M 222 Freitag, den 28. September 1894. 21. Jahrgang
WldakrWZeilnng
mit Untrrhaltnrlgs-KeUage „Sterne und Klumen".
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auf die
Iutdaer Zeitung
für das am 1. Oktober beginnende
4. Quartal 1894
wolle man schleunigst machen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt.
Der Post-Abonnementspreis auf die ,Fuldaer Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage
beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Bestellgeld.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. September.
* Der Kaiser stattet Mitte Oktober d. I. dem Großherzog von Hessen einen Gegenbesuch ab. Er trifft am 16. Oktober Vormittags in Darmstadt ein, von da begibt sich der Kaiser Nachmittags nach Wiesbaden zur Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals und zur Eröffnung des neuen König!. Theaters. Die Rückkehr nach Berlin erfolgt noch am selben Abend. Am 17. empfängt der Kaiser, wie bereits gemeldet, den Besuch des Königs Alexander von Serbien.
* Anläßlich der Einweihung der St. Pius-Kirche überreichte der Herr Kultusminister Dr. Bosse vor dem feierlichen Hochamt in der Sakristei der Kirche dem Herrn Pfarrer und Reichstagsabgeordneten Frank, dem Bauherrn von St. Pius, den Rothen Adlerorden 4. Klasse. Der Maurerpolier Karl Schlesinger, der auch den Bau von St. Sebastian als Polier beaufsichtigt hat, erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen.
* Heber den Beginn der Reichstagssesfion soll jetzt feststehen, daß das alte Haus höchstens noch eine Abschiedssitzung sehen wird und das ohne Zweifel unmittelbar nach der feierlichen Eröffnung des Reichstags. Das neue Gebäude aber erträgt eine dauernde Besitznahme keinesfalls vor Ende November; man wird also mit einer spät beginnenden und wohl auch lang sich hinziehenden Session zu rechnen haben. Es soll allerdings in der Absicht des Kaisers gelegen haben, den erinnerungsreichen 18. Okt. zum Tag der Einweihung des neuen Reichstagsgebändes zu machen; dieser Plan ist aber an sachlichen Schwierigkeiten gescheitert.
* Die Regierung von Nicaragua beabsichtigt, Deutschland zu ersuchen, als Schiedsrichter in dem Streite mit Großbritannien über die Moskito-Küste zu fuugireu.
* Der Kaiser hat nach Abschluß der diesjährigen Manöver der Marine nachfolgende Ordre an den
Fall uufr Rettung.
Erzählung von F. X. Hoermann.
(10. Fortsetzung.)
So war es wahr geworden, was sein Auge ihm schon lange vorher gesagt hatte, woran das Herz aber nicht hatte glauben wollen. Er stand nun allein und im Elende wie niemals. Sein Weib todt, ein Sohn in der Ferne und ein anderer im Untersuchungs-Gefängnisse, fast keine Freunde und der nahende Bankerott! Er bedurfte seiner ganzen Willenskraft, um in dem furchtbaren Schmerze sich aufrecht zu halten. Der Tag floß hin im Ordnen der nöthigen Angelegenheiten, wobei besonders die Familie des Försters Mindl dem bedrückten Manne behilflich war.
Gegen Abend rollte der Postwagen in den Ort mit dem lange und sehnsüchtig erwarteten Sohne. Erregt hatte demselben auf der ganzen Fahrt das Herz geschlagen, besonders als er den heimathlichen See gleich einem weithin glänzenden Juwel wieder auftauchen , und von ferne den Kirchthurm des Dorfes emporragen sah und Glockenklänge ihm die ersten Grüße sandten. Jeder Baum, jeder Strauch, an dem die raschen Rosse vorübereilten, schien ihm bekannt, schien sich auf seine Wiederkehr zu freuen.
Mit zitterndem Herzen nahte er nun seinem Vaterhaufe. Ta hörte er nicht wie sonst geschäftiges Leben
kommandirenden Admiral, Admiral Frhrn. v. d. Goltz, erlassen:
„Bei meiner Besichtigung der Herbstübungsflotte habe ich mich davon überzeugen wollen, in wieweit die auf meinen Befehl vom Oberkommando der Marine in Angriff genommene beschleunigte Entwickelung und Klärung der auf die Verwendung der Flotte im Ernstfälle Bezug habenden Fragen bereits geistiges Eigenthum der Front geworden und in das Fleisch und Blut derselben übergegangen sind. Die Vorführung der taktischen und Ausführung der strategischen Hebungen hat mich erkennen lassen, daß auf beiden Gebieten beträchtliche Fortschritte gemacht sind, und daß der vom Oberkommando hierzu eingeschlagene Weg ein richtiger ist. Es freut mich, Ihnen hier auszusprechen, daß ich die unermüdliche Arbeit, mit der Sie dem gesteckten Ziele entgegenstreben, voll anerkenne. Es ist bei den weit auseinandergehenden Anschauungen Über jene Fragen heute eine schwierige Aufgabe, ohne wahre Kriegserfahrung grundlegend vorzugehen. Aber ich sehe, daß es ihnen bereits gelungen ist, die Anschauungen mehr und mehr zusammen zn fassen, zu Grundlagen zu gelangen, die besonders in taktischer Beziehung eine gute Basis für den Ernstfall obgeben. Sie haben damit einen großen Schritt vorwärts gemacht auf dem Wege, den ich Ihnen im Winter 1891 92 ans Herz gelegt habe, und spreche ich Ihnen sowie denjenigen Offizieren, im Besonderen dem Kapitän zur See, Dirpitz, welche Sie hierbei wirksam unterstützt haben, meinen Kaiserlichen Dank aus. Ich halte mich davon überzeugt, daß mit demselben einmüth'gen Zusammenarbeiten aller Betheiligten in dieser Richtung fortgefahren werden wird, sind auch bis zum Ziele noch viele und schwierige Aufgaben zu lösen. Die Führung der Flotte hat mich sehr befriedigt; das, was ich von Theilen derselben gesehen habe, fand ich im Allgemeinen durchgedacht und sachgemäß. Die Verwendung der einzelnen Schiffe ließ bei höchster Anspannung des Personals und weitgehendster Inanspruchnahme des Materials die sichere Handhabung und eine sorgsame Einzelausbildung erkennen. Der Geist in den Besatzungen war voller Frische, Eifer und Ver- ständniß für die zu lösenden Aufgaben. Mit besonderer Genng- thunng erfüllt es mich, die sehr guten Leistungen im Zusammenarbeiten der Schiffe der 1. Division Hervorzuheben. Es ist hier eine Vollkommenheit erreicht, wie ich sie in meiner Marine noch nicht gesehen habe, was ich zur Nacheiferung aller Kommandanten empfehle. Meinen im Laufe der Manöver gemachten, mehr in das Einzelne gehenden Bemerkungen habe ich in der mündlichen Kritik Ausdruck gegeben und erwarte ich davon eingehende Beachtung. Indem ich den Admiralen und Kommandanten meine vollste Anerkennung mit den Leistungen und Errungenschaften der diesjährigen Herbstübungsperiode und meinen Kaiserlichen Dank für ihre Hingabe sage, gereicht es mir zur Freude, Sie durch Verjeihung des Großkreuzes des Rothen Adlerordens auszuzeichnen. Gleichzeitig beauftrage ich Sie, die aus der Anlage ersichtlichen Gnadenbeweise bekannt zu geben und auch den Mannschaften meine volle Zufriedenheit mit ihren Leistungen auszusprechen."
* Der Hamburger Korr.' theilt mit,, das Ergebniß der Untersuchung gegen den Kanzler Leist habe dessen Verhalten „durchaus nicht als tadellos" herausgestellt, andererseits seien die Hauptpunkte der Beschuldigungen erfunden oder stark übertrieben. Die weitere Verwendung Leist's sei jedoch undenkbar. Die Frage wegen Geheimhaltung der Verhandlung sei noch offen.
* Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht Nachrichten über den Stand der Kartoffeln, des Klees und der Wiefen um Mitte September d. I. und über die Roggenernte des Jahres 1894. Danach haben sich die Aussichten für Kartoffeln nicht unerheblich verschlechtert. Sie bleiben etwas hinter einer mittleren (durchschnittlichen) Ernte zurück. Dagegen in der Werkstätte, da sprangen ihm nicht die treuen Hunde entgegen. Nur im obern Stockwerk sah er trübe ein Licht schimmern und mit klopfenden Pulfen öffnete er die Thür. Auf dem Gange kam ihm eine alte Magd entgegen, die ihn erkannte und den Gerber herunterrief. Weinend begrüßten sich Vater und Sohn. „Wie geht es mit der Mutter, Vater?" war das erste Wort, das der Angekommene hervorbrachte.
„Alois, Du kommst zu spät mit Deiner Frage, sie ist heute früh in ein besseres Land hinübergegangen."
„Todt?" rief er mit einem Aufschrei des Schmerzes und bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen.
„Sie ist ruhig entschlummert, Deinen Namen auf ihren Lippen."
„Mit meinem Namen? O, konnte sie keinen Tag mehr leben, damit ich ein letztes Mal noch die Mutterstimme gehört hätte?"
Der Vater führte den wankenden Sohn in die Wohnstube, wo derselbe sich, ohne seine Reisetasche abzunehmen, am eichenen Tische niederließ.
Nachdem der erste Anfall des Schmerzes vorüber war, ging der Ingenieur in das Todtengemach hinauf Und stand nun vor der theuern Leiche. Stumm faltete er die Hände, ohne zu beten; Marmorblässe bedeckte sein Angesicht, wie im Kreise jagten sich seine Gedanken, sein ganzes Innere war in Aufregung, er konnte keinen Entschluß fassen, kein Wort sprechen. Als er endlich
haben sich die Aussichten für Klee und Wiesen etwas gebessert. Die ermittelten Ziffern sind: Kartoffeln 3,1, Klee und Luzerne 2,4 und Wiesen 2,0. Der Ernteertrag von Winterroggen wird auf 13,0 (gegen 15,0 im vorigen Jahre), der von Sommerroggen auf 10,6 Doppel-Centner vom Hektar (gegen 10,8 im vorigen Jahre) geschätzt. Aus den beigefügten Erläuterungen ist hervörzuheben, daß die Kartoffelkrankheit mehr und mehr um sich greift.
* Gegenüber den Nachrichten, daß die Organisation des Handwerks auf längere Zeit vertagt sei, will der ,Hannov. Courier' aus sicherer Quelle erfahren haben, daß ein im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe ausgearbeiteter Entwurf zur Ordnung des Handwerks vor Kurzem den übrigen Ministerien zur Begutachtung zugegangen ist. Ein Grund, den Entwurf so lange zurückzustellen, bis die Ergebnisse der nächstjährigen Gewerbe- und Berufszählung vorliegen, sei nicht gegeben, da diese Ergebnisse auch wahrend der parlamentarischen Behandlung des Entwurfs zur Lösung der Frage, wo der handwerksmäßige Betrieb aushört und der großinduftrielle ansängt, verwerthet werden könnten.
* Breslau, 23. Sept. Das Entlassungsgesuch des bisherigen Oberpräsidenten von Schlesien, v. Seyde- witz, ist der ,Schles. Ztg.' zufolge, unter Verleihung des Rothen Adlerordens erster Klasse mit Eichenlaub genehmigt worden. Der ,Reichsanzeiger' hat die Entlassung sowie die Ernennung des Fürsten Hatzfeldt- Trachenberg bis jetzt noch nicht veröffentlicht. — Ein wahres Klassenwahl-Monstrum hat das vortreffliche neue preußische Wahlgesetz in Neustadt O.-S. gezeitigt. In dieser Stadt weist nämlich, der ,Neust. Ztg? zufolge, das Wähler-Verzeichniß in der ersten Abtheilung folgende drei Personen: Abraham Fränkel, Hermann Fränkel und Emanuel Fränkel; in der zweiten Abtheilung folgende vier Personen: Joseph Pinkus, Albert Fränkel, Max Pinkus und August Schneider auf. In der dritten Abtheilung wählen die 1231 übrigen Wähler der Stadt zusammen zwölf Stadtverordnete, während die die beiden ersten Ab- theilungen beherrschende Firma S. Fränkel, deren Inhaber die vier Fränkel und zwei Pinkusse sind, vierundzwanzig Stadtverordnete wählt. Rette Zustände!
* München, 24. Septbr. Der königl. Regierungspräsident von Oberbayern, Freiherr von Pfeufer, ist, wie schon kurz gemeldet, in der Nacht vom Samstag auf Sonntag unerwartet gestorben. Pfeufer war am 24. Februar 1821 zu Bamberg geboren. Derselbe wurde nach Absolvirung der gewöhnlichen Beamtenlaufbahn 1861 Polizeidirektor in München, 1866 Regierungsdirektor in Augsburg, 1867 Regierungspräsident in Spe yer, 1871 Staatsminister des Innern, 1881 wurde er Regierungspräsident von Oberbayern und dabei in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Wir Krauchen nicht in eine eingehende Würdigung seiner Person einzugehen. Dieselbe ist aus der die Treppe wieder hinunterstieg, begegneten ihm der Müller Poller und der Förster Mindl, welche ihn ernst und theilnehmend begrüßten.
„Das Verhängniß hat es gewollt, daß ich sie nicht mehr sprechen konnte. Hätte sie doch noch einen Tag gelebt! Doch ich will nicht hadern: morgen ist Palmsonntag, die Charwoche naht, sie soll auch uns eine Char- und Leidenswoche sein."
„Sie müssen ertragen, was nicht zu ändern ist." „Ich muß und ich will es!" sprach mit wiedergewonnener Fassung der Ingenieur. Dann suhr er fort: „Herr Mindl und Du, Poller, Ihr feid die wenigen Freunde meines, Vaters und unseres Hauses. Dars ich bitten, Euch mit mir in die Wohnstube zu begeben, um mit Euch etwas zu besprechen?"
„Sehr gern,“ erwiderten die beiden Männer und folgten dem jungen Walther in das Zimmer. Wie verlasfen und fremd kam diesem heute der Wohnraum vor. Wie ost hatte er hier Abends als Knabe am mächtigen Ofen den Erzählungen und Sagen des Müllers gelauscht, wie oft hatte ein Schauer von Größe, Furcht und Wunderbarem sein junges Gemüth ergriffen! Welch' selige Erinnerungen knüpfte sich an jede Wand des Raumes und wie einsam und ernst blickten ihn heute alle Gegenstände an! Nach einer Weile des Schweigens fuhr er fort:
„Ihr wißt die trübe Lage meines Vaters; dieselbe