M 207 Dienstag, den 11. September 1894. 21. Jahrgang
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Mein herzlieber Vater dem Tode nahe!" rief dar
9M Gott! DaS edle Fräulein ist ja längst nicht mehr dortselbst. Auf «utrti Wunsch, mein hoher Herr, folgte sie Euer« Abgesandten nach dem Schlachtfeld,. Sie verordnete strenge, der edlen Fran die Sache zu verheimlichen so lange die- möglich, auf daß meine Herrin, sich nicht allzulange gräme-, brachte die Magd schluchzend hervor. ~
Bist Du von Sinnen, Maid? grollte Dethwar. Er fahr mit der Rechten über die hohe Stirne. Ein furchtbarer Argwobn stieg dort empor.
Allmächtiger Gott, sollte feindlicher Berrath mir mein Kind entführt haben?" ächzte er. sprich, erzähle alle-, was Du weißt.
terifirung der sozialistischen Parteien tute Unbeholfm- heit und Ignoranz, für die em simpler Handelsschüler mit einem Dreier censurirt würde. Schrecklich — ur>d der Mann hat eine staatlich anerkannte Qualifikation als UniversitätSprofesior! Wie daS nur zugehen mag?
Auch die Sozialdemokratie hat hiuterher ihre Stellung geändert. Während sie bis dahin aus der Gegnerschaft der „Pfaffen" sehr wenig sich zu machen vorgab, war eS ihr jetzt nicht recht, daß man „den Leuten, die daun in die Provinz hinauSgehm", über die Sozialdemokrat« angeblich „so viel vorlog-. Mit dem Lüg« ist eS aber so eine eigene Sache, besonder- die österreichisch« Sozialdemokraten scheinen den Unterschied zwisch« Wahrheit und Lüge ganz in ihre Regie genommen zu haben. Natürlich ist alle« da-, wa- man von ihn« sagt, falls es ihnen nicht gefällt, kurzweg Lüge: die Praxis ist einfach und billig. So gings auch bezüglich der Kursus und «S scheint, daß die sozialdemokratisch« Führer über den „Mißbrauch der Wahrhest- so erbost sind, daß sie beschlossen hab«, daS Kriegsbeil gegm die Christlich-Sozial« auSzugraben. WmigftmS wurde letzthin auf allen sozialdemokratisch« Versammlungen die- laut und deutlich in die Welt gerufen. AIS ob die Sozialdemokraten nicht von jeher den offenen sowohl als den versteckten Kampf geg« dar Christenthum, feine Verkündiger, Bekenner und Äertheidiger mit all« Mitteln geführt hätten!
Aber eS ist vielleicht Zeit zum äußersten Kampfe, die Herren werden eS ja wiffe«. Doch liegt der Grund dafür wohl anderswo. Die christliche Arbeiterbewegung gewinnt beständig an Stärke und Ausdehnung und daS macht die Roth« kopfscheu. In dm deutsch« Provinz« wird ein katholischer Arbeiterverein um den ander« gegründet und in den Lände« slavischer Zunge ver- richten einige tüchtige Männer zwar still und ohne Tam-Tam, aber zielbewußt und unermüdet wackere «"beit Gegen 150 christlich-soziale Arbeitervereine vermag der heiße Boden der slavischeu Länder bereits dm Scharen der Omladinisten, Sozialdemokraten und Anarchisten entgegenzustellen. Die» ist auch der einzige Platz, wo sich die feindliche« Brüder treffen könnm, eine Brücke, aus der eine Beiftändigung der Stationen möglich ist. Die gemeinsame soziale Noch wird in den Köpf« der Vernünftigen die Ueberzenoung wachrufen, daß eS zur Bekämpfung derselben der Bereinigung der deutsch« und slavischeu Völker bedarf. Nach all« dies« Richtungen hat der erste soziale Kursus in Wim den rechten Weg gezeigt, der zum politischen und sozialen Frieden führe» kann, wenn man nur ihn wird gehen wollen. So ist eS möglich, daß diese Idee, auf deutschem Boden entsprungen, auch d« zerklüftete» österreichisch« Brüdern zum Heile gereich« kann und wir haben Grund zu rufen: @8 leben die Nachfolger deS Wiener Kursus!
, n . _ - ~- abzuholen, anveitrauin wollet, «tratet Ihr eS heimlich
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Dome, allwo wir inbrünstig gebetet hatten nach Hause
Das goldene Dach ;u Hildesheim. Historische Erzählung von Antonie Haupt.
(13. Fortsetzung.)
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AlS der Prokonsul a" seiner HauSthüre vom Rosse sprang, wurde er mit offenen Armen von Frau Her- manna empfangen. Sie vetastete seine Rüstung, ob sie anch heil geblieben und ob ihr viellieber Herr auch unverwundet sei, sie weinte Thränen der Freude.
Graf Hardenberg schloß daS geliebte Weib in seine Arme, unruhig j'doch spähte er nach all« Seitm.
„Wo bleibt Altfride?" fragte et endlich.
„DaS liebe Kind weilt noch im Dome. Sie gelobte, nicht eher daS Heiligthum zu verlass«, bis sichere Kunde vom AuSganqe der Schlacht hierher gedrungen sei-, berichtete FrauHermana undsetztehinzu: „Waltrud, die sie dorthin begleitete, kehrte vor einigen Stunde» allein zurück. Die Maid soll ihr die Freudmbolschaft überbringen und sie hierbei geleiten.-
Auf der Hausfrau Ruf erschim Waltrud. Sie wmde beim Anblick der Grafen bleich, wankte und griff nach einer Stütze.
„Was ist Dir, Mägdlein? Du glaubst wohl, Deiner Herrn Geist zu sehen?" fragte Hardmberg lächelnd.
„Fürwahr, Herr Graf, just wie Ihr sagt, geschah
bab”®fl8 sendet Euch Euer Herr Vater. Ich sollte jch "nach Eurem Hause, um Euch allem und im Be- sonderen seine« Auftrag zu vermelden. Mein Vater läßt Euch kund und zu wissen thun, daß vor der Stadtmauer vier Mannsbilder mit einer Sanfte sich aushalten, ein Berittener im Hämisch ist auch dabei. Die sage«. Euer Vater trage Verlangen danach, sem einziger Kind nochmals zu sehen, denn er sei dem Tode O D —, rs-r rtL X •». St» OY rtf ifttlhl IX (Tu)
-1 Soziales aus Oesterreich.
Ein Schrstt nach vorwärts! Wer wollte eg leugnen? DaS katholische Deutschland hat einen voll- gUtigen Beweis für den praktischen Werth seiner längst« Institution, der p r a k t i s ch-s o z i a l e n Kurse, erhalten. GS ist dies das Geling« des ersten Nachbildes der deutschen Muster auf österreichischem Boden, wo man eS ja gewöhnt ist, etwas hintendrein zu marfchirem schon vonwegen der „Gemüthlichkeit-, ans der man sich nicht recht befrei« kann. Also auch in Oesterreich hat die Idee der sozial« Kurse Bod« gefaßt, und der erste derselben, welcher vom 7.—10.August in Wien abgehalte« wurde, wird «icht der letzte sem. Gegen 400 Theilnehmer bewies«, daß daS Berständmß für die brennendste« aller! Tapesfragm in weitesten Kreisen vorhanden ist, und diese 400, die hinausziehen m alle Gaue des vielsprachioen Oesterreichs, werden nicht verfehlen, dieses Jnterresse bei den einen wachzumf«, bei andem zu heben, bei de« drittm zu werkthätiger Arbeitslust auSzubild«. Laut deS am ersten Tage fest- gestellten Verzeichnisses, nach welchem sich die Theil- nehmer auf 346 beliefen, di- sich während der nächste« Tage «m weitere 20 bis 30 vermehrt«, waren anwesend aus Niederösterreich 157 Herr«, Oberösterreich 11, Böhm« 39, Mähren 37, Steiermark 18, Kärnten 13, Tstol 19, Kram 7, Salzburg 7, Vorarlberg 6, Triest 3 Galizien 5, aus den Ländern der ungarische« Krone 7, ans Deutschland 1, eine Betheiliguug, welche selbst die höchstgefpannt« Erwartung« übertraf.
Natürlich fehlte« dem Unternehme« nicht die äußeren begleitende» Umstände, die oft erst dem Ganze» seine Voll«d»ng geben. Dazu g'hörtm vor allem die Angriffe der liberale» Presse. Und da gab eS wirklich em lustiges Wettlausm um die Krone der Meisterschast. DaS Organ der sog. Gebildet«, die ,Nene Freie Presse', bemerkte höhnisch: „Das soll ei» Kursus sein!?" Man hatte nämlich vergess«, einige Talmudgelehrte einzuladm, deshalb fehlte eS an der „Bildung". Anderen Preßmenfch« wurde eS angst und bange um „Aufklärung" und „Fortschritt" und daS Sturmläuten vor der „schwarzen Armee" — der Haupttheil der Theilnehme»- bestand auS Priestern und Theologen — wollte kein Ende nehmen. Diese Furcht mag den Herren übrig«S von Herze« kommen, henn die gegenwärtigen Parlaments - Ersatzwahlen eröffnen dw altersschwachen Liberale« keine hoffnung-freudige Zukunft.
Im Gegensätze zu den heulend« FortschrittSder- wischen schienen die Sozialdemokrat« erst d« Verlauf deS Kursus abwarten zu wollen, sie hofft« wohl, derselbe werde bedeutungslos vorübergehen und ihnen so jede Erwiderung erspar«. Leider hab« die Veranstalter deS Kursus den Herren diesen Gefallen nicht erwiesen, indem sie die Vorträge mit Männern besetzten, deren Ruf für einen glänzend« Erfolg bürgte. So referirte am ersten Tage P. Weiß anS dem Dominikanerorden, der berühmte Apologet und So- zioloq. über „die Grundlagen der allgemein« Gesell-
schast-lehre" in zwei getrennten Vorträgen. In einem dritten Bortrage behandelte der ReichSrathsabgeorduete Prinz Liechtenstein „die geschichtliche Entwicklung der heutigen gesellschastlich« und wirthschaftliche« Lage im allgemeinen." Der Prinz, welcher die Gabe der Klarheit im hohen Grade besitzt, erntete für ferne geistreichen Ausführungen den reichste« Beifall der Versammelt«.
Der folgende Tag gehörte dem Bauernstände, der in zwei gründlichen Referaten über die Agrarfrage von einem Fachrnarme behandelt wurde. Eine schwierige Ausgabe hatte der konservative Abgeordnete Dr. Eben- hoch, welcher in zwei weiteren Referaten die traurige Sage deS Handwerks am Ausgange deS 19. Jahrhunderts und die Mittel, ihm zu helfen, barlegen sollte. Glanzpunkte der Kursus Wbeten die herrlichen Borträge des JmSbrucker Jesuiten Pcof. Bieder lack über die Arbeiterfrage und den Sozialismus. Daran schloff« sich praktische Erörterungen über die Be- kämpsung der Sozialdemokratie in Oesterreich, die Leistungsfähigkeit der Charitas auf sozialem Gebiete, und als Schluß des Ganzen ein herrlicher, aus dem Herzen kommenden Appell an die anwesend« Priester über die sozial« Pflichten deS Klerus. Brausender Jubel ertönte, als der bereit» erwähnte P. Weiß am Schluffe dieses seines BortrageS die Tribüne verließ, und man konnte eS ringsum von d« Mi«« les«, daß man sich gelobt hatte, mit Eifer und Energie sich hinfort der soziale« Frage zu widmen. Und so mögen denn die Theilnehmer wieder hinweggegangen sein in alle Lande, aber der anggeftrente Sam« wird aufgebe» und vielfältige Frucht brivgm.
AlS erwünschte Beigabe wird eS allerseits empfunden worden sein, daß a« d« Abende» Versammlung« der christliche» Arbeiter -, Seselle»- und Stu de» ten- tß er eine stattfanden und so den Theilnehmern Ge« legmheit gebot« wurde, daS BereinSlebe» der österreichische» Hauptstadt kerne» zu lernen.
Damit war der Anfang gemacht und er war gelungen. Alle Theilnehmer waren befriedigt sowohl über die Vorträge als insbesondere darüber, daß sich nach jedem derselben eine lebhafte, sehr lehrreiche Debatte entspann. Mit dem Gelingen de- ersten sozialen Kurses ist aber der Bann gebrochen, der bisher über der jungen Partei der katholisch« Sazialreformer in Oesterreich auSgebreitet lag. Jene Männer, welche seit Langem Lust und Liebe zur Sache hatten und in ihr« Kreis« für die sozialen Resormide« agitirten, haben Gelegenheit zum Meinungsaustausch unter Gesinnungsgenossen gefunden und gehe« ««« mit frischem Muthe, neuen Erfahrungen und verdoppelter Arbeitslust in ihre Heimath zurück. WaS schadet e- da, wenn eine gewiffe Presse in ohnmächtiger Wuth über die „Ignoranz der Vortragenden spottet und denselben „Oberflächlichkeit «nd Banalität vorwich?! Muß man eS nicht als Bestätigung, den guten Zweck erreicht zu haben, annehmen, wen» man in einem dieser Organe den überaus weis« Satz zu lesen bekommt: „Der Herr p. Biederlack verrieih in der Terminologie und Cbarak- mir bei Euer« Anblick", bestätigte Waltrud, sich mühsam faffmd, und fügte dann hinzu:
Mit Vergnnft, edler Herr, warum ließet Ihr, da Ihr" heil nnd uvverwundet seid, der edlen Jungser Alrfride Bescheid sagen, Ihr wäret zum Sterb« wund, und eS verlange Euch Euer Kind vor dem letzten Ende noch einmal zu sehen?"
„Waltrud, was faselst Du? Geschwind, bole Alt- ftide" auS dem Dome hierher!" rief der Prokonsul
Deutsches Reich.
Berlin, 8 September.
* Infolge der ropid wachsenden Choleragefahr sind, tote auS Oppeln gemeldet wird, regierungsseitig geleitete, und wir quer über den Marli platz schritt«, rannte des FriesmthorwächterS dicker Junge auf n»S zu.
„Das ist schön, edle Jungfer, daß Ihr mir gerade in den Weg laufet", hob er an, und brachte Euere roth- und golddurchwirkte Schärpe herfür. die Schärpe mit Eurem Wspven darin, so da- edle Fräulein Alt- fride Selber gesttcket". . .
„WaS, der Junge hat meine Schärpe, die mtt im Handgemenge mit den Halberstadter» entrissen wurde? ries Hardenberg erstaunt.
Za gnädiger Herr. Sie war über und über mtt Blut beflecket. Er reichte sie dem Fräulein und sprach