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JV1 231 . Dienstag, den 9. Oktober 1894. 21. Jahrgang

FulbakrWZkitnng

mit Unterhaltnngs-Heilage „Sterne und Klumen".

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Rundschreiben Leo's XIII.

Aber de« Rosentrauz der allerseiigperc Jungfrau.

(Schluß.)

Dieselbe Kraft des Rosenkranzes nun, welche den Betenden die Zuversicht der Erhörung eingibt, die vermag auch in dem Herzen der Jungfrau das Mitleid mit uns zu erregen. Gewiß bereitet es ihr eine hohe Freude, wenn sie sieht und hört, wie wir so ehrfurchtsvolle Bitten und so schöne Lobsprüche ihr zu einem Kranze winden. Wenn wir so beten und Gott die schul­dige Ehre geben und wünschen; wenn wir seinen Wink und Willen einzig zu erfüllen ttachten; wenn wir seine Güte und Milde preisen, indem wir ihn Vater nennen und ihn um die besten Gaben obwohl unwürdig bitten: so wird Maria wunderbar erfreut und in unserer Andacht hoch den Herrn preisen. Ein würdiges Gebet bringen wir ja Gott dar, wenn wir ihn mit dem Gebete des Herrn anreden. — Diesen so richtigen und wohlgeordneten und mit dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe des Christen in schönster Harmonie stehenden Bitten, ver­leiht noch Nachdruck eine der seligsten Jungfrau hochwillkommene Empfehlung. Denn mit unserer Stimme scheint die Stimme Jesu ihres Sohnes selbst sich zu vereinigen, da er dieses Gebet zuerst zusammengestellt und uns übergeben hat mit dem Gebote: „So sollet ihr beten". Wenn wir nun ein solches Gebot nach der Weise des Rosenkranzes beobachten, so wird sie uns ohne Zweifel noch bereitwilliger ihre liebevolle Hülfe angedeihen lassen; sie wird mit Wohlgefallen den geheimnißvollen Kranz der Bitten annehmen und uns reichlich belohnen. — Um uns hierin ihre freigebige Güte noch mehr zu sichern, gibt uns die dem Rosen­kranz eigene, zum guten Gebete ganz geeignete Art und Weise eine nicht geringe Gewähr. Vieles und mannigfaches pflegt ja in Folge der menschlichen Schwäche den Beter von Gott abzu­lenken und sein frommes Vorhaben zu stören; wer jedoch über­legt, wird bald erkennen, wie eine große Kraft dem Rosenkranz innewohnt, sowohl um die Aufmerksamkeit anzuspanuen und die Trägheit der Seele zu bannen, als auch um das Begangene einen heilsamen Schmerz zu erwecken und den Geist zum Himm­lischen zu erheben. Ein Zweifaches ist es ja, wie wir gesehen, woraus der Rosenkranz besteht: die Betrachtung der Geheimnisse und das mündliche Gebet, deshalb erheischt diese Art des Betens auch eine besondere Aufmerksamkeit des Menschen, denn er muß nicht nur seinen Sinn auf Gott hinlenken, sondern auch die Be­trachtung und Beschauung so vornehmen, daß er Belehrung für die Besserung seines Lebens und Antrieb zu größerer Frömmig­keit empfängt. Gibt es doch nichts Größeres und Wunderbareres, als dasjenige, worin der christliche Glaube gipfelt; aus dessen Licht und Kraft auf Erden Wahrheit, Gerechtigkeit und Friede in neuer Weise mit den schönsten Früchten hervorgegangen sind. — Hiermit hängt auch die Weise zusammen, wie diese so ernsten Dinge den Verehrern des Rosenkranzes vorgestellt werden; es geschieht nämlich in einer Weise, die auch für die Ungelehrten paffend ist. Es werden uns ja die Geheimnisse nicht als Glau­bens- und Lehrsätze vorgetragen, sondern als Thatsachen lebendig und wirklich vor Augen gestellt; und wenn uns so zu sagen Ort und Zeit, wo solches geschehen, und die handelnden Personen vorgeführt werden, dann fesselt es umsomehr das Gemüth und regt es mit größerem Nutzen an. Weil aber diese Dinge ge­wöhnlich schon der zarten Kindesseele eingeprägt werden, so kommt es, daß derjenige, wer dem Gebete mit wahrem Eifer obliegt, nicht erst die Einbildungskraft anzustreugen braucht, sondern leicht Gedanken und Anmuthungen findet, und so durch Maria reichlich am Thau der sämmtlicheu Gnaden sich erquickt. Roch ein anderer Umstand macht ihr diese Gebete angenehmer und des Lohnes würdiger. Da wir nämlich die dreifache Ord­nung von Geheimnissen in frommer Erinnerung wiederholen, so wird dadurch der Ausdruck unseres dankbaren Gemüthes um so offenbarer, da wir so bekennen, daß wir niemals müde werden der Wohlthaten eingedenk zu sein, womit sie selbst in unermüd­licher Liebe für unser Heil sich bemüht hat. Wir können aber kaum ahnen, mit welcher Freude die Erinnerungen so hoher Dinge, die wir von ihrem Angesichte häufig und eifrig feiern, ihr heiligstes Herz fort und fort erfüllen, und wie sehr sie ihre

MmmiWoß St-GMh u. seine Scmchmr.

Bilder aus dem Süden Algier's von Theodor Habicher.

(Nachdruck verboten.)

Das Reich Algier wurde ehemals von einem Dey, der von den Offizieren der türkischen Miliz erwählt und unter dem Oberbefehl der hohen Pforte stand, regiert. Der Flächeninhalt des aus drei Provinzen bestehenden Reiches beträgt 390,000 Kilometer mit einer Einwohnerzahl von 3* 1 2 3/, Millionen Eingeborenen und 257,000 Europäern, Militär nicht mitgezählt.

Provinz Konstantine im Osten, Oran im Westen und Algier in der Mitte wurden von drei dem Dey Algier's untergeordneten Bey's regiert. Den weitaus größten Theil dieser Landstriche bewohnten eine Menge ziemlich unabhängiger Tribüy (Stämme).

Nachdem der letzt regierende Dey von Algier den dort die Autorität Frankreichs vertretenen Konsul gröb­lich insultirte, beschloß der damals regierende König Karl X., für diesen seinem Vertreter zugefügten Schimpf Vergeltung zu üben und Europa gleichzeitig von den am Mittelmeere stark ihr Unwesen als Piraten trei­benden Berberen zu befreien.

Diese Mission wurde dem damaligen französischen

Gefühle mütterlicher Fürsorge und mütterlichen Wohlwollens bewegen. Und so folgt aus diesen Erinnerungen, daß unser Gebet zum heißen und innigen Flehen wird, das die Erhörung fast erzwingt; denn so viele Geheimnisse erwogen werden, so viele Gründe zur Erhörung bringen wir vor, die gewiß bei der seligsten Jungfrau viel vermögen. Zu dir fliehen wir ja, heilige Gottesgebärerin, du wollest die armen Evaskinder nicht ver­achten ! Dich rufen wir an, Vermittlerin nnsers Heils, gleich mächtig und milde; zu dir flehen wir um der Freude willen, die Jefus dein Sohn dir gewährt hat, um der Schmerzen willen, die du gemeinschaftlich mit ihm erduldet hast, um seiner Herrlichkeit willen, die auf dich widerstrahlt; so höre uns denn und erhöre uns gütig, obgleich wir dessen unwürdig sind.

So wird denn. Ehrwürdige Brüder, bei Betrachtung der Vorzüge des Marianischen Rosenkranzes, welche wir aus zwei­fachem Grunde hervorgehoben haben, so recht offenbar, warum Wir in Unserer Sorgfalt nicht aufhören, immer dasselbe ein­zuschärfen, immer dieselbe Andacht zu fördern. Die Welt bedarf, wie Wir im Anfang hervorgehoben haben, der himmlischen Gnaden täglich in höherem Maße, zumal es da viele Bedräng­nisse der Kirche gibt, wodurch sie im Gebrauch ihrer Rechte und ihrer Freiheit behindert wird, und vieles, was das Glück und den Frieden der christlichen Staaten von Grund bedroht. So bekennen wir denn wiederum und nachdrücklich, daß Wir zur Erlangung der nöthigen Hilfe unsere größte Hoffnung auf das Rosenkranzgebet gesetzt haben.

So möge denn diese Andacht ihren uralten ehrenvollen Rang aller Orten wieder erlangen; möge sie in Stadt und Land, möge sie im Schooße der Familie und in der Werkstatt, bei Hoch und Niedrig geliebt und geübt werden als ein edles Wahr­zeichen unseres christlichen Bekenntnisses und als vortreffliches Mittel zur Erlangung der göttlichen Huld. — Alle müssen um so mehr daraus bringen, daß dieses geschehe, da die Gottlosen in ihrer nichtswürdigen Verkehrtheit durch List und Gewalt alles wagen, was den Zorn der göttlichen Gerechtigkeit herausfordert und das Unheil gerechter Züchtigung über unser Vaterland heraufbeschwört. Unter Anderem empfinden es mit Uns alle Gutgesinnien schmerzlich, daß selbst im Schooße katholischer Völker es leider gar Viele gibt, welche sich über die Beschimpf­ungen der Religion, welcher Art sie auch seien, sogar freuen, welche die Freiheit der Preffe mißbrauchen und sich förmlich darauf zu verlegen scheinen, die heiligsten Dinge der Religion und das bewährte Vertrauen auf die Fürbitte der seligsten Jungfrau vor der Welt verächtlich zu machen und zu verspotten. Vor einigen Monaten mußten wir es erleben, daß man damit sich sogar an der heiligsten Person Jesu unseres Erlösers ver­griffen hat. Man scheute sich nicht, dieselben auf dem Theater darzustellen, wo sonst die schauerlichsten Stücke gegeben werden, und sie hinzustellen entkleidet ihrer göttlichen Majestät, ohne welche jedoch eine Erlösung des Menschengeschlechtes undenkbar ist.

Ja man schämte sich nicht, sogar jenen Menschen von dem Brandmal der ewigen Schmach befreien zu wollen, der das schrecklichste Verbrechen auf sich hat und eine Untreue, wie sie abscheulicher seit Menscheugedeuken nicht existirt — den Ver- räther Christi. — lieber solche in italienischen Städten statt- gehabte oder geplante Vorkommnisse hat sich allgemeiner Unwille erhoben; man beklagte auf das Tiefste die Verletzung des hlst. Rechtes der Religion, Begangen bei einem Volk, das mit Recht und zwar an erster Stelle des Namens eines katholischen Volkes sich rühmt. Wie billig, blieben auch die immer wachsamen Bischöfe nicht unthätig, sie haben nachdrücklich Beschwerden bei denen geführt, welchen es heilige Pflicht sein sollte, die Würde der von den Vätern ererbten Religion zu schützen. Die Oberhirten haben ihre Heerden nicht nur auf die Schwere der Gefahr aufmerksam gemacht, sondern auch ermahnt, durch Werke der Frömmigkeit unferm Heiland für diese Schmach Abbitte und Sühne zu leisten. Wir freuen uns über diesen Eifer der Guten, die sich auf so vielfache Weise kundgab, und fanden darin Linderung für den tiefen Schmerz, den solche Dinge in uns Hervorrufen mußten. Wir können aber diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen und wollen Kraft Unseres allerhöchsten Amtes die Stimme er­heben und mit den Beschwerden der Bischöfe und Gläubigen auch die Unseren auf das Nachdrücklichste vereinigen. Mit dem­

General Bourmont anvertraut, welchem es auch am 13. Juni 1830 gelang, an der kleinen Landzunge in der Nähe des heutigen Trappistenklosters bei Sidi-Fer- ruch zu ankern, die Araber bei Staoueli am 19. zu schlagen und die Stadt Algier am 5. Juli im Sturm zu nehmen. Seit jenem glorreichen Siege blieb Algerien französische Kolonie.

Die Eingeborenen gliedern sich in drei Klassen:

1) Die zum größten Theile die Städte bewoh­nenden Mauren:

2) die in den Ebenen als Hirten lebenden Araber und

3) die Handwerk oder Ackerbau betreibenden Ge­birgsbewohner genannt Berberen, in der Um­gebung des Jurjura, auch Kabylen genannt.

Den Rest der Eingeborenen bilden die Nachkommen der im XV. Jahrhundert aus Spanien und Sizilien vertriebenen, sich dauerhaft niedergelassenen und größten- theils naturalisirten Juden.

Im Süden des Reiches existiren noch viele mehr oder minder halb wilde Stämme, von denen ich nur den 1000 Kilometer entfernten und am Rande der Sahara lebenden Stämme der „Muadhi" den geehrten Lefern näher zu beschreiben erlaube.

Schloß „El-Goleah", von den Berberen „LaTaori" und von seinen Bewohnern auch „El-Menia" genannt,

selben apostolischen Herzenseifer, mit welchem Wir jene sakri­legische That beklagen und verabscheuen, richten Wir aber auch an die christlichen Völker, besonders an die Italiener, die Mahnung, und beschwören sie, daß sie die von ihren Vätern überkommene Religion, die ein fo kofibares Erbe ist, treu be­wahren, eifrig vertheidigen und unablässig durch ehrbaren und frommen Wandel fördern.

Und fo wünschen Wir auch aus diesem Grunde, es mögen die Einzelnen und die frommen Vereine darin wetteifern, im Monat Oktober der erhabenen Gottesmutter, der mächtigen Schirmerin des Christenthums, der glorreichen Himmelskönigin Ehre zu erweisen Wir bestätigen die hierfür früher verliehenen hl. Abläffe bereitwilligst. Gott aber, ehrwürdige Brüder, der uns eine solche Mittlerin so gnädig verliehen und der wollte, daß wir alles erlangen sollten durch Maria, möge auf ihre gnädige Fürsprache Eure gemeinsamen Bitten erhören und Eure Hoffnungen erfüllen. Zum Unterpfand deffen ertheilen Wir Euch, Eurem Klerus und Volke in aller Liebe im Herrn den aposto­lischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 8. September 1894, im 17. Jahre Unseres Pontifikates

____________Papst Leo XIII.

Deutsches Reich«

Berlin, 6. Oktober.

* Der Kaiser nahm gestern Abend in Hubertus­stock den Vortrag des Reichskanzlers Grafen Caprivi entgegen.

* Graf Caprivi denkt gar nicht daran, abzudanken. Der Hamb. Korresp.' schreibt offiziös, es fei ganz gut, daß die Zeit für beit Zusammentritt des Reichs­tags mit schnellen Schritten herannahe. Man werde dann ja sehen, „daß es für den Kampf um die Erb­schaft des Grafen Caprivi noch zu früh ist, und das dürfte auf alle Theile eine beruhigende Wirkung aus- üben."

* Den Weiheakt der 132 neuen Fahnen am 18. d. M. wird — so lesen wir in verschiedenen Blättern — „an Stelle des nach seiner langen Krankheit beurlaubten evangelischen Feldpropstes Richter der Militär- Oberpfarrer, Hofprediger Fromme! unter Assistenz des katholischen Feldpropstes Aßmann vollziehen." So kann die Nachricht nicht richtig sein, denn ein kathol. Bischof kann doch keinem protestantischen Prediger bei einer kirchlichen Amtshandlung assistiren! Die Meldung in obiger Form ist geradezu eine Verhöhnung der Katholiken, die diese nicht ruhig hinnehmen können.

* Zur „Rettung des Vaterlandes'-, für die Herr v. Bennigsen nach den Worten des Abg. Dr. Hammacher berufen sein soll, schreibt treffend ein Centrums-Korre- fpondent: „Das Vaterland soll gerettet werden. Wir sehen aber das Vaterland gar nicht in akuter Roth. Was uns bedrückt, ist die stetig fortschreitende Zer­setzung der religiös-sittlichen Grundlagen der Gesell­schaft; aber dagegen kann der Liberalismus, der die christliche Schule und die Kirche zu schwächen sucht, am allerwenigsten helfen. In Wirklichkeit will man nicht das Vaterland, sondern die mittelpartei­liche Herrschaft „retten". Hoffentlich wird das Vaterland gerettet werden vor diesen Jntriguanten!"

* Nachts um die zwölfte Stunde, wo die Fidelitas längst eingetreten war, hat, so wird jetzt in national- liegt unter dem 30. Grade 21 Minuten und 12 Sekun­den nördlicher Breite und am 0 Grad 47 Minuten 40 Sekunden östlicher Länge, also beinahe am Meridian von Algier.

Die zahlreichen Stadtruinen, sowie die Chronik der Vergangenheit berichten von einer einstigen Einwohner­zahl von 6000 Seelen.

Die Stadt ist auf einer Plattform der drei die Oase beherrschenden Hügel erbaut. Der erste, auf dessen Gipfel ein großer kegelförmiger Steinhaufen an­läßlich einer dem Andenken des Si-Bu-Hafy gemachten Mekkapilgerreise errichtet wurde, wird Magrunt-Sidi- Scheiker-Hügel genannt; der zweite, dessen Ausdehnung etwas kleiner und an Höhe den ersteren überragt, diente als ausersehener Bauort für das Beduinenschloß, das seinem Aussehen gemäß als der für die gleichnamige Oase in strategischer Hinsicht bedeutendste Punkt ist; der dritte besteht aus einen riesigen Haufen röthlicher Töpfererde, auf deffen Kuppe einige große Felsblöcke ruhen, welche in späterer Zeit, durch die Einflüsse des Regens beeinträchtigt, das Ihrige zur Erdabrutschung beitragen werden.

Von den Mohammedanern wird dieser Hügel „Tm- Bu-Zid" genannt. Die am Fuße desselben befindliche Grabstätte wurde einem den Rus der Heiligkeit ge­nießenden „Marabut" (Priester des Islams) errichtet