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V 201 Dienstag, den 4. September 1894. 21. Jahrgang

FulirnerMZeitillig

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41. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

VII.

Außer dm schon besprochenen Veranstaltungen fand am DienStag-Morgm 91/, Uhr eine Generalversammlung der VolkSvereins für das katholische Deutschland

im großen Saale des Gürzenichs statt. Dieselbe war äußerst zahlreich besucht. Rechtsanwalt Trimborn eröffnet in Vertretung des ersten Vorsitzenden, Herrn Franz BraudtS (M -Gladbach), die Versammlung um 9% Uhr und schlägt vor, ocm Grafen Galen das Präsidium zu übertragen. Die Versammlung stimmt lebhaft zu. Graf Galen übernimmt mit Ausdrücken des.DankeS dar Präsidium und schlägt vor, dem ersten Vorsitzenden Brandts einen telegraphische« Gruß zu senden. (Zustimmung)

Rechtsanwalt Dr. Trimborn erstattete sodann den Jahresbericht über dar Jahr 1893. Die Mit­gliederzahl betrug 1893 147 545, gegen 1892 einen Zuwachs von 25,189 Mitgliedern. Heute zählt der Verein bereits 170,000 Mitglieder. (Bravo!) Die Zeitschrift deS Vereins ist verbreitet worden acht Mal in je 160,000 Exemplaren. ,Der rothe Quacksalber', der bereits in 220,000 Exemplaren verbreitet war, ist in weitere« 6O.OOO Ex mplaren aufgelegt worden, , der­gleichen ,Der Giftmischer', eine Warnung vor dem EchnapS. Ein Flugblatt ,WaS istö mit dem ZukunftS- staat' — die ReichStagSrede des Abgeordneten Dr. Karl Bachem — ist in 172 Millionen, ein Flug­blatt gegen die farblose Presse in 900,000 Exemplaren verbreitet worden. Die sozialpolitische Korrespondenz deS Vereins wird alle 14 Tage an 230 Zeitungen versandt. Seit dem Bestehen des Vereins find sieben Millionen Druckschriften von chm unter das Volk gebracht worden. Der „soziale Kursus" deS Vereins, der in Bamberg stattfandk zählte 870 Theilnehmec, der Kursus in Reiße 548. Eine sozialpolitische Bibliothek zählt bereit- 1200 Bücher. Eine besondere segensreiche Einrichtung find die BolkSbureaux. Die Zielpunkte deS Vereins, die verfolgt wmden, waren zunächst der Kampf gegen diefarblofePresfe, die eines charaktervollen Volke- unwürdig ist, e- gleichgültig macht gegen die Ideale. (Lebhafte Zustimmung.) Die Liebe zum Bateclande, zum treuen katholischen Volke möge da- Werk weiter trogen! (Lebhafter Beifall.) Generalsekretär Dr. Pieper erstattet sodann den Kaffenbericht, worauf den Revisoren Decharge ertheilt wird. Herr Bürgermeister a. D. Spieß (Schlettstadt) spricht die zuversichtliche Erwartung an-, daß der BolkSvereiu auch im Elsaß mehr und mehr Ausbreitung finken werde. (Lebhafte Zustimmung.) Der Vorstand wird durch Akklamation wiedergewählr.

Herr Pfarrer Grünewald aus MarkolSheim (Elsaß) spricht sodann über die soziale Bedeutung und Wirksamkeit der F a m i l i e. In der christlichen Familie finde man Alles, was die Gesellschaft heute brauche, um glücklich zu sein. Der Vater, der Träger der Autoritär, sei die Obrigkeit, die Mutter die Trägerin

der Opferwilligkeit und Liebe, die Kinder die Unter­gebenen, die Gehorsam lernen sollten. So sei die Familie die Grundlage der Gesellschaft, und wer dafür arbeite, daß die Familie ihrer Aufgabe gerecht werde, der arbeite praktisch der Sozialdemokratie entgegen. (Beifall.)

Abg. Dr. Lieber (mit stürmischem Jubel em­pfangen). Ich habe mir während der eben gehörten Rede gesagt, wenn die Gelehrten der absterbenden Liberalismus und die Größen des aufsteigenden Sozialismus Hard in Hand Sturm laufen gegen die christliche Familie, dann kann es für den katholischen Mann gar keinen Zeifel geben, was er am ersten zu thuu hat. Die erste Aufgabe deS BolkSveremS ist ja die Bekämpfung der Umsturzbestrebmigen im öffentlichen und privaten Leben. Redner schilderte dann die Ge­fahren der Sozialdemokratie und des Anarchismus und fährt dann fort: Durchaus Roth thut es, uns zu organifiren, um den Ansturm der Hunnen dieses Jahrhunderts auf Christenthum und Gottesglauben zu­rückzuschlagen. (Beifall.) Wo die Stimme deS Pfarrers und Missionar- nicht mehr gehört wird, muß der Laie, der Arbeiter, den Aposteln des Unglaubens entgegen­treten. (Bravo!) Alle Stände vnseres Volke- müssen zusammenstehen — gegenüber der Aussaat deS Hasses der Zusammenschluß der Liebe! (Bravo!) Wir wollen durch unseren katholische« Volk-Verein unsere« nichtkatholischm Brüder« em Beispiel, eine dringende Aufforderung geben, nur zu folgen, um getrennt marschirevd vereint zu schlagen. (Bravo!) Wir wollen unS drängen lassen von der Liebe zum Volk, zum Baterlande, zu unserer Kirche, zu der ganzen Mensch­heit, und sollen herauSgeheu aus Köln mit dem fest« Vorsatz: wenn wir wieder einmal zu einer Generalver­sammlung zusammenkommen, unter 1,700,000 darf e- nicht sein I (Stürmischer anhaltender Beifall.) Der Vorsitzende Graf Galen erinnerte in seinem Schluß­wort daran, daß Windthorst die Rothwendigkeit der Mobilmachung der katholischen Volker zum Kampfe zwischen Christenthum und Atheismus so dringlich be­tont habe. Zu diesem Kampfe gehöre auch, daß jeder Katholik bekenne, daß er Katholik fei. Auf der Bier­bank, oder wo auch immer der katholische Glaube ober eine katholische Institution angegriffen werde, soll man sofort diese» Angriffen entzegentreten. (Lebhafte Zustimmung.) In jedem WirthShanse, jedem Hotel solleman nach katholischen Zeitungen fragen. (Bravo!) Der Kampf, der uns bevorstehe, erschrecke unS nicht, sondern rufe gerade unfern Ent­husiasmus wach. In der Hoffnung, daß auch diese schöne herrliche Versammlung den Muth neu belebt habe, schließe er die Versammlung mit dem christ- katholischen Gruße. (Lebh Beifall.) Schluß 11% Uhr.

Der Afrika-Bereiu deutscher Katholiken hielt am Montag Nachmittag gelegentlich deS Katho­likentages im Lnifen-Saale eine sehr zahlreich besuchte Versammlung ab. Herr Landgerichtsdirektor Reichens- p er ge r sprach in der Eröffnungsrede seinen Dank aus für die überraschend große Theilnahme. Redner ver­zichtet daranf, einen üeberblick über das vom Afrika-

Das goldene Dach zu Hildesheim.

Historische Erzählung von Antonie Haupt.

(7. Fortsetzung.)

Friedlich und st;ll in schwarzer Finsterviß lagen die Straßen Braunschweig-.

Die Stände hatten dem Herzoge von der unge­rechten KriegSfahrt abzerathe». Keiner der Bürger wollte noch daran glauben, daß MagnnS gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Unterthaneu einen Zug wider Hildesheim unternehmen werde. Sämmtliche Ein­wohner schienen zu ruhen.

Rur in der Burg Dankwarderode ging es noch lärmend und lustig zu. Alle Fenster derselben warm hell erleuchtet. Ma» vernahm die Töne von Flöten, Hörnern, Trompetm und Pauken. Draußen auf dem weite« Plane yerbreitetm mächtige Pechkränze flackern­des rotheS Licht über die ölte Burg, dem byzantinischen von Heinrich dem Löwen erbauten Dom; sk beleuch­teten auch mit phantastischem Schein dm von dem­selben großen Welfmherzog errichteten, vor der Burg aus hohem Stein sich erhebendm ehernen Löwm, so daß eS de« Anschein hatte, als lebe dieser und als wolle er mit geöffnetem Rachen zum Kampfe empor» springen.

Die herzoglichen Dienstmannen kamen eilig herbei, um deS Grafen Roß in Obhut zu nehmen. Der Haus­meister geleitete den ebm Angekommenen zu der hohm, mit Hirschgeweihen, Auerochsenhörnern und mancherlei kriegerische« Siegeszeichen geschmückten Bankethalle, wo Herzog MagnuS vnd ein großer Kreis fürstlicher und gräflicher Herren sich an Musik und Würfelspiel bei Meth und Wein ergötztm.

Der Eintritt de- Pilgers, welcher sofort nach Ab» werfm des HuteS und Mantels sich in einen jugend- schönen Mann von Eisen nnd Stahl verwandelte, machte jeder Unterhaltvng ein Ende. Der Herzog selber fäCte ein mächtige- silbernes Trinkgefäß mit Wein nnd bot eS dem Ritter dar.

„Wohl bekomm'S!" sagte er dabei lächcknd.

Graf Buffo von Mansfeld verneigte sich nnd trank den Becher mit einem kräftigen Zuge leer.

Die Mehrzahl der Ritter war aufgesprungm und biäigte sich stürmisch um den Srafm.

„So redet doch, Buss,! WaS habt Ihr erkundet? W e schaut eS aus in der BischofSstadt? We ß man dort von unserem kriegeri'chen Vorhaben? Rüstet man sich, um nuS entgegenzutreten?"

Der junge Mann gebot mit abwehrender Hand» bew-gung den ungestümen Fragern Ruhe.

Verein bereits Geleistete und seine noch ungelösten Aufgaben zu geben, um den noch viel ausdrucksvoller« Berichten der Missionäre nicht vorzugreifen. Er spreche vorweg schon dm anwesenden Missionären dm herz­lichsten Dank auS. P. Krämer von der Genossen­schaft vom hl. Geist, Direktor deS ScholastikatS in Langonnet, erinnert zunächst an die zwanzigjährige Verbannung seines Ordens auS Deutschland. Bis heute find eine größere Anzahl Vikariate, Präfekturen und sonstige MisstonSbezirke, in denen 5 Bischöfe und 200 Priester wirken, eingerichtet wordm. Auch die beidm afrikanischen Fraum -'Kongregationen sind mit großem Eifer und Erfolg thätig. Die Mission in Deutsch» Ostafrika befindet sich in einem erfreuliche« Zustande. Besonders verdime der Afrika • Verein größten Dank. P. SonuS von der Gesellschaft der Weißen Väter, jetzt Oberer in Marienthal, dankte für die vom Afrika- Verein de« Misstonen seiner Gmossenschaft geleistete Hülfe. Die Missionen der Gesellschaft, 1878 gegründet, bestehen anS drei Vikariaten. Im Ryanza-Gebiet wir- ken zehn Missionäre; zwölf find auf dem Wege, ihnen Hilfe zu bringen. Redner fordert zum Schluß auf, dem Afrika-Verein zahlreich beizntreten. (Lebhafter Beifall.) P. Walter von der Genossenschaft der Pallatiner erinnert an daS Wort Windthorst'S in Freiburg i. Br.: Wer nicht dem Afrika-Verein beitrete, verleugne seine nationale, ja seine katholische Gesinnung. Redner bittet besonder- de« KlernS, da- Jntereffe für de« Afrika . Verein zu erwecke«. (Lebhafter Beifall. Händeklatschen.) Seneralsnperior P. Jansen auS Stkyl sprach über die Missionen im Togogebiet, dankt dem Afrikaverein für die den MisfiouSvereinignngm gewährte Hilfe nnd wmdet sich an dm Opfersinn der dmtschm Katholiken. Prinz Arenberg sprach sich darüber an-, wie im Dmtschm Reichstag bei Be» rathung der Kolonial« Etats die Erörterung über die MisstonSthätigkeit sich gestaltete. Wir selbst können nicht an der Mission theilaehrnen; aber wir begleitm die Missionäre mit den besten Wünschen und mit unserer Hilfe, jeder nach seiner Krafts Wir müffm einstehe« für die Freiheit der Missionen. Präsident Reichensperger: Wir werden unseren Stolz, unsere Ehre, unsere Freude darin sehen, dm Missionen zu dienen. (Lebhaftes Bravo!) Mit einem Appell an die Theilnahme der Katholikm für die Missionen schließt der Vorsitzende die Versammlung.

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Geueral-Bersammluug der Präsides der Ber- einiguuge« für die christliche Jugend.

Domkapitular Belten eröffnete am Dienstag« Morgen 10 Uhr die zahlreich besuchte Versammlung im St. Josef-Asyle der jugendliche« Arbeiter. Er bemerkt, daß mau die Frage, ob Congregation oder Verein, lediglich nach den lokalm Verhältnissen beantwortm müsse. Kaplan Meyers-Rippe- ist für Vereine und spricht den Wunsch nach einem gemeinsamen Namen aller der arbeitenden Jugend dimende« Bereinigungm anS. Herr Stadtpfarrer Erk-Würzburg empfiehlt, alle verschiedmm BerufSarten in den Jünglings- vereinen möglichst zu kennen. ES gelaugt folgende Resolution zur Annahme: „In Anbetracht, daß die

„Laßt mich zu Athem kommen, ehe ich berichte", rief Gras Buffo lachend. Da endlich aller still war, hob er an:

„Unsere kriegerische Abficht hat der von Dinklar, dem Bösm allein ist eS bekannt auf welche Weise, herauSgeschnüffelt und sie dem Bischöfe und seiner Stadt verrathen. Darob herrschte zunächst gewaltiger Schrecken in dem guten Hildesheim. Nach der Zusprache des übermüHigm Bischof- jedoch fangen die biederen Bürger wahrhaftig an, sich zu rüsten. Wie sie daS «achm, könnt Ihr Euch dmkm." Er lachte. „Heu­gabel, Dreschflegel und Brodmeffer spielen dabei die größtm Rolle«. Der Bischof selber aber und die Frone« —" deS Berichterstatters Züge vurdm ernst, ohne daß er selbst eS wollte — „die liegen knieend in inbrünstigem Gebete vor den Altäre« des Domes, nm Gottes Hilfe gegen nuS zu erflchm."

Einige der Herren lachten laut; sie wurdm jedoch stille, als sie wahrnahmen, daß die meisten Ritter ernst­haft vor sich hinfchanten.

Da trat rasch ein greifet Held, Gras Gebhard von Man-feld, der kriegLtüchtige Vater deS Kundschafters, vor dm Herzog und sprach die denkwürdigen Worte:

„Ist dem also, nun, so ist der Bischof besser ge­rüstet alS wir und wir werden sicher mit dem Kriege