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M 219 Dienstag, den 25. September 1894. 21. Jahrgang

FuldaerWZeitung

mit llntrrhattnngs-Keilage „Sterne und Hlumeu".

Ium Wmrtalswrchsel

(Schluß folgt.)

auch reine Lofis für auem tuumuj tji, fort schlechte Schriften rc. liest, wird langsam aber sicher den Glauben verlieren und dem Laster verfallen. Wenn manche das Lesen schlechter Schriften mit der Ausrede entschuldigen und beschönigen wollen ^aullmtui et altera pars“: man muß auch den anderen Theil hören, so hat das nicht mehr Berechtigung, als die Behauptung haben würde: Man müsseneben guten und christlichen auch schlechte und unchnstüche Gespräche

vor ihrem Ende. Ernst mahnend stand die Todte vor seiner Seele, allein er hatte es verlernt zu beten) und die Kirche war ihm ein scheu gemiedener Ort geworden.

Nur wenige Stunden kurzen Glückes genoß er tn Lobau die seltenen Abende an denen er mit Bertha Harach sprechen konnte. Während die Zuneigung des Mädchens zu ihm wuchs, wurde sein Verhältnis zu Dr Harach ein immer kühleres. Der Fabrikarzt hatte vielfach Gelegenheit, von dem leichtsinnigen Leben Walther's zu hören, und wollte ihm durch sem Ver­halten zu verstehen geben, daß er feinen Wandel nicht ^An einem etwas trüben Winternachmiltage begab sich der Ingenieur mit Frau Harach und Bertha zum Eislauf. Froh tummelte er sich mit letzterer unter den rasch sich bewegenden Gestalten einher, sprach Verschiedenes mit ihr und lud sie zum Schlüsse auf den Maskenball in der „Harmonie“ ein. Das Mäd­chen sagte freudig zu, und schweigend, aber in seligen Gedanken bewegte sie sich mit dem Ingenieur auf der glatten Fläche. .

Während Walther und Bertha sich so freudig und in süßen Zukunftsbildern auf dem Eise tummelten, weilte Pfarrer Dellroth mit Dr. Harach in der Wohnung des Letzteren. Die Rede fiel auch auf den jungen Ingenieur, auf seine jetzige Lebensweise und seine Beziehungen zur Familie des Arztes.

* In der neuen Austage von Reichsstcuerplänen wird natürlich der Tabak wieder die erste Dulderrolle spielen. In Bayern hat nun neulich ein angeblich Eingeweihter" behauptet, man wolle statt der Fabri­kats- eine Verbrauchssteuer einführen, und zwar jo, daß die Tabakbanern ganz entlastet, der inländische Tabak vor dem ausländischen bevorzugt und die billigeren Sorten bis zur 5 Pf. - Cigarre einschließlich geschont würden. Daraus kann man sich noch kein klares Bild

DenMes Reich.

Berlin, 22. September.

""^^Man darf fchlechte Schriften nicht lesen, man darf sie auch nicht unterstützen.

Alle Diejenigen, welche durch ihr Abonnement, durch ihr Geld die schlechte Presse unterstützen oder gar Andere veranlassen und ermuntern em schlechtes Blatt zu halten, sind mit Schuld an all dem Elend, das eine schlechte Presse stiftet; noch mehr, wer die schlechte Presse unterstützt, schlechte Zeitungen und Schriften liest, gibt ein nur schwer wieder gutzumacheu- des Aergerniß zunächst allen denen, welche durch das Beispiel verführt werden, das Blatt, die Zeitschrift ebenfalls zu halten oder zu lesen, oder auf den Ge­danken kommen, der Abonnent fei mit der Richtung des Blattes einverstanden; noch mehr Diejenigen, welche, wie die Hausgenosfen - Frau, Kinder, Dienstboten- durch das Abonnement des Hausvaters Gelegenheit und Aufmunterung erhalten, das Blatt oder die Schrift

berg gesprochen habe: „Auf zum Kglllpsi gegen v« Umsturzparteien!" Nur diejenigen können sich der königlichen Gnade versichert halten, die sich voll^und

* Der antisemitische Abg. Dr. Böckels ist bei der Vorstandswahl des von ihm begründeten Mitteldeutschen Bauernvereins nicht wiedergewählt worden. Es ist dies auf Agitationen von ehemaligen Freunden Böckels, insbesondere des Abg. Hirschel, Schriftführers des ge­nannten Vereins, zurückzuführen.

* In der letzten Versammlung des Berliner f o r t- schrittlichen Vereins „Waldeck" wurde em für die Leitung der freisinnigen Volkspartei, insbesondere für den Abg. Eugen Richter, beantragtes Vertrauens­votum mit großer Majorität abgelehnt.

* Thorn, 22. Sept. Die Ansprache des Kaisers bei Beantwortung der Begrüßungsr^e des ersten Bürgermeisters lautete ungefähr: „Mit Vergnügen nehme ich von der Versicherung Kenntlich, daß ine Stadt Thorn auch ferner unentwegt treu zu mir halten will. Die Geschichte Thorns ist mir von ;eher eme der interessantesten der Städte der Monarchie gewesen. Was die Bewahrung des Deutschthums betrifft, so weiß ich, d-tz Thorn nicht hi»t°-,‘»LÄ 55

Mich ergreift immer ein schmerzliches Gefühl sagte der Stadtpfarrer, „wenn ich den uns ernst so große Hoffnung erweckenden Mann fehe, und die Wege und die Gesellschaften fchaue, wofelbst er sich jetzt be­wegt. Es muß zu einem.schlimmen Ende fuhren Der Hauptfehler Walthers ist fem schwacher Wille, der ihn unfähig macht, selbstgefaßte Enffchluffe auszu­führen. Das größte Glück für ihn wäre eme christ­liche, charakterfeste Frau."

„Kann sein," entgegnete der Arzt; „aber es ist doch traurig, wenn er nicht selbst Mann genug ist, um seine sonst edele Gesinnung m die Wirklichkeit zu über etzen und sich den Einflüssen emes leichten Lebe­mannes wie Herr Leichtmann zu entziehen.

Das mag ja alles richtig sein, allem wir können die Charakteranlage Walthers die ihm der schopfer gegeben, nicht umwandeln. Er braucht eine stutze, und das währe, ich betone es wiederholt, eme brave ^"^Verschaffen Sie ihm ein derartiges Wesen, Herr Pfarrer wenn Sie wirklich glauben, daß dies ihn rettet," 'sprach Dr. Harach, gezwungen lächelnd. ■

„Herr Doktor, Sie wissen ganz gut, daß man in diesem Falle nicht weit zu suchen braucht."

„So, nicht weit zu suchen?" .

„Ja, nicht weiter als in Ihrem Haufe.

ä“ L sich all» -°in dmaus mach. mi. tae X’'K”Ä'Se' WWWMWWMUWU thum feindliche sittenlose Presse.

übersendet uns ein auswärts wohnender Priester der Diözese Fulda nachstehendes Mahnwort an die katho­lischen Leser: , „ ...

Es möge Euch nicht entgehen, ehrw. Bruder, wie große Macht heutzutage sowohl zum Guten als zum Schlimmen die Zeitungen und ähnliche Schriften er» ^"Ät^diesen Worten hat der hl. Vater in der En- cyklika an die brasilianischen Bischöfe neuerdings aus die Bedeutung der Presse hingewiesen. Sie ist m der That in der heutigen Zeit eine Großmacht geworden und vorzüglich arbeitet die schlechte Presse m Zeitun­gen Broschüren, Büchern und Unterhaltungsschriften dahin, dem Volke und vor allem der Jugend den Ehristusglauben aus dem Herzen zu stehlen. Zwar sfs 6 »SÄ’ ÄS—I 'Ä'tSffi’Ä SÄÄÄSäSS sSs» — siuweilen aber werfen diese Wolfe im Schafspelz oie Maske ab und sagen es offen heraus, was sie wollen.

„Offener Gotteshaß, ungezügelte Fleischeslust, Aufruhr 1 gegen Gottes Gebot, Hohn und Verachtung gegen Kreuz und Opfer, Spott gegen das Heiligste und Ehrwür­digste" haben sie auf ihre Fahne geschrieben. In den Großstädten hat die enffittlichte Freimaurer- und Judenpresse ihren Sitz aufgeschlagen und ihre giftigen Ableger werden zu Tausenden in den kleineren stabten und bis in die entlegensten Dörfer verbreitet. Offen Wird in diefen Schmutzblättern und Schmutzschriften die Religion ein ausländisches Gewächs, ein Gespenst, Pfaffentrug, Sagen für Kinder und alte Weiber u. dgl. genannt. Die hl. Geheinmisfe unseres Glaubens wer­den verspottet, lächerlich gemacht, in den Koth gezogen oder als Humbug bezeichnet; die gemeinsten Sunden und Laster dagegen werden verherrlicht oder doch ent­schuldigt. Diese gottlose, schlechte Presse tragt die Hauptschuld an der öffentlichen Schamlosigkeit die sich breit macht im Theater, in der Kunst, in Bildern, m gemeinen Witzblättern, in Tänzen, Kleidern und Liedern. Diese Schundpresse geht von Haus zu Haus m die Hände der Frauen und Kinder und richtet namenloses Unglück an. Besonders der Seelsorger muß es nur zu oft erfahren, welch' schreckliche Verheerung em ein­ziges schlechtes Blatt oder Buch anstiften kann. — Und doch gibt es auch, so unbegreiflich es auch schei­nen mag, Katholiken genug, die sich kem Gewissen daraus machen, solch' erbärmliche glaubens- und sitten- gefährliche Preßerzeugnisfe zu lesen und zu unterstützen. Es ist deshalb wohl der Mühe werth, am Ende des Quartals wieder einmal an die katholischen Grundsätze

KM ilUd Kettung.

Erzählung von F. X. Hoermann.

(7. Fortsetzung.)

4. Düstere Wolken.

Es ist Winter geworden. Die Klänge des Weih­nachtsfestes sind lange verhallt, allein sie haben kernen Frieden in das von Unzufriedenheit bewegte Innere Walther's gesandt. Umsonst hatte ihm das „Ehre in der Höhe und Friede auf Erden!" geklungen; freude­los hatte er das große Fest der Christenheit gefeiert. Dazu kam eine neue Verbitterung, die abermalige Nichtbeförderung zu Neujahr. So ward er in noch höherem Grade ein Opfer des Vergnügens und der Zerstreuungssucht, und er gab im Taumel dieses Le­bens selbst viele klugen Rücksichten gegenüber Personen und Sachen auf. Alles war ihm gleichgiltig gewor­den, nur Zerstreuung suchte er um jeden Preis. Der Todestag seiner Schwester hatte ihn wieder etwas ernst und wehmütig gestimmt, und er dachte zurück an die Spiele der Kindheit, an den Frieden und an die Seligkeit der ersten Jahre, und wie eine glänzende Fata Morgaua stieg das Bild entschwundenen Glückes in der Wüste seines Daseins wieder empor. Er er­innerte sich in bitterer Selbstanklage an die Worte, die sie bei seinem Abschiede gesprochen, an das Ver­sprechen, das er ihr gemacht, und an das schreiben

religiöser, sittenloser Zeitschriften und Tagesblätter sich in seinem Glauben irre und wankend, wenigstens in seiner Glaubenssreudigkeit schwächer und kalt machen zu lassen; es kann einem Katholiken nie und nimmer erlaubt sein, Lästerungen gegen seine hl. Mutter, die Kirche, mit Vergnügen zu lesen und anzuhoren. Lebt denn im Herzen eines Kindes noch Liebe und Ehr furcht gegen die Eltern, wenn es eine Schrnahichrift, die gegen Vater ober Mutter sich richtet, mit Wohl­gefallen lesen mag? Nie unb nimmer endlich kann es einem Katholiken erlaubt sein, sittenlose, schlüpfrige unb unanstänbige Bücher unb Zeitschriften zum Zeit- i = Hennen, welche Vor-

SÄ Ä Ä. ur

bald man ben ausländischen Tabak mit emern wesent­lich höheren Schutzzoll belastet. Dann wird die große Masse der Cigarren aus ausländischem Tabak gemacht werden müssen und in Folge dessen die Fabrikation tn die deutschen Tabakbau - Gegenden, also zumeist nach Süddeutschland, sich verziehen. Hoffentlich werden die süddeutschen Interessenten nicht vergessen, daß die nord­deutschen Tabakarbeiter doch auch so zu sagen Menschen

in dieser Sache zu erinnern.

1) Einem Katholiken, der nut feiner Religion nicht zerfallen ist, kann es nie und nimmer erlaubt sein, sich der Gefahr auszusetzen durch Lesen schlechter irr-