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Sonntag, den 9. September 1894. 21. Iaüraana
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Hierzu eine Beilage.
* Wue verunglückte Expedition.
Das Königreich der Niederlande besitzt auf den Gunda-Inseln einen ganzen Kranz von Kolonien: Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Timor rc. fisd ganz oder thrilweise niederländisches Gebiet und bilden das indische Gouvernement des niederländisch« Kolonial- Besitzer. Eine der zur Machtsphäre der Niederlande gehörende Insel ist Lombok, die 99 Quadratmeil« groß von mehr als 400,000 Menschen bewohnt ift. Der größte Theil der Einwohner, die eigentlich« Ein- i geborenen, find die malaischen Saffak, die sich zum ; Islam bekennen; eingewandert sind die hinduschen Balinesen, die dem Brahmanismus zugethay find. ES klingt fast unglaublich, daß die Baliuesen, obwohl kaum 30,000 an der Zahl, die mehr als zehn Mal so zahlreichen Sassal beherrschen und in drückender Knechtschaft halten. Der balinesische Sultan oder Fürst der Insel schloß 1843 einen Vertrag mit dem nieder- ländischen Generalgouvernement in dem er sich verpflichtete, die Insel Lombok als Tigsnthum der niederländisch-indischen Regierung anzuerkennen, alle drei Jahre eine Gesandtschaft nach Batavia zu schicke«, um dem Generalgouverneur, ass dem Vertreter deS Königs der Niederlande zu huldige«, und den an der Küste von Lombok gestrandeten niederländischen Schiffen jede Hilfe und Unterstützung zu gewähren. In ihre unmittelbare Verwaltung hat die niederländische Regierung Lombok bisher nicht übernommen, sondern nur bei verschiedenen Gelegenheiten erklärt, daß es in der niederländischen Interessensphäre liege, daß demnach die Fürsten oder Sultane von Lombok kein Recht hätten, mit einer dritten Macht Verträge abzuschließen oder sonstige Verbindungen anzuknüpfe». Im Uebrigen drangen die Niederländer nicht auf eine strikte Ausführung des Vertrages von 1843; mochte die pflicht- mäßige Huldigungsgefandtschast verspätet oder gar nicht erscheinen, so ließ man sich dies in Batavia gefallen.
Der jetzige, nun schon im Greisenalter stehende Sultan triev die Grausamkeiten gegen die Saffak so weit, daß diese sich seit 1891 im Aufstande gegen ihn befinden und wiederholt die niederländrsch-indische Regierung mit Bitten um Hilfe bestürmten. Doch die Intervention jener blieb nicht nur resultatloS, sondern der Sultan benahm sich auch auf sehr beleidigende und herausfordernde Weise gegen die niederländisch-iudische Regierung. So beschloß denn diese endlich eine Expedition gegen Lombok. Anfangs Juni gab der Kolonialminister in der Ersten Kammer des Königreiches die Erklärung ab, daß unter den obwaltenden Umständen ein schärferes und nachdrücklicheres Auftreten gegen den Sultan von Lombok unumgänglich nothwrndig fei, wenn man das Ansehen der Regierung im indischen Archipel nicht überhaupt gefährden wolle.
Als Kommentar zur Erklärung der Ministers wurde der Ersten Kammer ein von fechs faffakifchm
Das goldene Dach M Hildesheim.
Historische Erzählung von Antonie Haupt.
(12. Fortsetzung.)
Im Mittellrtffen wollte der Kampf kein Ende nehmen. Magnus drr wildeste und muthvollste KriegS- fürst der Gegner, focht noch immer mit seinen tapferen Braunschweigern, jener Hauptmacht der feindlichen Heeres, in rasendem, verzweiflungsvollem Grimme gegen Bodo von Oberg. Bischof Gerhard war dem letztern freilich mit der ganzen Nachhut zu Hilfe geeilt; aber der Braunschweiger waren zu viele. Gleich einer gepanzerten Riesenschlange hatte deren ungeheuere Macht, die kleine Heldenschaar der Hildesheimer umzingelt. Der unglückliche AuSgavg für daS todeSmuthige Häuflein schien gewiß.
Die Bedrängviß der Führer erspähte Kurt von Dinklar mit raschem Blick.
„Mir nach!" so rief er. Dahin flog er mit seinen Mannen über daS Blachfeld. Wie der Nordsturm durch den Eichenwald, so brauste er durch die feindliches Massen. Recht» und links stürzten von seine« wuchtigen Streichen getroffen die hünenhaften Braunschweiger zur Erde.
Gerade zur rechten Zeit durchtheilte er den effern« Ring in .btffen Mitte ««geschlossen drr Bischof Ger- Hard und Bodo von OSerg, gleich verwundeten Löwen
Stammeshäuptlingen an den niederländischen Residenten auf der Insel geschriebener Brief vorgelegt, der ein geradezu haarsträubendes Bild von der Grausamkeit entwirft, mit der die balinesischen Truppe« die Saffak im buchstäblichen Sinne auSzurottev bedacht waren. Bevor man mit bewaffneter Macht eingriff, sandte der Generalgouverneur den mit den dortigen Btrhältnissen vertrauten niederländischen Residenten von Bali nach Lombok. Dieser hatte eine Zusammenkunft mit zwei Söhnen des Sultans, theilte ihnen die Brfchwerdepunkte der Regierung mit und verlangte innerhalb dreier Tage Antwort. Nachdem diese Frist fruchtlos verstrichen war, kehrte der Resident nach Bali zurück, und der Generalgouverneur beschloß im Einvernehmen mit dem Rathe von (Niederländisch-)Jndien, die Expedition unverweilt abgehen zu lassen. DaS war etwa Mitte Juni. -'j
Zum geographischen Verständnisse dieser militärischen Unternehmung sind folgende Bemerkungen noch« wendig: An der Westküste von Lombok liegt der Hafenort Ampenan, in geringer Entfernung davon, landeinwärts, im Osten Mataram, die Hauptstadt der Jafel und Residenz deS SultauS, noch weiter nach Osten der Platz Tjakra Negara. DaS Expeditionskorps bestand auS fünf Kriegsschiffen und 2500 Mann Infanterie und Artillerie. Die Truppen landeten in Ampenan und besetzten Mataram und Tjskra Negara. Zwei Abtheilungrn seines KorpS sandte der Kommandant, General Vetter, nach dem Osten und Südosten der Insel ab. Der erschrockene Sultan unterwarf sich und nahm alle ihm auferlegten Bedingungen an. Dieser rasche Erfolg mag die niederländischen Truppen sorglos gemacht haben; wie dem auch immer sein mag: die Ballinesen planten eine« Ueberfall, der ihnen nur zu gut gelang. Wie die Sache zuging, berichtet General Vetter folgendermaßen:
Am 25. d. M. (August), 11 Uhr Abends, wurde Tjakra Negara überfallen; die Beschießung dauert auch am folgenden Tage fort; am 26. August hotte mar, schon 14 T^dte und 85 Verwundete. Man hatte kein Wasser. Fouragirung war unmöglich, die Verluste nahmen fortwährend zu. Um 3 Uhr zog man sich nach Mataram zurück; das Gepäck wurde im Stiche gelassen, um die Verwundeten in den Wagen mitnehmen zu können; unterwegs hatte man noch schwere Verluste. In Mataram war der Zustand noch ärger. DaS Bivouak mußte preiS- gegeben werden. Abends 8 Uhr kam die Kolonne Bylevelt aus dem Innern; auch sie hatte schwere Verluste. Lebensmittel fehlten, daS Bivouak war nicht zu erreichen, die Verbindung mit Ampenan war abgeschnitten, und da man zwischen Tjakra und Mataram eingeschlossen war, so war ein offensives Auftreten unmöglich. Wegen der vielen Verwundeten war der Zustand unhaltbar: am 27. August, Morgens 6 Uhr, zog man sich deshalb in einem Bogen nach Ampenan zurück, wobei die Verluste ver- hältnißmäßig gering waren. Gefallen 4 Offiziere, 63 Soldaten, verwundet 12 Offiziere, 153 Soldaten, vermißt 6 Offiziere, 148 Soldaten. Bier Feldgeschütze mußten in Mataram zurückgelassen werden. Nicht minder hart ward die zweite nach dem Innern gesandte Abtheilung hergenommen: sie verlor ihren Kommandanten, Oberstlieutenant Larick van Papst, 2 Offiziere und 6 Soldaten; verwundet wurden 3 Offiziere und 18 Soldaten vermißt werden 3 Offiziere, 1 Arzt, 95 Soldaten.
Laß die Kunde von diesem schweren Mißgeschicke im Mutterlands erschütternd wirken mußte, ist schon vom rein menschliche« Standpunkte aus ganz selbst
kämpfend ein Monn gegen zehn, dem sichern Untergänge vekfallen schienen. Der Augenblick war entscheidend. Nme LedenSgluth flammte auf in den Herzen der Hildesheimer, übermenschliche Kraft dnrchströmte die Ermattetes bei der so unerwartete« Hilfe.
„Maria hilft!" so riefen sie und stürzten sich auf die Feinde. Die fielen wie Aehren vor deS Schnitters Sense. Die stolzen Ritter geriete« in die furchtbarste Verwirrung, sie stachen blindlings in ihre eigenen Schaare», ritten einander zu Boden und suchten endlich ihr Heil in wilder Flucht. Doch alle, welche nicht de« Heldentod auf der Wahlstatt fanden, oder, von den wüthend« Bauers gehetzt, elendiglich in der unfernen Fuse ertranken, fielen als Gefangene in die Hand deS Bischofs. Der stolze Herzog von Braunschweig selber, sowie eine große Zahl von Rittern und Knappen mußten ihre Waffen vor Gerhard strecken.
Der Sieg über Mc-gvnS mit der Kette war glänzend errungen.
Doch der, welcher unter dem Banner St. Georgs durch seinen kräftigen Heloenmuth die Entscheidung deS herrlichen Sieges herveigeführt hatte, war weitergestürmt. Für ihn gab eS «och Arbeit. Ec durfte nicht rasten.
Auf dem rechten Flügel war noch Alles in wüthendern Kampfe verschlungen.
Dort focht Graf Hardenberg gegen die mächtigen
verständlich; wurden doch Hunderte von Familie« durch den Verlust theurer Angehörigen in die größte Trauer versetzt. Aber auch die politische Seite deS Dramas von Lombok ist nicht zu verkennen. Die Niederlage der holländisches Truppen hat dem hol- ländisch« Prestige bei den einheimischen Stämme« jedenfalls eines starken Stoß versetzt. Im Mutter- laude ist man gegen Hiobspost« aus des indisch« Kolonien um so empfindlicher, als man eine Reche diesbezüglicher schlimmer Erfahrungen hinter sich hat. Schon früher einmal mißlang eine Expedition nach Lombok; die Unterwerfung der Insel Bali — daher Balinesen — kostete ein« neunjährigen Krieg (1840 bis 1849); der Krieg gegen die Atschinesen aus der Insel Sumatra dauerte von 1873 bis 1879, kostete zahlreiche Menschenopfer und verschlang große Summ« Geldes, ohne zur vollständig« Unterwerfe- des Landes S führen, wenn auch der dortige Sultan im Friedens- küsst die Oberhoheit der Niederlande anerkannte. 68 ist auch nicht auSgeschloff«, daß der Kolonialkrieg, selbst wenn er glücklich geführt wird, innerpolitische Veränderungen oder Konflikte verursacht. So stürzte der Kampf auf Sumatra drei Ministerien weg« des stetig wachfendes Defizite- des KolouialbudgetS.
Auch die unvermeidlich gewordene Fortsetzung beS Kampfes gegen bie Balinesen ans Lombok wirb noch ■ manchen holländischen Mann nnb Gulden erforbern. : Die Balinese« sind tapfere und kriegerische Leute, und durch ihren letzt« Erfolg ermuthigt und, wie eS scheint, von englischen und amerikanischen Spekulationen mit trefflich« Waffen und Schießbedarf ver- sch«, können sie den niederländischen Truppen noch Manche? zu schaffen geb«. Ueber de» schließliche« AuSgang des blutigen Streites kann freilich kein Zweifel bestehen. Die Niederländer werd« Alles aufbieten, die erlittene Schlappe zu reparir«, und auf | bie Dauer konnte «och kein außereuropäischer Volks- I stamm europäischen Waffen standhalten. Während aber 1 ohne den verrätherifchen Ueberfall die niederländische ; Regierung sich wahrscheinlich mit einer entsprechend« s Genugthuung für bie ihr zugefügten Insulten und mit l der Abstellung der Gewaltthätigkeit« gegen die Saffak begnügt hätte, dürfte sie jetzt zur Deposiedirung der i balinesischen Dynastie und zur völlig« Einver- i leibung der Insel Lombok in ihre unmittelbar« ! Besitzungen schreiten. Es ist zu wünschen, daß ihr s diese Lösung binnen möglichst kurzer Zeit und mit l möglichst geringen Opfern gelinge.____________________
j Deutsches Reich.
i Berlin, 7. September.
• Wie die .National-Zütung' aus Königsberg i erfährt, hat der Kaiser von der Liste der zu dem i gestrigen Provinzialdiner eingeladenen Person« die - Herren Graf Mirbach, Kanitz, von Klitzing und l v. Schlleben-Sanditt« gestrichen; der Letztere wurde .- später wieder ausgenommen. Die genannten Herren sind \ die Führer der ofipreußischen Agrarier, bie im Kampfe ; Heerhouf« ber ManSfelder. Er hatte gewaltig unter den Geharnischt« aufgeräumt. Aber der Ingrimm der tapferen Gegner wuchs, je mehr sie von den Ihr« falle« sahen. Ja, ihre Hartnäckigkeit steigerte sich, als sie die Niederlage des Herzogs gewahrte». Kurt von Dinklar fah, wie Hardenberg dem Erliegen nahe war, er sah, wir dessen hohe Gestalt mitten im Gemetzel vom bäumenden Rosse fiel, sah, wie Graf Albrecht von ManSfeld die Mordwaffe über dem Prokonful schwang. Der todtbringende Streich ward nicht vollführt: DeS Freiherrn lange Schwcrtklinge fuhr blitzgleich hernieder und spaltete deS grimmen ManSfeld'S Haupt.
Die unverhoffte Hilfe entschied auch hier. Der Tod Albrecht'S brach alle Widerstandskraft der Grafen Gebhard und Buffo. Sie waren darauf bedacht, des Sohnes und Bruders Leiche vom Kampfplätze wegzubring«. Ihre Trupp«, von d« Führern verlass«, flohen, ober warfen bie Waffen weg und ergaben sich.
So war ber Sieg ber Hildesheimer vollkommen. DaS Wunder war geschehen.
Eisttmsendsünfhundert Ritter, Söhne ber ebelff« Geschlechter, bebt dien baS Schlachtfeld. Die Bischöf- lichen hatten nur geringe Verluste.
Allgemeiner Jubel erscholl, als Dinklar und Har- denberg mit d« Gefangenen ber Mansfeld'sch« Schaar« anrückt«. Alle Zungen riefen begeistert:
„Hoch dem Helden von Dinklar!"