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;V 200 Sonntag, den 2. September 1894. 21. Jahrgang

FulimerMZeitniig

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W* Hierzu eine Beilage.

41. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands.

v.

Köln, 29. Aug.

Bon den Veranstaltungen des gestrigen Abends ist «och in erster Linie zu erwähnen der imposante Fackel- zug zu Ehren dek Fürsten Löwenstein und drS Prä« sidiumS deS Katholikentages. Der Zug, welcher von 6 MufikkorpS begleitet war, sammelte sich auf dem Nea« markte und zog zwischen 9 und 10 Uhr durch die fest­lich geschmückten und vielfach illumiutlten Straßen der innere« Stadt und war gebildet von den katholischen Vereinen Kölns. Bor dem Biktoriahotel, wo Fürst Löwenstein und das Präsidium den Fackelzug ent« gegeunahm, wurde ein reiches Feuerwerk abgebrannt. Der Fackelzug verlief in schönster Ordnung, obwohl auf beiden Seiten der Straße eine vieltausendköpfige Menge aus allen Ständen sich aufgestellt hatte und obschon von Polizei nichts zu sehen war. Nur vier Schutzleute schritten dem Zuge vorauf, um den Fackel­trägern freie Bahn zu schaffen.

Ja Verbindung mit dem Fockelzuge feierte am Dienstag Abend der Katholische Volksverein ‘ von Köln Irin 27. Stiftungsfest, welchem außer dem Kommissar, Fürsten Löwenstein, auch der Präsident Dr. Orterer, sowie zahlreiche angesehene Mitglieder der Katholtkenversammlung beiwohnten. In der Bürger­gesellschaft sanden nach deS Tages Arbeit die Mit­glieder der Katholikenversammlung eine Festverfamm- lung, welche Bielen unerwartet einen sehr vergnügten Abend bereitete. Auch die Fefifeirr deS Vereins für jugendliche Arbeiter vom Dienstag Abend ist «och zu erwähne«.

Heute (Mittwoch) Morgen begann nach dem feier­lichen Requiem in der herrlichen Kirche St. Maria , im Kapitol wieder die Arbeit. Um 9 Uhr fanden die , Ausschußsitzungen statt; um 91/, Uhr hielt der St. | Raphaelsverein zum Schutze katholischer Arbeiter : seine Generalversammlung ab, und um 11 Uhr begann ' die dritte geschlossene General-Versammlung. Auf derselben wurde zunächst als Ort der nächstjährigen Katholiken-Versammlung auf Antrag dkS Grafen Kon- • tob Preysing unter lebhaften BeifallSbezeugnngen ■ München gewählt. Herr Rentner Wolff in Dort- ' mund regte an, für 1896 Dortmund in Aussicht zu ' nehmen. Auch düse Anregung wurde beifällig ausge­nommen. Außerordentlich begeisterte Zustimmung fand der vom Abgeordneten Dr. LingenS begründete Antrag, den Vertretern deS ungarischen Parlaments welche die Cwilrhe-Borlage bekämst und dagegen ge­stimmt haben, zu Händen ihrerS Führers Grafen Zichy eine Zustimmungs-Adresse zu senden. Weiter! wurde unter lebhafter Beaeisterung eine Resolution deS ' Freiherrn v. Heereman Namens des Ausschusses für christliche Kunst angenommen, welche die Errichtung eines EhrendeskmalS im Kölner Dom für den; «nvergeßl chen Vorkämpfer der katholischen Kirche, de» ; hochseligen Bekmrrerbischof ClemenSAugust, in Form eines Ehren-Epitaphiums, oder eioeS BotivaltarS oder eines gemalte« DomfensterS ewpfichlt. Schließlich wurde noch auf Befürwortung des Herrn Rochus vonRochow eine R solatton angenommen, welche die Restaurirung der deutschen Nationalkapelle in Lor et to und eine Wallfahrt nach Loretto und Rom im Mai nächsten Jahres empfiehlt. Im Uebrigen beschäftigte sich die Versammlung mit Vorschlägen zur Berbeflerung der Geschäftsordnung.

Mittags war dar Präsidium der Generalversamm­lung mit dem Fürsten Löwenstein und einigen anderen hervorragenden Gästen von Sr. Eminenz Kardinal- Erzbischof Kremeutz zur Tafel geladen.

Nachmiltatzs 31/2 Uhr fand 'm Dom eine erhebende und prächtige Feier statt: die Verehrung der hl. Re­liquien. Abgesehen von dem Dreikönigenschrein, wel­cher hinter der Kommunionbank aufgestellt war, wurden die hl. Rel quieu in feierlicher Proze siou umheraetra- gen. Wohl Uber 50 prächtige Fahnen befanden sich in dem ProzesfionSzuge, an dem hervorragende Peisön« lichkeitrn mst brennenden Kerzen sich beteiligten. Auch Se. Eminenz Kardinal Erzbischof Kremeutz nahm mit den beiden Weihbifchöfen nn der Prozession Theil. Der Dom war dicht gefüllt. — Um 5 Uhr begann die

dritte öffentliche Generalversammlung.

Als erster Redner betrat Herr Graf Stolberg- Westheim die Rednertribüne, von lebhaftem Beifall begrüßt. Seine Rede galt dem Bonifatius verein. Er wies darauf hm, wie durch die Entwickelung nomrot« lich auf dem Gebiete der Industrie zahlreiche Katho­liken über ganz Deutschland zerstreut würden; da ge­biete es christliche Pflicht und Klugheit, die Katholiken ihrem Glauben zu erhalten, sie in ihren kirchlichen Be­dürfnissen zu unterstützen, weil sie sonst verloren gehen würden. Das sei der Zweck deS BonifatiuSvereinS. Allerdings habe derselbe jetzt eine Jahreseinnahme von V/e Millionen M., es sei aber gegenüber den wirklichen Bedürfnissen diese Summe durchaus nicht ausreichend. So sei die den großen Städten Berlin, Hamburg usw. gewährte Unterstützung nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Redner ging auf die Verhältnisse in diesen Städten näher ein, ebenso auf dte Verhältnisse in der übrigen Diaspora. Die Missionare in der Diaspora erfüllten freilich vollauf die Pflichten ihre« schweren Amtes, dafür müsse ihnen offen Dank ausge­sprochen werden; Pflicht, heilige Pflicht aller Katho­liken sei es, dieselben zu unterstützen. Auch in Bayern ließen die Verhältnisse in der Diaspora sehr viel zu wünschen übrig; jedes Jahr müsse vom Bonifatius« verein mehr für Bayern gegeben werden. „Mögen unsere Bischöfe dem Bonifatiurverein ihren Segen und rhre Unterstützung zuwenden, mögen auch die Geistlichen am Altäre und auf der Kanzel des BouifatiurveremS gedenken, mögen alle Katholiken sich des BomfatiuS- vereinS annehmen und auch ihre Kinder für den Boni« fatiusverein zu interessireu suchen; Mögen die Missionare ihres schwere« Amtes weiter mit Eifer und AnSdauer walten und «nS ihre Roth klagen, damit wir so weit es geht, ihnen helfen können!* (Lebhaftes anhattendeS Bravo.)

Sodann sprach Herr Vikar Kocheyer-Münster über die fachgenoffeufchastliche Organisation der Ar­beiter. Die Katholiken müßten mit aller Entschieden­heit die Organisation in die Hand nehmen, wie daS in Frankreich Graf de Mun und in Belgien der Bischof Doutrelovx ebenfalls gethan hätten. Freilich seien von katholischer Seite bereits Gesellen-Bereme und Arbeiter- Vereine gegründet worden, aber eS seien inzwischen von be i Feinden fachgenossenschaftliche Organisationen geschaffen worden, und vom Feinde müsse man lernen, seinen Minen Gegenminen gegenüberstellen. Die Ka­tholiken seien in Bezug auf F.chorganisationen der Arbeiter noch zurück, nicht nur im „finsteren* Münster, sondern auch in dem goldenen aber ebenso „finsteren* Rheinland. Redner wieS dann auf die Hirsch-Duncker« scheu Gewerkvereine und auf die sozialdemokratischen Gewerkschaften hin. Zwar g-höre nur ein Theil der deutschen Arbeiter diesen beiden Organisationen an, aber die Mitglieder derselben seien eifrige Pioniere der Gewerkschaften, und zugleich beschimpften sie die katho­lische Religion, namentlich die katholischen Geistlichen als Lohnsklaven deS Kapitalismus. Sehe ich so auS? fragte Redner unter stürmischer Heiterkeit. WaS hat hie Frage Lohnerhöhung mit der Religion zu thun? Die Kopitaliro w ff en die Geistlichen bester zu ver« werthen, indem sie dieselben in bte Hände der Armen und Bedürftigen legen. WaS eine gute Organisation vermag sehen wir in den Erfolgen der Sozialdemokratie bei den Gewe begerichtSwahlen. Im Kampf gegen die Sozialdemokratie müssen wir auch eine christliche fach« genossenschaftliche Organisation einrichten, müssen wieder mehr Fühlung gewinnen mit den braven Arbeitern, müssen die Arbeitgeber deren eS ja noch gute katholische gibt, für die Arbeiter zu gewinnen suchen. „Wir alle wollen wirken für die Arbeiter, wollen Samariterdienste verrichten und Balsam in die Wunden träufeln. Gott segne die christliche Arbeit, Gott segne daS ehrbare Handwerk!* (Langanhaltender stürmischer Beifall folgte den begeisterten und begeisternden Aussührungen diese- Redners )

Als dritter Rdner betrat, lebhaft begrüßt, der Abg. Prinz Ar enber g die Tribüne Er sprach über die Thätigkeit der Missionen in Ostafrika: Die Colonia!Politik nuferer Zeit steht ,m irnigsten Zu­sammenhänge mit dem MisfionSwesen und der Missions« thätigkeit. ES ist daher wohl angebracht, daß sich nicht nur die Reichstagsabgeordneten, soiüecn auch die Katholikinversammlungen mit der ersteren beschäftigen. Die H.idenuussion ist eine göttliche Mission, und eS ist daher die Pflicht aller Katholiken, diese zu unter­stützen und ihre Unterstützung auch matecieQ zu be«

, thätigen. Jede MisfionSthätigkeit hat eine politische \ Seite, und die Missionäre müssen eine Unterstützung i durch die Regierungen der civilisirten Staaten ge« ‘ meßen. Mau hat dem Crotrum den ungerechtfertigtro I Borwurf gemacht, man wolle durch Inanspruchnahme von Reichsmitteln für die Missionen nur katholische Propaganda treiben. Es ist dieser Vorwurf schon deshalb ungerechtfertigt, weil lange vor der Thätig« leit des Reiches in den afrikanischen Colonien dort eine katholische MissionSthätigkeit entfaltet wurde. SS ist bei dem Erschließen von Kolonien nicht nur i«S Ange zu faffen, neue Absatzgebiete für unser Vaterland zu schaffen, sondern eS ist auch Mroschropflicht, die bort wohnenden Völker dem Chriftenthum zuzuführen, und hinter dieser Mroschropflicht müssen alle materielle« Interessen zurückstehen. Unser unvergeßliche Windthorst hat sich zuerst so geäußert und viele andere CentrumS« abgeordnete mit und nach ihm ebenso. — Unser nächstes Ziel ist, für die MissionSordro nicht nur die unge­hinderte Thätigkeit in de« Missionen zu erreichro, sondern für dieselben auch die Gestattung von Rieder- lassuvgen in Deutschland zur Ausbildung von Missio­naren zu erziele«. Alle Orde«, auch die Jesuiten, dürfen seit dem Jahre 1891 in den Kolonien frei wirke«. Erreicht ist weiterhin, daß einer Anzahl von MissionSordro Niederlassungen in Deutschland gestattet sind. — Man hat erkannt, daß eine ColonisationS- orbeit in unseren Schutzgebieten in Afrika nicht möglich ist, ohne die Missionare, und deshalb hat auch der BundeSrath erklärt, auf die Mitarbett der MisstouS- orden nicht verzichten zu könne« und zu wolle«. Die Unterstützung unserer Missionare ist eine heilige Pflicht und jeder der dazu im Stande ist, muß sie erfüllen. — Die GrurdbasiS der Missionirung Afrikas bildet für uns Katholiken die Thätigkeit deS Afrikavereins und diesem müssen alle, wer eS nur irgend kann, an­gehören. (Lebhafter Beifall).

Präsident Dr. Orterer verlas sodann eine Dank« depesche Sr. Eminenz deS Kardinals Paulus MelcherS aus Rom: Ein langes Beifallklatschen gab der Freude über diese« Dank seiner Eminenz Ausdruck.

Letzter Redner des heutigen Abend- war der Abg. Professor Dr. Schädler, welcher die Schulfrage als Thema seiner Rede auSgewählt hatte. Wie man der Mission im dunkle« Erbt heil und der Mission in der Diaspora bedürfe, so sei auch eine Mission noth- wendig, selbst in katholischen Ländern, die Mission der Glaubens, der Kamps um die christliche Schule, der Kampf des Kreuzes gegen Kelle und Winkelmaß. Diese herrliche Generalversammlung dürfe nicht vvrübergehro, ohne daß der Ruf erhoben werde: unsere Schule «mß wieder zurück auf ba8 christlich - positive Element! „Rückschritt,* Reaktion,* „GeisteSknechtschaft,* „finsterer Mittelalter,* werde man sagen, sei auch in Köln wieder g« predigt worden, und alle seien einig gewesen. Aber seien nicht alle Gegner der Katholiken auch einig? Der Kampf um die Schule sei ein Kampf um die Existenz; das Kind und sein Heiligster und Höchster: sein Glaube, dürfe nicht den Feinden der Glaubers ouigeliefert werden. Haben wir die Jugend, so haben wir die Zukunft! Auch die Sozialdemokratte, die in Bezug anf ihren Zukunftsstaat noch in der Mauserung sich befinde, habe durch Liebknecht erklären laffro, die Schule müsse gegen die Kirche mobilifirt werden, der Schul­meister gegen den Pfaffen; dann werde die Schule die Religion überwinden. Aber dächten nicht auch Uni* versitättProfessoren ebenso? Wolle man sich noch wun­dern, daß alle Autorität schwinde? „Ein Darton er­klärte, dar Kind gehört zuerst der Republik und dann den Eltern, und diese Worte wurde« gerufen, als das Haupt eines Königs und einer Königin in den Sand rollte. ES wäre gut, wenn die Staatsschul - Mono­polesten deeS in ihr Album schrieben, nur wenn die Regierungen eS lesen würden. Den Eltern gehören die Kinder und sie haben vor Gott Rechenschaft darüber abzugeben, was der Staat alS Abstraktum gar nicht kann. Die Schule ist nicht selbf ständig und Selbstzweck, sie soll nur al# Gehi fiu der Famrlre zur Seite stehe«, und darum muß sie auch vom Geiste der Fam>l,e beseelt sein. Was dem Kinde von Gott gegeben ift, tat keine Macht der Welt das Recht, ihm zu rauben, und deshalb haben die Eltern dar natürliche Recht, daS katholische Kiud in katholisch-n Schulen und im katho­lischen Geiste zu erziehen. DaS Nämliche vertenge ich für die gläubigen Protestanten und für die gläubige« Israeliten. ES genügt nicht, daß in den Schulen Religion als Fachgegenstand gelehrt wird, die Religio«