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21. Iahrama

Freitag, den 7. September 1894

JU 204

MllcrMZkitllng

bett Verlauf, dir

nach jeder Richtung hin kräftig auszunützen, um eine

Katholiken-Bersammluug noch sie genommen"; diesen Kernsatz begründet sie wie folgt:

Was da über die soziale Frage bemerkt wird, besteht in praktisch werthlosen Redensarten, die Abwehr von Mißbräuchen ut b Ausbeutung auf gewerblichem Gebiet beschäftigt auch andere Parteien. Was über WissensLaft, Kunst, christliche Kultur, katho- lisches Vereinswesen geredet worden, bestätigt nur wieder, wie die katholische Kirche immer weiter in dcm Streben geht, sich von der geistigen Bildung der Nation abzusondern und sich eine eigene katholische Kultur zu schaffen. Das alles ist offenbar müde vorqetragen und gleichgiltig entgegengenommen worden. Man hat es eben schon gar zu oft gehört. Auch die Vorführung der beliebtesten Kraftmittel der klerikalen Agitation wollte nicht mehr recht verfangkn. Um den faden Kohl etwas schmackhafter zu machen, wurden natürlich wieder die Jeswten und andere Orden gehörig vorgenommen. Daß die Jesuiten in der Verkappung der Redemptoristen bereits wieder im Lande sind, stört die eifernden Herren eben so wenig in ihrem Hetzen, wie die fort­währenden Zugeständnisse, w-lche an anderen Orten gemacht werden. Für jeden Unbefangenen konnten diese Verhandlungen nur den Beweis erbringen, daß die Katholiken überhaupt keine berechtigten Klagen mehr haben und, da nun doch ein Mal gehetzt werden 'muß, mühsam kümmerlichen Brennstoff zusammenschleppen, um das Feuer des Kulturkampfes nicht ganz erlöschen au lassen. Die Erwartung, irgend etwas über die Stellung des Centrums zu den großen politischen Zeitfragen zu erfahren, ist gänzlich getäuscht worden. Mit effigem Stillschweigen ist jede Andeutung über die Stellung zu den tagespolitischen Fragen vermieden worden. Das Centrum lauert eben wieder.

Schade, daß Vorstehendes Nicht noch in Köln ver­lesen werden konnte — was wäre das für eine Freude gewesen! Selbstverständlich war der Urheber dieser freundlichen Charakteristik in keiner einzigen Sitzung. So dumm würde er doch sonst der Wahrheit nicht in'S Gesicht schlagen. Rebe« einigen Schimpfereien kommt in der gegnerischen Posse freilich auch die An- etkennung zum Ausdruck, eigentlich sei es sehr wohl gelungen gewesen. So hat die ,Boff. Ztg? zwar trotz de« „glänzendsten Rednern der Centrums", die in Köln sprachen, auch nicht einen einzigen „neuen Ge­sichtspunkt" entdeckt — dafür werden wir wohl auf den nächsten Parteitag der Freisinnigen Bereinigung warten miiffeit, aber impomrt hat ihr die Sache doch:

„In Köln haben in diesen Tagen die deutschen Ultramon­tanen ein großes Prunk- und Ausstattungs-Stück aufgeführt. Das Stück war glänzend vorbereitet und ist glänzend verlausen. Die Zuschauer sind in dichtern Schaaren herbei­geströmt als je zuvor. Jede einzelne Versammlung war aus­verkauft. Das ist alles, waS man von einem Ausstattungsstück erwartet. Es hat den Glanz des benschen Katholizis­mus zeigen sollen und es hat zweifellos diesen Zweck erfüllt Das Centrum steht, trotz allen trüben Erfahrungen der letzten Jahre, noch immer in geschlossener Machtstellung da, gestützt aus die breiten Schichten des katholischen Volkes ebenso wie auf den Adel und die Geistlichkeit"

Bemetkenswerth und bedeutungsvoll ist der Be«

Frnsenthore zur Stadt hinaus, dem dreimal überlegenen Feinde entgegen. Nicht weit, nur einige Standen lang, war das schlachtfroh auSrückende Häuflein genöthigt, vorzugehen.

Hinter dem Dorfe und bei Burg Dinklar breitete sich schon da? weitgehende Lager der Verbündeten auS. Die auf dem nahen Bergzuge aufgestellten Wachposten des Feindes verkündeten bett Ihren mit langgestoßenen Hornstößen baS Nahen ber Hildesheimer.

Trowp ckengefchmetter antwortete auS dem Lager. Plötzlich brach eS daraus hervor, gleich Fluthen deS entfesselten Meeres, so daß bald ein mächtiger Heer die weite Ebene bedeckte. Im Sonnengoloe blltzten die Rüstungen der heranziehevden schwergepanzerten Ritter- schaaren. Zahllose Fahne« und Banner flatterten stolz im WindeShauche. Die starrenden Lanzen und Speere der Verbündeten schienen im Wiederglauze der Sonne Feuerströme avszusende«. Ein wahrhaft großartiges, ja furchtbares Schauspiel!

Der ganze Umfang der Gefahr zeigte sich dem kriegskundigey Bischöfe und seinen wenigen Rittern beim Anblicke der ungeheuer« Uebermacht des Feindes.

Mit hoch erhobener SchwerteSsp'tze gebot der tapfere Kirchenfürst seiner kleinen Schaar Halt. Alle standen gehorsam seinem Winke. Er hielt mit seinem Streit­hengste just vor einem mächtigen Granitblocke.

„So gewiß mein Schwert aus diesem hatten Stein

Dar ist ein Beweis, wir rothwendiq es war, den : Zündsatz der Parität und das Verlangen nach derselben in Köln recht augenfällig hervortreten zu lassen. Diese qehäsiigen Zeilen zeigen bandgretfl'ch, ' daß die verfassungSmSß'ge Parität tn Preußen nicht ? nur vraktisch verletzt, sondern auch theoretisch mit voller Rücksichtslosigkeit bekämvlt wird.

Neben den Gegenständen, welche seit Jahren bte i General- Versammlung regelmäßig zu beschäftigen pflegen, ; trat dies Mal die soziale Frage sehr stark m den Vordergrund Unter Vorsitz bezw. Betbetligung der । beide« Ehrenpräsidenten hatte sick eine außerordentliche . sozial-politische Kommission gebildet, welche Mit einer Reihe, sormvlirter Anträge an die Versammlung heran- trat. Der Verlauf hat gezeigt, daß der Versuch be- rechtiqt war, eine Einigung auf ganz bestimmte Punkte anzvstreben, bei welchen praktische Erfolge auf gesetz­geberischem Gebiete in absehbarer Zeit möglich er- scheinen Rach sehr eingehenden Berathungen ist ern volles Linverständniß erzielt worden, und bte Sitz­ungen der sozial politischen Ausschusses haben den m- teressantesten Theil der nicht öffentlichen Verhandlungen gebildet. Auch sonst bat über den Verhandlungen der Geist der Einigkeit und freundlicher, gegenseitigen Rücksichtnahme geschwebt, wie wir ja schon eingehend

* Wckbvck auf die letzte General. Versammlung der deutschen Katholiken.

Die gesammte katholische Presse spricht sich sehr anerkennend über die Vorbereitungen, den Verlauf, bte Leitung und einzelnen Redner aus. Die kultur« kämpferische liberale Preffr sucht daraus natürlich wieder ihrs Hetzsucht zu nähren und die dümmste« und albernsten Vorwürfe gegen die Katholiken zu schleudern, waS aber kaum ein Blatt in einer so verächtlichen und anmaßenden Weife thut als die Münchener Neuesten Nachrichten'. Sehen wir uns einige Pceßäußrrungen näher an. Die .Köln. VolkSztg.' bringt eine lange Abhandlung, der wir entnehmen: „Die Kölner General- Versammlung hat in der Schlußrede ihres Vorsitzenden einen ganz besonderen Ehrenplatz angewiesen er­halten. Vielleicht, meinte er, fei in der schöne« Stadt am Rhein der Gipfelpunkt aller General-Versammlungen zu suchen. Unbestritten bildete sie den Höhepunkt, was die Bet Heiligung betraf. Die Thatsache bletbt bestehen, daß die werbende Kraft der Katholikentage noch immer im Wachsen begriffen ist. Wichtiger als der äußere Erfolg, als aller Glanz der die Versamm­lung begleitenden festlichen Veranstaltungen ist der geistige Gehalt. Eine Fülle von Talent und red­nerischer Kraft ist in Köln zu Tage getreten, welche den Vergleich mit früheru Versammlungen wahtltch nicht zu scheuen braucht. Gerade in dieser Beziehung ist die Versammlung auf'S sorgfältigste vorbereitet worden, und erglänzend trat hinzu die nach etnsttmmtgem Urtheil rnustergiltige Leitung. Der ganze Verlauf trug den Charakter der Würde, die freilich den feinen Humor nicht verschmäht.

Namentlich ist diese Würde gewahrt worden gegen- über Andersgläubigen. DaS ist kein großes Ber- dienst, denn es entspricht lediglich Der feste« satzungS- mäßigen Ueberlieferung, welche konfessionelle Polemik untersagt, aber nach giwissen Vorgängen der letzten Zeit hätte man es entschuldigen können, wenn Angriffe gehässigster Art noch anders als durch eine vornehme Handbewegung abgewiesen worden wären. Das hat man unterlassen und wohl daran gethan: Das beste Argument gegen die Ausschreitungen der Evange­lischen Bundes liegt in der Jgnoriruvg — der Gegensatz wirkt durch sich selbst, und ein vernünftiger Protestant, der zwischen Köln und Bochum Vergleiche zieht, wird an dem Auftreten der BundeSritter in Bochum jetzt erst recht keine Freude mehr haben. Gleich in der Begrüßungsrede trat der Geist echter Duld­samkeit wohlthuend hervor, und er ging durch alle

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auSeinandergefetzt haben. .

Einen maitern und langwerlraern Verlauf als m Köln", deklamict die ,Nat.-lib. Korresp', „hat die n?6*fe nochmals aus der Tiefe feines Herzens um Beistand und beschloß fein Gebet mit den Worten:

„Heilige Mutter Maria, wenn ich den Sieg ge­winne, so gelobe ich Dir ein goldenes Dach zu g-ben; wenn ich aber den Sieg verliere, so mußt Du mit einem Strobdach lürlieb nehmen." *)

Do kam es über ihn wie göttliche Erleuchtung. Er erhob sich. Eine starke, geheimnißvolle Macht trieb ihn zur Schatzkammer. Dort ergriff er das Reliquien- Bebältniß der bl. Mutter Maria („Unser litten frauwen Hyliqthum"). Ec küßte ehrerbietig jener heilige Gefäß, durch welches einst dem frommen Kaiser Ludwig die wunderbare Eingebung wurde, das BiSthum H'-ldeS« beim »u errichten, und barg es in seinem weiten, den Harnisch bedeckende« Gewände.

Hierauf verließ er die geweihte Stätte. Auf dem Domhofe trat er leuchtenden Auges mit hoffaungS- freudiger Zuversicht in die Mitte des feiner harrenden treue« BölkleinS. ertheilte de« Segen, sprach den Kriegern hohe« Muth und Begeisterung ein und führte sie mit der Hoffnung auf göttlichen Schutz aus dem

*) No hilge Moder Marie, wan ick den Sieg gewenne, fo love ick deck eyn gülden dack thv gewende; wan ick aver den si-g verleere, fo most dv mit eyn strohedack vorleb nemmen. (Chronicon Hildesiense ex codice membranacea p. 215. Series Abbatum monast. 8. Godehardi. ms. f. 24. Berzeichniß der Bifchöfe zu Hildesheim v. P. Job. Kempen S. 22. Bruschn opus de omnibus Germaniae episcopatibus Tom. I. 211 et 212)

„Wir sind behaftet mit der Intoleranz der Ueber- reuaunqstreue. Es gibt nur eine Wahrheit; war mcht Wahrheit ist, ist Jrrthum; im Besitze der Wahrheit ist aber die katholische Kirche. Wir Katholiken glauben nicht, daß die Andersgläubigen, mit denen wir zufammenleben, anders denken aus ihrer Schuld. Die von uns Getrennten erkennen unfern Glauben nicht an, weil sie ihn in Folge unverschuldeter Borurtheile nicht kennen. Also intolerant in der Ueberzeugnngstreue, im Fest­halten an unfern katholischen Grundsätzen, find wir Katholiken in persönlicher Beziehung die tolerantesten und liebenswürdigsten Menschen aus der Erde."

ES ist schwer zu sagen, wie wan de« Satz: „Wir sind katholisch und wir glauben auch wirklich an das, was wir bekennen", taktvoller hätte umschreiben können. Und doch wird baren folgender Erguß ge­knüpft : „ _ .

Ans diesem Glaubensbekenntmß ergibt sich das Exerctr- Realement des Mtramontanismus von selbst, ihr, die Katho­liken könnt getrost mit den Andersdenkenden euern Schoppen stechen. Im Uebrigen habt ihr euch bewußt zu bleiben, daß ihr allein die Wahrste t gepachtet habt, währe-.d jene beimtleidens- weithe Hohlköpfe sind. Damit war die schöne Berheixung per Einladung auf eine Definition ultramontaner Toleranz zurück- gesührt, welche die „Andersdenkenden- fchlechteidmgs nur be­zeichnen können als einen sie verletzenden Ausfluß von G l a übens- dünkel und Glanbenshochmnth. Diese Destmtlon irrt fo weit ab von den Lehren der Staatswissenschait. aus denen unser Gemeinleben beruht, daß sie in ihrer praktischen Beihatlgnng - aeradezu gemeingefährlich wirken muß; denn einem Manne, j he« snsckpr Dünkel gefangen hält, ist es unmöglich, Paritat zu $ üben Lne Mttm-nschen mit gleichem Maße zu messen Es w rd deshalb einem auf paritätischer Grundlage aufgebauten Rechts- s ...r fo denkende und handelnde Leute i

von Stett n a'uszuschließen, wo sie di-se Anschauungen ; ?um Schaden andersdenkender Staatsbürger üben und verbreiten .

Verhanblunge«.

Sonderbarerweise ist ber Willkommgruß ber Hrn. Custobis, welcher m dieser Beziehung be« Ton an­gab, Gegenstand eines heftigen Angriffs geworden. Lin Blatt, in btsfen Spalten bet Geist Der schroffen Un- bulbsamkeit eine bevorzugte Heimstätte besitzt, bte .Köln. Ztg.« ist ganz entsetzt darüber, daß ber Botsitzenbe deS Lokalkowito'S sich erlaubte zu sage«:

Das goldene Dach ;n Hildesheim. Historische Erzählung von Antonie Haupt.

(10. Fortsetzung.)

Selbst ber stolze Graf Hardenberg bot ohne Wider­streben seinem Waffenbruder und bemuächstigen Kampfes- genossen, Kurt von Dinklar, die eisenbeschieute Rechte:

„Bei ber Geringheit unserer Zahl wollen wir um so treuer beisammen halten. Einigkeit macht stark, so lautet ein altes deutscher Wahrwort," sprach er.

Bor St. BernwarbS ehernem Thore scharrte un- gebulbig Bischof Gerharb'S Streitroß.

Der fromme Kircheufürst war nochmals hinabgeeilt in bte Gruft, wo er in seiner großen Rath unb Be- brängniß drei Tage uvb brei Rächte lang auf bet untersten Stufe des ber heiligen Jungfrau geweihten Mater im Gebete dahingestteckt gelegen hatte vor dem Bilde ber Gebenebeiten. Der an bieseS Gnadenbild ge­knüpften wunbetwirkenden Kraft geschah ja schon in den älteste« HilbeSheimet Chroniken Erwähnung; «nd Ger­hard hatte lebendigen Glauben und felsenfestes Ver­trauen, daß die Trösterin der Betrübte« auch ihm ihre Macht offenbare, daß die Schutzherrin der Domkirche und deS BiSthumS ihm Heil und Hilfe gewähre. Als ««« am Tage bei hl. Bekenners RernakluS (3. S pt.) die ersten Strahlen der Sonne grüßten, da hob Ger­hard in glühender Andacht zum letzten Male feine frommen Blicke zu Marias heiligem Bilde empor,

fchluß, die 42. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in München abzuhalten. Dieser ein­stimmige und von stürmischem Beifall begleitete Be­schluß deS Kölner KatholikevtageS wird, so schreibt die ,AugSb. Postztg.', im ganzen katholischen Volke Bayerns mit großer Genugthuung aufgenommen werden. Den i Münchener GestnnungSgenoffen erwächst jetzt die heilige i Pflicht, die verhültnißmäßig kurze Spanne eines JahreS