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jg 218 ■ Sonntag, den 23. September 1894. 21. Jahrgang

Fuldaers Zeitung

mit lluterUattungs-Krilage „Sterne und Klumen«.

gehen. Fröhlich in das Leben geschaut und

das ist mein Grundsatz.

Die Einschätzung zur Vermögenssteuer, bezw. die Vorbereitungen zu derselben sind im Gange und es dürfte deshalb angezeigt sein, die Haupt­bestimmungen des Gesetzes, welches diese Steuer mit dem 1. April 1895 in Kraft treten läßt, vorzu- sühren.

Vorab sei bemerkt, daß die Vermögenssteuer einen Bestandtheil der jüngsten Steuerresorm bildet; sie ist eine Ergänzung der übrigen Staatsstenern, wodurch der in Folge der Überweisung der Grnnd- und Ge­bäudesteuer an die Gemeinden entstehende Ausfall gedeckt werden solle.

Zur Vermögenssteuer wird Jeder herangezogen, welcher ein Vermögen von über 6000 Mark be- sitzt. Bei Personen, welche nicht mehr als 900 Mark Jahreseinkommen haben, bei weiblichen Personen, welche minderjährige Familienangehörige zu unterhalten haben, sowie bei minderjährigen Waisen und bei Erwerbs­unfähigen beginnt die Steuerpflicht jedoch erst bei einem Vermögen von mehr als 20,000 Mark.

Als steuerpflichtiges Vermögen gelten nach | Abzug der Schulden: alle in Preußen gelegenen Grund- I stücke, Gebäude, Bergwerke, gewerblichen Antheile usw., ferner Kapitalforderungen, Aktien, Antheile, Edel­metalle in Barren, baares Geld, ohne Rücksicht darauf, ob dasselbe verzinslich angelegt ist oder nicht, endlich der Kapitalwerth aller Apanagen, Renten, Leibrenten, Altentheilsbezüge usw., soweit dieselben vertragsmäßig oder gesetzlich bezogen werden. Von der Ver­steuerung sind ausgenommen: Möbel, Haus- geräthe, die aus den laufenden Jahreseinkünften des Steuerpflichtigen vorhandenen Geldbestände, fowie die Bezüge aus Wittwen-, Waifen-, und Pensionskassen, aus der Kranken-, Unfall-, Alters- und Invaliditäts- Versicherung, Pensionen ober letztwillige Verfügungen aus einem früheren Dienst- und Arbeitsverhältmß.

Zur Ermittelung des steuerpflichtigen Ver­mögens kann bei kaufmännisch geleiteten landwirth- schaftlichen und Gewerbebetrieben der Abschluß des letzten Wirthschaftsjahres zu Grunde gelegt werden; bei allen anderen landwirthschastlichen Betrieben ein­schließlich gewerblichen Nebenbetrieben wird em wirth- schaftlicher normaler Zustand zu Grunde gelegt und jeweils der Mehr- oder Minderwerth des Inventars in Zu- oder Abrechnung gebracht. Werthpapiere kommen mit dem Börsenkurs, Kapitalforderungen und Schulden mit dem Nennwerth in Ansatz.

Für die Ermittelung des Kapitalwerths von Rechten auf periodische Hebungen gelten folgende Bestimmungen:

a) für immerwährende Nutzungen und Leistungen wird der 25sache Betrag (des einjährigen Betrags) zu Grunde gelegt;

b) für Bezüge auf Lebenszeit wird gerechnet, wenn der Berechtigte bis zu 15 Jahren alt ist; der ISfache Betrag, (25 bis 35 — 16fach, 35—45 = 14fach, 45—55 = 12fach, 55—65 -

StMeint täaiicb Buw unb Feiertag« ausgenommen. — Vierteljährlicher AbonnemeutspreiS ol^te SSrtngei Slfchemt t68ni^Bjexote kgstxa die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen ine Petitzeile

betäuben, in das Hotel „zur Sonne". Dort traf er feinen Freund Leichtmann.

Nun, was ist Dir, Kollege," fragte derfelbe, „da Du "so ernst und verstimmt drein schaust? Ist der Ausflug nicht gut abgelaufen?"

„Wie man's nehmen will," entgegnete der Ange­redete. Dann erzählte er seinem Freunde die ganze Unterhaltung des Dages und das kalte Benehmen Dr.

87 fach, 65-75 = 5sach, 75-80 = 3sach. über 80 = M)- Hängt die Dauer der Zahlung von der Lebenszeit des Zahlen­den ab so wird dessen Alter zu Grunde gelegt. Ist sie von der Lebensdauer des Zahlenden und des Empfangenden abhängig, so wird das Alter des Aelteren von beiden zu Grunde gelegt;

c) für auf eine bestimmte Zeit eingeschränkte Nutzungen oder Leistungen wird der Kapitalwerth unter Zugrundelegung eines vierprozentigen Zinsfußes mittelst einer besonderen Tabelle er- mittelt, nach welcher beispielsweise eine Rente von einer Mark für ein Jahr einen Kapitalwerth von 0 Mark, für 10 Jahre einen solchen von 8,43 M., für 20 = 14,13, für 30 — 17,98, für 40 = 20,58, für 50 = 22.34, für 60 = 23,o2, für 70 — 24,33, für 80 = 24,87, für 84 und mehr Jahre - 25 Mk. Kapitalwerth hat.

Von Ansprüchen aus Versicherungen (Lebens-, Kapital- und Rentenversicherung) werden zwei Drittel der eingezahlten Beträge oder der sogen. Rückkanss- werth als Vermögen angesetzt. Da gegenwärtig von der Einschätzungs-Kommission hier unb ba bte bte Lebensversicherung betreffenden Angaben emgeforbert werben, so sei nochmals ausbrücklich barauf hinge­wiesen, baß nicht bte Summe, zu welcher man sem Leben versichert hat, sonbern zwei Drittel berjemgen Summe, welche man an Prämien eingezahlt hat, als steuerpflichtiges Vermögen angesehen wirb.

„Verlassen wir bieses Thema", sagte Walther; „ich'schlage vor, einen Skat zu spielen."

In später Stunbe kehrte er heim unb sah nicht mehr baß auf bem Tische seines Wohnzimmers ein Brief lag. Balb umfingen ben Schlummernden wirre Bilder des verflosfenen Tages. Da noch Ferienzeit war hatte er am anderen Tage keinen Unterricht zu geben Er stieg spät auf und kleidete sich an, aber ein heftiger Kopfschmerz durchwühlte seine Stirn Er sah ben Brief unb erkannte an ben -schriftzugen ber Abresse, daß er von seinem Jugendfreunde Mmbl herrühre. Mit einer gewissen Aufregung erbrach er bas Schreiben bes Thenren, von bem er so lange feine Nachricht mehr erhalten hatte, unb las:

Lieber Alois! ,

Nach langer Zeit senbe ich wieber einen Brief an Dich; was ich in bemselben mittheile, wirb Dir mein langes Schweigen erklärlich machen. Ich kuri aus bem Gewoge ber Welt geschieben, unb bie stille Klosterzelle ift meine neue Heimath geworben. Von bem ersten Beginn meines theologischen Stnbiums an hat mir bte Stellung eines Weltpriesters nicht genügen wollen. Es zog mich zu ber Menschenklasse hin, bie mit der ganzen heutigen Welt im schroffsten Widersprach zu stehen scheint Von Ansang an war ber Ordensstand mein Ideal, unb ich erkannte, baß es für unsere Zeit des Materialismus unb Unglaubens kein kräftigeres Heil-

Harach's.

Leichtmaun lachte. „Also bies ist ber ganze Grunb? Nun, beswegen braucht man noch lange nicht ben Kopf hängen zu lassen unb verzweifelt in bie Welt zu schauen. Alte Leute werben gegenüber jungen manch­mal griesgrämig unb — taktlos. Ich weiß, Du liebst Bertha, unb ba mußt Du auch ben Alten für Ttch haben, das ist klar. Allein, wenn Du das mcht er­reichst, was liegt daran? Lobau ist groß, die Welt noch größer unb zählt noch viele interessante Mäbchen- herzen. Man muß sich nicht an eine einzelne vorüber­gehende Gestalt hängen."

„Fräulein Bertha unb keine anbere!"

„Das sind — verzeihe mir — junge, ideale Phra-

FaU und Kettung.

Erzählung von F. X. Ho er mann. (6. Fortsetzung.)

sein soll, die Staatskatholiken-Adresse niemals unterzeichnet hat. .

* Weshalb ber berüchtigte Schwedenkomg Gustav Adolf fengeub, brennenb unb morbenb Deutschland überzog, enthüllt jetzt die,Vossische Zeitung' ber staunen­den Welt Zu ber seitens ber ,Germania' bem ,Retchs- anzeiger' ertheilten Rüge stellt bie ,Vossische Zeitung' die Frage: „Wer anbers, als bte Jesuiten, haben diese Einmischung bes Schwebenkönigs nöthig gemacht unb überhaupt ermöglicht?" So, nun wissen wir's: um bie armen, bebrängten Protestanten von ben schreck­lichen Verfolgungen ber fürchterlichen Jesuiten zu be­freien mußte ber — fromme Länderverwuster aus Schweben herüberkommen! Die geschichtlich feststehenbe unb unangefochtene, auch von protestantifchen Ge­schichtsschreibern zugegebene Thatsache: baß gerabe protestantische Reichsfürsten, rote insbesondere Herzog Boguslaro von Pommern, ben Schweden bringend baten, in seinem Lande zu bleiben, und daß als er dennoch kam, er Pommern, Brandenburg und' Sachsen erst durch Drohungen unb mit Gewalt zwingen mußte, auf seine Seite zu treten, ficht das bem geistigen Marasmus vollständig verfallene Organ des benkunfähigen Berliner Philisterthums nicht un Geringsten an; es wirb lustig b'rauf los gefälscht — zu Ehren bes schwebischen Morbbreuners unb seiner gleichwerthigen Verehrer. So wirb bas protestantische Volk von bieser Art Presse systematisch belogen *unb irregesührt. Wenn schließlich bte ,Vosfische «tg.' so unvorsichtig ist, beizufügen: „Für bte Prote­stanten ist Gustav Abolf trotz allebem ber Retter ber Gewissensfreiheit, als bieRoth am größten war Dessen zu gebenfen hat ber Protestantismus auch heute alle Ursache," so wollen wir, sagt bte ,Germ/, uns bieses wi-tbvolle Gestänbntß merken für ben Fall, daß man auf protestantifcher Seite sich wieber unter­stehen follte, ben Katholiken ben Patriotismus abzu-

I fDtcdicn

* Frau Excellenz Windthorst hat unlängst bei leib­lichem Wohlfein ihr 90. Lebensjahr vollenbet. Im katholischen Dentschlanb wirb man ihrer in Dankbarkeit unb Verehrung gebenfen unb sich in bem Gebete ver­einigen, baß Gott ber verehrten Greisin einen schönen Lebensabend verleihen möge. — Bei dieser Gelegen­heit sei noch erwähnt, baß bie Arbeiten am Modell sür das Winbthor st-Denkmal in Meppen, dessen Anssührnng dem Bildhauer H. Pohlmanu tn Berlin Übertragen worden ist, rüstig fortschreiten sodaß die Aufstellung und Enthüllung des Denkmals im Laufe des nächsten Jahres erfolgen kann.

* Köln, 19. Sept. Major v. Wlßmann hat sich mit Fräulein Hedwig Langen, Tochter des Geheimen Kommerzienrath Eugen Langen hierfelbst verlobt.

* Magdeburg, 18. Sept. Der Deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege ist gestern Abend hierfelbst zu seinem neunzehnten Kongreß zusammen­getreten.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. September.

* Unermüdlich und unerbittlich befaßt sich die Nordd. Allg. Ztg.' mit der Königsberger Kaiserrede, um die Parteien zum Zusammenschluß und zur Be­kämpfung der Sozialdemokraten aufzufordern unb bie Regierung bagegen in Schutz zu nehmen, baß sie selbst nichts thue. Jrgenb etwas Bemerkenswerthes kommt bei all bem Gerebe nicht heraus. — Auch bie übrige Presse beschäftigt sich fleü-g mit oem Auftuf ?um Kampf für Religion, Sitte unb örbnung, bas Ganze läuft aber auf Gezänk zwischen Konservativen unb Liberalen hinaus. Unsere Ansicht, baß ber Auf­ruf ohne irgenb welche praktische Bebeutung für bie Gestaltung unserer Politik, abgesehen von etwaigen Polizeimaßregeln, sein werbe, wirb burch bie Streitig­keiten nur bestätigt.

* Die ,Nat. - Lib. Korr.' schreibt: „Die Etats für den Reichstag werben biesmal mit aller nur mög­lichen V o r s i ch t und S p a r s a m k e i t aufgestellt. Größere Mehrforbernngen sind nirgends zu erwarten., Die Reichsregierung wird durchaus vermeiden, die Finanz­lage in ungünstigerer Weise darzustellen, als es durch die Tatsachen begründet ist, um etwa Stimmung für die Reichsfinanzreform zu machen Sehr erfreulich wird das Bild auch fo nicht ausfallen. Es Wirb auf alle Fälle bie klerikal-fortschrittliche Behauptung wider­legen baß eine Vermehrung ber Reichseinnahmen ganz unnöthig sei." Das wollen wir boch noch abwarten.

* Es ist jetzt vollstänbig klar gestellt, baß ber Fürst Hermann von Hatzseldt-Trachenberg, welcher für bas Oberpräsibium in Schlesien in Aussicht genommen

In biesem Augenblicke nahte sichDr.Harach: „Herr Walther, Sie weilen ja ganz getrennt von unserer Ge­sellschaft. Kommen Sie unb Du, Bertha, mit. Die Zeit ist vorgerückt, man will ben Weg nach bem Bahn­hof einschlagen."

Er sprach biese Worte mit sonst ungewohnter Kalte. Fast unwillig folgten bie beiben jungen Leute.

Man stieg nun abwärts. Der Mond glänzte be­reits am wolkenlosen Himmel und verbreitete sem rntlbes Licht über bie Trümmer ber Ruine unb ben Walb. Kein Geräusch ließ sich hören, nur bie Schritte ber Wandernden verhallten in ber allgemeinen Stille Walther blickte balb auf bie Tochter des Arztes, balb zu bem gestirnten Himmel, unb tief unb enblos war fein Sehnen. Furcht unb Hoffnung stritten in feinem Innern, feine Gebauten jagten sich wie im Kreise.

Balb war ber Bahnhof erreicht unb eine einstün­dige Fahrt brachte bie Gefellschaft nach Lobau zurück.

^^Ver?etzt°blickte berSngeZr den Davonschreitenden unb bie Ff-ube ergriffen, wo man sie gerabe finbet, nach, bann begab er sich, wie um seinen Kummer zu ' bas ist wem Grunbiatz.