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jvl 203 Donnerstag, den 6. September 1894. 21. Jahrgang

MiiilerMZeitlllig

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dieser Feier.

4.

Programms — die folgenden, zunächst dringlichen Zielpunkte sozial-politischer Thätigkeit hin:

1) Allen auf mißverstandenem Interesse und theilweile un­zweckmäßigen Ausführungs-Bestimmungen beruhenden Anfech­tungen der gesetzlichen Sonntagsruhe gegenüber, beharren wir auf deren ernster Handhabung und alsbaldiger, den Zweck des Gesetzes im vollen Umfange verwirklichender Durchführung, besonders auch für die Großindustrie. Wir sprechen die Hoffnung aus, daß di- Reichs- und Staats-Berwaltungen auf der in dankens- werther Weise betretenen Bahn der Gewährung ausgiebiger Sonntagsruhe für Beamten und Arbeiter fortschreiten werden. Anderseits wird gegen den Mißbrauch der Sonntagsruhe mög­lichst Vorsorge zu treffen sein durch Einschränkung des diesen Mißbrauch vervorrufenden und befördernden Uebermaßes von öffentlichen Lustbarkeiten sowie durch Gründung von Vereinen und Sonntagsheimen für kaufmännische Lehrlinge, Ladenge-

einer wirklichen, gesetzlich geordneten berufsgenossenfchastlichen Organisation deS landwirthschastlichen Standes auf christlicher Grundlage nachdrücklichst anzustreben. '

8) Für das Handwerk empfehlen wir wiederholt Einfüh­rung obligatorischer Oraanisation der Handwerker mit geschlichen Bestimmungen hinsichtlich des Befähigungs-Nachweises und der Haltung von Lehrlingen und Gesellen.

9) Behufs Aufrechterhaltung von Treue und Glauben tut Erwerbsleben und Zurückdrängung der Ueberschreitungen des Konkurrenzrechtes verlangen wir den alsbaldigen Erlaß eines Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs in Handel und Gewerbe.

10) Die General - Versammlung richtet erneut an die Ar­beitgeber in allen Zweigen des Erwerbslebens die dringende Mahnung, ihrer Pflicht der Fürsorge für die Arbeiter in religiös­sittlicher und materieller Beziehung stets eingedenk zu sein und vor Allem ein gutes persönliches Berhältniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern — in größeren Fabriken namentlich durch Einführung von Arbeiter-Ausschüssen — zu pflegen.

Drei Tage und drei Nächte waren vergangen, seit­dem Hildesheim durch die schlimme KciegSbotschast von Braunschweig emporgeschreckt und zum Rüstm aufgefordert worden war.

Scherz!"

Die beiden Männer schütteltm sich lachend die Hände und besprachen dann Hennings ausgeheckten Plan in allen Einzelheiten. .

Eh- der kleine Kreis sich trennte, sagte Hmnmg:

„Und wenn ich Hochzeit mache, so seid Ihr, meine ehrenfesten Herren, mir alle herzlich willkommen zu

schützt."

„Wenn dem also ist, wie Ihr angebt, Herr Ritter, so wollen wir Gnade walten lassen", erklärte einer der Herren. Die Anderen stimmten dann wohl­wollend bei.

Henning folgte nicht ärgern der Emladung, sich niederzulasien und an dem gemeinsamen Labetrunk theil- zunehmen. Sobald er avfiag, sich unter den lustigen Geselle» heimisch zu fühlen, brachte er noch ei« anderer Anliegen vor:

„Bei meinem Kreuz- und Querrüt", so hob er an, „hatte ich vollauf Zeit, darüber uachzudenken, wie ich bei der blonden Altfride meiner Sache noch nicht ge­wiß bin, obgleich der Oheim mir sehr gewogen ist. M'.t befielt guter Meinung wird eS hinsüro auch vor­bei sein, wenn ich nicht für die Hildesheimer kämpfe.

Zwecke ritt ich auf Deine Barg. Als ich daS Rest schon leer fand, ritt ich hierher. Rar ruhiges Blut, meine Herren! Daß eS für meine Absicht sitzt zu spät ist. sehe ich wohl em. Ihr könnt aber unmöglich von mir h-ischen, daß ich mich Eurer Sache annehme, so gern ich eS thäte: Ich gedenke, unseres OheimS, deS - gestrengen Hildesheimischen Prokonsuls, Töchterlein; heimzusühren, und würde für Hildesheim kämpfe«, ’ wenn ich nicht Euch zu Liebe mich unthätig verhielte, s Ihr müßt mir solche Unthätigkcit hoch anrechnen. | Ich zähle darauf, daß Ihr dafür mein Eigeythum

hülfinnen usw.

2) Eine der Hauptaufgaben des Staates ist es, die Ent­wickelung berufsgenosfenschaftlicher Organisation in vollem Um­fang rechtlich zu gewährleisten und zu fördern. Wir wünschen und hoffen insbesondere, daß der im Reichstage wiederholt ein­gebrachte Antrag des Centrums betreffend die eingetragenen Berufs-Vereine alsbald Gesetz werde. Innerhalb dieses Rahmens erscheint uns als dringende Nothwendigkcit die sachgenoisen- schaftliche Organisation der gewerblichen Arbeiter aus einer den Verschiedenheiten von Industrie und Handwerk ange- paßten Grundlage. Als erster Schritt zur Anbahnung einer derartigen Organisation auf christlichem Boden ist freudig zu begrüßen die in einzelnen Gesellen- und Arbeiter-Vereinen bereits durchgeführte Gliederung der Mitglieder nach Fach-Abtheilungen bezw. Fach-Ausschüssen, eine Einrichtung, deren Verallgemeinerung lebhaft befürwortet wird. ,

3) Zur besseren Schulung der christlichen Arbeiter sind christlich-soziale Unterrichts-Kurse in den Arbeiter-Vereinen und praktisch - soziale Kurse für besonders befähigte Arbeiter zu veranstalten. Gegenüber der masfenhaft verbreiteten Volks-Lite­ratur der Sozialdemokratie erscheint die Herstellung und Verbrei­tung billiger belehrender Leitfäden bezüglich der wichtigsten reli­giösen nnd sozialen Fragen Wünschenswerth.

4) Angesichts der in bedenklichem Maße wachsenden Ar­beitslosigkeit sprechen wir die Erwartung aus, daß die ver­bündeten Regierungen des Deutschen Reiches in Wiederaufnahme der durch die kaiserlichen Erlaffe vom 4. Februar 1890 gegebenen i bedeutungsvollen Anregungen auf eine durch internationale Ver- . i einbarung ermöglichte und verbürgte Regelung der Arbeitszeit | | Bedacht nehmen werden. Angesichts der besonder» Gefährlichkeit des Bergbaues empfiehlt eS sich, mit der Regelung der ArbeitS- : zeit zunächst auf diesemGebiete vorzugehen. EineFürsorge gegen ! unverschuldete Arbeitslosigkeit aus Grundlage der berufSgenossen- ! schaftftchen Organisation wird anzustreben sein. Für größere l Städte ist die Schaffung gemeindlicher Arbeitsvermittelungsstellen ' unter geordneter Mitwirkung auch der Arbeiter dringendes Be-

s Da könnte einer von Euch, meine Herren, mir \ durch einen lustigen Streich zu sicherem Glücke ver-

Das goldene Dach zu Hildesheim.

Historische Erzählung von Antonie Haupt.

(9. Fortsetzung.)

Am folgenden Morgen war alles im Lager in freudiger Geschäftigkeit. Man fchlug die Zelte ab mtb rüstete sich lärmend zum längst ersehnten Auf- bruch.

Mitten in die Verwirrung h'meiv sprengte ein den Verbündeten unbekannter Ritter und verlangte, Herrn HanS von Saldern zu sehen. DaS kostete nicht geringe Mühe, dm von Saldern aufzusiaden. @8 gelang aber doch. Er saß mit anderen Rittern zusammen und stärkte sich, gleich diesen, hinter einigen Krügen WeinS zu dem bevorstehmden Kampfe.

„Willkommm, Henning!" rief er erfreut, alS er deS Fremden ansichtig wurde.

„Dieser ist mein von seinen Weltfahrten eben heim- geehrter Bruder", so stellte er den Ritter seinen Zech- genossen vor.

Henning schüttelte kräftig HansenS dargebotene Hand und sagte lachend:

„Vermeine aber nicht, daß ich gefommen bin, um Euch ein Kampfgenosse gen Hildesheim zu werden. Ich wurde just im Gegenihrtl von unser« Oheim Harden­berg mit dem Auftrage betraut, Dich und andere Ritter für die Hildesheimer anzuwerben. Zu dem

deutsches Reich.

Berlin, 4. September.

beitgeber empfohlen. , ,

6) Auf die Verbesserung der Wohnungs-Berhaltnesse der Arbeiter ist durch die Gründung und ebenso vorsichtige als selbstlose Verwaltung gemeinnütziger Bau-Gesellschasten und Bau-Genossenschaften hinzuwirken.

aH 7) Die hohe Bedeutung des Standes der Grundbesitzer als Stütze christlichen Geistes, gesellschaftlicher und staatlicher Ordnung einerfeits, die äußerst bedrückte Lage t

- helfen.

5 Er sah sich lachend im Kreise um.

„Run, und das wäre?" rief der unternehmungs­lustige Bertold von Ditford.

Henning zog den übermüthigm Halberstädter Ritter bei Seite und flüsterte mit ihm eine geraume Weile.

Der junge Ritter lachte.

„Topp, Herr Henning von Saldern, daS über­nehme ich!" rief er keck. „Habe ohnedies noch ein Hühnchen mit de« so spröden blonden Fräulein zu pflücken! Sie beleidigte mich dermalen durch krän­kende Nichtbeachtung. Freue mich soudermaßen auf den

dürfniß.

5) Mit Rücksicht darauf, daß die gesetzlichen Kranken-, In­validen- und Altersversicherungen der Arbeitnehmer meist unzu- reichend sind, wird die Gründung von freien Zuschußkassen, sei es innerhalb des Betriebes, feie» im Wege des genossenschaft­lichen Zusammentritts mehrerer Betriebe im Bereiche der Ge­meinde, des Kreises, des Regierungs-Bezirkes, der Provinz oder des ganzen Staates mit dauernder Unterstützung durch die Ar-

• Die Unverschämtheit de» »Kleinen Journals*, welche wir in Nr. 197 der .Fuldaer Zeitung' gekenn­zeichnet haben, wird in dem in Mülheim a. Rh. erscheinenden .Israelitische» Gemeindeblatt' entschieden verurthellt und von den Rockschößen des JudenthumS abgeschüttelt. DaS .Israelitische Gemeinde- blatt' schreibt: „Der jetzige Katholikentag in Köln hat in seinen Versammlungen wiederholt feine tolerante Gesinnung gegenüber Andersgläubigen kund gegeben.“ Es werden dann Stellen aus den Reden der Herren Dr. Ortetet und Frhr. v. Schotlemet-Alst cilitt, in denen die Duldung und Achtung bet Andersdenkenden als SewissenSpflicht der Katholiken betont wird. Dann fährt daS »Bemeindeblatt' fort: „Wir müsse» und könne» gern anerkenne», daß die in diesen Sätze» nieder- gelegte Gesinnung auch thatsSchlich dem Verhalten der großen Mehrzahl unserer katholischen Mitbürger entspricht. Daß solche duldsame Denkungsart bei unserer Glaubensgenossenschaft am Rhein dankbaren Boden findet, hat wieder die lebhafte Theilnahme der Kölner Juden an der Ausschmückung der Stadt zum schliche» Empfange deS Katholikentages gezeigt. Wir hoffe» und wollen alles thun, was an uns liegt, um dieses fried­liche Einvernehmen weiter zu erhalten. Vor allem wollen wir unS heute verwahren,daß man aus Schmäh- srtikeln wie daS Berliner »Kleine Journal' jetzt einen solchen gebracht hat, einen Rückschluß auf die Gesinnung unserer Glaubensgenosse» zieht. DaS Jude«- thum hat mit dem »Kleinen Journal' nichts zu thun; als Judeublätter dürfen nur solche Organe betrachtet werden, die die spezifischen Interessen des JudenthumS vertreten und nicht solche, deren Eigenthümer zufällig Juden sind. Für ein solches Organ wie daS »Kleine Journal' wollen wir Juden uns bestens bedanken. Dazu beruht der Artikel jenes Berliner Blattes auf einer anoerieus ctTOtDEru ,—a — . Verzerrung bet Thatfachen, wie sie nur aus der voll-

haften Bauernstandes, als auch eine geordnete Vertretung der | ständigen Unkenntlttß bet Verhältnisse IN katholische» ' Landwirthfchaft behufs Wahrnehmung der Interessen der gefamm- g Gegenden erklärt werben kann. Jeder, bet wie wir \ ten ackerbautreibenden Bevölkerung, insbesondere bezüglich der ; LI Nbeinlande unser» katholische« Mitbürgern Grurdverschuldung, des ländlichen Kreditwesens und eines der j • h;-r

Stammessftte entsprechenden Erbrechtes. Daher ist die Schaffung : nahe lebt, gewinnt einen ganz andern Viel freurrducheren

41. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

— ix. ______

r Die sozial-politischen Resolutionen.

MMe^sozial-politischen Fragen habe« auf bet Kölner General-Versammlung, ihrer wachsenben Bedeutung für unser öffentlicher Leben entsprechenb, eine ganz hervor­ragende Beachtung gefunden. Aus der Mitte des Lokal - Komitees hatte sich eine besondere sozial­politische Kommission gebildet, bestehend auS den Herren Weihbischos Dr. Schmitz, ApellationSgerichtS- rath a. D. Dr. A. ReichenSperger, Rechtsanwalt Jul. Bachem, Hauptredakteur Dr CardaunS, Justizrath Karl CustodiS, Pfarrer DitgeS, Rechtsanwalt Karl Efier, Kaplan Dr. Oberdörffer» Präses Schlick, Kaufmann Schmrtz-Balckenberg und Karl Trimborn. Bon dieser Kommission war der Entwarf einer Reihe von An­trägen betr. die z. Z. im Vordergründe stehenden Fragen ausgearbeitet und einer größeren Anzahl auf sozial - politifchem Gebiete vorzugsweise bewanderter Persönlichkeiten zur Prüfung und Formulirung etwaiger Abänderungs-Anträge schon vor der General-Versamm­lung unterbreitet worden. Während der General- Versammlung hatte dann ein engerer Ausschuß der Kommission in Verbindung mit den Herren Frhrn. Felix v. Los, Graf HoenSbroech und Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst einzelne Punkte des Kommission-Ent­wurfs nochmals durchberathen.

DaS Ergebniß dieser wiederholten Erörterungen blldete dann in der DienStagSsitzung des Ausschusses für soziale Fragen den Gegenstand einer ebenso eingehenden wie anregenden Diskussion, bei welcher der Entwurf mit einige« unbedeutende« Modifikationen in allen Punkten einstimmig oder nahezu einstimmig znr

Annahme gelangte. , , ,

«m Donnerstag Vormittag gelangte» bte am Dienstag festgestellten Anträge on bie geschlossene General-Bersammlung. Der Vorfitzende des sozialen Ausschusses, Herr Justizrath Müller (Koblenz) be- richtete über den Verlauf der Sektions-Sitzung und empfahl einmüthige Annahme der Anträge.

Der hoch«. Herr Weihbischof Dr. Schmitz gab dann anch seinerseits der Befriedigung über den Ver­lauf der sozial-politischen Berathunge» in warmen Worten Ausdruck. Ma» solle die verlesenen Resolutionen überall in den sozialen Vereinen anschlagen und auf dem Boden derselben praktisch arbeiten, dar sei die Hauptsache. Im Anschlüsse hieran betonte schließ- > lich der Reichs- und Laudtagr-Abgeordnete OberlaudeS- gerichtSrath Spahn bie Nothwenbigkeit, auf sozialem Gebiete bie einzelnen Frage« nnb Probleme zu studiren - unb zu klären, um so fruchtbare unb konkrete Ergebnisse ------- , r..

„itpTott einerseits, die äußerst bedrückte Lage der Landwirthschäft

zn trjieien. rt,fnrtntett anderseits erfordern sowohl Maßregeln zur Erhaltung eines seß-

Bei ber alsdann erfolgte« AvstiMMU >.g gelangten haftelj Bauernstandes, als auch eine geordnete Vertretung der

die vorgelegten Anträge einstimmig zur Annahme.

Dieselben haben folgenden Wortlaut:

Die 41. General-Versammlung der Katholiken Deut'chlands ftcUt — unbeschadet der Festsetzung eineS umfaffendern sozialen