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Jfä 220 Mittwoch, den 26. September 1894. 21. Jahrgang

FiildacrKZcitiiiig

mit Unterhaltung» KeUagr „Sterne und Klnmen".

Erfthetat täglich, Stm- mrd Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AbonnementspreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Start 60 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Sarmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen bie Petitzeile 25 Pf., bei Wickerholungen entsprechender Rabatt.

Inm (Quartalswechsel.

(Schluß.)

Was im Vorausgehenden gesagt wurde, gilt im Großen und Ganzen auch von der „farblosen Presse", die von Jahr zu Jahr geradezu unheimlich sich ver­breitet und alles zu überwuchern droht. Unter dem Scheine der Parteilosigkeir ergeht sich diese erbärmliche Presse, wie schon öfters nachgewiesen wurde, in An­griffen gegen das Christenthum und die katholische Religion, sie wagt ihren Lesern zur Sinnlichkeit reizende, zweideutige Romane zu bieten und ist in ihrem Annoncentheil nichts anderes als eine Kloake der Schlüpfrigkeit und Sittenlosigkeit. Gerade auf den letzten Punkt wird meines Erachtens zu wenig aufmerksam gemacht. Was die Meisten „bändigt der Gemeine" (Göthe) findet da seine Vermittelung, die Wege zur Aeußerung und Befriedigung. Mancher Jüngling, Hunderte und Tausende werden dadurch zur Sünde und zum Laster geradezu angeleitet und mancher Ehemann, mancher Jüngling beklagt unter Thränen je ein solches Blatt in die Hand genommen zu haben. Was diese charakterlose Presse noch weiter kultivirt, sind fade Tagesneuigkeiten, Stadt- und Dorfklatsch, die ödeste Vereinsmeierei und die Förderung jeglicher auch der erbärmlichsten Vergnügungssucht. Ein wahrhaft katholischer Mann kann an einer solchen Presse keinen Gefallen finden, die ihn nicht über das unterrichtet, was jedem katholischen Herzen lieb und theuer ist, wofür ein Katholik unausgesetzt kämpfen und arbeiten soll. Diese Presse ist, wie der Hochwürdigste Herr Bischof von Mainz in einem besonderen Erlaß an den Klerus ausführt, der Feind, welcher ohne Unterlaß viel Unkraut auf den Acker Gottes ftihrt und Tag für Tag zerstört, was der Seelsorger mühsam aufzu­bauen suchte.

Gegenüber diesen Gefahren der schlechten Presse, angesichts der Verheerungen, welche sie täglich an­richtet, kann kein Katholik gleichgiltig bleiben, es gilt die Vertheidigung unseres heiligsten Gutes, des Glau­bens und der Religion. Darum gerettet, was gerettet werden kann. Das bloße Predigen, gegen die schlechte Presse, das Jammern und Wehklagen hilft nicht viel; das sind nur kalbe Maßregeln; will man dem Men­schen etwas wehren, so muß man ihm besseres dafür bieten können. Das Volk hat eben heutzutage ein Bedürfniß nach Bildung und Aufklärung, es hat Wissensdurst und kann es seinen Durst nicht an der Quelle löschen, so eilt es zur vergifteten Pfütze. Wir Katholiken können unseren Durst an lauterer Quelle löschen, wir haben eine vorzügliche katholische Tages­presse, wir haben gute fittenreine katholische Jugend- und Unterhaltungsschriften in reicher Zahl. Pflicht der Einzelnen ist es, die kathol. Presse je nach seinen Verhältnissen durch Abonnement, Mitarbeit und Zu­wendung von Annoncen zu unterstützen und die Ver­breitung zu fördern, damit sie immer mehr sich ver-

FaU und Rettung.

Erzählung von F. 3£. Hoermann.

(8. Fortsetzung.)

Beide Männer traten an das Fenster und sahen von ferne einen Menschenstrom sich heranwälzen — von der Arbeit schwarze Männer, einige mit Musik­instrumenten, dazu einzelne Frauen und Kinder. Die Kinder schrieen, die Männer sangen Lieder, die Weiber lachten und plauderten. In der Mitte des Haufens ward eine bunte Fahne getragen mit der Aufschrift: „Der Arbeit ihr Recht!" Der Zug war bald am Hause Harach's vorbei, und die beiden Männer traten wieder vom Fenster zurück.

„Wenn die Bewegung nur keine größeren Aus­schreitungen hervorbringt!" meinte der Geistliche ernst. „Bei der unbedeutenden Garnison unserer Stadt könnte die Geschichte bedenklich werden."

„Die Zukunft wird es lehren, ich ahne nichts Gutes," entgegnete der Arzt, und nach einer kurzen Besprechung über die am folgenden Abend an die katholischen Arbeiter zu haltenden Rede schieden sie.

Eilen wir von einem ernsten Bilde zu einem hei­teren. Es ist Sonntag Abend. Die großen und glänzenden Räume der „Harmonie" sind hell er­leuchtet, bunte Masken in geschmackvollen Kostümen bewegen sich hin und her. Bald quillt rauschende

vollkommnen und allen billigen Anforderungen ent­sprechen kann. Wo immer es möglich und räthlich erscheint, gründe man nur mit Hilfe des segensreich wirkenden Borromäusvereins eine Volksbibliothek, um vor allem die Jugend vor den Gefahren der schlechten Lektüre zu schützen; auch ohne den Borromäusverein läßt sich besonders in kleinen Orten leicht eine kleine Bibliothek gründen. Ein entschiedenes Zusammen­wirken aller Gutgesinnten auf diefem Gebiet wird sicher von Erfolg gekrönt sein. Vor allem werden die geborenen Führer des Volkes, die Geistlichen für eine gute Presse einstehen und kämpfen, mag man auf gegnerischer Seite auch noch so sehr über die „Pfaffen und Hetzkapläne" schimpfen und toben. Der Geistliche thut nur seine Pflicht wenn er in der heutigen Zeit sich der Presse annimmt. Der sel. Alban Stolz sagt hierüber in seiner kräftigen Weise Folgendes: Es ist gewiß, daß gegenwärtig die Beaufsichtigung der Zeitungs­blätter, welche in einer Gemeinde gelesen werden, eine höchst wichtige Pflicht des Seelsorgers ist. Wie kann sich der Geistliche einbilden, der oberste Hirte werde ihn zu den guten Hirten zählen, wenn er sich nicht darum kümmert, daß sowohl in Wirthshäusern wie in Privathäusern der Gemeinde Zeitungen gehalten werden, welche unaufhörlich offen und versteckt Mißtrauen gegen die kathol. Kirche und Unglauben überhaupt zu ver­breiten suchen, — und der nichts thut um katholische Blätter in den Gemeinden zu halten. Daß vielfältig Bürgermeister, Gemeinderäthe, wohlhabende Stadt­bürger, Lehrer, Schreiber höheren und niederen Ranges so unkirchlich sich erweisen, ist hauptsächlich die Folge der Lektüre schlechter Zeitungen, die frech gegen Gott und seine hl. Kirche und hündisch unterthänig gegen die Abgötter dieser Welt sich äußern. Je mehr der­artige Zeitungen im Volke Eingang finden, desto mehr muß das Volk Gesinnungen bekommen wie die „An­gesehenen und Honoratioren" im Ort. Es ist deshalb eine unfehlbar gewisse Pflicht , daß jeder Seelsorger in seiner Gemeinde alles mögliche thun muß, um schlechte Zeitungen zu beseitigen und gute Blätter zu verbreiten. Jeder, in dessen Gemeinde schlechte Zeitungen gehalten werden, sollte auf der Kanzel nachweisen, daß, wer solche verderbliche Zeitungen hält, eine langsame moralische Vergiftung zum Unglauben ausübt, die oft gar nicht mehr gut gemacht werden kann. — So sagt Alban Stolz. *ea*

Am Land wird es dem Priester ein Leichtes sein, durch Belehrung, wohlmeinende Warnung bei Privat­unterredungen und wo es nöthig scheint auf der Kanzel die schlechte Presse fernzuhalten und, wo sie schon Eingang gefunden hat, sie zu verdrängen. Gar mancher hat aus Unwissenheit, durch eine scheinbar harmlose Probenummer verführt, auf ein schlechtes Blatt abonnirt, wenn man ihn auf die Gefahren aufmerksam macht, wird er sich nicht weigern, das schlechte Blatt alsbald aus dem Hause zu schaffen. Vor allem ist darauf zu fehen, daß in den Wirthshäusern — wo so viele ein- Musik durch die hohen Hallen, und die Paare reihen sich zum Tanze. Unter den männlichen Masken fiel besonders die reichgekleidete, hohe Gestalt eines deutschen Landsknechtes auf.

Nachdem die erste Tour vorüber war, trat eine andere Herrenmaske, Mephisto vorstellend, auf die erstgenannte zu.

„Was ist Dir, Landsknecht," sprach sie flüsternd, „daß Du bei einem so glanzvollen Bilde der Freude nicht fröhlich bist? Sieh' das Leben, die reizenden Mädchengestalten, sieh' den Jubel und die glänzenden Augen und schlage Dir die Grillen aus dem Kopf."

Der Angeredete schüttelte nur das Haupt.

„Ah", sprach Mephisto weiter, „ich errathe die Ursache, Fräulein Bertha ist nicht hier."

„Trotz ihres Versprechens", erwiderte der Lands­knecht, das heißt Walther.

„Eine Chikane vom Alten! Komm, trinken wir eine gute Flasche, der Wein wird das Feuer der Freude in Dich gießen."

Und in der That, er übte seine feurige Wirkung. Nach jedem neuen Glase und jeder neuen Tour wurde Walther fröhlicher und mischte sich immer ausge­lassener mit Mephisto, d. h. seinem Freunde Leicht­mann, in das Gewoge. Oft schweifte sein Auge durch den Saal, ob er Fräulein Harach oder deren Mutter nicht entdeckte, aber sein Suchen war erfolglos.

und ausgehen — ein katholisches Blatt aufliegt. Auch hier bewahrheitet sich der alte Spruch: „Ein gutes Wort findet einen guten Ort" „Ich danke Ihnen für ihre Belehrung, vom nächsten Quartal an halte ich die Zeitung nicht mehr", sagte mir erst kürzlich wieder ein kathol. Wirth, den ich freundlich gebeten, eine farb­lose Zeitung abzuschaffen.

Leider besteht in dieser Beziehung in vielen Ge­genden noch eine recht große Verschiedenheit. Bei einer kleinen Gebirgstour in irgend einer Gegend Deutsch­lands fand ich beispielsweise in einem kleinen verkehr­reichen Dorfe nicht weniger als 3 katholische Zeitungen in der Wirthschaft. Wie mir der Wirth erzählte, hält er selbst die katholische Volkszeitung, die zwei anderen Centrumsblätter bekommt er täglich aus dem Pfarr­hause. In einem andern ganz katholischen Dorfe suchte ich vergebens nach einem katholischen Blättchen, in der Hauptwirthschaft fand ich nur einen .Generalanzeiger' und ein zweideutiges Witzblatt; die Heiligenbilder an den Wänden schienen mir nicht in diese Atmosphäre zu passen. Noch -trauriger soll es, wie man mir erzählte, in einem benachbarten größeren Orte bestellt sein; man soll dort in keiner einzigen Wirthschaft ein katholisches Blatt finden, obwohl der Ort mehrere tausend kathol. Bewohner zählt und auch verschiedene kathol. Vereine vorhanden sind.

Damit kommen wir auf einen andern Punkt. In Städten ist der Einfluß des Seelsorgers nicht allein im Stande, die schlechte Presse zu unterdrücken; der katholische Laie muß ihn nach Kräften unterstützen, im Besonderen ist dies Pflicht für die Mitglieder kathol. Vereine. Sie dürfen felbst — was leider auch oft vorkommt — keine liberale oder farblose Zeitung lesen und unterstützen, müssen darauf sehen, daß in den Vereinslokalen und in anderen Wirthschaften, wo sie verkehren, eine katholische Zeitung aufliegt, im Kreise von Freunden und Bekannten müssen sie für die katho­lische Presse agitiren und neue Abonnenten zu gewin­nen suchen. Diese „Kleinarbeit" ist überaus wichtig und erfolgreich, wie ein Blick in das Lager der „Ge­nossen" uns zeigt. Wenn manche Katholiken nur halb so viel Eifer für die katholische Presse entwickeln wür­den, wie die Sozialdemokraten für ihre Presse, würde manchem farblosen oder liberalen Blatte bald das Lebenslicht ausgeblasen sein. (Aber daran fehlt's gerade; die katholische Gutmüthigkeit, ein anderes Wort wäre bezeichnender, ist ja bekannt.) Wo in aller Welt wird man beispielsweise in einer protestantischen Stadt in einem Gasthause ein Centtumsblatt finden! Kommt man aber in katholische Städte, so wimmelt es in Hotels und Wirthschaften von liberalen und farblosen Zeitun­gen. In Bädern, auf Bahnhöfen zeigt sich dieselbe Erscheinung. Was Anderen recht ist, ist uns billig. Wenn Andersdenkende verlangen, daß man auf ste Rücksicht nimmt, können wir dieselbe Rücksichtnahme auch beanspruchen; wenn der liberale Reiseonkel seine Kölnische' oder frankfurter' im Hotel oder auf der

Dr. Harach hatte in letzter Stunde, nachdem er wußte, daß Walther auf dem Maskenballe sein würde, den Besuch desselben seiner Tochter verboten.

Die letzte Tour vor der Pause war vorüber, und der Ingenieur setzte sich, die Maske abnehmend, mit seinem Freunde an einen Ecktisch. Eine durch den Eingang kommende Maske theilte ihm mit, daß draußen ein Dienstmädchen auf ihn warte. Walther eilte, sich den Schweiß von der Stirne wischend, hinaus und kam gleich wieder mit einem versiegelten Briefe zurück. Halb träumend erbrach er das Siegel und las. Sein Antlitz bedeckte eine unheimliche Blässe und eine un­ruhige Bewegung bemächtigte sich seiner.

„Was ist Dir plötzlich?" rief sein Genosse, der sich eben vom Tische entfernen wollte.

Der Angeredete machte nur eine abweisende Be­wegung und sagte: „Ich muß heim!"

„Dir ist nicht wohl, ich begleite Dich."

„Laß mich allein, Kollege, ich bitte Dich."

„Ich darf jetzt nicht von Dir weichen."

„Ich beschwöre Dich, laß mich allein, folge mir nicht!"

Damit eilte er rasch durch die Saalthüre, holte in der Garderobe seinen Mantel und stürmte fort. Durch zwei schwach erhellte Straßen gelangte er bald in seine Wohnung. Er entledigte sich theilweise seines Kostüms und setzte sich, den Kopf in die Hand stützend,