen zu lassen. Doch diesen Gefahren entging er durch die Flucht rm Bettlergewande. Er mußte auch wirklich eimge Z^t fern Leben als Bettler fristen, bis ein vierzigtagrges schreckliche- Erdbeben nnd der allgemeine Volksunwille den Kaiser zwangen, den Heiligen zurückzuberufen, woraus er sich m em Kloster begab Papst Nikolaus I. hielt indessen eine Synode in Rom ab (863) ttt welcher er sich von der gerechten Sache des hl. ^ghatms überzeugte, die bestochenen Legaten bestrafte, Photius heimlich seiner Würde als Patriarch entkleidete und dem Kaiser in den stärksten Ausdrücken des Abscheues davon Kunde gab.
Was aber that nun Photius? Er unterschob ein zu seinen Gunsten lautendes päpstliches Schreiben und unterdrückte das ächte an die morgenländrschen Bischöfe gerichtete Breve. Da aber der Betrug, wie nicht anders zu erwarten war, gar bald entdeckt wurde, so setzte er seiner Unverschämtheit die Krone auk indem er (866) eine Synode nach Konstaiitinopel berief, m welcher er „als ökumenischer Patriarch der CHM-nheit , da mit der Verlegung des Kaisersitzes von Rom nach Byzanz, das Primat der Kirche auch dahin versetzt sei, das Verdanimungs- urtheil über den Papst aussprach. Gleichzeitig beschuldigte er aber auch die abendländische Kirche der Religionsversalschung. Auch Kaiser Michael fügte diesem Berdammungsurthell noch die Drohung hinzu, er würde selbst nach Rom kommen, den Papst versagen und die Peterskirche der Erde gleichmachen Mit Würde und Festigkeit antwortete der hl. Vater, er habe von Christus seine Macht und roenn ber Sailer fern ungeyeinenbeS Schreiben nicht zurücknähme, so bliebe ihm nichts anderes übrig, als es öffentlich zu verbawmen. Was aber Photius anlangte
'o forberte er ihn auf persönlich im Vatikan zu erscheinen. Die Sache nahm aber eine ganz anbere Wenbung. Durch eine Verschwörung gelangte ein Macebonier, ber Kunstreiter Basilius, auf ben griechischen Kaiserthron, welcher bett Gönner des Photius ben Kaiser Michael HI. erworben ließ. Basilius setzte nun'kurz nach seiner Thronbesteigung ben rechtmäßigen Patriarchen, ben heiligen Ignatius wieder in seine Wurde ein und steckte den trugvollen Photius in ein Kloster. Das Ansehen des Papstes wurde nun ohne Widerrede anerkannt und Hadrean ll^ließ aus das Ersuchen des Kaisers Basilius das achte allgemeine Konsilium nach Konstantinopel berufen das am 5^ Oktober 869 eröffnet und am 28 Februar 870 geschloffen wurde. Photius nebst den übrigen Theilnehmern an seinen Schlechtigkeiten wurde abgesetzt, wonach Ignatius noch 10 Jahre sein Patnarchenamt verwaltete und erst im achtzigsten Lebensjahre firne dornenvolle Lauchahn beschloß. Photius suchte indessen die Welt durch rührende Sendschreiben von seiner Schuldlosigkeit zu überzeugen endlich verstel er auf ein wirksames Mittel die kailerliche Gnade zu erlangen. Er entwarf eine Stammtafel, in welcher er den ehrsüchtigen Kaiser von dem armenischen König Tiridates obstammen ließ, wonach dieser es bewirkte, daß der rankevolle Verschnittene wieder aus den Patriarchenstuhl erhoben ward. Seme Unter- werfunq sollte in einem Konsilium stattfinden in welchem 400 Bischöfe erschienen und das von 879 bis 880 dauerte. Hier maßte er sich den Vorsitz an, verwarf das achte Konsilium und verdammte den Zusatz filioque; er versuhr dabei abermals mit Lug und Trug, indeL er die Akten dieser Synode meistentheils verfälschte. Papst Martin II. belegte darum den Falscher sammt seinem ganzen Anhänge mit dem Banne, wonach er abermals entsetzt und in ein Kloster verwiesen wurde, in welchem er m Jahre 891 starb. Nun wurde der tvürdige Stephanus, Kaiser Leo's VI Bruder, auf den Patriarchenstuhl erhoben So endete einstweilen die große Kirchenspaltung, jedoch dte Funken glimmten unter der Asche weiter. v. a.
unter dessen Regierung das Haus der heil. Familie von Nazareth nach Loreto übertragen wurde.
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Vermischtes.
* Vom Westcrwalde, 17. Okt. Eine nachahmens- werthe Einrichtung, die einer Anzahl ärmerer Ortschaften des Westerwaldes zum Wohle gereicht, ist kürzlich getrosten worden. Nachdem vor längerer Zelt bereits eine Blechwaarenfabrik im Aubachthale mlt vielen Opfern für einzelne Gemeinden eine besondere Industrie zur Beschäftigung im eigenen Hause eingerichtet hat ist nun auch eine Beinknopffabrlk m demselben Thale gefolgt und hat die Fabrikation von Zahnbürsten, die im Hause von den Frauen in ihren steten Stunden bewerkstelligt wird, angeregt und die Mittel hierzu gegeben Der armen Landbevölkerung wird hierdurch passende Gelegenheit geboten, ihre freien Stunden ge-
Änüta*** d-, ich.
lvrocheneu Oberfeuerwerkerschule geben wir folgende Daten- Die Schule ist am 13. Juni 1840 errichtet worden und bat deshalb im Jahre 1890 ihr 50jähriges Bestehen gefeiert, lufaug? dauere Ä Kursus 1 Jahr und die SckMerzohl^ trna 30 Avanciite ber Artillerie". Im Jahr 18o3 1868^69 unb 1878 79 würbe bie Schule reorgamsirt unb erweitert, ^m
i qqi liebelte sie in tbr neues Hmm m ber Invaliden«- Nße über Am^l7 Sepsimber 1854 stieg bie Schülerzahl aus 100 am 1. Oktober 1864 auf HO, wobei ^wer Jahrgänge ge- 6ilbet mürben. Nach dem Etat von 1879 besteht bie Schule in Wn/nher ftorm- ein Stabsoffizier als Direktor, 1 Hauptmann 2 Kws e 17 Mi tärlehrer, 3 Civillehrer, 1 Zahlmeister, 20 ObÄtoerter 3Unteroffiiiere, 30 Kanoniere 240 Schüler. Letztere finb eiugetheilt in zwei Jahrgänge mit vier Parallelklassen. Seitdem ist eine nochmalige Vermehrung der Schul r
t80 Bro Jahrgang eingetreten. Es Haubelt sich also «« eln bebeutenbls Institut. Die eigentlichen Berusswirth- schäften finb: Kriegsfeuerwerkerei, Untersuchnngsdienst, Geschütz- anfnahme ansierdem wird Unterricht in ber Mathematik, IM Zeichnen unb im Verwaltnugsbienst ertheilt Wie letzt verlautet, soll bie Oberfeuerwerkerschnle von Berlin verlegt werben, aber nickt io wohl wegen bes unliebsamen Ere gmffis, sondern weil man mit ber Centralisirung ber militärischen Institute m Bersin anfiiiräumen aebenkt Ein solcher Plan Ware nur freudig zu S?en? benn es ist sowohl für bie Militärinstitute gut wenn sieben Rerfübrunaen ber Weltstabt fernbleiben, als auch pekuniär
" "»'L Sm"«'!.'-
Jabrikauten in Halle a. S., der jahrelang Mitglied ber städtischen Behörben ist, ber Hanbelskammer, Landeseisenbahnrath unb mehreren Bezirkseisenbahnräthen angehört, war nach ber,Frkf. ttta' von suftänbiger Stelle bie Verleihung des Kommerzieu- Nhslitel beantragt worden. Dieser Antrag wurde von dem Regieruugs-Prä,identen im Hinblick auf d.e Verdienste, die sich 'der betreffende Herr um die Entwickelung des Verkehrs, lowi^von Handel und Industrie anerkanntermaßen erworben
Man verlange überall
ICHOCOLAT MENIER
hatte lebhaft befürwortet. Der Oberprüsident lehnte ledoch die Weitergabe des Antrags mit ber Motivirung ab, daß der Betreffende — der nebenbei bemerkt ein fundirtes Vermögen von über einer halben Million besitzt - „nur ein Einkommen von jährlich etwas über 30,000 Mark habe." Nach einer Verfügung des Handelsministers aus dem Jahre 1890 könne die Verleihung des Titels Kommerzienrath aber nur für solche Personen beantragt werden, die im Besitze eines sehr erheblichen Vermögens seien. , - .
* Seltenes Zusammentreffen. Em Weißenburger Handwerker ber 1870 als Soldat des französischen 8. Jägerbataillons bei Wörth mitkämpfte, machte dieser Tage einen Ruudgang über die Höhen von Fröschweiler unb Morsbromi. Als er an bie Stelle kam, wo cs an biesem Tage für ihn unb seine Sameraben am heißesten herging, blieb er stehen, unb alle bie für sein Regiment am 6. August 1870 mit so vieler Todesverachtung ertragenen Strapazen schwebten ihm ttneber vor Augen. Back barauf gesellt sich zu ihm ein gut getleibeter Herr, ber, ebenfalls in Gebauten vertieft, am selben Platze läng, r verweilt. Schließlich wirb zwischen »eiben ein Gespräch angefnüpft. Der Handwerker erzählt, baß er am 6. August als chasseur a pied hier geftanben, daß er seinen Lieutenant H. hier habe fallen sehen unb baß berselbe wohl später seinen Wunben werbe erlegen sein. „Nein, er ist nicht gestorben" erwidert erregt bet biedere ältere Herr. „Ich bin ber H Ich wollte, als alter Pensionär bie für mich bamals ,o verhangnlßvollen Wörther Höhen noch einmal sehen, unb bin, trotz meines bisherigen Leidens deßwegen aus Frankreich hierher gefommen. Welch ein glücklicher Zufall, baß ich gerabe Sie als damaligen Kriegs- fameraben heute hier treffe." Unb bie beiden Tapferen schüttelten ich nun bie Hänbc mit sichtlicher Bewegung. Noch vielerlei aus ^"^^Der'erste ^weibsiche Tischlergeselle in Berlin — schreibt bie Mnther'sche Tischler-Ztg? - ift in ber Berliner Kunst- Uschlerei von Siebert unb Alchenbach m Thatigkeit. E- ist em junges Mädchen ans Kopenhagen, welches hier nut Staatsstipendien ausgerüstet, bei einem Aufenthalte von drei Monaten eine Kemitniffe erweitern will, um dann noch Wien, Paris und London zu demselben Zwecke zu besuchen. Dieser weibsiche Tischiergeselle hat Jemanden zu nachfolgendem Gedicht begeistert.
Ehret die Frauen, sie hobeln und sägen Eichene Bretter mit wuchtigen Schlägen Stemmen sie Zinken am hürnenen Rand, Und in der „Grazie züchtigem Schleier Nähren sie pfeisend das luftige Feuer Unter dem Leimtopf mit rußiger Hand.
Ewig aus der Werkstatt Räumen Ist ber Mann hinausgebrängt, Seine Thaikiast wirb zerschäumen, Wenn fein Schicksal-er bebenlt. Gierig greift er nach bem Befen, Nach ben Töpfen groß unb klein, Da, wo sonst bie Frau gewes en, Schaltet er nun ganz allein.
Aber mit hoch aufgekrempelten Armen Stehen bie Frauen — es ist zum Erbarmen — Stolz an ber Hobelbank, rettenbe That! Wahrlich, es wirb nicht lange mehr bauern, Bis auch bie Frauen noch zimmern unb mauern Unb gar am Enbe noch werben — Solbat!
* (Briefkasten-Humor.) Ein amerikanischer Rebakteur hat bnrch eigene Sorglosigkeit zwei treue Abonnenten verloren, unb zwar auf folgenbe Weife: Die beiben Leute schrieben ihm unb baten um Mittelangabe gegen bas, was sie brückte. Nr. 1, etn glücklicher Batcr von Zwillingen, wünschte zn wissen, wie er biese am Besten bnrch bie Peiiobe des Zahnens bringe unb Nr 2 bat um Auskunft, wie er seinen Obstgarten von Mynaben von Heuschrecken säubern könne. Der Rebakteur ließ seine Antwort ch bie Rubrik „Briefwechsel" einsetzen verwechse te habet aber leichtsinniger Weise bie Namen ber Anfrager. So erhielt Nr. 1, der gesegnete Besitzer von Zwillingen, bte Antwort: „Bebecken Sie sie sorgfältig mit Stroh unb zünben bas an, unb Sie werben bie kleinen Quälgeister, bie noch em paar Sefunben m ben Flammen umherhüpfen, schnell los sein. Die mit Heu- schrecken geplagte Nr. 2 aber erhielt ben Rath: Reichen Sie ihnen ein wenig Castoröl unb reiben sie bte Sinnlaben sanft mit einem Elfenbeinstäbchen". , ... , .
* Beruhigend. Schuster bem Dienstmädchen begegnend, das eben Ansternschalen auf den Hof trägt: „Natürlich Austern können die Herrschaften essen, aber den Schuster bezahlen . . . — Dienstmädchen: „Beruhigen Sie sich, Mann, die Austern stnd auch gepumpt!" —
Literarisches.
Den kathol. Schülern höherer Lehranstalten em- pfehlen wir die in Adolph Ruffels Verlag in Münster l W. erfebeinenbe illustr. Zeitschrift „Stern ber Jugend (viertel,. 1 M.) rebigirt von Religionslehrer Dr. Praxmarer unb unterstützt von über 50 Mitarbeitern. Das 1. Heft mit Jnhalts- Verzeichniß bes 1 Jahrgangs kann jebe Buchhandlung gratis besorgen. Die Zeitschrift hat wissenschaftliches Gepräge unb bilbet Geist und Herz. (Postzeitungsliste Nr. 6169b.)