Ueilsge Mv Wulösev Aeitung.
21. Jahrgang
Sonntag, den 7. Hktober 1894.
Literarisches.
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Einen recht „modernen" Zug weist die Verirrung der Oberfeuerwerker insofern auf, als diese abkom- mandirten Unteroffiziere über ihren Stand und ihre Bildungsstufe hinaus sich zu erhebensuchen und dem
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die Heerde dem Hirten aus dem Kopf. Allem Anscheine i nach ist unter dem früheren Direktor der Schule die häusliche Zucht gar zu gemüthlich geworden. Der neue Direktor zog die Zügel scharf an, und das wollte den verwöhnten Rößlein nicht behagen.
Einige haben gesagt, „Berlin" habe bte jungen Leute verdorben, die Schule müsse in einen kleineren Ort gelegt werden. Freilich hat Berlin seine besonderen Gefahren für junge Leute; aber es ist doch noch nicht klar, ob gerade in diesem Fall die Eigenheiten der Weltstadt das Unheil angerichtet haben. Die Oberfeuerwerker haben sich zunächst als Studenten auf- qespielt, „Korps" begründet, Kommerse abgehalten usw. 4u dieser Nachäffung des studentischen Treibens konnten sie aber in jeder Universitätsstadt ebenso gut kommen, wie in Berlin. Ja, in einer kleineren Stadt noch eher, denn je kleiner die Musenstadt, eine desto größere Rolle spielen die Herren Studenten. In Berlin fällt das Paradiren mit Couleur, Wichs, Schmissen re. durchaus fort. Anderswo ist es ein Volksfest, wenn die Studentenschaft Aufzüge oder Auffahrten veranstaltet: in Berlin sieht sich das Publikum nach solchen Scherzen kaum um. All' der Ulk bei Tag und Nacht, den sich die Studenten kleinerer Städte gegenüber den Philistern und den Schergen der Ordnung herausnehmen, ist in Berlin unmöglich. Es gibt freilich so eine Art von „lateinischem Viertel", aber das kann mit dem Quartier „latin“ in Paris keinen Vergleich aushalten. In Paris ist das Studententhum viel mehr auf einen Stadttheil concentrirt und kann in Folge l dessen auch in der Oeffentlichkeit sich ganz anders aufspielen, als das zerstreute Studententhum in Berlin. Uebrig'ens braucht man gar keine großartige Verführung von außen anzunehmen, um sich das Talmi-Studenten- thum der Oberfeuerwerker zu erklären. Die Leute sind ja in gewifsem Sinne Studenten, Zöglinge einer Hochschule ; sie fühlen sich als die Auserwählten der höheren Weisheit. Ich fürchte, wenn man ihre Schule mitten in der Lüneburger Haide anfässig macht, so wird sich doch der Bacillus des Burschenthums auf diesem günstigen Nährboden entwickeln.
Ferner haben die Frevler gegen die Disziplin zu viel getrunken. Der entscheidende Krach trat bekanntlich nach 11 Uhr Abends ein, als der Alkohol in die Köpfe gestiegen war. Der Alkohol ist meistens daran Schuld, wenn es zwischen Untergebenen und Vorgesetzten zu offenem Konflikt kommt, im bürgerlichen Leben wie im militärischen. Ein bezeichnendes Wort sprach kürzlich ein Kutscher, der eine schöne Brod- stelle verscherzt hatte. Er hatte mehrere Jahre eine
lohnende und angenehme Stellung bei einem gut- müthigen Herrn gehabt; in der letzten Zett war er aber mehrfach angetrunken gesehen worden und in diesem Zustande hatte er sich zu einer groben Respektswidrigkeit hinreißen lassen. Der Herr lud ihn am folgenden Morgen vor und legte ihm klar, wie unvernünftig er gehandelt habe. „Ja", sagte der Schuldige
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anwendung "des strafrechtlichen Grundsatzes, daß die Trunkenheit unter Umständen als Entschuldigungsgrund gelten soll. Die Herren Trinker halten es Tür em Menschenrecht, sich gelegentlich zu betrinken, und fordern
G Hebet den Skandal in der Ober- seuerwerker-Schule
haben sich die Leute mehr verwundert, als nach meiner Ansicht nothwendig war. Den jungen Herren Unteroffizieren, die aus dem strengen und langweiligen Frontdienst in ihrer kleinen Garnifonstadt aut dw rÄ’ÄPSÄ । ichHich, ftlbftb-wL- K°m- । —»es ftraMth*« militonen werden. Uebermuth und Vergnügungssucht brechen hervor, wie der Champagner aus einer entkorkten Flasche. Solche Leute mit gehobener Stimmung kommen nun in der Oberfeuerwerker-Schule m der großen Zahl von 180 zu gemeinsamem Leben zusammen. In diesem „Pensionat" die richtige Ordnung zn erhalten, erfordert ein ganz besonderes Geschick. Die Letter muffen mit U—- - , . Q ,
Mittellinie treffen. Werden die Zugel der Zucht zu stark angezogen, so gibt es Unzufriedenheit, Bosheit 1 , nrrx l ... <1 . D.'; .«.U.sv rtitv Pitt frYlPYtlfl 21t
m «ömmSw — »«• ä UL ÄtihÄftrÄt ’S Mb qrößer der Erfolg. Vor allen Dmgen jet darauf zu achten, daß der Badende vorher die natürliche Körperwarme besitze. Wer fröstelt müsse durch Bewegungen oder durch das Bett ^en Körper erwärmen dann sei das Bad schnell zu nehmem Im Wasser dürfe man nur 3 Sekunden verbleiben, um sich dann wieder schnell su bekleiden, ohne den Körper abzutrocknen. Wer b^ ständig kalte Füße habe, dem sei das Barsußgehen durch frisch aefallenen Schnee zu empfehlen. Der älteste Kopfschmerz werde durch das Barfußgehen über nasse Steine verschwinden. Der bartnäckiaste Nasenpolyp werde durch Anwendung öon Halbbädern verscheuch!. Hunderte wurden in Wörrshofen silbst von der bocbaradiasten Influenza in 6—10 Stunden dadurch befreit, daß man auch beim höchsten Fieber stündlich den Körper mit ieuckter grober Leinewand abreibe. Das Scharlachfieber fei meistens nach 2—3 Abreibungen verbannt. Reicher Beifall wurde d.m •»«?.,tow»....
@u«em in einem Dorfe bei Zwickau, wo zwei alte Leute, die bereits beide das 60. Lebensjahr überschritten haben den Bund der Ehe eingingen. Schon in ihrer Jugend hatten sich die ^iden Leute mit Heirathsgedanken getragen, doch erfuhren diese feiner «eit eine jähe Unterbrechung, weil der jetzige „junge Ehemann als junger Bursche im Jahre 1863 im Verein nut emem Andern bei einem Wortwechsel einem Gendarmen einen tödtlichen Schlag versetzt hatte. Zu dreißigjähriger Freiheitsentziehung verurtbeilt hat er nach seiner im vorigen ^ahre erfolgten En - (offunq sein früher gegebenes Versprechen eingelöst und feine Auserwählte, die ihm in dem langen Zeiträume treu geblieben ist, als Ehesrau heimgeführt. _____________
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Maria Immaculata." Illustrierte Marien- und Missions- " «eitichrift. Gesegnet von Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII.
?1 Nov 1893). Zweiter Jahrgang. 12 Hefte ä 32 Seiten 8°' franko zugesandt pro Jahr zwei Mark. „
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Aus dem reichhaltigen Inhalte des ersten Heftes fei besonders'hervorgehoben: Drei Rosenkranzgeschichten - Gesunden. Eine Erzählung aus dem Leben. — Das Gebet der Mutter. Ordensmann und Missionär. - Dann folgen mehrere mteressmite Anttäüe und Erzählungen aus den Missionen, z. B-- Das Indianer-Meeting von Quaquelle. — Bekehrungsgeschichten, Nachrichten re. Außerdem bringt die Zeitschrift Bilder aus den übrigen Missionen, Porttäts bedeutender Missionare, Vignetten und Bilder der allerseligsten Jungfrau Marra. __
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und wie es spuckt. Das ist der allgemeine Zug der «eit: Jeder will sich auf etwas Freieres und Höheres ausfpielen, als er ist. Das Dienstmädchen geht Sonntags oft eleganter, als ihre Herrin, und der ehrsame Meister sieht wie ein untergeordnetes Wesen aus, wenn er zufällig mit dem patenten Herrn Lehrjungen zusammentrifft. Es ist ein Jammer, daß wir das
ich gelegentlich zu b-mulen,-wg I W"'s ‘ llichügei
NUN, daß man auf dlefen Zustand gebührende Rücksicht J eia en en Berufs- und Altersklasse dazunehme und nicht Dinge von ihnen verlange, g dessen haben wir die allgemeine S ch w i n d-
im nüchternen Zustande zulelstensind Elnrder stehen. ^engnaufjc()roinbe(nB nt eine „höhere" ' ein ganz besonderes Geschick. Die I schlimmsten Auswüchse des studenttschen Treibens ist ! . JJ ° kräftig betrieben, daß die Komödianten
scharfem Takt gerade die rechte die Verherrlichung be§ Mchlich selber an den blauen Dunst glauben den
Werb.» bi- M-el de, Zucht zu Trunlerrh.,^- J-g* iU**«-* fc
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locker gelassen, so nimmt sich das übermuthtge Völkchen sagt sch leichtt.
ungen Mangel ist, im „stillen Suff viel Aergeres geleistet als in der Großstadt, wo anderer Zettver- tteib dem Hunger Konkurrenz macht, die Oberfeuer- , 3 0£t. Herr Pfarrer Kneipp hielt gestern
werkerschule wird also auch in anderen Städten wohl 9(b b t ^rotz M. 150 Eintrittspreis) dichtgefullten Saale
Zacken" bleiben Auf das rechte Maß im Ge- desFränttfchen Hofes einen Vortrag über. seine Waßerheilme höbe
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solchen Anstalt hinzuwirken suchen, und dazu ist das erste Mittel, die Leute ftühzettlg in s Bett zu bringen.
Wenn die Kantine der Mannschaft um 11 Uhr noch nicht einmal geschloffen ist, dann kann es ohne überladenen Magen und überhitzte Köpfe nicht abgehen.
Der Saufteufel hat den Raufteufel gleich bei sch. Für die militärifche Zucht und Leistungsfähigkeit ist der Alkohol eine furchtbare Gefahr. Durch traurige Erfahrungen ist man ja fogar zu der Vorfchrift gekommen, trunkene Soldaten möglichst durch ihres Gleichen, nicht durch Vorgesetzte zur Ruhe bringen zu lassen. Wenn aus den Märschen Leute schlapp werden und dem „Sonnenstich" zum Opfer fallen, so befinden sich in der Regel darunter die tapfersten Zecher vom vorigen Abend. So erklärt es sich auch daß die Einjährig-Freiwilligen unverhältnißmaßig stark unter den Umgefallenen vertreten zu fein pflegen; ste „kneipen noch kräftiger und ausdauernder, als ihre Kameraden in der Kaferne. Der Alkohol ist aber nicht bloß für die Untergebenen, sondern auch für bte Vorgesetzten verderblich. Der Vorgesetzte, der unter der Einwirkung dieses Giftes steht, macht leicht Dummheiten und Rohbeiten Dabei muß man auch den Katzenjammer m s Auge'fasten. Der Unteroffizier oder Lieutenant der nach übermäßigem Abendtrunk und mangelhafter Nachtruhe früh in den Dienst muß, ist ärgerlich und nervös; es wird ihm fchwer, die Leute richtig zu behandeln | Letztere haben aber ein scharfes Auge und em seines Gefühl für solche Blößen ihrer Vorgesetzten, ^n manchem frommen Kopfe ist bei derartigen Gelegenheiten der erste widerspenstige Gedanke ausgesttegen.
Der Kampf gegen die Trunksucht — bie ferne wie die grobe — ist eine hochwichtige Aufgabe, bei der die bürgerlichen und die militärischen Elemente zusammen wirken können. Unser hochverehrter Veteran August Reichensperger hat unlängst in dieser Richtung ein ernstes Wort an die Studenten gerichtet. Mit Recht greift er in erster Linie den heillosen Frühschoppen an der gleich die Arbeitskraft für den ganzen Tag lahm legt und dem Abendfchoppen dieWegeberettet. -
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