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21. Jahrgang
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Deutsches Reich.
Berlin, 4. Oktober.
* Die Kaiserin begibt sich morgen nach Hubertusstock, woselbst sie mit dem Kaiser, der aus Rominten kommt, gleichzeitig eintreffen wird. Zu der Hubertus- stocker Kaiserjagd ist auch der Ministerpräsident Graf Eulenburg geladen. Nach der Rückkehr des Grafen Eulenburg nach Berlin wird sich, wie es heißt, das preußische Staatsministerium unter Mitwirkung des Reichskanzlers Grafen Caprivi über die schwebenden Tagesfragen schlüssig machen.
* Zu der am 17. und 18. Oktober stattfindenden feierlichen Nagelung und Weihe der für die vierten Bataillone bestimmten Fahnen sind sämmtliche komman- direnden Generale und Regimentskommandeure befohlen worden. Ferner werden von jedem Regimente ein Offizier, ein Unteroffizier für die Fahne und noch ein zweiter Unteroffizier bei der Feier zugegen sein.
* Der Bundesrath trat heute zu einer Plenarsitzung zusammen.
* Als Schlußtermin für die Anmeldung von Ausstellern auf der Berliner Gewcrbeausstcllung 1896 ist der 15. November d. I. festgesetzt. Vorgesehen ist die Bebauung von ungefähr 50,000 Quadratmetern.
* Eine beträchtliche Vermehrung des Eisenbahn- Materials auf den preußischen Staatsbahnen wird ofsiziös angekündigt. Die,Bert. Pol. Nachr.' erkennen nämlich in einem offenbar beeinflußten Artikel den Wagenmangel insbesondere für den Kohlentransport an und stellen „zur möglichsten Behebung des Uebel- standes" eine beträchtliche außerordentliche Vermehrung des Eisenbahn-Materials in Aussicht.
* Folgende Berläumdung bringt die ,Köln. Ztg.L „Aus Oberschlesien wird uns geschrieben: Zu der scharfen Kritik des Fürsten Bismarck über den polnischen Adel und Klerus kann ich Ihnen eine that- sächliche Bestätigung liefern. Vor einigen Jahren erzählte Cardinal-Fürstbischof Kopp bei Gelegenheit einer Bischofs - Conferenz in Köln an der erzbischöflichen Tafel die folgende Geschichte: Katholisch-Polnische Geistliche Oberschlesiens hätten ihren Beichtkindern gesagt, wenn ihr nur ein einziges Wort deutsch sprecht, so ist das eine so schwere Sünde, daß wir euch nicht davon lossprechen können. Der Kardinal selbst mißbilligte natürlich diesen Mißbrauch des geistlichen Ansehens. Aber beweist diese Thatsache nicht schlagend, daß der polnische Klerus — oder sagen wir, um nicht ungerecht zu werden, wenigstens manche polnische Geistliche, auch die Lüge und die Entweihung eines Sakramentes nicht scheuen, um in antideutscher Weise zu polonisiren." Wir haben es, trotzdem wir von der Unrichtigkeit der vorstehenden Meldung vollkommen überzeugt waren, doch nicht unterlassen, uns bei zuständiger Seite zu erkundigen und erhielten die Antwort: Total aus der Luft gegriffen. Wir sind neugierig, ob die ,Köln. Ztg/ die Verleumdung zurücknimmt.
* Magdeburg, 4. Okt. Die Untersuchung be-
Faü und Rettung.
Erzählung von F. X. Ho ermann.
(Schluß.)
Walther nickte, und Zornesröthe überlief seine Stirn und Wange. Das war also der ihm Monate lang anscheinend treu ergebene Freund, der ihn einst mit in den Strudel des Vergnügens gezogen und ihm dann auch noch die letzte und schönste Hoffnung des Lebens hatte rauben wollen. Es trat in der Unterhaltung eine Unterbrechung ein, dann führten die Damen ihren Gast in die Gartenhalle. Vergangene und künftige Tage wurden besprochen, und zum ersten Male ertönten auf der Höhe der Villa wieder helle Freudenlaute.
Wie schnell entschwanden Walther die Stunden; der Augenblick war da, daß er sich zu seinen Kollegen in Friedensgrün zurückbegeben mußte. Eine Thräne schimmerte in seinem Auge, als er Abschied nahm. „Auf Wiedersehen in drei Tagen," rief er, den Hut schwenkend.
In frohen Gedanken marschierte er den Weg nach Artzheim zurück. Eine neue Welt war ihm erstiegen, er fühlte sich nicht mehr verlassen in der Fremde.
züglich der in Berlin "verhafteten Angehörigen der dortigen Oberfeuerwerkschule ist hier am Sonntag früh unmittelbar nach der Ankunft der Schüler ausgenommen worden. Daß sie schnell zum Ziele führen wird, ist sicher. Die Unschuldigen werden alsdann leicht herausgefunden werden, die Schuldigen gehen einer strengen Bestrafung entgegen. Uebergriffe der Vorgesetzten liegen nicht vor. Die Verhaftung erfolgte, theils, weil zu befürchten stand, daß die Verhafteten ihre Freiheit zur Verdunkelung des Thatbe- standes mißbrauchen würden, theils weil eine lange Freiheitsstrafe im Falle der Verurtheilung zu gewärtigen steht. Die Verhafteten sind in Jsolierhaft gebracht worden. — Bis gestern waren erst 18 der verhafteten Unteroffiziere vernommen worden. Entlassungen der Verhafteten sind noch nicht erfolgt.
(*) München, 3. Okt. Am Mittwoch den 10. Okt. l. I. findet im kleinen Saale des kath. Kasino Hierselbst (Barerstr. 7/i) die Generalversammlung der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst statt.
Ausland.
* Wie», 4. Okt. Das leitende Organ des österreichischen Polenklubs, der Krakauer Czas, veröffentlicht einen sensationellen Artikel, nach welchem Fürst Bismarck 1864 mit dem seidem verstorbenen Fürsten Ladislaus Czartoryski wegen Errichtung eines unabhängigen Polenreichs unterhandelte, von polnischer Seite jedoch zurückgewiesen wurde.
* Prag, 3. Okt. Kürzlich hat der katholischpolitische Verein für Böhmen, der in politischer Hinsicht den Standpunkt des böhmischen Großgrundbesitzes vertritt, wieder einmal ein Lebenszeichen von sich gegeben und eine Versammlung zu Bezno bei Jungbunzlau veranstaltet, bei der der Vorsitzende Graf Karl Erwin Nostritz eine politische Programmrede hielt. Redner wendete sich darin scharf gegen die Jungczechen und die Umtriebe der Freimaurerei in Ungarn. Dem gegenüber stellte er als konservatives Programm für Böhmen die Erhaltung des Glaubens, die Wahrung der Muttersprache und die Herstellung des inneren Friedens auf nationalem Gebiete hin. Für kommendes Jahr stellte Graf Nostitz die Abhaltung eines großen böhmischen Katho likentages in Prag in Sicht, was im Interesse der Kräftigung der katholischen Bewegung gewiß nur zu begrüßen ist.
* Zug (Schweiz), 3. Okt. Die Generalversammlung des schweizerischen Piusvereins (25. bis 27. September) war zahlreich besucht nnd nahm einen herrlichen Verlauf. An Stelle des durch Militärdienst verhinderten Centralpräsidenten, Stabsmajors Rudolph von Reding, leitete der Vicepräsident Adalbert Wirz die Versammlung. In seiner kernigen Eröffnungsrede legte derselbe energisch Verwahrung ein gegen den wider die schweizerischen Katholiken in der jüngsten Zeit wieder mehrfach erhobenen Vorwurf des Friedens- br hes und der konfessionellen Verhetzung und rekla- nurte Freiheit und Recht für die Kirche. Der Hochw. Herr BischofHaas von Basel-Lugano sprach über die Gefahren der heutigen Zeitlage: Unglauben, Doch plötzlich störten wieder düstere Wolken seine Hoffnungen. Kann ich das Ziel erreichen, darf ich um Bertha Harach werben, wenn die Noth an mein Elternhaus klopft? Wenn mein Vater vielleicht auf die Straße geworfen wird, und ich verpflichtet bin, ihn zu unterstützen? Ich erwarte täglich von Müller Poller Nachricht über den Verkauf unferes Hauses und erhalte keine. So kam er nach Anfangs freudiger Stimmung zweifelnd in Artzheim an.
Nach zwei Tagen endlich erhielt er zwei Briefe, sowohl von seinem Vater, als auch von Poller. Es waren gute Botschaften. Der Müller theilte ihm mit, daß ihm nicht nur der Verkauf des Gerbereianwesens in der günstigsten Weise gelungen sei, sondern daß sich auch noch der Bruder des Käufers mit seinem Vater geschäftlich verbunden habe, um dessen Erfahrungen und praktische Kenntnisse zu benützen. So fei dem Vater, wenn auch kein glänzendes, so doch ein sorgenfreies Akter in Liebrothen in Aussicht gestellt.
Der zweite Brief, vom Vater selbst, theilte Walther die gleiche Nachricht mit. Zum Schlüsse fügte er noch bei, daß Fritz mit der verhältnißmäßig geringen Ge- fängnißstrafe von einem halben Jahre durchgekommen sei, daß er ihn in seiner Gefangenschaft besucht und
Hochmuth, Mißachtung der weltlichen Autorität, Materialismus und Genußsucht, soziale Ungleichheit und sozialistische Utopien, und zeigte, daß denselben allein die Kirche wirksam zn wehren vermöge. Msgr. Battaglia, Bischof von Chur, verbreitete sich über die Frage der Sonntagsruhe und Sonntagsheiligung. Der Hochw. Herr Bischof Egger von St. Gallen hielt eine treffliche Rede über die Abstinenz und Tem- perenz; er wies nach, daß dieselbe etwas echt Christliches und Zeitgemäßes sei. In der Schweiz allein würden jährlich 175 Mill. Frcs. vertrunken; 75 Mill, wären schon übergenug; Großes ließe sich zum Wohle des Volkes leisten mit den unnütz im Glase ausgehenden 100 Millionen. Mit apostolischem Feuer appellirte der Redner an den Opfersinn des Volkes, welcher, wie auf manchem anderen Gebiete, so auch im Kampfe gegen den unnöthigen Alkoholgenuß Großes zu leisten vermöge. Lauter Beifall folgte der herrlichen Rede. Ständerath Th. Wirz behandelte mit gewohntem Schwung die Schulfrage, und rief begeistert aus: „Wir lassen den Unterricht nicht von der Erziehung, die Schulstube nicht vom Elternhause, das Schulbuch nicht von der Religion trennen und dulden kein Staatsmonopol für die Schule!" P. Aug. Gmür, Central- Präsident der schweizerischen katholischen Gesellenvereine, vertheidigte das Werk Kolpings gegen verschiedene Einwände. Man sage u. A., dasselbe sei veraltet und, weil meist von Ausländern benutzt, für unsere schweizerischen Verhältnisse überflüssig. Allein ob die Mitglieder Ausländer oder Schweizer seien, das komme nicht in Betracht, Gott kenne keinen Unterschied zwischen Schweizer- und Schwabenseelen. Die Bedeutung und den Segen der katholischen Jünglingsvereine legte Professor Meyenberg dar. Kreissörster Bühler sprach über die Vincenzvereine; Kämmerer Zuber bekämpfte in feiner Rede die Indifferenz, den praktischen Atheismus und Materialismus, welche in Folge verschiedener Verhältnisse schon beider Jugend gepflanzt werde, namentlich in paritätischen Landestheilen. Die Hoffnung der Vereinsmitglieder, mit einem Vortrag des „Löwen von Zähringen", Pfarrer Wacker aus Baden, erfreut zu werden, ging leider nicht in Erfüllung. Einen Gruß aus Deutschland an die Schweizer Katholiken brachte Herr Domkapitular Hilpisch aus Limburg, welcher mit einem Hoch auf Leo XILL schloß. Kein Mißton störte das Jahresfest des so segensreich wirkenden Piusvereins, insbesondere fiel auch nicht ein Wort, das die Andersgläubigen hätte kränken können. Mit vollem Rechte dürfen wir hoffen, daß der Zuger Katholikentag dem katholischen Leben in der Schweiz einen neuen mächtigen Impuls geben werde.
* Aus der Schweiz, 4. Okt. Unsere Liberalen kommen aus dem Aerger gar nicht mehr heraus. Noch ist ihr Zorn über die Neuorganisation der katholischen Partei nicht verraucht, noch bereitet ihnen der von den „Ultramontanen" unternommene „Beutezug" von Tag zu Tag größere Schmerzen und schon wieder liegt eine höchst „ärgerliche" Kundgebung der „Römischen" vor. In ihrer diesjährigen gemeinsamen Ansprache auf den eidgenöfsischen Bettag nehmen die fchweizerifchen Bischöfe den Plan von ihm vernommen habe, nach seiner Entlassung in die neue Welt überzusiedeln. Er bitte seinen Bruder nur um das Reisegeld zur Ueberfahrt. Im Uebrigen scheine die Strafe auf sein Wesen wohlthätig gewirkt zu haben.
Walther beeilte sich, beide Schreiben zu beantworten, nm dem Müller seinen Dank für seine Vermittlung beim Anwesensverkaufe auszusprechen, und dem Vater die baldige Uebersendung des Fahrgeldes für Fritz anzuzeigen.
Am folgenden Tage trieb ein Kahn auf dem See bei Friedensgrün, und Worte der Liebe und seligen Glückes schallten über den glatten Spiegel.
„O wie schön leuchtet die Welt unserer jungen Freude!" sprach Walther glänzenden Auges. „Möchte unser Leben ruhig wie der Kahn durch die Wellen der Zeit dahingleiten. Nach Tagen der Trennung besitze ich Dich wieder, besitze ich Dich ganz!"
„Ja, nach Tagen der Trennung," entgegnete Bertha. „Keine Stunde ist vergangen, daß ich nicht an Dich gedacht, keine Nacht, in der ich nicht Dein Traumbild vor mir gesehen habe. Stumm trug ich mein Leid, nur die verschwiegenen Bäume des Waldes waren meine Vertrauten."